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 > Was, wenn Griechenlands Rettung scheitert?

Kapital
Schuldenerlass

Was, wenn Griechenlands Rettung scheitert?

von 
Harald Schumann
18. Januar 2012
picture alliance
Griechenland, Euro, Europa, Schuldenerlass, Gläubiger
Ein Bild, das seit geraumer Zeit für Griechenlands Zustabd steht: Düstere Wolken über der Akropolis.

Frage des Tages: Ein zentraler Baustein des Sanierungsprogramms für Griechenland ist die Beteiligung privater Gläubiger an einem Schuldenerlass. Doch sicher ist das längst noch nicht. Welche Folgen drohen bei einem Scheitern dem Land und der EU?

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Seit zwei Jahren schon suchen die Regierungen der Euro-Zone nach Auswegen aus der Überschuldung des griechischen Staates. Überbrückungskredite im Volumen von rund 53 Milliarden Euro haben die übrigen Euro-Staaten der Regierung in Athen bereits gewährt, damit sie fällige Schulden ablösen kann. Umfangreiche Ausgabenkürzungen, Steuererhöhungen und der Verkauf von Staatsbesitz sollten zudem die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben schließen. Doch nun droht dem Land erneut die Zahlungsunfähigkeit.

Nicht nur ist die Wirtschaftsleistung infolge der Sparprogramme mit einem Minus von sechs Prozent im vergangenen Jahr viel stärker eingebrochen als erwartet und hat damit auch die Steuereinnahmen drastisch vermindert. Zugleich steht ein zentraler Baustein des vereinbarten Sanierungsprogramms auf der Kippe: Der Schuldenschnitt zu Lasten der privaten Gläubiger.

Woran ist die Einigung über den Schuldenerlass bisher gescheitert?
Auf massives Drängen der Euro-Regierungen hatten die Vertreter des globalen Verbands von Banken, Versicherungen und Fonds, des Institute of International Finance (IIF), beim Krisengipfel im vergangenen November zugesagt, bei ihren Mitgliedern für die Streichung von 50 Prozent ihrer ausstehenden Forderungen gegenüber Griechenland zu werben. Dessen Schuldenberg in Höhe von derzeit rund 352 Milliarden Euro sollte so um etwa 100 Milliarden Euro vermindert werden. Alles weitere sollten das IIF und die griechische Regierung aushandeln.

Aber das ging schief. Dabei waren sich die Unterhändler eigentlich im Grundsatz schon einig. Für das Gläubiger-Komitee hatten IIF-Geschäftsführer Charles Dallara und Jean Lemierre, ein Sonderberater des französischen Bankkonzerns BNP Paribas, mit dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos vereinbart, dass der Schuldenerlass mittels eines Umtauschs der bis 2020 fälligen griechischen Anleihen in neue Schuldverschreibungen zum halben Nennwert der bisherigen erfolgen soll. Die neuen Anleihen sollen zudem eine Laufzeit von 20 bis 30 Jahren haben. Entscheidend für die zu verbuchenden Verluste ist aber auch die Verzinsung. Würde diese bei den neuen Titeln wie bei den Altschulden nur rund drei Prozent betragen, ergibt sich rechnerisch für die Gläubiger ein weit geringerer Gegenwartswert und damit ein Verlust von bis zu 80 Prozent. Darum forderten Dallara und Lemierre zunächst volle acht Prozent Zins.

Weil die griechische Kassenlage das aber nicht hergab, einigten sich beide Seiten schließlich auf einen Zinssatz von knapp unter fünf Prozent. Für diesen Deal bekam die griechische Regierung aber keine Genehmigung ihrer übrigen staatlichen Kreditgeber. Insbesondere die Bundesregierung habe stattdessen einen Zinssatz von nur zwei bis drei Prozent gefordert, berichtete die „Financial Times“ unter Berufung auf die Bankenseite. Daraufhin brachen die Vertreter der Gläubiger die Verhandlungen am vergangenen Freitag zunächst ab. Kanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy hätten beim Gipfel einen „freiwilligen“ Schuldenerlass der privaten Gläubiger vereinbart, „aber ihre eigenen Mitarbeiter halten sich nicht daran“, beschwerte sich IIF-Verhandler Dallara. Wer erwarte, dass „die privaten Investoren unzumutbare Verluste hinnehmen, hat den Charakter eines freiwilligen Handels nicht verstanden“. Bundesfinanzminister Wolfgang  Schäuble bestätigte indirekt den Konflikt. Es sei „schon klar, dass die Gläubiger gerne höhere Zinsen hätten“, sagte er. Aber die „Schuldentragfähigkeit“ Griechenlands dürfe eben nicht durch zu hohe Zinsen gefährdet werden.

Seite 2: Warum wollen die Euro-Staaten den Schuldenerlass nicht einfach erzwingen?

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Was soll diese Währungsunion, in der angeblich

ale profitieren, wenn die Steuerzahler der Euro-Nordperipherie Geld dafür abdrücken müssen, damit ihre Unternehmen weiter gute Dividenden zahlen können?

Zitat: "Allerdings würde damit eintreten, wovor die Euro-Kritiker stets gewarnt hatten: Die Stabilität der Währungsunion würde mit Steuergeldern aus den reicheren Ländern erkauft."

Im Grunde ist dieser Schlusssatz von Ihnen ein Armutszeugnis. Eine solche Währungsunion macht nicht den geringsten Sinn und führt nur zu immer größeren politischen Verwerfungen.

  • Antworten
Grinario18.01.2012 | 09:51 Uhr

Griechenland, Europa, Iran und die Krise

Was für ein Szenario. Griechenland offenbart die vollkommene Unfähigkeit seine Schulden jemals begleichen zu können. A) Sind sie wesentlich höher als zugegeben und b) ist der Staat absolut nicht in der Lage berechtigte Forderungen bei den Bürgern einzutreiben,oder irgendetwas zu verkaufen, denn an der Spitze der Politik und der Bürokratie sitzen die schlimmsten Verbrecher und Betrüger, außerdem gibt es keine zuverlässigen Grundbücher für die Immobilien. Gleichzeitig werten alle Ratingagenturen die Eurostaaten immer weiter ab und der Iran sperrt unter dem Eindruck von Luftschlägen gegen seine Atomanlagen die Straße von Hormuz. Der Ölpreis verdoppelt sich, die Banken leihen sich weder gegenseitig noch untereinander Geld und die Staaten sind so bankrott, dass sie nicht mehr gegensteuern können. Dauerhafte Transfers nach Griechenland? Welcher Politiker springt schon freiwillig in die offenen Messer der wütenden Wähler, erhöht Steuern und Abgaben und kürzt Leistungen um trotz dieser Transfers und der kommenden Krise den Haushalt auszugleichen?

  • Antworten
Christoph Kuhlmann18.01.2012 | 12:58 Uhr

Schlussfolgerung fehlt

Im Grunde genommen ist das eine schöne Aufstellung der Symptome dieser Krise. Auf Seite 2 wird sogar das Zinssystem erwähnt. Letztendlich fehlt aber die logische Schlussfolgerung. Zum Beispiel, dass die Zinsen abgeschafft gehören. Geld sollte wieder nur Tauschmittel und Informationsträger sein. Geld kann nicht arbeiten. Ein System, dass auf "arbeitendem" Geld beruht, besitzt enormes Betrugs- und Ausbeutungspotenzial.
Geld nur gegen Leistung. Ob eine Leistung bei der Erzeugung eines Kredites seitens der Bank besteht, bezweifle ich.

  • Antworten
Kommagent18.01.2012 | 13:26 Uhr

Schuldenschnitt Griechenland

Es wäre interessant zu erfahren, wie hoch die Nennwerte der seitens der EZB und anderer bisher aufgekauften griechischen Anleihen ist. So lange hier seit Monaten deutlich weniger als 50% zu zahlen sind, hat zumindest für diese Titel die "Beteiligung der privaten Gläubiger" längst stattgefunden. Wer z.B. heute Tietel mit Restlaufzeit bis Mai 2013 an der Börse für ganze 25% kauft, hat einen Schnitt von 75% de facto vollzogen.
Spannend wird es natürlich, wenn die EZB am Ende dann auch 100% zurück haben will .... und womöglich vorher die "Privaten" tatsächlich einem Schnitt zugestimmt haben.

  • Antworten
Hans-Jürgen Herr18.01.2012 | 13:40 Uhr

Was, wenn Griechenlands Rettung scheitert?

Angeblich gibt es ja das sarkastische Bonmot des LE FIGARO: "Maastricht ist Versailles ohne Krieg. (Die Deutschen zahlen)". Dieser Satz scheint sich jetzt so langsam zu bewahrheiten.
Aber auch nach der 'Pleite' kann Griechenland seinen Staat auf dem jetzigen Niveau (Renten/Beamte/Armee, Infrastruktur etc. Importe) nicht bezahlen. Kann sich Europa einen "failed state" (eben Griechenland) leisten? Wenn nicht, was kostet die langfristige Rettung Griechenlands? Etwa so viel wie die Wiedervereinigung? Und wer wird das bezahlen?
Die Zeiten sind spannend. Es wird nicht langweilig.

  • Antworten
Wolfram Wiesel18.01.2012 | 15:56 Uhr

Die Griechenlandrettung war von Anfang an unrealistisch!°

Ein Land, das sich offenbar daran gewöhnt hat, so genannte Partner systematisch zu täuschen und zu belügen, damit man den eigenen Schnitt machen kann, das durch diese Strategie überhaupt erst dem Euroraum beitreten konnte und das seit nunmehr fast zwei Jahren immer wieder durch unterschiedliche Drohgebärden auffällt, aber nicht durch konstruktive Vorschlägen, was es selbst dazu beitragen kann, seine selbstverschuldeten Probleme zu lösen, dessen Bürger lieber auf der Straße demonstrieren und randalieren und irgendwelche Sündenböcke für die eigene Misere suchen, ein Land, das die Geberländer beschimpft, täuscht und beleidigt, aber um keinen Preis der Welt die Eurozone verlassen will (warum wohl?) - ein solches Land kann nicht gerettet werden!
Ein Bekannter aus EU-Politikerkreisen erzählte mal im privaten Kreis: Wenn sein Gremium die Italiener bei einer Unkorrektheit oder einer Schummelei erwischte, gab es ein charmantes, vielstimmiges und lauthals bedauerndes "Scusi, scusi", Beteuerungen, das das alles gar nicht beabsichtigt gewesen sei - bis eben zum nächsten Fehler. Wenn das Gleiche bei den Griechen passierte, fingen sie immer mit dem ersten und zweiten Weltkrieg an und dem, was man ihnen deshalb schuldete!
Allerdings bin ich nach jeder Fernsehdebatte über die europäischen und auch deutschen Schulden immer mehr der Überzeugung, dass Europa insgesamt nicht mehr zu retten ist und dass die Geldgeber gut daran tun, den Staaten als Kreditnehmer grundsätzlich nicht zu trauen!

  • Antworten
tizian18.01.2012 | 21:07 Uhr

Systemrelevanz

Mit diesem Schreckgespenst too big to fail haben die Banken
bisher die Einleitung eines Insolvenzverfahrens mit Griechen-
land verhindern können und haben dabei übersehen, daß sich
die wirtschaftliche Realiät, aus dem Mangel an Masse, in-
zwischen zu einer Systemirrelevanz mit einem too big to save
gewandelt hat. Mit der Herabstufung der BRD durch Egan-Jones
wird auch die Luft für die Spekulationen des Einspringens des
BRD Steuerzahlers für Griechenlands Zahlungsausfälle immer
dünner.

  • Antworten
Pequod18.01.2012 | 22:11 Uhr

Griechenland

Ich sehe schwarz, denn diese Verschuldung wird auch durch eeine Halbierung keine Lösung bringen. Alle griechischen Schulden durch die EU zu tilgen, ist ausgeschlossen. Das Staatswesen ist morbid und jeder wirtschaftet in die eigene Tasche. Weltmarkfähige Produkte kann die griechische Industrie auch nicht anbieten. Die reichen Griechen haben ihr Geld bereits in Sicherheit gebracht und helfen ihrem eigenen Lande nicht. Wo ist da noch ein Weg oder gar ein Ausweg? Griechenland wird wohl aus der Eurozone auscheiden und einen riesigen Trümmerberg der EU hinterlassen.

  • Antworten
Otmar Schütze19.01.2012 | 09:27 Uhr

Griechenland

Das Problem ist Frau Merkel mit Ihrem Ausspruch am Anfang der Krise :
Kein Land wird hängen gelassen. Niemand in DE kennt die griechischen Verhältnisse aus eigener Erfahrung . Hätten wir nicht geholfen wäre die Sache schon erledigt.Mit einem Land das lügt u.betrügt kann man keine Solidarität aufbauen. Nun haben wir schon Monti mit seiner Aussage. Es wird elend enden- leider.

  • Antworten
Heidi Kia20.01.2012 | 15:52 Uhr

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