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 > „Filme ziehen hat Freude bereitet“

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ACTA und Urheberrechte

„Filme ziehen hat Freude bereitet“

Interview mit Christoph Meinel 16. Februar 2012
picture alliance
ACTA, Demonstration, Guy-Fawkes-Maske, Internetaktivist
Anti-ACTA-Protest ist wie Wild-West: Demonstrant in Rumänien mit Guy-Fawkes-Maske

Ungeachtet der Proteste gegen ACTA fordert der Direktor des Hasso-Plattner-Instituts, Christoph Meinel, Regeln und Gesetze im Internet. Der Informatiker spricht im CICERO-ONLINE-Interview über Urheberrechtsschutz, die Macht von Internetprovidern, das Web 3.0 und die Vergütung von Professoren

Seite 1 von 3

Herr Meinel, gegen das Urheberrechtsabkommen ACTA sind bereits Zehntausende auf die Straße gegangen. Die Gegner fürchten dadurch das Ende des Internets. Was ist dran an den Ängsten?
Ich vergleiche die Entwicklung des Internets gern mit der Eroberung des Wilden Westens in den USA. Da haben sich Menschen mit Unternehmungslust, Mut und Erfindergeist auf den Weg gemacht, neue Territorien und unbesiedeltes Land zu entdecken, und das mit großem Erfolg. Nun haben aber  die ersten Siedler, die sich bereits niedergelassen haben und über einige Ortskenntnis verfügen, kein sonderliches Interesse daran, dass sich noch weitere Siedler einrichten. Sie verteidigen wie Cowboys die noch ungeregelte Freiheit – und das nach unserem Verständnis undemokratische Recht des Stärken.

In Bezug auf ACTA heißt das Cowboytum…
…das darf man eigentlich nicht laut sagen, aber es hat ja ganz vielen Leuten eine Freude bereitet, Filme aus dem Netz zu ziehen und dafür nichts zu bezahlen. ACTA ist seit 2006 verhandelt worden. Warum jetzt das Videofilmchen auf Youtube, warum so ein Entrüstungssturm? Dass mit ACTA  alles falsch  sein soll, ist nicht einzusehen.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Internetprovider für mögliche Straftaten der Nutzer in Haftung genommen werden – und damit letztlich jeder überwacht werden soll.
Das Grummeln kommt woanders her. Wenn wir uns beispielsweise an den Streit um die Netzsperren erinnern, da lautete ein Argument: Sie bringen nichts, weil der, der Bescheid weiß, sie umgehen kann. Das wurde damals relativ unwidersprochen von den Medien übernommen. Übertragen auf unser physikalisches Leben hieße das, ein Zaun um einen Garten ist sinnlos, weil er leicht zu überwinden ist. Das ist aber kein Argument gegen einen Zaun. Er zeigt an, hier fängt das Privatgrundstück an, betreten zunächst nicht erlaubt.

Was hat das mit den Internetprovidern zu tun?
In der digitalen Welt ist der Provider so etwas wie der Energielieferant oder der Steuerberater. Die sehen beispielsweise genau, wann Sie auf der Toilette sind, weil Sie dann mehr Energie im Bad verbrauchen oder Sie Ihr Geld ausgeben.

Also technisch ist eine solche Kontrolle möglich?
Ja. Das wird in der öffentlichen Diskussion oft nicht verstanden. Im Internet sieht Sie Google, immer nur, wenn Sie bei Google sind. Aber Google sieht nichts, wenn Sie bei Amazon sind. Ihr Internetprovider dagegen sieht Sie immer, egal, ob Sie bei Google oder bei Amazon sind. Er sieht alles.

Nach ACTA soll der Provider nun jede einzelne illegale Aktivität melden oder ahnden.
Genau, denn er ist der einzige, der das technisch überhaupt kann. Nun sagt der Provider aber auch zu Recht: „Ich stelle nur die Internetverbindung her. Ich kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, was die Leute damit anstellen.“ Jetzt ist die große Frage: Wie kann das geregelt werden?

Und?
Wenn wir weiterhin Filme sehen und Musik hören wollen, müssen die Filmemacher und Musiker Geld für ihre Arbeit erhalten. Wenn die Leute keine CDs mehr kaufen und nicht mehr ins Kino gehen, sondern ihre Ware übers Internet abrufen, dann muss über Alternativen nachgedacht werden, wie das bezahlt wird. Bislang ist da noch keiner mit einer guten Idee gekommen.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, ob es Alternativen zu ACTA gibt

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Das ACTA-Abkommen kann genausogut ...

zum Providersterben führen. Es wird immer anonyme Möglichkeiten geben im Internet zu surfen. Wer will Möglichkeiten der anonymisierten Einwahl weltweit verbieten? Wer unbedingt illegal Content laden will, wird Möglichkeiten finden. Das Problem ist nur, das Datenschutz, Meinungsfreiheit und bezahlbare legale Zugangsmöglichkeiten auf der Strecke bleiben. Die Kontrolle wird enorme Kosten verursachen, welche die Internetuser tragen müssten. Damit wird das Internet auch für die Werbung uninteressanter, was wiederum die Finanzierung vieler Plattformen un Frage stellt, die mit illegalen Downloads absolut nichts zu tun haben. Außederm gib es da noch das verfassungsrechtliche Problem, das staatliche Kontrollaufgaben an private Firmen vergeben werden. Warum nicht Geschwindigkeitsübertretungen durch Autohersteller kontrollieren lassen?

  • Antworten
Christoph Kuhlmann16.02.2012 | 14:08 Uhr

Wie bitte?

Auf der ersten Seite ist mir gleich mehrfach fast die Hutschnur geplatzt, und zwar derart, dass ich mich fragte, ob sie Herrn Meinel falsch zitieren oder sich sein Lehrstuhl damit beschäftigt, ob es das Internet überhaupt gibt.
Ich weiß schlicht nicht, wo ich anfangen soll mit meiner Erwiderung und stelle daher einfach ungeordnet drei Aspekte in den Raum, die hier entweder einfach nicht beachtet, falsch dargestellt wurden oder einfach nicht sein dürfen könnten.

1. Wenn es so unbedingt erforderlich sein soll, z.B. Labels auch im Internet am Leben zu erhalten, wo jeder aber Künstler die Mittel zu seiner Vermarktung selbst in die Hand bekommt, damit eben diese auch weiterhin Musik machen können, dürfte es Portale wie www.jamendo.de nicht geben und Youtube würde nicht von Labels und Künstlern selbst gefüttert.

2. Das Beispiel des iTunes Store halte ich für ein Argument dafür, dass Menschen auch im Internet freiwillig für Dinge bezahlen, nicht dagegen. In die selbe Kerbe schlägt, dass Nutzer sogar für illegale Dienste wie kino.to zahlen, wenn der Dienst nur eine gewisse Qualität bietet, hier gibt es aber schlicht noch kein einigermaßen akzeptables Angeobt der Industrie.

3. Den Vergleich mit der Amerikabesiedelung und dem Gartenzaun halte ich für einer näheren Betrachtung völlig unwürdig.
Das Internet oder auch illegale Inhalte darin sind nun mal einfach kein Privatgrundstück, und auch keins, vor dessen unwissentlichem Betreten man den Bürger schützen müsste. Auch ist das Internet überhaupt nicht wie ein Grundstück. Der Vergleich hinkt und schafft es nicht einmal in die Vorrunde der Paralympics.

Man könnte den Vergleich mit dem Gründerväteramerika auch auch so ziehen:
Als eine gewisse wirtschaftliche Macht von der Englands größter Kolonie ausging befanden die dortigen Siedler, dass man sie nun ernst nehmen müsste und nicht weiter über ihre Köpfe hinweg entscheiden dürfe. Die Geschäftsschablonen, die der Kolonialsherr dem Land in Übersee aufdrücken wollte, waren ausschließlich zu seinem eigenen Vorteil und behinderten das Leben dort mannigfach, so dass es schließlich zu einer, in der heutigen historischen Bewertung durchaus positiv betrachteten, Erklärung der Unabhängigkeit und einer gewaltsamen Loslösung vom Königreich kam.
Wie wäre es denn, wenn uns dies mit dem Internet bevorstünde?
Eine Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace gibt es schon länger.

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/1/1028/1.html

  • Antworten
Haarbob16.02.2012 | 15:44 Uhr

...

Mir schwebte da immer eine Pauschale vor;
10,- pro Person und Monat, europaweit. Damit sollte dann weißgott genug Geld zusammenkommen, um auch wirklich jedem seinen Teil zukommen zu lassen. Ehrlich gesagt will mir ACTA wie eine unheilige Vereinigung von Politik und Lobby erscheinen. Die Lobby will soviel Geld wie irgendwie möglich aus den Menschen rausholen und die Politik freut sich auch, hat sie doch endlich ein Hintertürchen zur Vollüberwachung. Es hat schon seine Gründe, warum Giorgio Agamben den Ausnahmezustand als das Paradigma modernen Regierens bezeichnet. Keinen Zentimeter Boden nachgeben! Wir würden es einst bitter bereuen.

  • Antworten
Julien Groß17.02.2012 | 13:21 Uhr

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