Der Chef der US-Notenbank hat erneut die Notenpresse angeschmissen und kauft für 600 Milliarden Dollar amerikanische Staatsanleihen auf. Wenn das nicht hilft, wird es kritisch, denn Bernankes geldpolitische Werkzeugkiste ist schon fast leer.
„Es reicht nicht, allein das Wasser hinzustellen. Die Pferde müssen auch saufen.“ Gewohnt plastisch hat Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle die Entscheidung der amerikanischen Notenbank Fed kritisiert, für zusätzliche 600 Milliarden Dollar in den kommenden acht Monaten amerikanische Staatsanleihen aufzukaufen. Finanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete die Maßnahme gar als „trostlos“.
Die Kritik ist berechtigt, weil Fed-Chef Ben Bernanke schon in der Zeit von Januar 2009 bis März dieses Jahres Staatsanleihen und Hypothekenpapiere im Wert von 1,7 Billionen Dollar aufgekauft hatte, ohne nennenswerten Erfolg: Die US-Wirtschaft kommt nicht in Schwung, die Arbeitslosigkeit liegt bei 10 Prozent, das Wachstum dümpelt bei für amerikanische Verhältnisse mageren 2,6 Prozent vor sich hin. Für das kommende Jahr rechnen Experten sogar nur mit 2,3 Prozent.
Bernankes Strategie ist riskant. Mithilfe der sogenannten quantitativen Lockerung will er die Zinsen auf Staatsanleihen senken. Danach richten sich auch die Zinsen für Kredite an Verbraucher und Unternehmen. Auf diese Weise hofft er das Wachstum anzukurbeln, weil niedrigere Zinsen den privaten Haushalten beim Schuldenabbau helfen und auf Unternehmensseite Investitionen anschieben sollen. Außerdem will er den Dollarkurs nach unten drücken, um den amerikanischen Export zu fördern.
Die Erfolgsaussichten dieser Maßnahmen sind vage. Die US-Verbraucher haben nach der Krise das Sparen für sich entdeckt. Die Unternehmen sitzen ohnehin auf hohen Cash-Reserven, die sie aber nicht investieren, weil die Nachfrage der sparenden Bevölkerung zurückgeht. Trotz billigen Geldes wird es demnach an der Pferdetränke kein Gedränge geben.
Bernankes Problem ist, dass seine geldpolitische Werkzeugkiste ansonsten leer ist. Die Leitzinsen hat er bereits auf null Prozent gesenkt. Ein weiteres Konjunkturpaket des Staates, als Ersatz für den lahmenden privaten Konsum, ist spätestens nach der desaströsen Niederlage der Demokraten bei den Kongresswahlen politisch nicht durchsetzbar.
Gefährlich könnte die Entscheidung für den Rest der Welt werden. Europa und insbesondere Deutschland als Exportnation leiden, wenn der Euro durch die Dollarschwemme weiter nach oben getrieben wird. Schon jetzt notiert die europäische Gemeinschaftswährung wieder über 1,40 Dollar. Auch in den aufstrebenden asiatischen Staaten, besonders in China guckt man kritisch auf Washingtons Geldpolitik, weil zum einen bei einem schwächelnden Dollar die eigenen Devisenreserven an Wert verlieren und zum anderen die Preise für Rohstoffe, die überwiegend in Dollar gehandelt werden, nach der Entscheidung der US-Notenbank in die Höhe geschnellt sind.
Die US-Regierung kann sich daher schon mal auf einen ungemütlichen G20-Gipfel kommende Woche in Südkorea einstellen.











