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Kapital

Paul VolckerObamas Einflüsterer

Von Nikolaus Piper15. September 2012
picture alliance
Paul Volcker,Barack Obama,US-Präsident Wirtschaftsberater
Paul Volcker (links) berät Barack Obama in Wirtschaftsfragen
Schrift:

Der britische Economist nannte ihn den einflussreichsten Zentralbänker der Moderne: Paul Volcker, Ex-Notenbänker, Ex-Staatssekretär im Finanzministerium. Volcker berät Präsident Obama – und könnte im Wahlkampf bei der Frage, welche Partei mehr Wirtschaftskompetenz aufzuweisen hat, das entscheidende Zünglein an der Waage sein

Seite 1 von 3

Paul Volcker ist ein großer Mann. Er misst genau zwei Meter und zwei Zentimeter, was durchaus einschüchternd wirken kann. Aber er hat gelernt, mit dem Problem umzugehen. Ermutigend lächelt er seinem Gegenüber zu, während er sich zu ihm herabbeugt. Auch sein trockener Humor hilft: „Wollen Sie wirklich so viel über mich schreiben?“ In Amerika ist Volckers Körpergröße fast so etwas wie ein Markenzeichen geworden. Am 21. Januar 2010 stellte Präsident Barack Obama im Weißen Haus eine neue Vorschrift vor, die die großen Banken an systemsprengender Spekulation hindern soll. Dabei betonte er, so als sei dies sein stärkstes Argument, die Regel stamme „von diesem langen Kerl hinter mir“ – von Paul Volcker eben. Die Regel heißt seither „Volcker Rule“. Im Juni trat sie nach langen, schwierigen Beratungen in Kraft.

Der 84-Jährige steht seit über 50 Jahren im öffentlichen Leben und ist immer noch einer der einflussreichsten Männer der amerikanischen Politik. Dass er dabei oft unbequem ist, hat ihm nie geschadet, im Gegenteil. Mit dem ehemaligen Staatssekretär im US‑Finanzministerium, dem ehemaligen Notenbankchef und dem ehemaligen Chef des Beratergremiums von Präsident Obama für die Finanzkrise muss man weiterhin rechnen. Sein Terminkalender ist bis an den Rand gefüllt, sein ­Granit-Schreibtisch steht in einem Büro oberhalb des Rockefeller Centers in Manhattan. Aus seinem Fenster guckt er auf den goldenen Prometheus-Brunnen. Davor liegt jener aus unzähligen Filmen bekannte Platz, wo im Winter alte und junge New Yorker Schlittschuh laufen.

Volcker ist so präsent, dass Ende 2008 viele Politexperten und Journalisten in Washington glaubten, er könne Obamas Finanzminister werden, wenigstens für eine halbe Amtszeit. Tatsächlich bekam dann Timothy Geithner den Job. Volcker wurde Chef eines Gremiums, das den Präsidenten dabei beriet, die Anfang 2009 kollabierende Wirtschaft zu retten. Spricht man ihn heute auf die damaligen Gerüchte an, dann lacht er: „Hören Sie, ich bin ein alter Mann. Andere haben über dieses Thema geredet, ich nie.“ Ein echtes Dementi klingt anders.

[gallery:Wer ist Mitt Romney? Ein Kandidat zwischen Fettnäpfchen und Hoffnungsträger]

Wer Volcker besucht, kommt an einer kleinen Steinskulptur in Form eines Lachses vorbei. Die Wände im Flur, im Sekretariat und im Büro sind bedeckt mit Fischbildern. Das Fischen ist die große Leidenschaft des Ökonomen. „Es ist eine Ausrede, um sich an den schönsten Plätzen der Welt aufzuhalten“, sagt Volcker. Und es bedürfe einer „gewissen intellektuellen Anstrengung, um einen Fisch anzulocken“. Volcker steht auf und holt ein Memo, in dem sorgfältig mit Bleistift eine Reihe von Zahlen notiert ist – die Daten seines zuletzt gefangenen Lachses: 30 Pfund, einer der größten, die er je gefangen hat.

Fischen hat auch etwas mit Beharrungsvermögen zu tun, und passend dazu erscheint zu Volckers 85. Geburtstag im September eine große Biografie unter dem Titel „The Triumph of Persistence“ – „Der Triumph der Beharrlichkeit“. Der Autor ist William Silber, Professor für Finanzwissenschaften an der New York University. Volckers Karriere kann man auch als große Übung in Beharrlichkeit sehen. Als Ökonom wurde er deswegen so erfolgreich, weil er am einmal als richtig Erkannten stur festhielt, auch wenn er sich damit Feinde machte. Das jüngste Beispiel dafür ist die besagte Volcker-Regel. Es ist eine ziemlich komplizierte Vorschrift innerhalb eines noch komplizierteren Gesetzes zur Neuregulierung der Finanzmärkte, dem „Dodd-Frank Act“. Das Prinzip ist jedoch denkbar einfach: Große Banken dürfen nicht mehr auf eigene Rechnung spekulieren. Diese Banken, argumentiert Volcker, werden vom Staat vor dem Bankrott geschützt, und sie müssen auch geschützt werden, weil sie als Kreditgeber für das Funktionieren der gesamten Wirtschaft unverzichtbar sind. Im Gegenzug dürfen sie diesen Schutz nicht missbrauchen, indem sie ihr Kapital im sogenannten Eigenhandel bei hochriskanten Zockereien aufs Spiel setzen. Das Verbot gilt für die Giganten der Branche: Goldman Sachs, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase. Nicht jedoch für Hedgefonds und andere Finanzfirmen. „Die können tun, was sie wollen. Wenn sie scheitern, verlieren die Investoren und vielleicht die Gläubiger ihr Geld. Das war’s dann.“

Wie weitreichend der Eingriff der Volcker-Regel für die Banken ist, ließ sich am erbitterten Widerstand der Wall-Street-Lobbyisten in Washington ablesen. Kein Wunder, war doch der Eigenhandel vor der Krise eine der wichtigsten Gewinnquellen der Branche. Den Lobbyisten gelang es, die Regel in einigen Punkten zu verwässern. Ihre Substanz habe aber keinen Schaden genommen, glaubt der Erfinder. „Die Volcker-Regel ist immer noch eine gute Regel“, sagt er energisch. Im Übrigen komme es gar nicht so sehr auf die Details an, sondern auf die Kultur. Kultur?

Seite 2: Keine Äußerung zum Banken-Skandal Libor

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Apropos Regulierung der Finanzmärkte ...

gab es da nicht nach der Finanzkrise heilige Versprechen über eine umfassende Regulierung der Finanzmärkte? Wollte man nicht endgültig Abstand nehmen von der Bubbleökonomie, welche durch die ständige Geldflut der FED immer wieder angeregt wurde, bis wir heute nun ein Stadium erreicht haben, wo selbst höchste Dosen den Patienten nur mühsahm am Leben erhalten. DAs exorbitante amerikanische Staatsdefizit wird zu 70% durch die FED finanziert und jetzt kaufen sie auch noch die Schulden der Häuslebauer auf um den Immobilienmarkt wieder anzukurbeln. Ich schätze das Vertrauen der Welt in amerikanische Finanzakrobaten hat inzwischen stark gelitten und der Bezug zwischen einer gesunden Volkswirtschaft und dem Faktor Produktion von Waren und Dienstleistungen, (damit sind jetzt keine gebündelten Schuldverschreibungen auf Immobilen gemeint) rückt wieder mehr in den Vordergrund. Notenbanken doktern bestenfalls an den Symptomen herum, aber deren Ursachen übersehen sie nur all zu oft. Insofern ist die Empfehlung geradezu widersinnig, Geld ohne Gegenleistung in die Krisenstaaten zu transferieren. Sie würde das Problem, das aus zu viel Liquidität entstand für ewige Zeiten fortsetzen.

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Christoph Kuhlmann15.09.2012 | 16:04 Uhr

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