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 > Was kostet die Energiewende?

Kapital
Atomausstieg

Was kostet die Energiewende?

von 
Til Knipper
7. Juli 2011
picture alliance
Was kostet die Energiewende?
Wird die Wende teurer als die Wende?

Der Umbau des Energiesystems könnte bis zu 1,5 Billionen Euro kosten – verteilt über vier Jahrzehnte. Auch kurzfristig kommen höhere Kosten auf Verbraucher und Industrie wegen Preisanstiegen bei Strom und Emissionszertifikaten zu. Ihre Klimaziele kann die Bundesregierung ebenfalls abschreiben.

Wird die Wende teurer als die Wende? Für die Wiedervereinigung haben die Deutschen in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund 1,7 Billionen Euro gezahlt. Der vorgezogene Ausstieg aus der Atomenergie, verbunden mit einer kompletten Umstellung auf erneuerbare Energien, könnte nach einem Gutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen, verteilt über die kommenden vier Jahrzehnte, Investitionen in Höhe von 1,5 Billionen Euro erfordern. In dieser Summe sind der Bau neuer Anlagen, die Erweiterung des Stromnetzes, die Entwicklung und der Einsatz neuer Stromspeicher sowie effizienzsteigernder Technologien enthalten.

Bildergalerie: Die Kosten der Energiewende
  • Die deutschen Haushaltsstrompreise
  • Substitution der deutschen Kernenergie
  • Die Preise der Emissionszertifikate
  • Die Strompreise im Großhandel
  • Die Zusammensetzung des Strompreises

Auf Verbraucher und Industrie kommen aber auch kurzfristig höhere Belastungen zu. Nach einer Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) steigen die Haushaltsstrompreise im Vergleich zum Jahr 2010 bis 2020 um 18 Prozent. Das bedeutet für einen Durchschnittshaushalt allerdings nur Mehrkosten von 35 Euro im Jahr gegenüber dem im vergangenen Herbst beschlossenen Energiekonzept der Bundesregierung (siehe Grafik Haushaltsstrompreise). Im Stromgroßhandel könnten die Preise bis 2018 um bis zu 30 Prozent steigen gegenüber dem ursprünglichen Energiekonzept. Danach sinkt die Preisdifferenz wieder, weil auch nach alter Gesetzeslage 2020 die ersten Kernkraftwerke stillgelegt werden.

Gerade für die energieintensiven Industrien werden durch den früheren Ausstieg auch die Preise für die CO2-Emissionszertifikate steigen, weil die CO2-freie Kernenergie zunächst durch Kohle und Gas ersetzt werden muss (siehe Grafik Substitution Kernenergie). Die Preisdifferenz zwischen den beiden in der BDI-Studie verglichenen Szenarien liegt für das Jahr 2020 bei 36 Prozent (siehe Grafik Preis Emissionszertifikate). „Deutsche Unternehmen können nur darauf hoffen, dass die anderen europäischen Länder ihre Einsparungen bei der CO2-Einsparung forcieren, um einen Preisanstieg der Zertifikate zu verhindern“, sagt Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts in München. Wahrscheinlich werde dies dort aber durch einen weiteren Ausbau der Atomenergie realisiert werden, so Sinn. Das führt den deutschen Alleingang beim Ausstieg aus der Kernenergie dann endgültig ad absurdum. Auch auf den Titel „Klimakanzlerin“ wird Angela Merkel infolgedessen verzichten müssen. „Die klimapolitischen Zielsetzungen, die die Kanzlerin beim G-8-Gipfel in Heiligendamm proklamiert hatte, sind nicht mehr erreichbar“, konstatiert Sinn.

Weitere Kosten entstehen dadurch, dass für den Umstieg auf erneuerbare Energien nach einer Untersuchung des Prognos-Instituts rund 4500 Kilometer neue Leitungen verlegt werden müssen, weil der verstärkte Ausbau der Windkraft vor allem an küstenfernen Standorten stattfindet. Der Neubau einer ein Kilometer langen Freileitung kostet derzeit zwischen 1,1 und 1,4 Millionen Euro. Unterirdische Leitungen sind noch teurer, sodass allein durch den notwendigen Netzausbau bis 2020 ein Investitionsbedarf von mehr als 6,3 Milliarden Euro entsteht.

Um eine derartige Erweiterung des Netzes überhaupt bewerkstelligen zu können, will die Koalition nach Absprache mit den Ländern in Kürze ein „Netzausbaubeschleunigungsgesetz“ verabschieden. Es sieht vor, die Zuständigkeit für den Ausbau von Netzen mit überregionaler Bedeutung bei der Bundesnetzagentur zu bündeln. Gleichzeitig werden betroffene Naturschutzgesetze zugunsten des Netzausbaus eingeschränkt.

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Preissteigerung

Ist es nicht so, dass eine selbst geringe Erhöhung der Strom- bzw Energiepreise zu einer Verteuerung aller Produkte führt, zu deren Produktion Energie notwendig ist (ja, das sind fast alle)? Zum Beispiel wird bei der Erhöhung von Fahrkartenpreisenm (Bus, Bahn, Ubahn, ...) fast immer mit der Erhöhung der Energiekosten argumentiert. Das heißt, man darf als Verbraucher nicht glauben, dass es mit den scheinbar geringen Kosten für die Energiewende (nur 35 € mehr im Jahr) getan ist. Wenn die damit verbundenen Kostensteigerungen in der gesamten Produktionskette sich letztlich auf alle Preise ausüben, ist der reale Effekt womöglich weitaus stärker. Wäre schon, wenn sich mit dieser Frage mal jemand beschäftigen könnte. Müsste sich ja empirisch ganz gut zeigen lassen können, in wie weit sich die Energiekosten auf das allgemeine Preisniveau ausüben und damit letztlich ja auch auf die Inflation, oder?

  • Antworten
Tobias07.07.2011 | 14:43 Uhr

35 Euro auf der Stromrechnung

35 Euro auf der Stromrechnung, aber auch nur weil wir die ganzen Subventionen für Ökostrom schon mit unseren Steuern bezahlen! Wären die Subventionen nicht, würde die Stromrechnung wesentlich höher ausfallen, alles Augenwischerei! Und wer muß es am Ende wieder bezahlen ? ...

  • Antworten
Jan07.07.2011 | 17:42 Uhr

Atomstrom

...mein Vorschlag, alle Atomkraftwerke wie gehabt laufen lassen, innerhalb von 30 Jahren Schritt für Schritt auf erneuerbare Energien umstellen und keine sinnlosen Hau-Ruck-Aktionen veranstalten!

  • Antworten
Bianca Jäckel11.07.2011 | 13:43 Uhr

Atomausstieg

Icvh meine dieses schnelle Vorprechen ist nicht noetig wenn man bedenkt das Frankreich nicht aus Atom aussteigen will .

  • Antworten
herbert Goertz11.07.2011 | 17:55 Uhr

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