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Kapital

Wirtschaftsweise Bofinger „Schlafwandelnd in die Katastrophe“

Interview mit Peter Bofinger31. Juli 2012
picture alliance
Bofinger,Wirtschaftsweise,Ökonom,Gutachten,Schuldenkrise
Wirtschaftsweise Peter Bofinger
Schrift:

Peter Bofinger schlägt Alarm: Er warnt vor einem drohenden Kollaps der Eurozone. Cicero Online sprach mit dem Wirtschaftsweisen über eine Alternative zur Sparpolitik, den Schuldentilgungsfonds und die Risiken des „Grexit“

Seite 1 von 2

Herr Bofinger, der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, sagt, er werde alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten, das Geld werde ausreichen. Wird es das?
Das ist das richtige Vorgehen, weil die EZB momentan die einzige handlungsfähige Institution im Euroraum ist. Wir erleben eine schwere Marktstörung in Ländern wie Spanien und Italien, die sich massiv um ihre Haushaltskonsolidierung bemühen. Und diese Bemühungen werden wiederum durch hohe Zinsen bedroht.

Draghi deutet an, dass die EZB wieder Staatsanleihen von Krisenländern wie Spanien und Italien kaufen möchte, um so deren Zinskosten zu drücken. Hollande unterstützt ein stärkeres Eingreifen der Notenbank. Nur die Bundesregierung zeigt sich skeptisch. Warum?
Der Kauf von Staatsanleihen ist das Instrument der EZB und das sollte sie einsetzen. Was soll sie denn sonst machen? Ich bin mir nicht sicher, wie die Haltung der Bundesregierung ist. Die Politik hat keine Lösung entwickelt, um über eine Gemeinschaftshaftung dieses Problem zu lösen. Das zwingt die EZB ja gerade dazu, diese Rolle zu übernehmen.

Bildergalerie: Prominenter Protest: Köpfe gegen den ESM

Aber würde das die Probleme denn wirklich lösen? In den Krisenstaaten wäre nach dem Eingreifen der Notenbanken wohl bald Schluss mit dem Reformwillen. Außerdem riskiert die EZB damit nicht auch Steuergelder, ohne dafür demokratisch legitimiert zu sein?
Was denn für Steuergelder? Die EZB kauft Anleihen zu 4 oder 5 Prozent Zinsen und solange diese vollständig zurückbezahlt werden – und davon gehe ich aus –, macht die EZB sogar Gewinn, weil sie sich quasi kostenlos refinanzieren kann. Dieser Gewinn landet in den Haushalten aller  Mitgliedsländer.

Gemeinsam mit 16 führenden Ökonomen haben Sie ein Gutachten verfasst, das vom Institute for New Economic Thinking in New York veröffentlicht wurde. In dem Gutachten heißt es: „Europa steuert schlafwandelnd auf eine Katastrophe von unabsehbaren Ausmaßen zu“. Sie hatten sich als akute Krisenmaßnahme auf den bereits vom Sachverständigenrat der Bundesregierung vorgeschlagenen Schuldentilgungsfonds geeinigt. Was sieht dieser im Einzelnen vor?
Der Schuldentilgungsfonds besteht darin, dass die Schulden der Länder, die über die 60 Prozent des Vertrags von Maastricht hinausgehen, in einer gemeinschaftlichen Haftung finanziert wird, so  dass gemeinschaftliche Anleihen gegeben werden. Damit  wird für Länder wie Spanien oder Italien der Weg geöffnet, einen größeren Teil ihrer Verschuldung zu  vernünftigen Zinsen  finanzieren zu können. Das hilft, diesen Länder, ihre Verschuldung in den Griff zu bekommen. Durch das Erfordernis der Tilgung dieser Anleihen  soll die gemeinschaftliche Verschuldung innerhalb von 25 Jahren auf Null zurückgeführt werden. Ein weiteres Spezifikum ist, dass wir eine Absicherung durch Währungsreserven vorsehen und selbstverständlich auch die Einhaltung des Fiskalpakts voraussetzen.

Sie schlagen also vor, dass sich die Euro-Staaten unwiderruflich dazu verpflichten müssen, die eingelagerten Schulden nach diesem verbindlich festgelegten Tilgungsplan abzuzahlen. Ist das denn realistisch? Was wäre die Konsequenz, wenn sie es nicht schaffen?
In der fünfjährigen Aufbauphase würde die Begebung gemeinschaftlicher Anleihen sofort gestoppt werden, wenn sich ein Land nicht an seine Verpflichtungen hält. Ausnahmen wären nur im Fall einer schweren Rezession möglich, wie das auch der Fiskalpakt vorsieht.   

Seite 2: Die Risiken eines „Grexit“ sind hoch

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Rechtsbruch

Jetzt planen Frankreich und Italien, dass der ESM sich ohne Limit bei der EZB refinanzieren können soll, wie man heute lesen konnte. D.h. Staaten / Banken können indirekt über die EZB finanziert werden. Inzwischen sollte allen Lesern klar sein (dafür braucht man keine juristische Ausbildung), dass ständig das Recht gebrochen wird. Gegen diesen Kurs, kann nur noch geklagt werden.

  • Antworten
bernhard jasper31.07.2012 | 09:48 Uhr

Schlafwandel betrifft die Demokratie

Die Eurozone vor dem Zusammenbruch? Das wird hier als großes Horrorszenario hingestellt.. Für mich ist das Horroszenario eine entdemokratisierte Verteilung von öffentlichen Mitteln. Es entscheiden ohne Limit und ohne von irgendwem gewählt worden zu sein unbekannte Personen, die sich im ESFS organisieren! Wer ist das? Wissen Sie das, wer das ist? Die Euroländer missachten offen die Maastricht-Kriterien, mit riesigem Ausmaß werden Gelder bereitgestellt um die zu refinanzieren, die den Spekulanten Tür und Tor öffnen.. was meinen Sie wem dieses Geld entzogen wird... ich wünschte mir von diesem Geld die Entschuldung der Städte.
Die Entfristung der ESFS-Plattform stellt eine Entmachtung der Staatssouveränität und des Parlamentes der BRD dar - von wegen klare Mitentscheidung. Jemand meinte letztens zu mir, dass sei eine finanzautokratische Neuauflage des Ermächtigungsgesetzes aus dem 3. Reich. Ich teile diese These. Den Eurobonds und unlimited access Ünterstützern kommt es auch nicht auf Deutschland an.
Ich hoffe, dass das Bundesverfassungsgericht nicht versagt, sonst wäre auch die Judikative unseres Landes ausgeknockt.

  • Antworten
tieferdenken31.07.2012 | 11:45 Uhr

Selbstbestimmung statt Riesenreich

Die Euro-Währungsunion scheitert mit dem Versuch, gegensätzliche Wirtschaftskulturen unter einen Hut zu bringen. Wenn Geld fehlt, borgen alle Staaten. Wenn das nicht reicht, fangen die Mittelmeeranrainer an, neues Geld zu drucken, während die nördlichen Euroländer versuchen, weniger Geld auszugeben.

Das jetzige Tauziehen zwischen Sparfüchsen und Gelddruckern kann nicht gut gehen. Ganz gleich, wie es ausgeht, würde ein Einheitseuro die mentalen Möglichkeiten der betroffenen Völker überstrapazieren. Griechen, Portugiesen, Spanier und Italiener bringen Einsparungen, wie sie die baltischen Länder vor Jahren weitgehend klaglos umsetzten, einfach nicht fertig, da sie daran gewöhnt sind, Probleme über Inflation und Abwertung zu lösen. Die fleißigen deutschen Sparer hingegen haben vor nichts so viel Angst vor einer die Geldvermögen abschmelzenden Inflation. Die einzige mit dem kulturellen Selbstbestimmungsrecht der Völker vereinbare Lösung für die Probleme der Währungsunion besteht in ihrer Aufspaltung in Gebiete vergleichbarer Wirtschafts- und insbesondere Stabilitätskultur.

Das Besondere Europas war immer die Möglichkeit kleinerer Einheiten, ihr Schicksal im Wettbewerb untereinander weitgehend selbst zu bestimmen. Damit unterschied es sich seit dem Zerfall des Römischen Reiches positiv von Riesenreichen wie China und entfaltete seit der Renaissance eine geistige und materielle Dynamik, von der die westliche Kultur hier und in den Auswanderungsländern USA, Kanada, Australien und Neuseeland noch heute zehrt. Wir sollten die Wurzeln dieser Dynamik nicht für einen Riesenreichtraum aufgeben.

  • Antworten
Karl Schade31.07.2012 | 13:51 Uhr

Betrug am Wähler

Was Bofinger vorschlägt wäre ein klarer Rechtsbruch, weil die Staatsfinanzierung der EZB aus gutem Grund verboten ist und zudem wäre es ein Betrug am Wähler der dies nicht legitimiert hat.

  • Antworten
Petra Bayer31.07.2012 | 16:37 Uhr

Der Mann widserspricht sich selbst in diesem Interwiew

Zitat: "In der fünfjährigen Aufbauphase würde die Begebung gemeinschaftlicher Anleihen sofort gestoppt werden, wenn sich ein Land nicht an seine Verpflichtungen hält. Ausnahmen wären nur im Fall einer schweren Rezession möglich, wie das auch der Fiskalpakt vorsieht." Das ist eben der Punkt. Leute wie Herr Bofinger würden sofort Zeter und Mordio schreien, wenn diese Sanktion tatsächlich angewendet werden sollte, der Beweis, Griechenland verstößt permanent gegen die Sparauflagen und treibt nichteinmal konsequent die Steuern ein, während reiche Griechen London aufkaufen und was fordert Herr Bofinger? Ein weiteres Rettungspaket für Griechenland und einen weiteren Schuldenschnitt. Deutlicher kann man sich doch nicht selbst als Heuchler demaskieren. Für wie dumm hält Herr Bofinger die deutschen Wähler? Solange er nicht mal bereit ist Griechenland über die Klinge springen zu lassen, wie sollte da die notwendige Härte bestehen um im Falle des Vertragsbruches Spanien oder Italien den Finanzmärkten auszuliefern und zusätzlich mit Sanktionen zu belegen?

  • Antworten
Christoph Kuhlmann31.07.2012 | 21:11 Uhr

Kollektiver Irrsinn

In welcher Realität lebt Herr Bofinger? Dass Südeuropa aufatmen kann, wenn der Norden einfach die Schulden übernimmt, sei zugestanden. Nur ist es jenseits jeder Realität zu erwarten, dass dort später noch schmerzhafte Reformen angegangen werden. Vielmehr wird dem Süden das Wort Zahlungseinstellung leichter über die Lippen kommen, wenn gegenüber den bösen "Märkten" der Norden haftet. Hinzukommt, dass wir inzwischen so weit sind, dass Verträge und Gesetze nach Belieben gebrochen werden. No bail out? Verschuldungsgrenzen? Sobald wir eine Leistung erbringen, wird die Gegenleistung schnell vergessen. Wer der Vergemeinschaftung der Schulden das Wort redet, ruiniert Deutschland, wer Geld drucken will,mruiniert die Währung, beides aber wird die Krise am Ende potenzieren. Und der deutsche Wähler hat bisher keine Möglichkeit, diesen Wahnsinn abzuwählen.

  • Antworten
Helgoo01.08.2012 | 08:30 Uhr

Zu viel des Guten.

Zu viel des Guten.

Ich höre, wir sollten wieder rhythmisch leben zu lernen, was die Zeit betrifft.

Dieses muß im Gleichgewicht sein, um den Anfordernissen der Zeit (der Geschichte) gerecht werden zu können.

Ein zu abstrakter Vollkommenheit geratenes Gute wie der Sozialismus bzw. die Schuldenunion des EURO
bedeutet die stillschweigende Übereinkunft in die Verwesung der deutschen Nation.

Das Gute Deutschlands tangiert sein unmittelbares und mittelbares Sebstverständnis.

Das mittelbare Verständnis des Gut – Seins der Deutschen, hat sein Verständnis in einem Sozialstaat den man
sich leisten kann, nach der großen Bösartigkeit des Nazismus.

Danach folgte die schon im Anfang (verständlicherweise) bisweilen überkompensierte Gutartigkeit der Deutschen............................

Versucht ein Gleichgewicht zu ereichen,...... daß allen Ländern nach Maßgabe Der Deutschen Gutheit ein wohl-
gefälliges Auskommen garantiert: Adorno, Hegel von Links, Marxismus, Psychoanalyse, eine protestantisch-soziologische Gut-Heit (K. Heinrich), die in keinem unserer Nachbarländer ein Äquivalent hat.

Man kennt die Namen die dafür repräsentativ sind: Habermas und seine Schüler in der ZEIT, den Gewerkschaften, der SPD, der GRÜNEN.! (aber auch bei Schäuble)

Diese Leute sind alle stilleinverschiegene Deutschhasser, Antideutsche, die sie sich eine deutsche Geschichte über den Holocaust hinaus, nicht mehr vorstellen können, und daher jeglichen Coleurs eines irgendwie gearte-
ten Multikulturalismus das Wort reden.

In jenen Momenten wie jetzt, kulminiert das Gute im Bösen d. h es bedarf eines Gleichgewichts zwischen beiden.:

Entweder existiert Deutschland oder es existiert nicht, das ist hier die Frage.!!!

Existere, das in Raum und Zeit hervorstehen (in die Geschichte) bedeutet auch im Laufe der Zeit, anstößig
sein zu können, ansonsten ist keine Freiheit.

Sich zu behaupten, und auch gerade weil andere sich gegen uns stellen, sich nicht in allgemeinem Wohl-
gefallen auflösen wollen.

Dies hat mit Nationalismus nur am Rande zu tun, mit gesundem Patriotismus allemal.

  • Antworten
petervonkloss02.08.2012 | 11:50 Uhr

"er ist ein durch und durch

"er ist ein durch und durch parteiischer, christlicher "Idiot"
Friedrich Nietzsche.

  • Antworten
petervonkloss02.08.2012 | 12:05 Uhr

Verfassungsbeschwerde zu ESM- und Fiskalvertrag

Es läuft eine
Verfassungsbeschwerde zu ESM- und Fiskalvertrag,
die mensch unterzeichnen kann :
http://www.verfassungsbeschwerde.eu/
Für Leser aus Österreich - bin selber einer -
http://www.avaaz.org/de/petition/Vorabprufung_von_ESM_und_Fiskalpakt_durch_osterr_Verfassungsgerichtshof//?tta

  • Antworten
Heinz Göd02.08.2012 | 14:20 Uhr

Ist ein ausgewiesener LINKER

Ist ein ausgewiesener LINKER -evtl. sogar Funktionär - über-
haupt ein neutraler Wissenschaftler und kann er einen OBJETIVEN
Rat geben?

  • Antworten
Gerhard Thiel03.08.2012 | 15:01 Uhr

wo er Recht hat, hat er Recht

Herr Bofinger hat Recht, wenn er einen großen Finanztopf für die EU bzw. den EUR-Raum fordert, dies erschwert die Spekulation, einfach weil dafür dann ebenfalls viel mehr Mittel aufgewandt werden müssen. Denken Sie an die misslungene Spekulation des Herrn Soros gegen das GBP.
Was heute als Eurokrise in aller Munde ist, ist faktisch zunächst die Krise eines hochspekulativen Finanzsystems, welches sich von der Realwirtschaft längst verabschiedet hat, weil innerhalb des Finanzsystems höhere Renditen erwirtschaftet werden können, als dies in der Realwirtschaft je der Fall sein könnte. Darüber hinaus werden die Erträge daraus (in DEU) um die Hälfte geringer besteuert, als Erträge aus Realgeschäften. Von dem Geld, welches in dieses System gepumpt wird, kommt nur ein Bruchteil in der Realwirtschaft an.
Dann ist es eine Krise der Demokratie und der Souveränität der Völker, da das außerhalb jeder parlamentarischen Kontrolle agierende Finanzsystem die Politik zu seinen Gunsten steuert, gegen die Interessen des jeweiligen Souveräns.
Beides zeigt aber auch auf, dass es mit der Vernunft der Mehrheiten nicht weit her ist, lassen sich diese doch immer fröhlich gegeneinander aufhetzen, z.B. "die fleißigen Deutschen" gegen die "faulen Griechen" - und viele "Experten" geben gar den Takt dazu vor.
Die Warnung, die Eisenhower bei seiner Abschliedsrede 1961, vor dem Einfluß des militärisch-industriellen Komplexes auf die US-Politik aussprach, können wir heute auf das Finanzsystem beziehen.

  • Antworten
Blase03.08.2012 | 18:29 Uhr

bofinger irrt wieder oder ist es vorsatz

bofinger hat nachweislich in den letzen 10jahren so oft falschgelegen. er ist ideologe und kein wissenschaftler.

man sollte lieber auf experten wie starbatty oder prof friedman oder prof hankel hören. die hatten mit allen vorhersagen bisher recht.

  • Antworten
p.alexander15.08.2012 | 23:25 Uhr

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