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Kapital

WährungsunionDer Geburtsfehler des Euro

Von Til Knipper15. August 2011
picture alliance
Euro, Bonds, Anleihen, Merkel
Bekommen wir bald die Eurobonds?
Schrift:

Keine Währungsunion ohne gemeinsame Steuer- und Wirtschaftspolitik. Welche Konsequenzen sich aus dem Geburtsfehler des Euro innerhalb der Europäischen Union ergeben und warum Merkel und Co. sich lieber auf Rettungsschirme als auf Eurobonds konzentrieren sollten. Ein Kommentar

Nach dem Gesetz der Serie, dass bei der Bekämpfung der Eurokrise am Ende immer das eingeführt wird, das die Bundesregierung unter der Führung von Angela Merkel nicht will, kann man jetzt schon Wetten darauf abschließen, dass wir über kurz oder lang die so genannten Eurobonds bekommen werden, also gemeinsam aufgelegte europäische Staatsanleihen, für die alle Mitglieder der Eurozone auch gemeinsam haften. Die Kanzlerin wird sich so lange dagegen wehren, wie sie nur kann, weil sie aus innenpolitischen Gründen nicht die Zahlmeisterin von Europa werden will – und, auch das kommt einem bekannt vor, durch dieses Verzögern wird die gewählte Lösung am Ende teurer, weil in der Zwischenzeit durch den Druck der Finanzmärkte die Krise auf weitere Länder übergesprungen ist.

Bei den Eurobonds stellt sich die Frage, ob sie überhaupt schnell genug eingeführt werden können und ob sie ein wirksames Mittel sind, gemeinsam aus der Schuldenkrise herauszukommen. Durch die gesamtschuldnerische Haftung für die gemeinsam von einer europäischen Schuldenagentur ausgegebenen Anleihen erhielten die Krisenstaaten wie Griechenland, Irland und Portugal wieder Zugang zu den Anleihemärkten, für die europäischen „AAA“-Staaten, wie Deutschland, Frankreich oder Österreich müssten dagegen in einem Eurobonds-System im Endeffekt höhere Zinsen zahlen als bisher. Da aber auch ein Festhalten an den Rettungsschirmstrategie nicht zum Nulltarif zu haben ist, wäre das noch zu verschmerzen.

Um trotzdem Haushaltsdisziplin in den Krisenländern zu erreichen, wird jetzt in den Medien darüber diskutiert, dass alle Staaten ein Schuldenbremse einführen müssen, der Stabilitätspakt verschärft werden muss, Verstöße zu automatischen Sanktionen führen müssen, souveräne Staaten und deren gewählte Parlament unter gewissen Umständen die Hoheit über ihren staatlichen Haushalt an Brüssel abtreten müssen.

Letztlich laufen alle diese Forderungen darauf hinaus, den Geburtsfehler des Euro zu beseitigen, dass eine Währungsunion ohne gemeinsame Steuer- und Wirtschaftspolitik nicht funktionieren kann. Welche Konsequenzen sich daraus innerhalb der EU ergeben, hat der deutsche Ökonom Clemens Fuest, der in Oxford lehrt, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt überzeugend dargelegt. „Letztlich müsste die Europäische Wirtschafts- und Finanzregierung also nicht nur Steuern, Staatsausgaben und Staatsschulden kontrollieren, sondern auch in die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik eingreifen“, lautet Fuests Schluss.

Es scheint mehr als fraglich, ob solche dramatischen Einschnitte überhaupt politisch durchsetzbar sind. Ausgeschlossen ist aber, dass sie schnell umgesetzt werden können. Lange öffentliche Diskussionen sind aber das Gegenteil von dem, was die nervösen Märkte beruhigt.

Insofern sollten Merkel und Co. doch an den Rettungsschirmen festhalten, weil sie flexibler sind, weil sie schneller erweitert werden können und weil sie die betroffenen Länder disziplinieren. Wichtig ist dabei vor allem, dass die Bundesregierung dabei entschieden voran geht und alle Beteiligten in Europa klar und einheitlich kommunizieren.

Irgendwann muss schließlich jede Serie mal zu Ende gehen.

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die deutsche Bevölkerung hat keine Lust mehr auf den ganzen Volksverdummungsquatsch.
Die Zahlungsunfähigkeit der PIIGS steht doch ausser Frage.
Also wer haftet für die Zinszahlungen der Schulden... Richtig die dt. Arbeitsbiene.
Lasst euch nicht für dumm verkaufen.
Wir müssen uns wehren.
Raus aus dem Euro.
Gegen die Versklavung des Volkes.
Gegen diesen Wahnsinn.
Gegen diesen Politik Lobbyismus.
MfG - Rudolph Rene - ¡Echte Demokratie Jetzt!

  • Antworten
Rudolph15.08.2011 | 16:33 Uhr

Der Geburtsfehler des EURO

Bitte nicht "naiv" sein. Der EURO wäre nie eingeführt worden, wenn die DM so "schwach" gewesen wäre wie DRACHME/PESETA/LIRA/ESCUDO (und in Grenzen Franc). Das sarkastische Bonmot des 'LE FIGARO' lautete:
"Maastricht ist Versailles ohne Krieg".
Man hat zwar vieles für die Deutschen unterschrieben, was dann bei
Gelegenheit bltzschnell gebrochen wurde, z.B. die "no bail-out-Klausel', aber die Hoheit über die Finanzpolitik hätte man damals nie und nimmer aufgegeben. Man wollte die billigen (niedrigen) Zinsen, die man durch die stabile DM erhielt - und damit Milliarden an eigenen Zinskosten einsparen - aber doch keine gemeisame Wirtschafts und Finanzpolitik.
Mit den niedrigen Zinsen des stabilen EURO (DM) konnte man sich prima
neu verschulden und das eingesparte Geld (und das neue geliehene Geld)
für soziale Wohltaten an die eigene Klientel verteilen. Ganz nebenbei
wurde bei der Umstellug die DM/EURO noch etwas aufgewertet, was der
Wettbewerbsfähigkeit zugute kam (siehe PÖHL). Außerdem wurde beim Umtausch von DM in EURO die Sache so organisiert, dass Frankreich 31 Milliarden EURO mehr bekam als ihm eigentlich zustand. (Siehe SINN).
Nun ist das Spiel mit den Anleihen zu Ende, denn die Anleger verlangen nun wieder, wie vor dem EURO, höhere Zinsen von den Wackelkandidaten
bzw. der Pleitekandidat Griechenland bekommt gar kein Geld mehr.
(Selbst wenn Griechenland alle Zinszahlungen und Anleiherückzahlungen sofort einstellen würde, könnte es mit seinen eigenen Steuereinahmen den Staat (Rentner/Beamte)auf dem jetzigen Niveau nicht bezahlen.)
So, und nun kommen also die EURO-Bonds - wie immer man das Kind auch nennen wird - d.h. die Zinsen werden "sozialisiert". Die deutschen Zinsen steigen damit die Zinsen der PIGS-Länder niedriger werden. Deutschland zahlt alo eine Zinssubvention für die anderen Länder.
Und haftet für die Rückzahlung, d.h. wenn ein Lnd die Anleihe(en) nicht zurückzahlt, dann müssen die anderen Länder einspringen. Hauptzahler dabei: Deutschland.
Kosten für Deutschland: ca. 40 Milliarden EURO pro Jahr.
Da Frankreich und die PIGS-Länder mehr importieren als exportieren und die privaten Anleger dieses Defizit nicht mehr finanzieren wollen, muß eben Deutschland dieses Defizit "irgendwie" finanzieren (bezahlen). Bis zum bitteren Ende.
(Via Brüssel hat Deutschland von 1991 bis 2008 einen Netto-Beitrag für die EU von 146,o Milliarden EURO geleistet. Genau so viel wie die anderen Netto-Zahler. Griechenland erhielt von 1991 bis 2008 75,4 Milliarden EURO via Brüssel. (Deutscher Anteil 38.3 Milliarden EURO).
Trotzdem wirft man den Deutschen nun "mangelnde Solidarität", "Madame NO", "NAZI-Euro" etc.vor.
Von 2014 bis 2020 sind für Deutschland via Brüssel ja wieder ca. 150 Milliarden EURO (netto) fällig.
Wer die Geschichte kennt, der weiß ja auch wie es in der Weimarer Republik endete.
Hoffnung gibt es keine. Also:
CARPE DIEM und fröhlich bleiben.

  • Antworten
Wolfram Wiesel15.08.2011 | 16:39 Uhr

Luftschlösser

Mag sein, dass zu Eurobonds ein entsprechener Einfluss auf die Ausgabenpolitik der Krisenländer gehörte. Nur wird letzterer genauso wenig kommen wie der Weltfrieden oder eine Zähmung der Finanzmärkte. De facto werden die wirtschaftlich gesunden Länder also die Schulden der anderen übernehmen und sich also selbst ruinieren. Eurobonds bedeuten nämlich nicht nur den Anstieg der Zinslast, sondern HAFTUNG - die Krisenländer können dann recht bequem die Gläubiger auf uns verweisen und ihre Sparbemühungen einstellen. Sich gegen diesen
Wahnsinn zu stemmen ist alles andere als antieuropäisch. Wer solch ein Versailles ohne Krieg anrichtet, sprengt nämlich Europa. Das sind nicht nur "innenpolitische Gründe".

  • Antworten
Helgoo15.08.2011 | 17:14 Uhr

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