Ihre Frage verlangt nach der Erfindung eines letzten Tages. Ich muss neugierig sein, wie immer. Planen? Warum? Wie bei jeder Erfindung hängt das Suchen und Finden doch ganz unmittelbar mit einer Navigation zusammen. Um an ein Ziel zu kommen, muss ich navigieren. Diese Navigation besteht hier allerdings zwischen meiner Seele und meinem Schöpfer, Gott. Wo soll ich denn die Intuition und Freude sonst herbekommen?
Meine Erfindungen waren vorwiegend Befestigungselemente, also konkret und bodenständig. Das Jenseits, die Existenz Gottes ist unsicher, nichts ist fest, alles ist offen. Gegen diese Unsicherheit gibt es keine Erfindung, sie müsste sehr konkret sein. Es gibt aber eine Lösung, und das ist der Glaube.
Auch am letzten Tage würde ich es als Protestant umso mehr mit dem Priester Giovanni Don Bosco halten: ?Sei fröhlich, tue Gutes und lass die Spatzen pfeifen.? Das ist beruhigend. Ich gebe, was ich habe, tue, was ich kann, und dann: Kannst dich fallen lassen, Artur. Das ist es also, so zu leben, dass man am Ende die Spatzen pfeifen lassen kann. Ganz offen: Ich schaffe es nicht immer, aber ich versuche es! Schließlich ist das Leben ein Experiment: Versuch und Irrtum sind dabei.
Mein letzter Tag beginnt mit einem Frühstück, und das ist ein Müsli. Dabei denke ich nicht sehr viel. Ich lasse mir viel Zeit, weil ich dann in aller Ruhe den Tag angehen kann, vielleicht auch mit einer neuen Idee. Diesen Weg zu beschreiten, hat aber nur einen Sinn, wenn durch innovatives Denken ein Dienst an der Menschheit verbunden ist. Eine Hutabnehme-Maschine, wie sie zum Beispiel beim Deutschen Patentamt angemeldet wurde, ist zwar eine kuriose, aber keine für den Menschen nützliche Erfindung.
Ich weiß nicht, ob ich am letzten Tag Sinn für Humor hätte. Aber ich würde vielleicht einen wirklichen Freund anrufen und ihm gerne ein Zitat mit auf den Weg geben: ?Wer da fährt nach hohem Ziel, lern? am Steuer ruhig sitzen, unbekümmert ob am Kiel, Lob und Tadel hoch aufspritzen.? Ich hatte ein erfülltes Leben, das ist für alle Menschen ein Glück, nicht nur für mich. Und das wünsche ich auch den ärmsten Menschen auf unserer von Egoismus geprägten kalten Welt.
Tagsüber sitze ich in unserem Garten zwischen wunderbaren Blumen, warte auf das Ende und träume dabei noch einmal von meinem Leben. Dabei habe ich sogar noch das Vergnügen, unser Hauseichhörnchen, das immer wieder aus dem Wald heraushüpft, in seiner Lustigkeit zu erleben. Ich träume von meinem ersten Märklin-Baukasten, den ich als Zehnjähriger zu Weihnachten bekommen habe. In Gedanken bin ich bei all meinen Lieben, lasse alles an mir vorbeiziehen und höre dabei Lieder aus meiner Heimat.
Mein ganzes Leben bin ich geführt worden und werde sicher auch in der letzten Stunde gut geführt werden. Der Tod macht mir keine Angst, er liegt nicht in meiner Hand. Schon oft hätte ich mein Leben verlieren können. So zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg oder bei der Sportfliegerei, als ich bei einem Flug durch Wolken überrascht wurde und ohne entsprechende Navigationsgeräte nach etwa 30-minütigem Flug wieder heil landen konnte. Für mich war das der sichere Beweis, dass ich wieder einmal geführt wurde.
Was nach dem Tod kommt, weiß ich nicht, aber sicher ist: Das unendliche Leben wäre die größte Katastrophe für die Menschheit, weil unser Planet das nicht verkraften würde.
Foto: Picture Alliance










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