Alle reden über Staatsschulden, aber niemand über die riesigen Unternehmensgewinne, die das ganze System destabilisieren
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Es gibt zwei große Rätsel der aktuellen Wirtschaftspolitik. Erstens: Wie kann sich ein Land, das zehn Jahre lang Exportweltmeister ist und bleiben will, darüber wundern, dass seine Handelspartner allmählich pleitegehen? Zweitens: Wie kann sich die ganze Welt über steigende Staatsschulden ereifern, ohne je über die entsprechenden Überschüsse des Unternehmenssektors zu reden? Dass, drittens, kaum jemand merkt, dass eins und zwei zusammenhängen, wundert dann eigentlich schon nicht mehr.
Zugegeben, die Sache ist komplex. Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung hat nämlich nicht nur zwei, sondern vier Konten: Privathaushalte, Unternehmen, Staat und Ausland. Dabei sind folgende Buchungsregeln zu beachten: Die Defizite und Überschüsse (Nettofinanzierungssaldi) dieser vier Sektoren ergänzen sich zu null, ebenso wie die Überschüsse und Defizite aller Länder. So weit die buchhalterische Logik.
Nun zu den ökonomischen Zusammenhängen: Die Privathaushalte sparen für das Alter. Sie erzielen also einen Nettofinanzierungsüberschuss. Der liegt im historischen Schnitt etwa bei 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ihre Ersparnisse legen sie bei den Unternehmen oder beim Staat an, die damit einen Teil ihrer Investitionen finanzieren. Unternehmen und Staat haben also je ein Nettofinanzierungsdefizit, das rund 3 beziehungsweise 1 BIPProzent ausmacht. Der Saldo gegenüber dem Ausland schwankt um null.
Von dieser Norm gab es in jüngster Zeit drei auffällige Abweichungen: Bis 2007 gingen die Überschüsse der Privathaushalte stark zurück oder verkehrten sich – wie in den USA, England, Spanien, Griechenland – sogar in ein Defizit. Nach der Subprimekrise stiegen dann die Defizite und Schulden des Staatssektors explosionsartig an. Drittens erregten auch die „globalen Ungleichgewichte“ zwischen den Überschussländern China, Deutschland, Japan einerseits und „Importweltmeistern“ wie der USA, England, Spanien, Frankreich und Italien mediale Aufmerksamkeit. Die vierte, viel wichtigere Abweichung ging jedoch völlig unter: In immer mehr Ländern verwandelte sich das Nettofinanzierungsdefizit des Unternehmenssektors in einen Überschuss. 2010 belief sich dieser in den EULändern auf 270 Milliarden Euro, in den USA auf 540 Milliarden Dollar und in Japan auf 28000 Milliarden Yen. Das entspricht gut 2, fast 4 oder gut 6 Prozent des jeweiligen BIPs.









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