Die BayernLB hat den früheren Finanzminister Kurt Faltlhauser auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt. Wie gut für ihn, dass es schon einen Schuldigen gibt: Denn Faltlhauser nannte einst die 68er als Grund dafür, in die CSU eingtreten zu sein
In der von Folklore durchtränkten Prozessgeschichte Bayerns, in der politische Rücksichtnahmen einst die Regel waren, ist ein Paradigmenwechsel zu beobachten. Bayerns Landesbank, immerhin ein staatliches Geldinstitut, fordert in einer Klage beim Münchner Verwaltungsgericht vom ehemaligen Finanzminister im Kabinett Stoiber, Kurt Faltlhauser, Schadenersatz in Höhe von 200 Millionen Euro – zu teilen mit neun anderen Vorstands- und Verwaltungsratsmitgliedern. Sie alle hätten beim verwegenen Kauf der österreichischen Skandalbank Hypo Alpa Adria grob fahrlässig einen Verlust der BayernLB in Höhe von 3,7 Milliarden Euro zu verantworten.
Den schmucken und charmanten Faltlhauser, dem „Herrn Professor“ (so sein maliziöser ehemaliger Chef Edmund Stoiber), kommt die Klage ganz „absurd“ vor. Und womöglich ist sie das auch – bedenkt man die all die politischen Aufseher der anderen Landesbanken, denen die Milliarden-Verluste der vergangenen Jahre irgendwie ursachenlos und unerklärlich vorkommen müssen, da kein Gericht bereit scheint, sie in Haftung zu nehmen.
Der Fall „Faltlhauser“ kommt dem Autor dieser Zeilen besonders tragisch vor, da er selbst für die politische Karriere des Mannes verantwortlich gemacht wird. Der Politiker empfindet sich selbst als „konservativer 68er“, der sich gerne daran erinnert, dass die „Linke“ während seiner Münchner Studienzeit keineswegs „machen konnte, was sie wollte.“ Nein, es gab damals „eine sehr vitale und aktive Gegenbewegung. Anders wäre es nicht denkbar gewesen, dass ich 1964 als ASTA-Vorsitzender meinen Gegenkandidaten Michael Naumann mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Konvent besiegen konnte.“
So war es. Dass „wir konservativen Studenten den Vietnamprotest massiv zurückgewiesen haben“, schreibt er in einem kleinen Pamphlet der „Hanns-Seidl-Stiftung“, sei aber dumm gewesen: „Der Vietnamkrieg war ein kapitaler Fehler der Vereinigten Staaten, ein unmenschlicher Krieg.“ Das hat er also gelernt; denn „die Agitation der Linken… hat mich zum Politiker gemacht. Ohne die 68er Bewegung wäre ich aus meiner heutigen Sicht sicherlich nicht in die Politik gegangen, sondern hätte mich ausschließlich in der Wirtschaft oder der Wissenschaft versucht.“ Man kann es auch so sagen: „Die 68 haben mit Zeitverzögerung für den Nachwuchs von CSU/CDU und FDP gesorgt.“
Und damit wäre ja auch wieder einmal die Schuldfrage geklärt, der sich nun das Münchner Verwaltungsgericht widmen muss: Ein Verlust von 3,7 Milliarden Euro – die 68er, nun selbst schon über 70 Jahre alt, sollten sich schämen.
Fotos: picture alliance









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