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"Obama-Videos über 1,5 Milliarden Mal geklickt"

Von Micah Sifry5. März 2009
Micah Sifry
Micah Sifry
Schrift:
Online-Politik-Experte Micah Sifry blickt auf den US-Wahlkampf zurück, analysiert die Möglichkeiten und Gefahren des Internets und erklärt das "unfreiwillige Facebook der Mächtigen".
Wie haben die Internet-Kampagnen bereits das politische System verändert? Lassen Sie uns zum Beispiel über die Vereinigten Staaten sprechen. Die Vereinigten Staaten sind ein fortschrittliches Beispiel dafür, wie das Internet sowie die damit verbundenen Technologien zur Mitwirkung und Kommunikation die Politik transformiert haben. Seit sechs Jahren leite ich das "Personal Democracy Forum" und wir veranstalten jährliche Konferenzen darüber, inwiefern neue Technologien die Politik verändern. Die US-Wahl im vergangenen Herbst war die erste, in der das Internet eine treibende Kraft war, weil es die Barrieren zur Beteiligung und zur Zusammenarbeit verringert hat. Das ist der Anfang der Massenbeteiligung, der großen individuellen Beteiligung. Eine Vielzahl von Individuen und ganze Netzwerke von Individuen werden in alle Aspekte des politischen Prozesses involviert. Wir werden sehen, wie sich die Regierung dadurch verändern wird. Bis zum Herbst 2008 sind Millionen von Menschen jeden Tag aufgewacht und haben sich fragt: "Was werde ich heute machen, um etwas in der Wahl zu bewirken?". Menschen haben ihre eigenen Videos für andere zugänglich gemacht. Videos auf YouTube, die Obama oder McCain erwähnen, wurden über 1,5 Milliarden Mal angeschaut. Die Anzahl der Klicks der offiziellen Wahlkampfvideos betrug dagegen nur 150 Millionen. Somit hat der von Wählern generierte Inhalt den offiziellen, im Wahlkampf bereitgestellten Inhalt 10:1 übertroffen. Wird der Wahlkampf der Zukunft nur noch im Internet stattfinden? Im Zeitalter der übersättigten Medien ist es vor allem immer noch eine Art der Medien, die am erfolgreichsten ist: Mundpropaganda. Wir trauen den Informationen, die wir von einem Freund erfahren und schenken diesen Aufmerksamkeit. "Hey, schau dir mal das an. Das ist lustig, das ist interessant." Das ist eine sehr mächtige Kraft, die von niemandem kontrolliert wird. Die Idee, dass der Wahlkampf nur in den Händen der Profis liegt – den Beratern, dem Mitarbeiterstab, den Journalisten der großen Medien – löst sich allmählich auf. In den USA entwickelt sich zumindest am Rande ein Medien-System, das etwas verantwortungsbewusster ist und eine Lüge als solche benennt, anstatt davor zurückzuschrecken, dieses Wort zu benutzen. Viele Journalisten in Amerika bloggen jetzt, weil ihre Zeitungen entschieden haben, dass sie anfangen sollten, sich anzupassen. Folglich hören sie auf eine andere Weise von ihren Lesern und treten in Konkurrenz mit diesen neuen Medien-Bloggern, von denen viele recht einflussreich sind. Das Resultat ist eine Verschiebung in Richtung einer etwas ehrlicheren Stimme und etwas weniger Unterwürfigkeit gegenüber den Mächtigen. Ich möchte das nicht zu sehr hochspielen. Wir haben nicht plötzlich ein Nirwana. Es ist eine geringfügige Verbesserung. Weg von einem System, das für die Mächtigen sehr leicht zu beherrschen ist. Das hört sich an wie eine perfekte Welt, in der es keine Manipulation mehr gibt. Wie würden Sie das beschreiben? Wie groß wären die Chancen eines Politikers, dieses System zu manipulieren? Ich denke, Authentizität hat einen großen Wert. Und es gibt ein altes Sprichwort, das – denke ich – von W. C. Fields stammt: "Wenn du Authentizität vortäuschen kannst, hast du es geschafft." Aber das ist immer schwieriger. Das Internet ist der erste Organismus überhaupt, der sich an Dinge vor seiner Geburt erinnern kann. Hilary Clinton wurde das zum Verhängnis, als sie sagte: "Ich erinnere mich daran, wie wir in Bosnien einflogen und auf uns geschossen wurde und wir Angriffen durch Heckenschützen ausgesetzt waren." Die Leute haben tatsächlich die TV-Clips von damals gefunden. Die sind etwa zehn Jahre alt. Sie haben sie ausgegraben, auf YouTube gestellt und man konnte wirklich Seite an Seite vergleichen. Das war extrem schädlich für ihre Glaubwürdigkeit im Verlauf des Wahlkampfes. Vergleichen Sie das mit der Reaktion von Obama auf die schärfste Attacke auf seine Person. Das war, als die Videos von Reverend Wright auftauchten – "Gott verfluche Amerika". Obama hat Wright zuerst verurteilt und dann den Worten Wrights Aufmerksamkeit geschenkt. Er ging sogar noch weiter und hielt eine sehr lange und wohl überlegte Rede. Was leiten Sie daraus ab? Folgendes ist daran interessant: Im alten Medien-System wäre eine lange Rede wie diese in sogenannte "sound bites", Tonhäppchen, umgewandelt worden. Fernsehen ist ein Bereich von knapper Bandbreite, man bekommt 15, mal 10 Sekunden. Präsidentschaftskandidaten in den 1960er Jahren bekamen 45 Sekunden lange "sound bites" zugestanden. Jetzt haben sie Glück, wenn sie 10 Sekunden bekommen. Obama hält jedoch diese 37 Minuten lange Rede über Rassenkonflikte in Amerika und seine eigenen Erfahrungen. Die Rede bekommt gute Kritiken und gute Mundpropaganda. Die Leute stellen die Rede online. Sie fangen an, auf Obamas YouTube-Kanal zu gehen, um sich die gesamte Rede anzuschauen. Wenn man nun zu Obamas YouTube-Kanal geht, stellt man fest, dass der am häufigsten angeschaute Clip diese Rede ist. Sie wurde etwa sechs Millionen Mal angeschaut. Eine halbe Stunde Fernsehsendezeit zu kaufen, um 6 Millionen Menschen dazu zu bringen zuzuschauen, hätte ihn mehrere Millionen Dollar gekostet. Und der Unterschied im Fernsehen ist: Es ist in gewisser Weise erzwungen. Beim Fernsehen lehnt man sich zurück. Entscheidet man sich jedoch dazu, etwas im Internet anzuschauen, setzt man sich damit intensiver auseinander. Man beugt sich nach vorne. Was sind die Auswirkungen? Wir haben ein neues Phänomen, das ich als „sound blast“ bezeichne. Das ist der lange, komplette Inhalt, der die Aufmerksamkeit der Menschen tatsächlich auf sich ziehen kann. Ich denke, Obama ist der erste Politiker, der das verstanden und zu seinem Vorteil genutzt hat. Er ist die richtige Person zur richtigen Zeit. Er ist aufmerksam, redegewandt und er spricht nicht in einfachen Klischees. Und dafür bekommt er Anerkennung. Wir werden ständig gesättigt mit gekünstelten Reden. Diese Reden sind nur dazu da, um uns etwas zu verkaufen. Aber wir haben einen ziemlich guten Riecher dafür, Unsinn zu bemerken. Wir wissen, wenn etwas mit uns gemacht wird und wann nicht. Das Internet legt besonderen Wert darauf, in einem "menschlichen" Tonfall zu kommunizieren und das wird jenen Politikern helfen, die das können. Wer das über einen längeren Zeitraum schafft und somit glaubwürdig wird, hat einen Vorteil gegenüber jenen, deren Verhalten aufgesetzt und gekünstelt ist. Muss man in einem demokratischen Land gelebt haben, um diese neuen Werkzeuge des Internets nutzen zu können oder muss man den Mechanismus verstehen können, von dem Sie sprechen? Gedankenfreiheit ist etwas, was wir alle haben. Die entscheidende Frage ist, ob wir die Möglichkeit dazu haben, diese auszuüben. Das ist nicht überall gleich. Einige Menschen haben diese Freiheit und andere nicht. Aber das ist oftmals etwas, das man zu Hause lernen kann. Man kann innerhalb einer undemokratischen Gesellschaft in einem demokratischen Zuhause leben. Man kann aber auch in einer demokratischen Gesellschaft leben und trotzdem nicht frei denken. Es gibt zwei Arten von Auswirkungen, die das Internet auf Gesellschaften in politischer Hinsicht zu haben scheint. Die "optimale" Ausgangssituation scheint besonders in Fällen von geschlossenen Gesellschaften vorzuliegen, in denen die Medien streng kontrolliert werden. Die Menschen suchen, sie sind hungrig. Es scheint ein allgemeiner Hunger zu sein, wenn man erst einmal eine Kostprobe der Gedankenfreiheit genommen hat. In Kuba, wo die Medien immer noch streng kontrolliert werden, schreiben die Leute Blog Posts in einem Internet-Café, um diese dann auf ihr Mobiltelefon herunterzuladen. Und dann wird die Speicherkarte von Handy zu Handy gereicht, sodass die Leute gegenseitig ihre Beiträge lesen können. Das ist eine Mischform. Es ist also offensichtlich nicht so viral und schnell wie in einer freien Gesellschaft. Aber sie bekommen einen Vorgeschmack. Es sind jetzt YouTube-Videos von Dissidenten in Kuba aufgetaucht, in denen die Partei-Führer in Frage gestellt werden. Und so etwas wird sich fortsetzen. Eine geschlossene Gesellschaft, in der es Hunger auf etwas anderes als "abgepackte", kontrollierte Informationen gibt, scheint der ideale Ausgangspunkt zu sein. Die Leute werden alle ihnen zugänglichen technischen Werkzeuge benutzen, wie zum Beispiel Kopierer in Osteuropa. Und wie ist es in offenen und demokratischen Gesellschaften? In der offenen Gesellschaft, wo wir gesättigt, sogar übersättigt sind mit Medien, ist es etwas komplizierter. Es ist nicht zwangsweise eine Situation, in der die Einführung des Internets irgendetwas verändern wird. In Amerika war das Netz ein wichtiger Faktor des Wiederauflebens des demokratischen Flügels, denn es gab eine Menge Leute, die sich von ihrer Partei-Spitze betrogen fühlten. Es gab eine Menge Basis-Aktivisten, die die Demokratische Partei scheitern sahen, als Al Gore 2000 die Wahl entrissen wurde. Oder nach dem 11. September, als es diesen Drang gab, in den Krieg zu ziehen. Oder nach dem die demokratische Führung im Kongress über sich selbst stolperte und Bush damit in die Karten spielte. Es gab eine Menge Aktivisten, die sich im Stich gelassen fühlten und erkannten, dass sie ihre eigenen neuen Institutionen erschaffen müssten. Es war gerade in diesem Moment, als das ReadWriteWeb entstand und die Blogosphäre Gestalt annahm. Also haben die Vertreter des linken Flügels an den neuen Werkzeugen festgehalten, während der rechte Flügel bereits an der Macht war und schon sein eigenes Medien-System hatte, welches bis hin zu den FOX News und der Washington Times reichte. Der rechte Flügel brauchte keine neuen "Muskeln" und keine neuen Institutionen zu entwickeln. Sie hatten es dort, wo sie waren, ziemlich gemütlich. Folglich hatte man also den Aufstieg der Internetaktivisten auf der linken und die Selbstzufriedenheit auf der rechten Seite. Howard Dean war gewissermaßen der erste Beweis dafür, dass diese Art von Basis-Aktivismus einen Kandidaten vorantreiben konnte, wie es niemand für möglich gehalten hatte. Obama hat dieses Prinzip auf eine äußerst systematische und gut organisierte Weise umgesetzt. Wäre das auch in Deutschland möglich? Ich weiß nicht, ob diese Analogie auch auf ein Land wie Deutschland übertragbar ist, wo es ein Fünf-Parteien-System gibt. Minderheitenparteien können die Schwelle leichter überschreiten. Es macht also durchaus Sinn, in einer kleinen Partei aktiv zu sein. In den Vereinigten Staaten gibt es sogenannte "dritte Parteien". Ich habe ein ganzes Buch über diese "dritte Parteien" geschrieben. Jedoch gibt es in Amerika im Allgemeinen keinen Grund, sich in einer dieser kleinen Parteien zu engagieren, da diese in die Rolle des Störenfrieds gedrängt werden. Man muss also wirklich begeistert, leidenschaftlich und ideologisch sehr verwurzelt sein, um ein Anhänger der Grünen oder Liberalen zu sein, während man hier in Deutschland pragmatische Kompromisse machen kann und aufgrund des Mehrparteiensystems ein Stück Repräsentation bekommt. In Deutschland scheint man auch ein breit gefächertes Spektrum an Zeitungen und Medienhäusern zu haben. Sicherlich weitreichender als es bis vor kurzem noch in den USA der Fall war. Ich würde sagen, dass es jetzt dank der Blogosphäre – und ich könnte Ihnen das auf einer Karte zeigen – die dominierenden Nachrichtenquellen wie CNN oder die New York Times in der Mitte gibt. Und um die herum gibt es die vorherrschenden, aber eher ideologisch geprägten Online-Zentren, wie Daily Kos oder Huffington Post. Auf der Rechten Seite hat man eher so etwas wie townhall.com oder redstate.com. Diese sind viel parteiischer, aber was den Datenverkehr und Einfluss angeht, von gleicher Bedeutung wie die großen Zeitungen. Wir haben also ein offeneres Spektrum an Meinungen entwickelt, denn unser Medien-Spektrum war vorher sehr dicht und politisch gemäßigt. Was ich mich frage – und ich kenne nicht die Antwort darauf – ist, ob Sie in Deutschland schon eine relativ breit gefächerte Repräsentation von Meinungen auf den Webseiten der deutschen Zeitungen haben. Dann ist es schwerer für ein neues Medium, wie einen Blog, Aufmerksamkeit zu bekommen, da die Leserschaft schon bedient wird. Richtig, in Deutschland sind wir an "Zeitungs-Marken" gewöhnt. Die erfolgreichsten Online-Projekte waren Zeitungen, die online gegangen sind, da diese die Markennamen und die Glaubwürdigkeit besaßen. Daher gibt es keine richtige Blogosphäre in unserem Land. Weil wir ein föderalistischer Staat sind, hatten wir so viele unterschiedliche Zeitungen. Diese sind gewachsen, als jeder winzige Staat noch seine eigene Zeitung hatte. Und das hat sich bis heute erhalten. Aber durch die Veränderungen in der Medienbranche sind viele Zeitungen bankrott gegangen und mussten deshalb Journalisten entlassen. Dann fangen die Journalisten an zu bloggen. Daher denke ich, dass wir in den nächsten fünf Jahren dem amerikanischen Beispiel folgen werden. Das Internet scheint – was Medien und politische Gemeinschaften angeht – Vakuen ausfindig zu machen und diese auszufüllen. Was fehlt im politischen Dialog? Welche bedeutungsvollen Themen sind im Internet noch nicht vertreten? Lassen Sie uns über Glaubwürdigkeit sprechen. Als Blogger ist man selbst eine Marke. Aber einem stehen nicht die Werkzeuge zu Verfügung, die eine Zeitung hat. Wenn fünf Journalisten für einen Fall recherchieren, entsteht ein Artikel, der auf tiefgründigen Nachforschungen basiert. Für einen Blogger ist es schwierig all das zu übernehmen, wofür zuvor eine ganze Abteilung zuständig war. Viele der in den Vereinigten Staaten so erfolgreichen Blogs werden nicht länger nur von einzelnen Bloggern betrieben. Es sind vielmehr Teams, Gruppen, Kollektive, ganze Gemeinschaften. Der Gründer von „Daily Kos“, Markos Moulitsas, schreibt vielleicht 2000 Wörter am Tag auf seiner Seite. Er hat ein Team von stellvertretenden Bloggern, Redakteure, die 20.000-30.000 Wörter am Tag schreiben. Und dann gibt es noch tausende von Menschen, die ihre eigenen Tagebücher auf der Seite schreiben. Und wenn die gut sind, werden sie manchmal auch auf die Startseite übernommen. Das ähnelt also einer kleinen Stadt. Josh Marshall mit seiner Organisation "Talking Points Memo" ist wirklich das beste Beispiel dafür, wie Online-Medien sich der Masse als Informationsquelle bedienen und sogenanntes "crowdsourcing" betreiben können. Du hast also eine Vorahnung, dass etwas im Land geschieht und musst das überall verbreiten. Oftmals fragt er seine Leser um Hilfe. Als Alberto Gonzales die politischen Entlassungen vieler US-Anwälte in verschiedenen Abteilungen des Justizministeriums im ganzen Land überwachte, war Marshall der Meinung, dass es dabei ein Muster gab. Er war sich jedoch nicht sicher. Eine Zeitung berichtete nur über einen Fall in ihrer Stadt, eine andere über einen weiteren. Doch keine Zeitung hatte die Einzelpunkte miteinander verbunden. Was geschah dann? Gonzales beauftragte seine Leser: "Wenn ihr etwas Komisches bemerkt, schickt mir Informationen, Tipps und Clips." Und tatsächlich gab es ein Muster. Also können bestimmte Formen des investigativen Journalismus' auf "crowdsourcing" basieren. Andere Formen erfordern eine erfahrene Einheit von Journalisten, die im Hintergrund arbeiten und nicht in der Öffentlichkeit. Ich sage nicht, dass wir das Problem gelöst haben. Das ist ein ernstzunehmendes Thema in den Vereinigten Staaten, da Zeitungen und andere "alte" Medien zurückgehen. Wie werden wir für ernsten, investigativen Journalismus bezahlen? Für die Organisation "Sunlight Foundation" bin ich als strategischer Berater tätig. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, jedem den Zugang zu den offiziellen Rohdaten zu ermöglichen. Damit jeder weiß, wer sich für wen einsetzt und wer für wessen Kampagne spendet. All das sind öffentliche Daten, aber viele von ihnen werden der Öffentlichkeit nur in sehr unpraktischer Form zugänglich gemacht. Im heutigen Zeitalter ist es nicht mehr hinnehmbar, dass Leute zu einem Büro gehen müssen, um Papierakten einzusehen. Alles muss online sein. Es muss alles in strukturierter Form geben. Im Idealfall sollte es Programmierschnittstellen geben, die es ermöglichen, dass Computer miteinander kommunizieren und mit großen Brocken von Informationen arbeiten können. Die "Sunlight Foundation" fördert und finanziert die Gründung von Webseiten, um die Digitalisierung aller wesentlichen politischen Daten, die darüber Auskunft geben, was auf nationaler Ebene passiert, zu ermöglichen. Und um das Wachsen solcher Webseiten zu beobachten, die jene Daten kombinieren, Muster finden, Widersprüche und Abweichungen bemerken. Damit es den Leuten, die etwas recherchieren oder aufdecken möchten, ermöglicht wird, diese Verbindungen zu finden. Wie muss man sich das vorstellen? Eine unserer Seiten, die erst kürzlich online gestartet ist, heißt in Anspielung auf Big Brother "Little Sis". Das ist eine Art unfreiwilliges Facebook für die Mächtigen. Es wurden alle Information über die Vorstände und CEOs von tausend Spitzenunternehmen und Websites besorgt und diese dann mit den Daten über die Wahlkampfspenden und mit den Daten über die sozialen Beziehungen kombiniert. Und dann wurde noch ein Element eingefügt, das jedem ermöglicht, mehr Informationen hinzuzufügen. Ob das Partnerschaften oder Tennis-Freundschaften sind, man kann es ergänzen. Es gibt außerdem noch die verborgenen Verbindungen unter den Mächtigen. Auch diese lassen sich hinzufügen. Die Redakteure der Seite werden diese Informationen dann nachprüfen und angeben, ob sie verifiziert wurden oder nicht. Es ist also eine Art modifiziertes Wiki. Und welches Ziel hat diese Arbeit? Wer soll davon profitieren? Ziel dessen ist es, jedem, der diese Art von Recherche verwendet, einen gemeinsamen Ort zu geben, um die existierenden Daten zu teilen und die Angaben stichhaltiger zu machen, indem man die besagten Verbindungen sichtbar macht. Das Endziel ist dann hoffentlich, dass wir unseren gewählten Politikern, den Leuten, die die großen Unternehmen führen, all denen, die offensichtlich immer noch ziemlich mächtig, aber oftmals niemandem Rechenschaft schuldig sind, bessere Fragen stellen können. Vielen Dank für das Gespräch! Das Gespräch führte Alexander Görlach.
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