In Zeitungen und Nachrichtensendungen spitzt sich die Eurokrise scheinbar täglich zu. Doch mit ihrer Panikmache befeuern die Journalisten die Entwicklungen nicht nur, sie übersehen auch das Wesentliche: dass die Krisen, bei Lichte betrachtet, gar nicht so schlimm sind
In den vergangenen Monaten hat der Spiegel genau vier Mal das Ende des Wirtschaftssystems ausgerufen. Das Heft 25 war einem „Nachruf auf eine gemeinsame Währung“, die – so der Titel – „Plötzlich und unerwartet“ gekommen sei. Dann fragte das Magazin seine Leser „Geht die Welt bankrott?“, zwei Wochen später war der „Gelduntergang“ schon da. Ende September tickte auf dem Titelblatt ein an Dynamit geketteter Euro. Die Münze diente zugleich als Zifferblatt, „Die Geldbombe“ zeigte fünf vor zwölf.
Um Worte für die Wirtschaftskrise zu verwenden, griffen Journalisten in den vergangenen Monaten teils sogar auf Kriegsvokabular zurück. So bezeichneten Zeit, Welt und die Tagesschau Online die Beziehungen zwischen Europa, den USA und China als „Währungskrieg“. Im Magazin Stern empfahl ein Experte denn auch gleich, als „Abwehrwaffe“ eine „Brandmauer“, um die Schuldenstaaten zu errichten. Die Süddeutsche bezeichnete die weltweiten Proteste gegen die Banken als „Kollateralschaden der Geldindustrie“.
Neben militärischen Begriffen sind auch Katastrophenvergleiche beliebt, wenn von der „finanziellen Kernschmelze“ (Bild) oder einem „Banken-Beben“ (Handelsblatt) die Rede ist. Am 9. August verfolgte Spiegel Online die Geschehnisse an den Börsen atemlos im Live-Ticker, in sechs Teilen. Die Financial Times Deutschland rief schon mal die „Angst vor dem neuen Lehmann“ aus.
Der Absturz im September 2008 war gewaltig, aber erklärbar. Erst platzte die US-Immobilienblase, dann kollabierte die Investmentbank Lehman Brothers. In Deutschland brach in der Folge die Hypo Real Estate zusammen. Der Bankencrash riss auch die Realwirtschaft mit in die Tiefe.
Anders als vor drei Jahren gibt es bislang aber kein singuläres Ereignis, das, analog des Kippens des ersten Domino-Steines, das ganze System zu Fall bringen könnte. Fakt ist: Griechenland, Portugal und Irland haben Schutz unterm Euro-Rettungsschirm gesucht. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die USA herabgestuft und droht jetzt damit, Frankreichs Bestnote zu senken.
Die aktuelle Krise ist diffuser, schwammiger. Sie paart sich mit verschiedenen Determinantien, kommt mal als Euro-, mal als Staatsschulden-, mal als Bankenkrise daher. Dabei sind all diese Krisen teils auch herbeigeschrieben.
Erstens: Der Kurs des Euro liegt derzeit bei robusten 1,38 US-Dollar. Damit ist er weder so tief wie kurz nach seiner Einführung (0,83 US-Dollar) noch so hoch, dass er die deutsche Exportwirtschaft gefährden könnte, wie etwa im April 2008 (1,60 Euro).









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