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 > Zeit für einen Schlussstrich bei der Eurorettung

Kapital

Ludwig PoullainZeit für einen Schlussstrich bei der Eurorettung

Von Ludwig Poullain8. Oktober 2012
picture alliance
Ludwig Poullain, Ex-West-LB-Chef, Merkel, Euro-Rettung, Kritik, Kanzlerin, Cicero-Empfehlung
Die Sache mit der Euro — ist gescheitert
Schrift:

Zum Jahreswechsel zeigen wir Ihnen noch einmal die erfolgreichsten Artikel aus dem Jahr 2012. Im Oktober:

Einst Kritiker der eigenen Zunft, knöpft sich der ehemalige WestLB-Chef Ludwig Poullain jetzt die Kanzlerin vor: ihr Krisenmanagement hält er für falsch – und plädiert für einen Austritt aus der Euro-Zone: Das geflossene Geld sei weg, der bisherige Rettungsversuch ein Fiasko

Seite 1 von 6

Zu meinem langen Leben gehört auch die zwölf Jahre währende Phase, in der mir von den Nazis eigenständiges Denken untersagt war. Nach deren Vertreibung habe ich die Befreiung von dieser Zensur als die beste aller damaligen Errungenschaften empfunden. Danach habe ich eine längere Zeit gebraucht, bis es mir dämmerte, dass auch gewählte Regierende einer demokratischen Republik dazu neigen, ihren Untertanen vorzugeben, was und in welche Richtung sie zu denken haben und was zu denken sie vermeiden sollen, um es dafür lieber ihnen, den Oberen, zu überlassen.

Nicht zuletzt hierauf führe ich es zurück, dass in unserem Land die Debattenkultur erstorben ist. Diskussionen, die per Definition ein Austausch von Intelligenz sein sollen, sind verpönt. Falls sich einer der Wortführer der Politik einmal eine eigene Meinung gebildet haben sollte, so wird sie kein noch so überzeugendes Argument jemals ändern können.

Erst etwa ein Jahr nach ihrem Amtsantritt ist mir die Art der Bundeskanzlerin Merkel, durch Verschweigen ihrer Absichten und durch verstecktes Tun zu herrschen, aufgestoßen. Wenn sie es für unumgänglich hält, die Meinungsbildung der Bürger in eine ihr genehme Richtung zu lenken, so geschieht dies nicht etwa durch eine klare Vorgabe und die Darlegung der Gründe. Vielmehr pflegt sie uns nur etwa kurz zu verkünden, die Energieerzeugung sei auf den Kopf zu stellen, oder auch, dem notleidenden Griechenland sei Hilfe zu gewähren, um dann, anstelle einer fälligen Begründung, den Nachsatz anzuhängen, dies sei alternativlos.

Mit diesem Hinweis errichtet sie offenkundig Verbotsschilder für Andersdenkende. Nachdem mir dieses Taktieren bewusst geworden ist, lehne ich mich dagegen auf und zwinge mich dazu, das mir von ihr Vorgesetzte nicht mehr als gegeben hinzunehmen und das von ihr zum Tabu Erklärte besonders sorgfältig durch meine Hirnwindungen zu drehen.

Das gilt aktuell natürlich besonders in Bezug auf die von ihr gewählte Methode, unsere Gemeinschaftswährung zu retten. Ich glaube beobachten zu können, dass sie sich bei der Pflege dieses Homunkulus namens Euro mittlerweile keine Mühe mehr gibt, uns Bürgern vorzugaukeln, sie bedächte hierbei irgendetwas. Mit ihrem Finanzminister macht sie das, was sie glaubt, aus dem Diktat der Märkte folgern zu müssen. Denn diese allein lenken ihr Tun. Wenn sie mit dem, was sie anrichten, wenigstens das Ende bedenken würden! Doch die schiere Automatik ihrer Handlungen lässt mich argwöhnen, dass sie davon ausgehen, diese vermeintlichen Rettungstaten bis zum jüngsten Tag fortsetzen zu können.

Just die Folgen eines solchen Gebarens bis zu seinem Ende zu bedenken, dies habe ich versucht. Das Ergebnis dieses abenteuerlichen Unterfangens ist hier zu lesen. Der Niederschrift schicke ich die Aufklärung voraus, dass ich hierbei von meinen Erfahrungen als Vorstand der zu seiner Zeit noch wohlfunktionierenden WestLB sowie als (nebenamtlicher) Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands gezehrt habe.

Anders als die in dieser Zeit im Amt des Sparkassenpräsidenten Agierenden, die sich als Cheflobbyisten der deutschen Sparkassen verstehen, habe ich in den siebziger Jahren die Sparer zum Dreh- und Angelpunkt meines Handelns gemacht, als es galt, das von ihnen mühsam Erarbeitete vor der Gefahr einer importierten Inflation zu bewahren. Den meisten der damals arbeitenden Bürger war das mit ihnen im Jahre 1948 Geschehene noch allzu gegenwärtig, als durch die Währungsreform über Nacht 100 Mark auf 7,50 Mark reduziert wurden. Ich bin mir sicher, dass Frau Merkel jener Generation ihre groß angelegte Schuldenvermehrung mit dem ihm innewohnenden riesigen Inflationspotenzial nicht hätte oktroyieren können. Sie hätten ihr bei der nächsten Wahl ihre Stimmen entzogen.

Seite 2: Was hätte die Kanzlerin in dieser Euroschuldenkrise anders machen sollen?

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der Machterhalt. Dem ordnet sie ALLES unter. Ich habe mich schon in ihren Anfängen als "Kohls Mädchen" schon gefragt, welche Motivation sie hat, meine Einschätzung getroffen und bis heute nicht revidieren müssen.

Ansonsten vielen Dank für diesen Kommentar, der aber leider wohl ungehört verhallen wird. Mir spricht er zumindest aus der Seele.

  • Antworten
-simon-08.10.2012 | 18:15 Uhr

Zeit für einen Schlussstrich bei der Eurorettung

Man stelle sich vor, dass unsere Madame sogar 60 Prozent arbeitslose in Kauf nimmt, nur im ihren EU zu retten, man findet keine Worte mehr………
..
http://www.geolitico.de/2012/10/13/merkel-nimmt-fur-europa-sogar-60-prozent-arbeitslose-in-kauf/

  • Antworten
gast15.10.2012 | 13:25 Uhr

Die europäischen Differenzen

Kann es sein, daß der Cicero in seiner Berichterstattung über die "Euro-Rettung" allmählich kalte Füße bekommt? Angesichts dieses Aufsatzes von Ludwig Poullain drängt sich der Verdacht jedenfalls auf.
Ich kann behaupten, in den vergangenen 2 bis 3 Jahren alle die Argumente in meinen vielen Kommentaren aufgeführt zu haben, die Ludwig Poullain in diesem sechsseitigen Artikel gegen die Gemeinschaftswährung vorträgt.
Ich diskutiere noch einmal drei wichtige Argumente:

(a) die unterschiedlichen Volkswirtschaften
Solche wirtschaftlich so dermaßen heterogene Ökonomien passen nicht unter eine gemeinsame (dazu noch als stark und stabil konzipierte) Währung. Deutschland hat sich nach der Wiedervereinigung, die uns allen, Ost- wie Westdeutsche, gewaltige Opfer, Flexibilität, Mobilität, auch Enttäuschungen und Neuanfänge und vieles mehr abverlangt hat, auf eine sich zunehmend globalisierende Weltwirtschaft eingestellt. Das hat den Firmen-Managements aber auch den Arbeitnehmern gewaltige Leistungen abverlangt. (Ich weiß worüber ich rede, denn ich arbeite seit über 23 Jahren bei einem international operierenden Dienstleistungsunternehmen.) Dazu kam die Hartz-Gesetzgebung.
Was haben in den letzten 2 Jahrzehnten die Länder des Club Med Frankreich, Italien und Spanien für ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und damit für ihren allgemeinen Wohlstand unternommen? Poullain resümiert: "Mit der Einführung der Gemeinschaftswährung haben diese drei Länder die Pflege ihrer Industrielandschaft bewusst vernachlässigt. Anstelle einer anstrengenden Industriegesellschaft haben sie sich für die bequemere der Dienstleistungen entschieden." Ich ergänze: Heute stellen die Menschen dieser Länder fest, daß sie sich gegenseitig für 3 Euro die Haare schneiden müssen, um überhaupt noch einen Job zu finden.

  • Antworten
Bakwahn08.10.2012 | 21:59 Uhr

(b) Wettbewerb + Kostendruck erzeugen Leistung und Innovation

Die deutsche Wirtschaft florierte immer dann am besten, wenn sie durch die starke und immer wieder aufgewertete DM gezwungen war, ihre Produkte und Dienstleistungen zu verbessern, zu erneuern, neue Kreationen und Innovationen zu entwickeln und auf die Märkte zu bringen. Deshalb kann Poullain rückblickend feststellen: "Mit jeder Aufwertung der Deutschen Mark ist die deutsche Industrie leistungsfähiger geworden."
Wir erkennen: nicht allein schiere Größe verleiht Macht und Einfluß, sondern Leistungsfähigkeit, Innovationskraft, Zuverlässigkeit bringt Anerkennung und Wohlstand; auch Respekt. Vor ca. 8 Monaten bekam Deutschland hohen Staatsbesuch aus China. Die gesamte chinesische Staatsführung mit dem Ministerpräsidenten und 13 Ministern sowie Dutzenden von Wirtschaftsmanagern führte politische und wirtschaftliche Gespräche und Verhandlungen mit der deutschen Regierung. Das hat es noch nie gegeben. Die chinesische Wirtschaft wird in wenigen Jahren die Leistungskraft der USA überflügelt haben. Sie wird dann die Wirtschaftsmacht Nummer 1 sein. Die Chinesen waren nicht in England, nicht in Frankreich, Italien oder Spanien! Nein, sie kamen zu uns! Dieser Besuch war eine Auszeichnung für Deutschland vor der gesamten Weltöffentlichkeit. Denn in uns und der deutschen Volkswirtschaft sehen die Chinesen ihr eigenes Spiegelbild. Für sie sind wir leistungsfähige und zuverlässige Partner, die erstklassige Produkte und Dienstleistungen bieten. Vor wenigen Wochen fand dann der deutsche Gegenbesuch in China statt. Die gesamte deutsche Regierung mit Merkel an der Spitze und dutzende von Wirtschaftsführern verhandelte mit den Chinesen, und sie brachten Aufträge mit in Milliardenhöhe.

Wir müssen aus dem schwach werdenden Euro raus. Nicht diese wirtschaftlich zurückfallenden und im Schuldensumpf absaufenden Länder des Club Med sind Zukunftsmärkte, sondern die aufstrebenden BRIC-Staaten und die ostasiatischen Länder müssen und werden die zukünftigen deutschen Handelspartner sein.
Poullain schreibt: "Entwicklungsländer werden zu Schwellenländern, und Schwellenländer wachsen zu Industrienationen heran – alle aufnahmefähig für deutsche Produkte."

  • Antworten
Bakwahn08.10.2012 | 22:02 Uhr

(c) unterschiedliche Kulturen, Mentalitäten und Identitäten

oder die romantischen Ideen deutscher Politiker, Journalisten und Intellektueller.

Der ehemalige Chefredakteur Michael Naumann, unter Kanzler Schröder Kulturstaatsminister, hat, soweit ich weiß, im Zusammenhang mit der Gemeinschaftswährung nicht einen einzigen Aufsatz über die substantiell unterschiedlichen Kulturen, Mentalitäten, Identitäten der beim Euro beteiligten Nationen geschrieben. Als Kulturphilosoph hat Naumann offensichtlich nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet, daß der Euro auch an diesen unterschiedlichen Einstellungen, Gesinnungen, Geisteshaltungen scheitern könnte. Vielleicht hat er aus Partei- und Staatsräson geschwiegen. Von Naumann hätte man genau dieses erwarten können: nämlich Aufklärung über die substantiellen kulturellen Differenzen der beteiligten europäischen Nationen und ihre höchst verschiedenartigen Kulturen, Mentalitäten, Identitäten.
Die Europaideen des größten Teils der deutschen Politiker, Intellektuellen und auch Journalisten speisen sich aus zwei Quellen: aus einem tiefen Mißtrauen gegen die eigene Nation und einer romantischen, ja sentimentalen Ganzheitsidee, die an das Heilige Römische Reich Deutscher Nation erinnert, die man jetzt im Superstaat Europa endlich verwirklichen könne. Ich stütze mich bei meiner Argumentation auf einige Leitgedanken Karl Heinz Bohrers, die er in den letzten 20 Jahren in seinem Merkur (deutsche Zeitschrift für europäisches Denken) in diversen Aufsätzen diskutiert hat. Bohrer schreibt: "Die beiden Quellen der deutschen Europa-Idee, das Mißtrauen gegen die Nation und die Ganzheitsschwärmerei, haben eine zentrale Gemeinsamkeit: Sie sind realitätsabgewandt und ohne wirkliche Kenntnisse der politischen Bedingungen und Mentalitäten in Europa. Und das macht sie am Ende illusionär und deshalb sogar gefährlich."
Den intellektuellen Eliten des Cicero fehlt jegliches Bewußtsein über die grundsätzlichen politischen, wirtschaftlichen und vor allen Dingen auch kulturellen Differenzen und unterschiedlichen Mentalitäten, die einer gemeinsamen europäischen Identität und einer weiteren und tieferen wirtschaftlichen Integration im Wege stehen.
Poullian kann daher zusammenfassen:
"Damals habe ich nicht bedacht, wie viel andersartig sie doch alle sind, die Griechen und Norweger, die Italiener und Finnen, die Spanier, Serben, Holländer, Balten und die Deutschen. Europa ist nun einmal von seiner Geschichte, seinen Völkern und ihren Kulturen als Ansammlung von Nationalstaaten geprägt. Das sollten auch die Einigungsfetischisten respektieren und es dabei belassen."

Unsere europäischen Einigungspolitiker scheinen oberaffentittengeil auf Europa zu sein und wollen alle nur in die Geschichtsbücher. Ja, ich glaube allerdings, sie werden sich dort eher als uneinsichtige Versager apostrophiert wiederfinden.

Bakwahn
Hamburg Bangkok Düssedlorf
PC-Support und Netzwerkadministration

  • Antworten
Bakwahn08.10.2012 | 22:06 Uhr

Einige Film- und Lektürehinweise

Ich erlaube mir, einige Lektüreempfehlungen zu geben:

(1) Karl-Heinz Bohrers Aufsatz ist hier zu erwerben:
Die europäische Differenz. Epitaph auf eine deutsche Utopie
MERKUR 2000 (Jg. 54) 09/10 S. 991 bis 1003
weitere Texte Bohrers ebenfalls im Merkur

(2) Naumanns Artikel hier; siehe unter dem Naumannaufsatz auch meine 5 sicherlich lesenswerten Kommentare unter meinem Pseudonym Bakwahn
http://www.cicero.de/kapital/griechenland-euro-rettung-das-loch-von-athen/46264

(3) Lesen Sie den Roman von Nikos Kazantzakis „Alexis Sorbas“, oder schauen Sie sich die gleichnamige Verfilmung an mit Anthony Quinn in der Titelrolle.

Der Roman entstand 1946 und wurde dann 1964 verfilmt. Beide präsentieren uns auf sehr sympathische Weise griechische Lebensart, Mentalität und Eigensinn. Ein wohlhabender englischer Schriftsteller finanziert den Wiederaufbau und die Inbetriebnahme eines Braunkohlebergwerks auf Kreta. Er trifft auf Alexis Sorbas, den er als Vorarbeiter und „Manager“ des Projektes einstellt, das vielen Kretern sichere Arbeit und guten Lohn bringen soll. Das Bauprojekt endet aufgrund von Sorbas' katastrophalen Fehlern und auch Fehlverhalten in einer Katastrophe. Am Ende hat der Investor sein Geld verloren, es gibt keine Arbeit und auch kein Einkommen, alles ist wie quasi vorher. Aber beide tanzen frohgemut einen Sirtaki am kretischen Mittelmeerstrand. Na fabelhaft!
Das droht auch uns. Nur sind die meisten Deutschen nicht so humorvoll und so nachsichtig wie dieser englische Schriftsteller, der mit fernöstlichen buddhistischen Weisheiten seine finanzielle Katastrophe verwinden kann.

  • Antworten
Bakwahn08.10.2012 | 22:12 Uhr

Sehr geehrter Herr Poullain,

Sehr geehrter Herr Poullain,

eine interessante Sicht der Dinge legen Sie dar. Sie unterschlagen jedoch die Reformen, die in den Krisen-Staaten durchgesetzt werden, sollen, müssen und für die v.a. Frau Merkel heftigste Prüfgel einstecken muss.

Ich bezweifle, dass ein alterndes und schrumpfendes Deutschland seine Industrie auch zukünftig noch derart "optimieren" kann, um das heutige Wohlstandsniveau zu halten. Wie viel Spielraum hat die deutsche Industrie da noch angesichts des Fachkräftemangels?

Deutschland profitiert derzeit von den Arbeitsmarktreformen unter der Regierung Schröder. Diese haben lange gebraucht um Wirkung zu entfalten. Ähnliche Reformen werden derzeit unter dem Druck der Krise überall in der Euro-Zone umgesetzt - sicherlich nicht immer in dem nötigen Maße und Geschwindigkeit. Jedoch nicht ohne Wirkung: Irland konnte im Juli 2012 wieder erste Schritte auf dem Finanzmarkt unternehmen und einen Überschuss erwirtschaften. In puncto Wettbewerbsfähigkeit zeigt der "Rettungsschirm" sehr wohl Wirkung und zwar in ganz Europa:

http://www.conference-board.org/press/pressdetail.cfm?pressid=4557

In diesem Sinne ist Ihr "Weckruf" angesichts der Risiken der Euro-Rettung sicherlich nachvollziehbar, aber nicht weniger einseitig, als Merkels These von der "Alternativlosigkeit". Denn der von Ihnen gezeichnete Weg ist ebenfalls mit gewaltigen Risiken für Deutschland behaftet. Sie tun dies mit der lapidaren Hoffnung ab, die deutsche Industrie würde das schon schaffen. Das halte ich für eine ebenso untertriebene Risikoverschleierung, wie die Behautpung die deutschen Sparbücher oder Renten seien sicher.

Summa sumarum brauchen wir eine funktinierende, demokratische, rechtsstaatliche EU! Denn 1945 machten die Europäer 22 Prozent der Weltbevölkerung aus. Bis 2050 werden es nur noch 6-7 Prozent sein.

MfG

W. Echter

  • Antworten
Wolf Echter08.10.2012 | 23:04 Uhr

Zu Tode gefürchtet, hilft nicht.

Herr Echter!
Mutig den Schritt nach vorne wie Herr Poullain es vorschlägt, erscheint mir risikofreier und wachstumsfördernder zu sein für ganz Europa, als Ihr traumtänzerischer Vorschlag nach einer demokratischen und rechtsstaatlichen EU. Denn diese würde an den Egoismen der Völker scheitern und nur mit Repressalien gegen die Bürger aufrechtzuerhalten sein. Ich weiß, es herrscht die Einstellung vor, den Überbringer schlechter Nachrichten zu prügeln, ein Lösung ist es nicht. Frau Merkel wird es eben nicht schaffen, auch wenn es wünschenswert wäre, den Ländern im Süden die Senkung der Lohnstückkosten zwischen 50 und 30 % aufzudrängen, daher sollten die Lohnstückkosten inflationär in Deutschland hochgetrieben werden. Diese Vorgangsweise führt zu massiven Wettbewerbsverzerrungen, zu Enteignungen, zu unbeherrschbaren Situationen in Europa, einer Übernahme Europas von außen würde nichts mehr entgegenstehen.

Wir sollten einen mutigen Schritt machen, wenn Sie so wollen, "Zurück in eine bessere Zukunft". Ohne "Zurück" ist diese nicht machbar, stellen Sie sich einfach ein Auto im Schlamm steckend vor.

  • Antworten
Elisabeth Weiss10.10.2012 | 09:23 Uhr

@Wolf Echter

"Wie viel Spielraum hat die deutsche Industrie da noch angesichts des Fachkräftemangels?" Ja, die demografische entwicklung in Gri,Spa,Por sieht ähnlich aus wie die in D. Lediglich F ist da ein Lichtblick. Sollen etwa Facharbeiter aus den Südstaaten nach Norden abwandern, weil die Südstaaten sich deindustrialisiert haben? Sollen die Südstaaten dann nur noch von oliven und Tourismus leben?
Wieso denken Sie, das der (angebliche?) Fachkräftemangel mit dem Erhalt des Euro behoben würde? Wie soll das gehen? Ich sehe in Ihren Ausführungen kein Argument für den Erhalt des Euro.
Ebenso: "Bis 2050 werden es nur noch 6-7 Prozent sein." Und zwar mit oder ohne Euro. In der heute globalisierten Welt können Staaten auf den verschiedensten Kontinenten zusammenarbeiten, Handelsbeziehungen haben,... Das Beschränken auf den geografischen Bereich des Kontinents Europa (wie Europäer) ist doch nicht nachzuvollziehen: Mir steht doch ein Kanadier oder Neuseeländer kulturell, wirtschaftlich näher als ein Grieche oder Portugiese. Und ein Österreicher wird sich vielleicht einem Schweizer verbundener fühlen als einem Finnen.
Der Euro ändert nichts daran, dass der Anteil der Europäer insgesamt immer weniger wird, aber der Euro zieht diese Europäer insgesamt auf ein niedrigeres Wohlstandsniveau und verbaut den Jungen ihre Zukunft.

  • Antworten
cenli13.10.2012 | 13:10 Uhr

pöulain

ICH VERNEIGE MICH VOR DIESEM WACHEN GEIST; DER IN UNGEWÖHNLICHER KLARHEIT UND WEITSICHT DIE REALITÄT UND ZUKUNFT BESCHREIBT: WER HÖRT DIESEM WEISEN ZU ?

  • Antworten
herbert feller08.10.2012 | 23:32 Uhr

So wohltuend wie überraschend...

... dass im Cicero auch einmal grundsätzliche Kritik geäußert werden darf. Gemeinhin gehen hierzulande in der veröffentlichten Meinung auf den Zuruf "Europa!" alle Lichter aus, wer dann noch Kritik äußert, dem wird verbal die Pickelhaube aufgesetzt. Herr Poullain hat den Mut, die Folgen des derzeitigen Irrsinns schonungslos zu schildern, denn bei Griechenland wird es nicht bleiben. Wir stehen vor einem Elitenversagen weimarschen Ausmaßes.

  • Antworten
Helgoo09.10.2012 | 08:23 Uhr

Treffende Analyse, realistischer Ausblick

Chapeau!, Herr Poullain. Anders als Ihr Altersgenosse Helmut Schmidt, haben Sie sich Ihren gesunden Menschenverstand bewahrt und analysieren die Situation klar und ziehen die richtigen Schlüsse. So wie Olaf Henkel übrigens, dessen Vorschlag eines Nord-EUROs mir Ihrem Vorschlag nicht unähnlich scheint.

Auch meine Überzeugung ist es seit langem, daß die EU nur eine Zukunft als neu zu definierende EWG hat. Aber der Widerstand der Eurokraten und ihrer journalistischen Wasserträger dagegen wird immens sein. Um diesen zu erwartenden Widerstand zu brechen, brauchen wir eine neue selbstbewußte Politikergeneration, die ich im Moment leider noch nicht sehe.

Übrigens: Ihr Bild von den Merkel unterstützenden MdBs als Terrakottasoldaten: köstlich!

  • Antworten
Wolfgang Schäfer09.10.2012 | 12:06 Uhr

Poullain...Genug Euro

Als Deutscher, der seit 1998 in Baku (Aserbaidschan) lebt und arbeitet, erlaube ich mir, mit 20 Jahren unternehmerischer Erfahrung, dem hochgeschätzten Herrn Poullain noch einen weiteren Gedanken gegen die selbstmörderische Euro-Rettung nahezulegen: In Ländern wie "meinem", die bemüht sind, sich vom deutschen Vorbild etwas für die eigene Entwicklung abzuschauen, fühlen sich viele Denker und Lenker nur noch irritiert von diesem Kurs der Bundesregierung, die Grundsätze einer geordneten Haushaltsführung und das Ziehen von Konsequenzen bei deren Nichteinhaltung einfach über Bord zu werfen. Die EU-Staaten und die Bundesregierung machen momentan genau das. Erzwungene Staatsleistungen in Gestalt von "Rettungsschirmen" sind Selbstbetrug, denn das böse Erwachen kommt, wenn die vermeintlich stabilen Länder Europas, die Herr Pollain so trefflich beschrieben hat, aufgrund nicht mehr zu kaschierender Strukturschwächen wie Kartenhäuser einstürzen werden.

Und "wir" predigen den Aserbaidschanern, diversifiziert die Wirtschaft für die Zeit nach dem Öl und dem Gas, investiert in Wachstumszweige der Industrie und steckt etwas in den Sparstrumpf und vor allem: Lügt Euch nicht selbst in die Taschen...

  • Antworten
Dr. Bethke Hans-Jürgen09.10.2012 | 12:49 Uhr

Genau aus Ihren beschriebenen Gründen reagieren die Finanzmärkte

so ungelenk. Die Fehlinterpretation des Marktverhaltens durch Regierung und Berater sind mehr als erschütternd.

  • Antworten
Elisabeth Weiss10.10.2012 | 09:26 Uhr

Zeit für einen Schlussstrich.......

Für Herrn L.Poullain hege ich unbegrenzte Bewunderung.Zumal der veröffentlichte Text:"ungehaltene Rede eines ungehaltenen Mannes" aus 2004 mit der harschen Kritik am damaligen Bankwesen lesenswert bleibt.Zu Griechenland:nötige Modernisierung ,hat Karl Brenke,DIW in APuZ wesentliches geschrieben.Bisher geht es um zu viel europäische Bankenrettung und wenig Hilfe für Griechen. Ein Europa wie wir es heute in der Tagesschau sehen,bereitet deutschen Steuerzahler keine Freude.

  • Antworten
Friedhelm Frank09.10.2012 | 16:07 Uhr

Zeit für einen Schlußstrich bei der EURO-Rettung

FRAGE: Hätte es den EURO mit der Mark Ost (der DDR) je gegeben?
ANTWORT: Natürlich nicht. Die anderen (DRACHME/LIRA/PESETE/ESCUDO und in Grenzen FRANC) wollten mit der "starken" DM die niedrigen Zinsen.
Die Zeitschrift LE FIGARO hat es deutlich ausgesprochen:
"Maastricht ist Versailles ohne Krieg.(Die Deutschen zahlen)".
Genau so ist es gekommen.
Und "das Spiel" wird noch eine Weile weiter gehen.
Nur keine Illusionen.

  • Antworten
Wolram Wiesel10.10.2012 | 20:57 Uhr

Freiheit, Zivilisation und Fortschritt

Einen herzlichen Gruß an alle lebensweltlichen Kommentatoren, die auf der Plattform Cicero-Online den Beitrag von Herrn Poullain wertschätzen. Intelligenz hatte schon immer etwas mit Voraussicht zu tun. Von einem griechischen Journalisten habe ich gehört, dass „der Feind Griechenlands die politische Klasse ist.“ Wie wahr! Man sollte es sich immer wieder vor Augen führen. Der „Euro“ ist das Resultat einer Hervorbringung bzw. Konstruktion der politischen Klasse. Wahrheit und Wissen spielte bei der Einführung keine Rolle. Er ist mit fiktionalen Mitteln (Anschauungsformen, Metaphern, Grundbildern und Phantasmen, Betrug und Täuschung) eingeführt worden. Es waren ja gerade nicht die (Zahlen und Fakten), oder die ökonomische Wirklichkeit und Vernunft. Heute haben wir eine Erfahrungswirklichkeit, die uns zeigt, dass die Lebbarkeit und Bewährung dieses Wirklichkeitsentwurfs „Euro“ zu der Maxime geführt hat: Gib alle Hoffnung auf Sicherheit auf. Es ist auch eine Korrosion einer Ideologie und Theorie.

P.S.: Freiheit ist ein Zustand ohne Zwang und Fremdbestimmung (EU) leben zu können, seine eigenen Ziele, Interessen und Zwecke verfolgen zu können, ohne im Dienste fremder Interessen, Ziele und Zwecke handeln zu müssen.

  • Antworten
bernhard.jasper10.10.2012 | 21:38 Uhr

Betrug und Täuschung

"... daß im Wirtschaftsleben nicht die Logik zählt, sondern Glücksspiel und Täuschung... Dort geht es nicht darum, die Welt so zu verbessern, daß Aufklärung und Vernunft darin erblühen, sondern darum, anderen Menschen so schnell wie möglich das Geld aus der Tasche zu ziehen, ohne dafür ins Gefängnis zu wandern." (aus "Das Verbrechen der Vernunft" von Robert B. Laughlin)

Somit wird doch nur politisch das nachvollzogen, was in der Wirtschaft tägliches Geschäft ist, oder? Worüber erregen wir uns also?

  • Antworten
Hans Speck14.10.2012 | 21:44 Uhr

Spiegel der Wirklichkeit

Der Artikel von Herrn Poullain spiegelt die Realität wieder, auch wenn es den Protagonisten eines "Vereinigten Europas" missfallen sollte. Die Implosion des Eurosystems ist nur noch eine Frage der Zeit, man versucht jetzt nur noch, Zeit zu gewinnen, die Euroapokalypse hinauszuschieben, zudem sind Wahlen in den USA und nächstes Jahr in Deutschland zu berücksichtigen, da will man keinen zusätzlichen Ärger. Eine ernste Euro/Finanzkrise wäre für Obama eine Katastrophe.
Die Frage ist, wie lange die Märkte dem Trauerspiel noch zusehen werden, ohne zu handeln.

  • Antworten
von Schnittlauch10.10.2012 | 22:25 Uhr

Zustimmung Herr Dr. Bethke

@ Bethke
Schöner Beitrag.
Unsere Politiker – und ich meine alle, einschließlich die der Opposition - verhalten sich in der Euro-Krise wie ungezogene und unbelehrbare Kleinkinder in der Trotzphase: "Wir lassen niemanden ausscheren, wir nehmen alle mit, auch wenn wir selber dabei in den Abgrund schliddern." Unsere Eurostrategen lassen sich nun einmal nicht von ökonomischen Argumenten leiten, sondern versuchen, wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten und Gründe durch Politik außer Kraft zu setzen. Das katastrophale Ergebnis bekommen wir in ein paar Jahren präsentiert.

Angesichts der Massendemonstrationen in Athen und den unfaßbar dreisten Forderungen der Griechen kann ich mit Poullain nur sagen: "Ein jedes Volk soll nach seiner Fasson glücklich werden. Und dies jeweils auf eigene Kosten."

Ich diskutiere 3 grobe Mißverständnisse, Täuschungen, Fehleinschätzungen der EU-Traumtänzer und Illusionisten, dieser Berufs- und Gremieneuropäer.

siehe Fortsetzung

  • Antworten
Bakwahn10.10.2012 | 22:54 Uhr

Erstes Mißverständnis:

Schiere Größe eines Währungsraumes bedeutet noch lange nicht internationale(r) Macht und Einfluß, nicht wirtschaftliche Autonomie und finanzielle Souveränität, auch keine Sicherheit vor Angriffen und Spekulationen der internationalen Finanzmärkte. Was die deutschen Politiker und auch die EU-Eliten einfach übersehen, ist, daß man potent und leistungsfähig sein muß; Größe allein genügt nicht. Nur Konkurrenzfähigkeit und Leistungsstärke verhindert, daß ein großeuropäischer Wirtschaftsstaat durch die globale Konkurrenz marginalisiert wird. Diese Ziele, die ja offensichtlich durch die Gemeinschaftswährung angestrebt werden sollen, sind nur zu erreichen bei grundsolider Haushaltsführung, einer ausdifferenzierten und leistungsfähigen industriellen Basis, internationaler Wettbewerbsfähigkeit, einem "gesunden" Bankensystem.

  • Antworten
Bakwahn10.10.2012 | 22:55 Uhr

Zweites Mißverständnis:

Die Politik glaubt, daß nach Überwindung und einer Stabilisierung der Krise in den Ländern des Club Méditerranée dann alles vorüber sei und Friede, Freude, Eierkuchen herrsche. Die sanierten Länder können dann wieder an die Finanzmärkte zurückkehren und sich zu bezahlbaren Zinsen "refinanzieren". Der beschlossene Fiskalpakt schürt lediglich Illusionen. Der Club Med wird weiterhin fröhlich Schulden machen, ohne die notwendigen Strukturreformen durchzuziehen.
Schuldenbremse? Haushaltskonsolidierung? Die politische Phantasie des Club Med wird von den Nordländern sträflich unterschätzt. Sie wird es immer wieder verstehen, das Sparen zu unterlaufen, Reformen aufzuschieben und weiterhin Schulden aufzuhäufen.
Dazu wird der Club Med die willigen und naiven Nordländer in eine Haftungs-, Schulden- und Transferunion hineinmanövrieren mit Fiskalunion, Bankenunion, Schuldentilgungspakt, Eurobonds, mit milliardenschweren Konjunktur- und Wachstumsprogrammen, die von Deutschland garantiert und dann letztlich auch bezahlt werden, die im Endeffekt nur Strohfeuer entfachen, aber keine nachhaltige Verbesserung, weil die wirtschaftlichen Voraussetzungen fehlen.

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Bakwahn10.10.2012 | 22:56 Uhr

Drittes Mißverständnis:

Polullain deutet es an: Frankreich ist ein „Sitzriese“. Es schaut aus, als sei es 1,95 m; wenn es sich jedoch aus seinem Sessel erhebt und aufsteht, offenbart es seine wahre „Größe“: maximal 1,60 m. Es fehlt ihm eine ausdifferenzierte, leistungsfähige, wettbewerbsfähige industrielle Basis. Wegen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit stehen 8000 Arbeitsplätze in der Autoindustrie auf der Kippe. Dazu mangelt es an Unternehmen mit groß- und hochtechnologischen Produkten.
Ausnahmen sind EADS (Airbus) und die französische Rüstungsindustrie sowie eine sich im Stadium des Auslaufmodells befindende Atomindustrie.

Die Südländer waren und sind agrarisch strukturierte Volkswirtschaften, die dann ab Ende der 50er Jahren zusätzlich auf den Tourismus für sonnenhungrige Nordländer setzten. Spanien, Portugal und auch Griechenland stehen dafür beispielhaft ein.
Nur: Seit ein paar Jahren ist ein Urlaub am Mittelmeer teurer als an der deutschen Ostseeküste. Da stimmt doch etwas nicht. Unter diesem Link habe ich zu diesem Thema ein paar, wie ich meine, aufschlußreiche Kommentare geschrieben.
http://www.cicero.de/berliner-republik/wir-lieben-europa-und-noergeln-am-euro/46604

In Italien existiert eine funktionierende und konkurrenzfähige Wirtschaft nur im Norden: Mailand, Turin etc. Das war interessanterweise schon im 10. Jahrhundert so. Kaiser Friedrich I. Barbarossa hat die Lombardei 20 Jahre lang mit Kriegen und Feldzügen überzogen, weil es dort für das Reich jede Menge Kohle, Steuern und Abgaben abzuschöpfen galt. Nur in Norditalien hat sich eine über 1000jährige Tradition vernünftigen und erfolgreichen Wirtschaftens erhalten. Die Mitte und den Süden (Mezzogiorno) kann man getrost abschreiben.

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Bakwahn10.10.2012 | 22:59 Uhr

HEGEL --> ein plötzlicher Einfall:

Das Tun und Trachten der Euro- und Europaideologen erinnert mich an ein Kapitel aus Hegels Phänomenologie des Geistes: „Das Gesetz des Herzens und der Wahnsinn des Eigendünkels“, welches ich jetzt in freier Weise auf die aktuelle Situation der „Eurorettung“ appliziere, anwende. Dieses Kapitel ist sicherlich eines der großen Lehrstücke und eine wirkungsmächtige Parabel Hegels. Hier ist nicht der Ort, um die Feinheiten und Einzelheiten des dialektischen Denkens von Hegel zu referieren; ich beschränke mich auf einige hegelsche Gedanken und Formulierungen.
Hegel hat dieses Kapitel mit deutlichem Blick auf die sich unter den Jakobinern Robespierres radikalisierende französische Revolution geschrieben, als die Guillotine Hochkonjunktur zelebrierte und bei den Scharfrichtern Vollbeschäftigung herrschte. Im Rahmen der Phänomenologie des Geistes findet sich diese spezielle Gestalt des Geistes im Vernunftkapitel im Abschnitt „Die Verwirklichung des vernünftigen Selbstbewußtseins durch sich selbst“.

Diese Euro-Retter tragen den Euro als „ihr Gesetz des Herzens“ und als höchsten Zweck in ihrem Bewußtsein. Dabei sind sie sich ihrer „Ernsthaftigkeit“ und „ihres eigenen vortrefflichen Wesens bewußt“, was sie dazu verführt, das „Wohl der Menschheit“ zu realisieren, indem sie ihr „Gesetz des Herzens“, den Euro nämlich, gegen alle Widerstände verwirklichen. Sie erheben ihr Gesetz des Herzens zu einem „Gerichtshof“ aus eigener Souveränität und versuchen nun, dieses Gesetz wie ein „tugendhafter Ritter“ auch mit dem Schwerte zu verwirklichen. Diese Euroträumer tragen ein Feuer der Begeisterung für das „Schöne, Wahre und Gute“ in sich und werden von dem Verlangen beflügelt, ihr Gesetz des Herzens möge das Gesetz aller Herzen werden.

Unweigerlich kommt es jetzt zum Kampf. Denn die Verwirklichung trifft auf Widerstände; die anderen finden das „Gesetz ihres Herzens“ darin eben nicht verwirklicht, „sondern nur das Gesetz eines anderen“. Folglich steht bei der Verwirklichung des „Gesetzes des Herzens“ diesem nicht nur das gesellschaftliche Allgemeine, das historisch Gewordene, Bewährte und Tradierte – das kollektive kulturelle Gedächtnis - als „starres Gesetz“ gegenüber, sondern auch das „Herz der (anderen) Menschen“.

Jetzt erfolgt der dialektische Umschlag:
„Das Herzklopfen für das Wohl der Menschheit geht darum über in das Toben des verrückten Eigendünkels“. Dieses Toben des verrückten Eigendünkels steigert sich zur „Furie der Zerstörung“.
Genau an diesem Punkte befinden wir uns bei der „Eurorettungsaktion“. Die Euroträumer werden nicht im Europaradies landen, sondern in der „Prosa der Verhältnisse“, wie Hegel an anderer Stelle ernüchternd formuliert.

Bakwahn
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Bakwahn10.10.2012 | 23:05 Uhr

Hegel

Glückwunsch und Danke für den Hinweis. Einer aus der IT - Branche (wie ich), der Hegel studiert hat (ich auch), das gibt's selten. Die meisten aus der Branche sind doch Nerds. Ich habe in der Firma, für die ich bis vor kurzem gearbeitet habe, 6 SW - Entwickler gefragt: Wer ist Mario Draghi? Keiner hat's gewußt! Das möchte ich nur anmerken um klarzustellen, dass von seiten des "mündigen Bürgers" oder gar der Piratenpartei (die ja von IT'lern durchseucht ist), nicht viel zu erwarten ist. Es muss ja wohl erst soweit kommen, dass diese Leute sich nicht mehr die neuesten Ultrabooks und Smartphones leisten können und auch die allgemeine IT- Infrastruktur verkommt.
Doch genug Schelte, wenn man mit 92 noch solche klaren Gedanken äuißern kann, ist mir ums Älterwerden nicht bange. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass der Autor genauer erläutert was er unter dem "Urknall" versteht, der sich ereignen soll und welche deutschen Schätze denn in welchen Tresoren liegen.

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Hajoe14.10.2012 | 09:43 Uhr

Meinen höchsten Respekt

... Herr Poullain, für diesen Artikel. Er gehört zweifelsohne zu den besten, die ich zu diesem Thema gelesen habe. Ich ersuche Sie, es nicht bei diesem einen zu belassen. In der Kakophonie der "Alternativlosigkeit" wird Ihre fundierte Meinung als Orientierungshilfe dringend benötigt.

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FritzLiberal12.10.2012 | 09:00 Uhr

Bravo

Gutes Interview. Recht hat er.

Bitte dieses wichtige und großartige Buch lesen:

DER GRÖSSTE RAUBZUG DER GESCHICHTE von Matthias Weik

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Rudi13.10.2012 | 22:51 Uhr

Der €-Urknall

Dieser außergewöhnliche Artikel von Ludwig Poullain in Cicero ist das Beste und Vernünftigste, was ich je über die Euro-Rettung gelesen habe. Man könnte ihn in Stein meißeln und sich in den Vorgarten stellen, damit Vorübergehende ihn lesen. Fast Wort für Wort sind seine Gedanken deckungsgleich mit meinen. Ich kann allen Lesern empfehlen, diesen Aufsatz anderen weiter zu empfehlen (per Link).

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Der Chronist13.10.2012 | 23:40 Uhr

Großes Lob

Der Artikel ist so gut, dass ich einfach einmal ein Lob als Kommentar schreiben muss - normalerweise meckere ich nur.
Das Märchen, dass der Euro den Frieden in Europa sichert, ist so glaubhaft, wie sichere Atomkraftwerke oder dass Deutschlands Freiheit am Hindukusch verteidigt wird.
Selten gab es so viel nationale Spannungen innerhalb Europas, wie nach dem zwangsweisen Zusammenklammern vollkommen unterschiedlicher Euroländer. Ohne Euro und Eurokrise wäre das Bild vom hässlichen Nazideutschen mittlerweile wahrscheinlich aus der ausländischen Öffentlichkeit verschwunden. Mit besonderem Dank an den Vater des Euro, Herrn Kohl!

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querdenker14.10.2012 | 08:53 Uhr

Währungsreform 1948

Im,ansonsten sehr guten Text,hat sich wohl ein kleiner Fehler eingeschlichen...

"Den meisten der damals arbeitenden Bürger war das mit ihnen im Jahre 1948 Geschehene noch allzu gegenwärtig, als durch die Währungsreform über Nacht 100 Mark auf 7,50 Mark reduziert wurden."

Die 100 Mark wurden , meines Wissens, auf 6,50 Mark reduziert.

weico

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weico14.10.2012 | 10:16 Uhr

lasst uns nicht nur in internet-foren diskutieren

Es ist mir wirklich ein Rätsel, warum immer mehr kluge Köpfe sehen, wie wir auf den Abgrund zusteuern, und sich hierüber in den Internet-Foren der einschlägigen Medien austauschen, sich politisch aber dennoch nichts tut. M.E. müssen wir alle jetzt aktiv werden. Wann, wenn nicht jetzt ist die Zeit, dass wir uns auch persönlich für die res publica engagieren? Ich jedenfalls werde es trotz aller beruflichen Belastungen tun und forde alle auf mitzumachen! Denn endlich scheint es eine wählbare Alternative zur Einheitspartei CDUCSUFDPSPDGRÜNE zu geben: www.wahlalternative2013.de

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siegfried luckner14.10.2012 | 14:40 Uhr

tja in die 30er indoktriniert

tja in die 30er indoktriniert und seither nix dazugelernt

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Sepp29014.10.2012 | 18:07 Uhr

Ludwig Poullains Aufsatz ist einfach .... alternativlos!

Großartig! Eigentlich ein Grund zur Hoffnung. All die Gedanken der Foristen hier ein Grund zur Hoffnung. Bakwahn, großartig. Leider jedoch muß ich ich Hajoes Beobachtung bestätigen. Ich selbst, ebenfalls aus der IT-Branche, habe in unendlich vielen Gesprächen das Phänomen erkennen müssen, daß es gelungen ist nicht nur "bildungsfernen" Teilen unserer Gesellschaft die Beschäftigung mit zentralen, unser aller Leben betreffenden Themen auszutreiben. Sicher, die scheinbar gleichgeschalteten Medien dieser BRD, welche sich bislang dem unreflektiertem Wiedergeben von "Altennativlos-Gelaber" der politischen Kaste verpflichtet fühlten, tun das ihre dazu. Ärzte, Lehrer, Kollegen - ESM, Target2, EZB sind weitgehend unbekannt. Und, fatalistisch hoch drei: "Wir können doch eh nichts dagegen tun". Mangelnde oder bewusst falsche Information, auf gegenwärtige Verteufelung "des Griechen" gerichtete Desinformation sind an der Tagesordnung. Mich Mutmaßungen über die Nutznieser dieser Entwicklung hinzugeben, erspare ich mir. Dringend sollte es unser aller Streben sein (sehr gute Idee, Der Chronist!) die tatsächlichen Verhältnisse, unser Wissen über die von Ludwig Poullain so unglaublich treffend formulierten Zusammenhänge (hier zu agitieren hieße Eulen nach Athen zu tragen) entsprechend unserer Möglichkeiten zu verbreiten. Und vielleicht findet sich in absehbarer Zeit eine organisierte Gruppe von verantwortungsbewussten Menschen, die in der Lage sein werden dem etablierten Politklüngel rechtzeitig vor der nächsten Bundestagswahl Paroli bieten zu können... Prinzip Hoffnung.

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heinzepeter14.10.2012 | 20:10 Uhr

Anschwellender Bocksgesang

Auch dieser bedeutende Text von Ludwig Poullain erinnert mich sehr an Botho Strauss' "Anschwellender Bocksgesang" von 1993.

  • Antworten
Alexander Schmelzer14.10.2012 | 20:35 Uhr

Leider sind unsere Politiker und Deutschland nicht souverän.

Das hat Schäuble letztes Jahr ganz klipp und klar vor den führenden Bankern gesagt. Deutschland war seit dem Mai 1945 nicht mehr souverän. Der EUR ist nicht etwas, was sich Kohl ausgedacht hat, sondern es ist Reparationszahlungsinstrument, an die Südländer, die Griechen, Spanier, aber auch an die Kriegsgewinner, die Engländer, die USA, die Franzosen. Mitterand sagte schon: der EURO ist Versailles II ohne Krieg. Wenn Schäuble und Merkel immer wieder sagen, der EUR ist eine Frage von Krieg und Frieden, dann meinen sie damit den II. Weltkrieg, nicht einen möglichen III.!

Auch Helmut Schmidt hat gesagt, daß wir noch bis weit ins 22. Jh Reparationen zahlen müssen. 10 Jahre hat man uns nach der Wiedervereinigung zugestanden, für den Aufbau Ost, wobei auch viele Steuergelder indirekt an die Sieger geflossen sind (Leuna Steuergelder an ELF Aquitaine = Frankreich) usw.
Seit 2001 schlägt der EUR direkt zu, und diesmal wurde uns via Schuldenbremese untersagt, uns a la 1923 aus dem Schuldendienst rauszuinflationieren. Aber trotzdem machen die Sieger wieder genau denselben Fehler wie nach dem I. WK, sie pressen zu viel aus uns raus und melken uns zu sehr, so daß es hier trotz gleichgeschalteter Propagandamedien zu Unruhen kommt.

Wie sehr die Gleichschaltung übrigens wirkt, kann man sich letzten Freitag ansehen, als über die Unruhen in Stuttgart kaum oder nur sehr stark verfälscht berichtet wurde, als Merkel dorthin kam und die ganz normalen Bürger schon mal den Aufstand geprobt haben. Würde man das verbreiten, käme es a la Ostblock 1989 ganz schnell zum Flächenbrand.
Das helfen die Systemposaunen mit, zu verhindern.

Leider werden diese ganzen Aspekte, daß Merkel, Schäuble, Steinbrück, Trittin nur Vasallen der Sieger und ihrer Banken sind, von Pollain und allen EUR Kritikern unter den Tisch gekehrt. WIR SIND NICHT FREI und können nicht einfach frei entscheiden, den EUR zu verlassen. Der EUR ist das Reparationsinstrument, die Zwangsknute, die uns auferlegt wurde.

Man erinnere sich an 1990: Mitterand und Thatcher wollten unter keinen Umständen die Wiedervereinigung. Dann kapitulierte Kohl, und schwupp setzten sie ihre Unterschrift unter den 2+4 Vertrag. Echte Staatsmänner wie Köhler, die dabei waren, haben die non bail out Klausel mit eingebaut. Davon hat Deutschland profitiert. Auch von Schröders Agenda 2010, womit zumindest die dt. Industrie profitiert hat im Rennen um die niedrigsten Löhne für seine Bürger.

Als die Besatzer und Reparationsempfänger im Süden nicht mehr profitieren konnten, wurden schwupps die Regeln geändert, und da kann auch ein BVerfGericht nichts dran ändern, denn das Besatzungsrecht steht drüber. Man schaue sich nur genau die Klauseln zum 2+4 Vertrag an.

Das einzige, was uns bleibt, ist passiver Widerstand, a la Ruhr 1920er Jahre. Machen wir mehr Siesta, dann können uns die Besatzer nicht mehr melken. Wieso leben die Amis auf fast doppelt so hohem Standard wie wir? Produziert ihre Industrie so viel mehr und so viel effizienter? Nein. Die Bankenkrake der Wall Street plündert via PIIGS Staaten uns aus, wie dereinst die Römer ihre Kolonien!

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brüning15.10.2012 | 16:39 Uhr

Es dauert nur noch ein Weilchen...

Toller und überzeugender Artikel.
Die wahren Zusammenhänge kommen jedoch im deutschen Volke nicht an. Und zu vielen geht es noch zu gut, um sich ernsthaft Gedanken zu machen. Die Massenverdummung durch das verlogene Geschwätz der Politik mit den Medien als Steigbügelhalter ist allgegenwärtig. Und so wird die Masse auch zur nächsten Bundestagswahl die Parteien wählen, die das Lügen und Täuschen am besten beherrschen. Wie hatte mal ein deutscher Politiker gesagt: „Je größer die Lüge, um so eher wird sie geglaubt!“
Jedenfalls wird das Geschrei groß sein, wenn das so genannte Eurosystem mit der totgeborenen Währung zusammenbricht. Das alles in Richtung Abgrund zusteuert ist unverkennbar. Mal sehen, wie lange es noch mit den Hinhaltetaktiken funktioniert.

  • Antworten
Gast10115.10.2012 | 17:36 Uhr

Chapeau!

Hut ab, Herr Poullain -Ihr Ausblick gehört in die Kategorie "zu wahr, um schön zu sein". Es wäre schön, wenn Ihre Altersweisheit ein wenig auf unsere Politversager in Berlin und Brüssel abfärben würde.

Ich teile Ihre Ansichten, aber am meisten die traurige Erkenntnis, dass dieses durch und durch verblödete System zunächst eine Katharsis braucht: Es muss erst noch viel schlimmer werden, damit es wieder besser werden kann.

Offenbar ist Vernunft eben immer noch das schwerste, was man Menschen abverlangen kann..

  • Antworten
Arno Schäfer15.10.2012 | 21:03 Uhr

>> und sich dann ihrer

>> und sich dann ihrer Lieblingsbeschäftigung hätten hingeben können

an der stelle habe ích aufgehört, weiter zu lesen ...

  • Antworten
hardy15.10.2012 | 22:44 Uhr

Europa- form follows fiction

Die Unsicherheit in der Bewertung Europas ist offensichtlich, besonders wenn es um den zukunftsorientierten Entwurf geht. Metaphern für Zukunftshoffnung werden von Politikern in Sonntagsreden bemüht. Dabei sieht man sich gerne als „Architekt“ oder „Baumeister“ Europas. So wird z.B. vom „Haus Europa“ geredet, in der Krise von „Plan B“, „Stützungskäufe“, „stabile“ Währungsunion, „Brandmauer“, et cetera. Die Konturen des „Hauses Europa“ verlieren sich jedoch aufgrund der Vielzahl der statischen Stützungsmaßnahmen. Die zukünftige Bewohnbarkeit, der eigentliche innere Zweck bleibt unbestimmt. Jetzt stellt sich die Frage, wie stellt man aus einer „Ruine“, aus einem alten Gebäude, das auseinanderzubrechen droht, eine neue funktionierende und moderne Architektur her? Abreißen, weil hoffnungslos veraltet und marode, und einen Neubau errichten, oder kontrollierter Rückbau, weil die Lasten für das Tragwerk inzwischen viel zu groß sind? In dieser Situation werden von den politischen „Architekten“ Beschönigungen gesucht, um uns zu trösten, oder um eine gefährliche (statische) Prüfung abzuweisen, ob überhaupt der Grund tragfähig ist. Das „Haus Europa“ wurde mit volkswirtschaftlicher Spekulation aufgebaut. Es wird von den politischen „Architekten“ weiterhin versucht werden eine systematische Einheit mit realwirtschaftlichen Ungleichgewichten herzustellen. Die architektonische Figur- eine Art fragmentarische Dekonstruktion. Jetzt wird als oberster und innerer Zweck die Friedenssicherung bemüht, die das Ganze erst möglich macht, gleichsam eine endzeitliche Friedensordnung für den ganzen Kontinent. Die Idee, mit dem „Euro“ eine friedliche und gewaltfreie Einheit herstellen zu können ist nicht bewiesen. Die Währung kann das friedliche Zusammenleben in Europa ebenso zerstören. Die Ratlosigkeit, wenn es darum geht, dem „europäischen Haus“ einen zukunftsfähigen Entwurf und eine zeitgemäße Ausführung zuzuweisen, schon im Hinblick auf die ökonomische Substanz ist offensichtlich. Es ist der Versuch eine Konstruktion zu stabilisieren, um weiterhin unbestimmte Zwecke zu unterstützen. Ein System ist ja die Einheit der Teile unter einer Idee. Die Form eines Ganzen, wo sich die einzelnen Teile unterordnen. Alle Teile beziehen sich aufeinander. Das Ganze ist gegliedert. Ich brauche dazu auch ein Schema und Proportionen. Der Zweck bestimmt die Ordnung der Teile. Es bedarf eines neuen Gesetzes, eines Prinzips, das sich eine „ konstruierte Gemeinschaft“ selbst geben muss, jedoch würden diese Gesetze erneut in der Not gebrochen werden. Das „Haus Europa“, als fixiertes Leitbild, hat nur eine Chance in einem Modell: Länder, die ihre Identität bewahren wollen, müssten Teile ihrer Autonomie (Souveränitätsrechte) aufgeben. Das wird jedoch politisch scheitern. Ein anders Denkmodell ist daher realistischer, nämlich der kooperierenden Länder und Unternehmungen. Das ist auch typisch und gut europäisch und ein modernes „form follows function“ Prinzip.

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bernhard jasper16.10.2012 | 10:42 Uhr

intellektuell unterste schublade

trotz hochgestochener sprache intellektuell unterste schublade -- chauvinistisches gewäsch.

  • Antworten
puck of pook's hill16.10.2012 | 12:25 Uhr

Sie sind ein gutes Beispiel für ein Niveau,

das mit Fug und Recht als bildungsfern betrachtet werden kann. Wenn Sie das selbst noch einmal lesen, was Sie da geschrieben haben und es auch mit anderen Kommentar-Beispielen in diesem Blog vergleichen, kommen Ihnen da nicht doch Zweifel, ob Ihr Beitrag angemessen war?

Wenn Herr Poullain z.B. schreibt
"Mit der Einführung der Gemeinschaftswährung haben diese drei Länder die Pflege ihrer Industrielandschaft bewusst vernachlässigt. Anstelle einer anstrengenden Industriegesellschaft haben sie sich für die bequemere der Dienstleistungen entschieden. Diese Strukturänderung hat zu einer endgültigen Vernichtung von Millionen von Industriearbeitsplätzen geführt. Sie sind durch kein Wachstumsprogramm neu zu schaffen. Diese Lücken gehören nunmehr endgültig auch zur Struktur dieser Länder. Sie bedingen Arbeitslosenquoten, die über Jahrzehnte auf einem Sockel im zweistelligen Prozentbereich verharren werden. Als weitere Folge dieser Deindustrialisierung wird das Bruttosozialprodukt dieser Staaten in Zukunft kein erwähnenswertes Wachstum erfahren können, und deswegen wird sich auch die Staatsverschuldung weiterhin zwangsweise erhöhen. An dieser Konsequenz werden alle Fiskalpakte dieser Welt nichts ändern können."

dann ist seine Vorgehensweise argumentativ und analytisch; er stellt die Frage, wie eine Währungsunion in diesem Rahmen denn funktionieren soll. Sie müssen seine Auffassung und seine Schlussfolgerung nicht teilen, aber ihre Auslassung sind nur noch peinlich. Es werden schnell ein paar Begriffe abgesondert, "Chauvinistisch" und "intellektuell unterste Schublade", damit auch jedem klar sein soll, dass Herr Poullain zu den "Bösen" gehört, zu denen die die europäische Friedensordnung gar nicht wollen, denn das impliziert ja das Wort "Chauvinismus". Wenn das alles ist, was die linken Eurobefürworter (und zu denen gehören Sie ja wohl) argumentativ zu bieten haben, ist das jämmerlich.

  • Antworten
Grinario18.10.2012 | 12:44 Uhr

Abgehoben, der Herr P.

Er schreibt:

"Zwar gibt es, rein theoretisch, noch ein weiteres Regulativ, auf das aber schon mangels politischer Umsetzbarkeit nicht zurückgegriffen werden kann: eine der unterbliebenen Abwertungsquote entsprechende Kürzung der sozialen Leistungen. Die Griechen und nunmehr auch die Spanier demonstrieren, dass ein solch grundsätzlich probates Mittel in der Praxis immer am militanten Widerstand der Betroffenen scheitern muss."

Tja, die militanten Südländer, können ja gar nichts ab. Dass viele in Griechenland nur noch dank Suppenküche was zum Essen bekommen, wen kümmert´s.

Man möchte ihm gerne folgende Zeilen entgegenhalten:

"Uns in der Wirtschaft täte Demut zu empfinden, und sie mitunter auch zu zeigen, gut. Wir müssen nicht mit dem Kopf unter den Armen herumlaufen, aber ein Gespür dafür entwickeln, was in den Gemütern derer vorgeht, die nicht auf der Sonnenseite rechtssicherer Dienstverträge leben. Wir sind Pharisäer, wenn wir nur immer wieder auf den Mißbrauch sozialer Sicherungsinstrumente hinweisen, anstatt unser eigenes Tun selbstkritisch zu betrachten."

Geschrieben hat´s ein gewisser Ludwig P., acht Jahre ist das her - aber so ist das nun einmal mit dem "Geschwätz von gestern".

  • Antworten
Udo S.16.10.2012 | 19:16 Uhr

Ein paar Anmerkungen zu Leserkommentare

@Udo S.
Ihr Kritik an Poullain wäre besser und glaubhafter, wenn Sie auf die großen finanziellen Reserven reicher Griechen hingewiesen hätten; die meisten dieser Millionäre und sogar Milliardäre haben weder Steuern noch Abgaben bezahlt, haben ihr Geld ins sichere Ausland geschafft und einige kaufen jetzt in London, Paris und Berlin Luxusimmobilien. Sie hätten hinweisen müssen auf die katastrophalen Verhältnisse im griechischen Staatswesen und Verwaltung, die einem „failed state“ gleichkommen.
Außerdem stört Ihr aufdringlicher Moralismus: Die griechische Bevölkerung ist nicht so unschuldig, wie Sie meinen. Sie war ca. 8 Jahre lang Nutznießerin der hemmungslosen Schuldenpolitik, schwelgte in Wohlstandsillusionen.

@Hajoe und auch @Heinzepeter

Leider ist das Ausmaß der Unwissenheit über die Euro-Krise nicht nur unter EDV-Fachleuten, sondern in der gesamten Bevölkerung erschreckend. Die Regierung hat es bisher verstanden, die katastrophalen finanziellen Auswirkungen der „Rettungsmaßnahmen“ auf den deutschen Schuldenstand zu vertuschen. Dabei ist ihr die augenblicklich gute Bonität Deutschlands an den Finanzmärkten zu Hilfe gekommen. Für neu aufgenommene Staatsschulden muß Schäuble zwischen 0 % bis maximal 1 % Prozent zahlen (so ungefähr). Zudem werden aus den Milliarden von Haftungen und Bürgschaften in naher Zukunft reale Rechnungen.

Zu Hegel: er ist einer meiner bewunderten Genies. Ich bilde mir ein, ihn sogar zu verstehen, ein bißchen jedenfalls.

  • Antworten
Bakwahn22.10.2012 | 11:49 Uhr

Verschwörungstheorie zur Souveränität der BRD

@Brüning
Was Sie uns da auftischen gleicht eher einem Mißverständnis und einer Verschwörungstheorie; allerdings mit einer Portion Wahrheit.

Allgemein läßt sich zur Souveränität von Nationalstaaten folgendes sagen: seit ein paar Jahrzehnten verliert der Nationalstaat im Zuge der Globalisierung an Selbständigkeit. Das gilt auch für die BRD. Die großen, die ganze Welt betreffenden, Probleme wie Umweltbelastung und Erderwärmung machen an den nationalen Grenzen nicht halt. Ähnliches gilt – im Rahmen der EU - auch für Probleme z.B. der Landesverteidigung und Sicherheitspolitik, des Arbeitsmarktes, der Versorgung mit Rohstoffen und Energie. Hier reichen die Machtmittel eines Nationalstaates nicht aus. Also muß er – um seine Interessen zu wahren – Kompetenzen an übernationale Institutionen abtreten.
Insofern bin ich für eine weitere europäische Zusammenarbeit und Integration etwa im Bereich der Außenpolitik, der Sicherheits- und Militärpolitik. Von daher ist die Souveränität, die Unabhängigkeit der BRD auch und gerade nach der Wiedervereinigung zurückgegangen, weil Kompetenzen auf europäische und andere supranationale Institutionen übergegangen sind.

In einem Punkt muß man Brüning allerdings recht geben: die wirtschaftliche Rückständigkeit und Wettbewerbsunfähigkeit der Südländer führt zu dauerhaften und gigantischen Transferzahlungen an den Club Med und damit zu einer massiven Umverteilung von Wohlstand.

  • Antworten
Bakwahn22.10.2012 | 11:52 Uhr

Verzweifelt gesucht: politische Alternativen

@ Alle
speziell: Simon, gast, Elisabeth Weiss, Herbert Feller, Helgoo, Wolfgang Schäfer, Wolram Wiesel, von Schnittlauch, FritzLiberal, Der Chronist, Querdenker, Siegfried Luckner, Gast101, Arno Schäfer, Grinario etc.

Es reicht nicht, mit guten Argumenten gegen die laufende Eurorettungspolitik anzuschreiben. Es muß auf politischer Ebene bei Wahlen etwas geschehen. Die einzige Partei oder besser Wählergemeinschaft scheint mir die „Bundesvereinigung Freie Wähler“ zu sein. Ich habe mich der „Wahlalternative 2013“ angeschlossen.

Die Berichterstattung in unseren links-liberalen Leitmedien inklusive des Staatsfernsehens, der Euro sei kein Taxi, aus dem man an der nächsten roten Ampel aussteigen kann, wenn einem die Fahrt nicht mehr gefällt, suggeriert dem Publikum eine Alternativlosigkeit und bestärkt ein Illusionsdepot: „es wird noch alles gutgehen“.

Der jetzige Zustand der Euro-Zone erscheint wie ein moderner Hochgeschwindigkeitszug, der ohne Tempolimit in ein Nirgendwo hineinrast – in ein „no-where-land“ oder „no-man's-land“ –, von dem niemand weiß, ob es dort überhaupt Schienen gibt. Gleichzeitig beschleicht die Reisegesellschaft das Gefühl, die Lokomotive werde von einem Haufen Komiker und Europaclowns geführt.

http://www.freiewaehler.eu

http://www.wa2013.de

Bakwahn
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Bakwahn22.10.2012 | 11:55 Uhr

Vorsprung durch Technik

Verfolgt man die politischen und feuilletonistischen Kommentare in den Medien zur Entwicklung Europas, dann fällt in erster Linie eines auf, die Ratlosigkeit, wenn es darum geht, Europa einen diskussionsfähigen Rang als dynamische und prosperierende Weltgegend zuzuweisen. Beklagen wir nicht gerade eben dies, dass nichts so richtig zu gelingen scheint? Alles scheint gleichgewichtig. Mich erinnert die gegenwärtige Politik immer an Beschwörungen, die man als Rückzug aufs Fragment, als eine Absage an die Verantwortung im Großen und Ganzen interpretieren kann. Auf EU-Ebene heiß das auch, wo alle entscheiden wollen, verlieren sich die Konturen, wenn alle mitwirken wollen, gerät es leicht selbst gestrickt. Es sind immer wieder die unerträglichen Klein-Klüngeleien in der Politik, die in einem größeren Konsens nicht geschlossen werden können. Auch heute, wenn etwa dem hoffnungslos veraltet erscheinenden Wirtschaftsraum im Süden Europas ein Anschluss an nordeuropäische (bundesrepublikanische) Standards mit Reformen angesonnen wird. Investitionen spielen jedoch hier eine dominierende Rolle. Vor diesem Hintergrund war überregional zu lesen, dass ein Richtungswechsel in der Wirtschaftspolitik der Europäischen Union nötig ist. So ist es!!! Eine neue Industriepolitik auf EU-Ebene ist notwendig. Reale Werte statt fiktiver Finanzgeschäfte.

P.S.: Der Autor nimmt einen deutschen Porsche als eine Meisterleistung deutscher Ingenieurskunst wahr.

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bernhard jasper22.10.2012 | 21:02 Uhr

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