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Kapital

US-ErnährungskulturVerbot gegen Aufklärung

Von Til Knipper1. Juni 2012
picture alliance
Michelle Obama, Gemüse, Ernährung, essen
Ob das wohl schmeckt? Michelle Obama auf dem Gesundheitstrip
Schrift:

Keine große Cola mehr in New York, keine Gänsestopfleber mehr in Kalifornien, was bleibt da noch vom American Dream? Selbst gezogenes Gemüse, empfiehlt die oberste Gärtnerin der Nation

Dass Barack Obama ein Sozialist ist, geschenkt. Weiß jeder, der auch nur unregelmäßig die hochwertige Berichterstattung des amerikanischen Nachrichtensenders Fox News verfolgt oder ab und zu Ausschnitte der Debatten der republikanischen Präsidentschaftskandidaten gesehen hat, insbesondere die Äußerungen des leider viel zu früh aus dem Rennen geschiedenen Donald Trump. Aber Michael, der New Yorker Bürgermeister, der auf republikanischem Ticket in die City Hall eingezogen war, und sein Vermögen mit der gleichnamigen Finanznachrichtenagentur gemacht hat, war allzu linker Anwandlungen bisher eher unverdächtig.

Doch diese Woche hat Bloomberg einem der Symbole der USA, einem Stützpfeiler des amerikanischen Traums den Kampf angesagt: dem Big Gulp. Dieser bis zu 1,9 Liter fassende Becher war die Plastik gewordene Garantie für jeden Amerikaner, soviel zuckerhaltige Softdrinks in sich hineinzukippen, wie er wollte. Aber nicht mit Mayor Bloomberg, denn in New York wird der Verkauf von stark zuckerhaltigen Limonaden, Energydrinks und gesüßten Eistees verboten, sofern die Dosen, Flaschen oder Becher größer sind als 16 ounces, was knapp einem halben Liter entspricht. Ausgenommen sind alkoholische Getränke, Milchshakes, Fruchtsäfte und Diät-Limos. Das Verbot trifft vor allem Kinos, Sportarenen, Fastfood-Restaurants, die kleinen Cornershops und Straßenverkäufer, gilt aber nicht für Supermärkte. Bloomberg möchte damit die immer weiter um sich greifende Fettleibigkeit der New Yorker bekämpfen.

Soviel Symbolpolitik und Bevormundung durch einen Republikaner war selten. Auch der Sinn der Maßnahme erschließt sich nicht, da es den Kunden unbenommen bleibt, sich mehrere der „kleinen“ Halbliter-Getränke zu kaufen. Wäre es da nicht sinnvoller, die Getränke höher zu besteuern oder die Bevölkerung besser über die gesundheitlichen Gefahren aufzuklären? Letzteres ist nicht besonders publicityträchtig, mit ersterem ist Bloomberg am Parlament des Bundestaates New York gescheitert. Im Übrigen gehören Steuererhöhungen in die politische Werkzeugkiste der Republikaner, was Bloomberg noch weiter in die Sozialisten-Ecke rückt.

Aber wovon sollen sich die Amerikaner dann in Zukunft ernähren? Es ist ja nicht nur der Sodakonsum in New York, der eingeschränkt wird, auch an der Westküste droht Ungemach. In Kalifornien ist nämlich ab Juli der Verkauf von Gänsestopfleber verboten. Aber angesichts der bedrohlichen Lage kommt Hilfe von wo? Sie ahnen es, von dem Ort, auf den ganz Amerika schaut, wenn es ziellos auf den Abgrund zuzutaumeln droht: dem Weißen Haus. Es ist aber nicht der Präsident, sondern First Lady Michelle Obama, die Rat weiß. In ihrem neuen Buch “American Grown: The Story of the White House Kitchen Garden and Gardens Across America”, mit dem sie gerade auf Promotour durch alle US-Talkshows geht, erklärt die Präsidentengattin die Vorzüge eines eigenen Gemüsegartens, ihre Mißerfolge bei dessen Pflege inklusive und betont immer wieder, wie gesund der Verzehr von Obst und Gemüse ist. Wer sein eigenes Gemüse isst oder zu Säften verarbeitet, braucht weder Foie gras noch Cool Aid, lautet die Botschaft zwischen den Zeilen. Soviel unternehmerisches Engagement müsste eigentlich sogar den Republikanern gefallen.

Und somit wäre fast allen geholfen, außer den Verkäufern von Softdrinks in New York und den Restaurantbesitzern in Kalifornien. Da viele von ihnen diese Kolumne lesen, gibt es hier kostenlose, aber unverbindliche Rechtsberatung und die Lösung finden wir diesmal in Chicago, dem Geburtsort von Michelle Obama: Auch hier hatte es für kurze Zeit ein Gänsestopfleber-Verbot gegeben. Die Wirte verkauften daraufhin Croutons für 25 US-Dollar, die Foie gras gab es gratis dazu. Wer also demnächst in Manhattan Durst hat, kann sich sicher einen Zwei-Liter-Becher mit Strohhalm und Eiswürfeln für sechs bis acht Euro kaufen, die Coke erhält er dann umsonst dazu.

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Am Schluss

musste ich richtig lachen! Sehr unterhaltsam!

  • Antworten
Julian01.06.2012 | 22:21 Uhr

The Land Of The Free

Wie tief ist es gesunken. Während es einst das Recht jedes Mannes war sich Marlboro rauchend dem nächsten Shoutout zu stellen, werden jetzt vergeblich verfettete Memmen daran gehindert sich der Völlerei bis zum Herzinfarkt hinzugeben. Oh mores, oh tempores. Ach, das waren ja die alten Römer. Aber Michelle Obama wird das Land schon davor retten sich vollkommen der Adispositas und Diabetes hinzugeben um dann im Ansturm hungriger Völker unterzugehen. Mit dem Gemüse hat sie ja wahrscheinlich recht, aber mit dem Obst ist das ja schon wieder so eine Sache bei dem ganzen Fruchtzucker. Vielleicht sollte Herr Bloomberg auch gleich die maximale Distributionseinheit für Ananas mit Schlagsahne festlegen, oder für Bananenshakes mit Steviastreusel. Wer sich die Auswüchse der amerikanischen Fastfoodkultur auch nur im erntferntesten vorstellen kann, der weiß, wir können uns die Ausmaße der neuen Obstsorten nicht mal im Traum ausmalen, wenn die Genefoodindustrie sich der Sache erst angenommen hat.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann01.06.2012 | 23:26 Uhr

Verbote

So ungewohnt ist das in der USA nicht. So gab es früher mal ein Alkoholverbot, wodurch die Mafia einen echten Aufschwung erlebte. Bei Drogen ist das heute noch so. Vielleicht gibt es bald von Franzosen geleitete Untergrundläden für Gänsestopfleber?

  • Antworten
Robert02.06.2012 | 10:25 Uhr

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