Zum Jahreswechsel zeigen wir Ihnen noch einmal die erfolgreichsten Artikel aus dem Jahr 2012. Im Oktober:
Einst Kritiker der eigenen Zunft, knöpft sich der ehemalige WestLB-Chef Ludwig Poullain jetzt die Kanzlerin vor: ihr Krisenmanagement hält er für falsch – und plädiert für einen Austritt aus der Euro-Zone: Das geflossene Geld sei weg, der bisherige Rettungsversuch ein Fiasko
Zu meinem langen Leben gehört auch die zwölf Jahre währende Phase, in der mir von den Nazis eigenständiges Denken untersagt war. Nach deren Vertreibung habe ich die Befreiung von dieser Zensur als die beste aller damaligen Errungenschaften empfunden. Danach habe ich eine längere Zeit gebraucht, bis es mir dämmerte, dass auch gewählte Regierende einer demokratischen Republik dazu neigen, ihren Untertanen vorzugeben, was und in welche Richtung sie zu denken haben und was zu denken sie vermeiden sollen, um es dafür lieber ihnen, den Oberen, zu überlassen.
Nicht
zuletzt hierauf führe ich es zurück, dass in unserem Land die
Debattenkultur erstorben ist. Diskussionen, die per Definition ein
Austausch von Intelligenz sein sollen, sind verpönt. Falls sich
einer der Wortführer der Politik einmal eine eigene Meinung
gebildet haben sollte, so wird sie kein noch so überzeugendes
Argument jemals ändern können.
Erst etwa ein Jahr nach ihrem Amtsantritt ist mir die Art der Bundeskanzlerin Merkel, durch Verschweigen ihrer Absichten und durch verstecktes Tun zu herrschen, aufgestoßen. Wenn sie es für unumgänglich hält, die Meinungsbildung der Bürger in eine ihr genehme Richtung zu lenken, so geschieht dies nicht etwa durch eine klare Vorgabe und die Darlegung der Gründe. Vielmehr pflegt sie uns nur etwa kurz zu verkünden, die Energieerzeugung sei auf den Kopf zu stellen, oder auch, dem notleidenden Griechenland sei Hilfe zu gewähren, um dann, anstelle einer fälligen Begründung, den Nachsatz anzuhängen, dies sei alternativlos.
Mit diesem Hinweis errichtet sie offenkundig Verbotsschilder für Andersdenkende. Nachdem mir dieses Taktieren bewusst geworden ist, lehne ich mich dagegen auf und zwinge mich dazu, das mir von ihr Vorgesetzte nicht mehr als gegeben hinzunehmen und das von ihr zum Tabu Erklärte besonders sorgfältig durch meine Hirnwindungen zu drehen.
Das gilt aktuell natürlich besonders in Bezug auf die von ihr gewählte Methode, unsere Gemeinschaftswährung zu retten. Ich glaube beobachten zu können, dass sie sich bei der Pflege dieses Homunkulus namens Euro mittlerweile keine Mühe mehr gibt, uns Bürgern vorzugaukeln, sie bedächte hierbei irgendetwas. Mit ihrem Finanzminister macht sie das, was sie glaubt, aus dem Diktat der Märkte folgern zu müssen. Denn diese allein lenken ihr Tun. Wenn sie mit dem, was sie anrichten, wenigstens das Ende bedenken würden! Doch die schiere Automatik ihrer Handlungen lässt mich argwöhnen, dass sie davon ausgehen, diese vermeintlichen Rettungstaten bis zum jüngsten Tag fortsetzen zu können.
Just die Folgen eines solchen Gebarens bis zu seinem Ende zu bedenken, dies habe ich versucht. Das Ergebnis dieses abenteuerlichen Unterfangens ist hier zu lesen. Der Niederschrift schicke ich die Aufklärung voraus, dass ich hierbei von meinen Erfahrungen als Vorstand der zu seiner Zeit noch wohlfunktionierenden WestLB sowie als (nebenamtlicher) Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands gezehrt habe.
Anders als die in dieser Zeit im Amt des Sparkassenpräsidenten Agierenden, die sich als Cheflobbyisten der deutschen Sparkassen verstehen, habe ich in den siebziger Jahren die Sparer zum Dreh- und Angelpunkt meines Handelns gemacht, als es galt, das von ihnen mühsam Erarbeitete vor der Gefahr einer importierten Inflation zu bewahren. Den meisten der damals arbeitenden Bürger war das mit ihnen im Jahre 1948 Geschehene noch allzu gegenwärtig, als durch die Währungsreform über Nacht 100 Mark auf 7,50 Mark reduziert wurden. Ich bin mir sicher, dass Frau Merkel jener Generation ihre groß angelegte Schuldenvermehrung mit dem ihm innewohnenden riesigen Inflationspotenzial nicht hätte oktroyieren können. Sie hätten ihr bei der nächsten Wahl ihre Stimmen entzogen.
Seite 2: Was hätte die Kanzlerin in dieser Euroschuldenkrise anders machen sollen?











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