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 > Streit beim Panzerbauer

Kapital

WaffengeschäfteStreit beim Panzerbauer

Von Hauke Friederichs13. Oktober 2012
picture alliance
Der Leopard 2 ist überall gefragt. Wegen europäischer Sparzwänge bemüht sich KMW intensiv um arabische Kunden
Schrift:

Bei Krauss-Maffei Wegmann liegen die beiden Eignerfamilien im Zwist über Panzerlieferungen in den Nahen Osten – ein Blick hinter die Kulissen

Seite 1 von 5

Deutschlands wichtigster Panzerbauer lässt sich öffentlich feiern – ein Ereignis mit Seltenheitswert. An einem Sommertag im August 2007 erhält Manfred Bode, Aufsichtsratschef von Krauss-Maffei Wegmann (KMW), im Stadtschloss Palais Bellevue in Kassel das „Verdienstkreuz am Bande“ der Bundesrepublik – die höchste Anerkennung, die Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl vergibt.

Fotos zeigen Manfred Bode während der Feier entspannt lächelnd. Zu sehen ist ein schlanker, mittelgroßer Mann mit ergrautem Haar und Seitenscheitel. Er trägt eine Brille mit dünnem Gestell. Es sind fast die einzigen Aufnahmen, die von Manfred Bode zu finden sind. „Ich habe mich gewundert, dass er den Orden überhaupt angenommen hat, das ist schließlich mit Öffentlichkeit verbunden“, sagt ein Bekannter der Familie. Bode scheue das Rampenlicht sehr, er wirke lieber im Verborgenen.

In der Öffentlichkeit ist Bode weitgehend unbekannt, obwohl er seit 1979 bei KMW die Zügel in der Hand hält. Die Firma wird weltweit für ihre Waffensysteme geschätzt: Die Kampfpanzer Leopard 1 und 2 sowie die geschützten Transportfahrzeuge Fennek und Dingo sind im Ausland äußerst begehrt.

Der Geehrte wirkt im Stillen. „Ein Schattenmann“ sei Bode, stellt das Wirtschaftsmagazin Capital fest, „ein Strippenzieher, vernetzt bis in höchste politische Kreise“. Das Phantom wird er genannt.

Bode veröffentlicht kaum Zahlen über sein Unternehmen. Er scheue die Aufnahme von Krediten, um Banken keinen Einfluss auf seine Firma zu geben und weist bisher alle fremden Investoren ab. Auch das Loben überlässt er anderen.

Im Stadtpalais hält Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen vor fünf Jahren die Laudatio: „Sie haben mit Ihrem weitreichenden unternehmerischen Sachverstand das Unternehmen KMW nicht nur ausgesprochen erfolgreich geführt, sondern zugleich durch konsequente Entwicklung und Forschung mit einzigartigen Kernfähigkeiten und dem derzeit umfangreichsten Portfolio der europäischen Heerestechnik ausgestattet“, sagt das Stadtoberhaupt.

Im Dezember 1969 ist Bode in die Firma Wegmann eingetreten. Zehn Jahre später wird er Vorsitzender der Geschäftsführung. Heute leitet Manfred Bode den Aufsichtsrat der Wegmann-Gruppe. Ein Leben für den Panzerbau.

Auch privat interessiert sich Bode, heute 71, für Motoren und Waffen. Bode mag alte Rennwagen. Er soll eine Oldtimer- Sammlung haben, dazu zähle ein gelber Lotus Elite, den er selber auf Rennen fährt. Bode gehe zudem gerne jagen, erzählt der Bekannte. Selbst mit Freunden habe er kaum über Geschäfte gesprochen und sei ein eher zurückhaltender Typ.

In der generell verschwiegenen deutschen Rüstungsindustrie gelten Bode und seine Firma Krauss- Maffei Wegmann als besonders still und öffentlichkeitsscheu. Das Werk in Kassel ist für Ortsfremde kaum zu finden. Namenszüge oder Fahnen mit dem Firmenlogo, den Buchstaben KMW, sind dort nirgends zu entdecken.

Journalisten erhalten bei KMW kaum Informationen. Auch Anfragen von Cicero zu aktuellen Rüstungsdeals beantwortet der selbst ernannte „Marktführer in Europa für hochgeschützte Radund Kettenfahrzeuge“ nicht. Transparenz schade dem Geschäft, so heißt es bei Krauss-Maffei Wegmann, berichtet ein Insider. „Die Tradition dieser Firma ist, dass Öffentlichkeit des Teufels ist“, sagt auch Burkhart von Braunbehrens, einer der Anteilseigner und bis vor kurzem Aufsichtsratsmitglied beim Panzerbauer. Er hat mit dieser 170-jährigen Tradition gebrochen. Erstmals sucht ein KMWGesellschafter die Öffentlichkeit – sehr zum Ärger von Manfred Bode, heißt es in Unternehmenskreisen.

„Die strikte Geheimhaltungspraxis von KMW finde ich lächerlich, die wird aus Angst vor Konkurrenten wie Rheinmetall ins Absurde getrieben“, sagt Braunbehrens. Das Schweigen schade der Firma und der ganzen Rüstungsindustrie. „Denn so begibt die Branche sich unter den Generalverdacht, dass sie schmutzige Geschäfte mache.“ Bislang konnte er sich mit seiner Forderung nach mehr Transparenz bei KMW nicht durchsetzen. „Im Aufsichtsrat der Firma war es mir nicht möglich, über Rüstungsexporte nach Saudi- Arabien, Katar oder an andere Länder vernünftig zu sprechen“, sagt Braunbehrens. Generell wird über Waffenausfuhren bei KMW nicht offen gesprochen, bestätigt ein Mitarbeiter.

Seite 2: KMW sucht neue Abnehmer

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Kriegswaffenkontrollgesetz - ad acta?

In Deutschland gibt es ein sogenanntes Kriegswaffenkontrollgesetz. Dieses besagt, daß militärisches Gerät, Waffen und Munition von deutschen Firmen nicht in Kriegs- und Krisengebiete geliefert werden dürfen.
Wie aber sieht die Realität aus? Obwohl in großen Teilen unserer Welt Krieg und Krise herrscht, liefert beispielsweise die Firma KMW ihre Waffen dorthin, wohin sie will.
Keine Bundesregierung hat den Mut, hier regulierend einzugreifen, angeblich, weil wieder einmal Arbeitsplätze in Gefahr seien. In Wahrheit steckt die Angst dahinter, sich möglichst nicht mit den "Oberen Zehntausend" anzulegen, damit Parteispenden nicht plötzlich zu versiegen beginnen.
Dann sollten die Bundesregierungen jedoch ehrlicher sein und das Kriegswaffenkontrollgesetz ad acta legen.
Oder konsequenter gegen diese Rüstungs-, Munitions- und Waffenproduzenten vorgehen.
Wieso sträubt sich KMW, seine Geschäftsergebnisse offenzulegen?
Auch hier fehlt es an klaren Regeln und Sanktionsmöglichkeiten, um behördlicherseits regulierend eingreifen zu können.
Und dies alles nennt sich "Rechtsstaat" Bundesrepublik Deutschland?

  • Antworten
Yvonne Walden13.10.2012 | 18:37 Uhr

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