Hans-Joachim Körber ist der Herr über Media-Märkte und Saturn, über die Lebensmittelketten Real und Extra, über Kaufhof-Warenhäuser und Praktiker-Baumärkte. Cicero sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden der Metro-Gruppe inmitten der Konsumkrise.
Was fällt Ihnen eigentlich zu Weihnachten ein?
Kommt bestimmt. Und zwar am 24. Dezember!
Sie sind ein Kopfmensch, oder?
Das stimmt. Ein kühler Kopf kann nicht schaden.
Dabei kommt Ihnen eigentlich die Rolle des modernen Weihnachtsmannes zu. Ihre Waren werden rund um den Erdball die Gabentische füllen. Was schenken Sie eigentlich selbst?
Ich schenke wenig termingebunden, lieber spontan. Zum Beispiel wenn ich etwas sehe, das meiner Frau gefallen könnte. Ansonsten wären die Weihnachtswünsche mindestens bis 2010 bereits erfüllt. Weihnachten selbst animiert mich aber nicht sonderlich zum Kaufrausch.
Wenn das alle so machten, wäre die deutsche Konsumkrise noch schlimmer…
Deutschlands Probleme liegen tiefer, als es die Konsumkrise deutlich macht. Das Land stagniert seit Jahren, während die Welt draußen vielerorts boomt. Wir bekommen nicht einmal Reformen hin, die kostenlos zu haben wären und allen Freude bereiten würden – die Freigabe der Ladenschlusszeiten zum Beispiel. Wir haben uns im vergangenen Jahrzehnt unter großen öffentlichen Qualen von 80 auf 84 Einkaufsstunden pro Woche gesteigert. In Polen und England sind die Läden fast rund um die Uhr geöffnet. Unsere polnischen Märkte haben sogar am Sonntagnachmittag geöffnet.
Seien Sie doch froh, dass den Deutschen der Sonntag noch heilig ist…
Den katholischen Polen ist er doch erst recht heilig, aber die Menschen dort gönnen sich nach dem gemeinsamen Gottesdienstbesuch einen entspannten Familieneinkauf. Ist das unheilig? Wenn Sie an manchem Sonntag mal an die holländische Grenze von Nordrhein-Westfalen fahren, dann sehen sie Autokolonnen von bis zu zehn Kilometer Länge mit kauflustigen Sonntagskonsumenten, die ihre Euros nicht in Aachen, Köln oder Düsseldorf ausgeben können.
Ach Herr Körber, muss es denn nicht Nischen geben, in denen die Gesetze des Geldes einmal nicht gelten?
Einverstanden. Aber das kann man doch die Menschen selber entscheiden lassen. In Deutschland behauptet ja auch die Gewerkschaft, dass niemand am Sonntag frische Brötchen essen will und deshalb auch keine gebacken werden sollten. Die Wahrheit ist: Alle wollen sonntags Brötchen essen. Und deswegen werden sie auch wieder gebacken.
Wie wird eigentlich das Weihnachtsgeschäft 2005?
Es wird stattfinden. Die hohen Öl- und Benzinpreise entziehen den Deutschen und damit dem Einzelhandel allerdings massiv Kaufkraft, etwa zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zudem wird immer mehr gespart und weniger ausgegeben. Rückenwind für den Einzelhandel sieht anders aus.
Ist an der Flaute im Handel etwa auch die Politik schuld?
In Teilen schon. Übertriebenes Sparen ist ein Zeichen von Zukunftssorge. Wir registrieren seit dem Ergebnis der Bundestagswahl eher mehr Kaufzurückhaltung als weniger. Die Menschen sind besorgt und vorsichtig. Erst recht, wenn die Mehrwertsteuer erhöht wird und weitere Belastungen auf sie zukommen.
Trotz aller politischen Fehler machen Sie prächtige Geschäfte und Gewinne…
…aber 53 Prozent des Umsatzes inzwischen im Ausland, und dieser Anteil wird weiter wachsen. In Indien, China oder Osteuropa, da macht das Händlerdasein derzeit richtig Freude. Diese Gesellschaften sind in Fahrt. Deutschland wirkt wie eingefroren…
Können Sie ein Beispiel nennen?
Wir brauchen im Handel flexiblere Tarifverträge, so wie es in anderen Branchen schon erreicht wurde. Für viele Metaller ist die 40-Stunden-Woche bereits wieder Realität. Im Handel kämpfen wir darum, die starre Festlegung auf 37,5 Stunden in der Woche zu überwinden. Wenn wir einen spontanen Sonderverkauf machen wollen, dann wird uns das bislang durch tarifvertragliche Restriktionen und Zustimmungsvorbehalte der Betriebsräte unnötig erschwert.
Gibt es denn gar keine Hoffnung für den Standort Deutschland?
Doch, die gibt es, denn eigentlich haben wir genug Arbeit. Das Geschäftsvolumen im deutschen Einzelhandel beträgt etwa 360 Milliarden Euro im Jahr. Das Volumen der Schattenwirtschaft beläuft sich auf 340 Milliarden Euro im Jahr. Das heißt, etwa sechs Millionen reguläre Arbeitsplätze gehen uns allein durch die Schwarzarbeit verloren.
Trotz all dieser Probleme ist Deutschland Exportweltmeister…´
Sie kennen bestimmt die Kritik des Münchener Ökonomen Hans-Werner Sinn daran, der Deutschland nicht ohne Grund als Basarökonomie bezeichnet.
Das müsste Ihnen als Händler doch gefallen?
(Lacht) Da haben Sie auch wieder Recht. Tatsächlich ist der Handel im 21. Jahrhundert eine komplexe Dienstleistung und Deutschland besitzt hier große Kompetenz. Wir sollten die Geringschätzung des Händlers überwinden. Nicht nur Ingenieurleistungen, auch der Handel kann breiten Wohlstand schaffen. Das wird oft unterschätzt.
Das Gespräch führte Nils aus dem Moore










