Haben Facebook und die Banken Anleger getäuscht? Der Börsengang von Facebook könnte für das Online-Netzwerk zum Desaster werden. Wer Schuld daran ist, wer dafür zahlt und was das für Facebook bedeutet
Es könnte hart kommen für Facebook: Mindestens sechs Anwaltskanzleien strengten im Namen von Investoren Sammelklagen gegen Facebook, Unternehmenschef Mark Zuckerberg und andere Verantwortliche des sozialen Netzwerks sowie die beteiligten Banken ein. Die Schadenersatzforderungen könnten in die Milliarden gehen.
Wie lauten die Vorwürfe?
Anleger werfen Facebook und den Emissionsbanken Irreführung in den
letzten Tagen vor dem Börsengang vor – das wiegt schwer in einem
Geschäft, in dem es auf Transparenz ankommt.
Nach Informationen amerikanischer Wirtschaftsmedien hat Facebook noch während der Roadshow für den Börsengang die eigenen Umsatzprognosen gesenkt, und diese Informationen auch an die Banker weitergegeben. Das ist höchst ungewöhnlich. Während der Roadshow zieht normalerweise eine Werbekarawane von Stadt zu Stadt, trifft sich mit potenziellen Anlegern und trommelt für das neu gelistete Unternehmen. Dass mitten in der Jahrmarktstimmung Geschäftsprognosen nach unten revidiert werden, passt nicht ins Bild, spricht aber für eine gewisse Ehrlichkeit bei Facebook. Bei den Banken kam davon nichts an. Zwar senkte auch Morgan Stanley als führende Emissionsbank die hauseigenen Prognosen und die Partnerfirmen Goldman Sachs und JP Morgan zogen nach. Doch reichten sie die Nachricht nur an wenige prominente Großanleger weiter. Kleinanleger erfuhren nichts von dem plötzlichen Pessimismus.
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Gegen wen richten sich die Vorwürfe?
Dass sich Anleger hintergangen fühlen, ist wohl in erster Linie
Morgan Stanley zuzuschreiben. Die Emissionsbank war offensichtlich
über eine mögliche Umsatzschwäche bei Facebook informiert und
behielt das weitgehend für sich. Statt Anleger zu warnen, entschied
man sich für Profitmaximierung und – entgegen aller Logik – eine
Erweiterung des Börsengangs. Drei Tage vor dem IPO, dem Initial
Public Offering, setzte Morgan Stanley den Ausgabepreis für die
Aktie auf 38 Dollar und damit an das obere Ende der angepeilten
Spanne. Gleichzeitig entschied man sich, die Zahl der ausgegebenen
Anteilscheine auf 421 Millionen zu erhöhen. Morgan Stanley hatte
dabei vor allem die Gebühren im Blick, die für das eigene Haus
anfallen würden – bei erfolgreichem Börsengang rechnete die Bank
mit Einnahmen von mindestens 64 Millionen Dollar.
Zurücklehnen kann sich Mark Zuckerberg. Der Facebook-Gründer, dessen Vermögen mit dem Börsengang zeitweise auf 19 Milliarden Dollar kletterte, war nie ein Freund der Börse und hätte sein Unternehmen wohl aus eigenem Antrieb nie gelistet. Entsprechend hielt er sich bei den Vorbereitungen des Börsengangs zu und überließ das Feld seinem Finanzchef David Eberman.
Dennoch muss sich Zuckerberg Vorwürfe anhören. So störten sich Investoren während der Roadshow an dem offensichtlichen Desinteresse des Chefs, der bei manchen Veranstaltungen mehr Zeit auf dem Klo verbrachte als in Meetings mit Interessenten. Bei anderen Veranstaltungen, etwa beim Stop in Boston, fehlte er ganz. Investoren hatten mehr Zugang zu Zuckerberg erwartet, zumal der nach wie vor 57 Prozent der stimmberechtigten Aktien hält und damit das weitere Schicksal von Facebook quasi allein bestimmen kann.
Welche Rolle spielten die Banken?
Die Banken haben in ihrer Gier die Bewertung für Facebook zu hoch
angesetzt und damit Anleger um eine Menge Geld gebracht. Dass
Morgan Stanley wenige Tage vor dem Börsengang die Zahl der Aktien
und den Kurs anhob, war unverantwortlich, denn im Nachhinein zeigt
sich, dass das Interesse an Facebook geringer war als erwartet.
Morgan Stanley hatte sich bei der Ausführung des Börsengangs an
früheren Hightech-IPO orientiert und darauf gebaut, dass auch
diesmal Anleger zu jedem Preis aufspringen würden. Dem eigenen Hype
um Facebook erlag man dann selbst: Auf Anweisung von Morgan Stanley
flutete Facebook den Markt mit Papieren, die keiner haben wollte –
letztlich musste die Bank selbst mit eigenem Geld Aktien kaufen, um
einen peinlichen Kurssturz am ersten Börsentag zu verhindern. Der
kam dennoch zu Beginn der ersten Handelswoche.
Lesen Sie weiter, wer Schuld an dem Desaster ist und wer dafür zahlt...











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