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Jonathan Franzen: „Die Grünen waren mir peinlich“
Berlin. Der Schriftsteller Jonathan Franzen sieht mit Sorge, dass die Menschen „immer weniger in der Lage sind, die Schäden zu vertuschen und zu kontrollieren, die unser ungeheurer Energiebedarf hervorruft“. Franzen, Autor des Bestsellers „Die Korrekturen“, zieht in einem Interview mit dem Magazin ‚Cicero’ (Maiausgabe) Bilanz aus den großen Umweltkatastrophen der vergangenen Monate, darunter die Ölpest im Golf von Mexiko und die Havarie des Atomkraftwerks in Fukushima. Anstelle der grassierenden „Scheinkultur der Schuld“ gehe es heute mehr denn je „um Selbstbeherrschung, um Zügelung und Zurückhaltung“, darum, dass wir „Verantwortung für unser Handeln tragen“.
US-Präsident Barack Obama verkörpere eine solche Politik der Verantwortung. Er sei „der erste erwachsene Präsident seit George Bush senior“. Ökoaktivisten wie der ehemalige amerikanische Vizepräsident Al Gore sind Jonathan Franzen zufolge hingegen ein abschreckendes Gegenbeispiel für eine funktionierende Umweltschutzbewegung: „Bei all seinem Ruhm und all seiner Macht, was hat er in der Sache wirklich erreicht? Die konkrete Wirkung seiner ‚unbequemen Wahrheiten‘ war gering. Diese direkten Breitseiten bringen nur die Gegner auf. Außerdem kam dann recht schnell heraus, dass Gore all diese riesigen Häuser besitzt und erster Klasse um die Welt jettet“, so Jonathan Franzen.
Auch die Grünen der achtziger Jahre – damals studierte Franzen in Deutschland – seien ihm „peinlich“ gewesen. Eine persönliche Begegnung mit deutschen Umweltaktivisten schildert der Schriftsteller so: „Sie trugen grüne Armeeparkas mit besagten Anti-Atomkraft-Ansteckern. Auf der Fahrt haben wir moralisch recht hochtrabende Gespräche geführt, dann war Mittagszeit, und sie sind einfach bei der nächsten Tankstelle eingebogen und haben dort Fabrikbratwurst und Bier bestellt.“
Die Maiausgabe von ‚Cicero’ ist ab dem 28. April im Handel erhältlich.
Cicero Pressekontakt:
André Fertich, MSL Germany
Tel.: 030 – 82 08 25 17, presse@cicero.de
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