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Kapital
Ex-McKinsey-Chef

„Der Euro wird die Krise überleben“

Interview mit Herbert Henzler 26. Januar 2012
picture alliance
Herbert Henzler, McKinsey, Elite, Führungseliten, Wirtschaft, Politik, Geld,
Herbert Henzler (links) mit Lothar Späth bei einer Buchpräsentation

Er sei sehr optimistisch, was Deutschland angeht, denn die Aussichten für deutsche Unternehmen sind glänzend, sagt der ehemalige Chef der Unternehmensberatung McKinsey im Cicero-Interview. Er freut sich auf weitere Bergtouren mit Deutschlands Topmanagern

Seite 1 von 2

 

Dieser Text ist eine Kostprobe aus der Februar-Ausgabe des CICERO. Jetzt am Kiosk - oder hier zum Bestellen im Shop.

Herr Henzler, Sie haben 31 Jahre bei McKinsey als Unternehmensberater die Führungseliten dieser Republik in Wirtschaft und Politik beraten. Sieht man sich das Image der Banker, die Skandale um zu Guttenberg oder aktuell um Bundespräsident Chris­tian Wulff an, fragt man: Haben wir derzeit ein Führungsproblem?
Lassen Sie mich einen Schritt zurückgehen. Ich war mit Horst Köhler, dem vorherigen Bundespräsidenten, gut bekannt. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum er damals hingeschmissen hat. Wenn wir jetzt den Bogen zu Wulff schlagen, bin ich überrascht, dass er die Dynamik seiner Aussagen völlig falsch eingeschätzt hat. Mit seinem apodiktischen Stil hat er sich angreifbar gemacht. Und als Bundespräsident sollte er ein Rollenvorbild sein. Er hätte diplomatischer handeln müssen und war auch schlecht beraten.

Bildergalerie: CICERO ONLINE präsentiert: Die Kandidaten für die Euro-Nachfolge
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Hat die Qualität der Führungskräfte in der Wirtschaft auch nachgelassen? Die Verweildauer der Manager in den Dax-Vorständen ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken.
Das stimmt, aber es wäre falsch, daraus den Schluss zu ziehen, dass die Qualität der Führungskräfte insgesamt zurückgegangen ist. Bei Dax-Konzernen besteht das Management aus bis zu tausend Führungskräften. Für die Leute ganz oben an der Spitze sind die Bedingungen härter geworden, und von denen sind in der Tat in den vergangenen Jahren viele gestolpert. Früher hatte ich Klienten, die haben sich für den Börsenkurs ihres Unternehmens überhaupt nicht interessiert. Das geht heute nicht mehr. Die Kapital­märkte strafen sie derzeit gnadenlos für ihre Leistung oder vermeintliche Nichtleistung ab.

Hat das nicht auch zu einer Veränderung des Führungsstils geführt, bei dem Manager sich hinter Beratern verstecken oder den Märkten zuliebe auf kurzfristige Effekthascherei setzen?
Als ehemaliger Europa-Chef von McKinsey muss ich natürlich entgegenhalten, dass ich alle Unternehmenschefs, die uns ins Haus holen, für ausgesprochen klug halte, weil der Einsatz von Strategieberatern die Dinge objektiviert und sie häufig einen besseren internationalen Überblick haben. Effekthascherei bringt aber ohnehin nichts. Da muss man sich nur den Friedhof angucken, auf dem die Vorstandschefs liegen, die nur auf kurzfristige Erfolge gesetzt haben.

Wie hat sich denn der Führungsstil der Topmanager in den drei Jahrzehnten verändert?
Als ich als Berater anfing, da gab es in vielen Unternehmen noch diese Renaissance-Men, diese unumschränkten Herrscher, die bestimmten, was gut und was schlecht war. So etwas gibt es heute nicht mehr. Die Vorstandschefs sind heute Teamplayer. Sie müssen sicherstellen, dass im Unternehmen Recht und Ordnung herrschen und die Gesetze eingehalten werden. Und sie müssen ein Team zusammenstellen, mit dem sie gemeinsam ihren Laden führen können. Sie sind wie die Spielmacher beim Fußball. Ein Vorstandschef muss ein Primus inter Pares sein, wie es Herbert Hainer bei Adidas oder Axel Heitmann bei Lanxess machen.

Sie haben, wie Sie auch in Ihrer kürzlich erschienenen Autobiografie schreiben, immer versucht, Politik und Wirtschaft zusammenzubringen. In der Öffentlichkeit herrscht derzeit eher der Eindruck, dass vor allem die Banken die Unterstützung des Staates in der Finanzkrise gerne angenommen haben, sich aber jetzt gegen striktere Regulierung wehren und jede politische Einmischung ablehnen?
Dass die Banken die Staatshilfen so schnell wie möglich wieder los werden wollten, halte ich für normal. Viel schmerzhafter ist für die Finanzinstitute aber, dass sie gerade erkennen müssen, dass es gigantische Überkapazitäten in der Branche gibt. Das Investmentbanking in seiner jetzigen Form hat auf jeden Fall seine besten Tage hinter sich gelassen. Banken haben eine Wertschöpfung von bis zu 6 Prozent in einer industrialisierten Gesellschaft. Warum soll dann der Gewinnanteil bei 20 Prozent liegen?

Also ist der Ausblick für die Bankenwelt eher unerfreulich. Wie schätzen Sie sonst die Lage ein?
Ich bin aus dreierlei Gründen eher optimistisch: Erstens wächst die Menschheit, was zusätzliche Nachfrage schafft. In den aufstrebenden Schwellenländern gibt es einen ganz natürlichen Zug in die Mittel­klasse. Die wollen in den kommenden Jahren Autos, bessere Apartments, eine bessere Ausbildung für ihre Kinder. Der dritte Grund ist die ungebrochene Innovationskraft der Menschen.

Und wie ist Deutschland aufgestellt?
Bestens. Bei Innovationen gibt es kein Land in Europa, das den Deutschen den Rang ablaufen könnte. Wir haben im Vergleich zu den anderen eine niedrige Lohnquote, und die Exporterfolge zeigen, dass deutsche Produkte weltweit gefragt sind.

Erfahren Sie auf der nächsten Seite, warum uns der Euro keinen Strich durch die Rechnung macht

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Wer zahlt am Ende immer die Zeche?

Wir haben im Vergleich zu den anderen eine niedrige Lohnquote, wie auch Herbert Henzler bestätigt. Das bedeutet, daß die Exporterfolge auf dem Rücken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erwirtschaftet wurden und werden.

Dabei sind deutsche Waren überall gefragt und das Label "Made in Germany" bürgt weiterhin für Qualität. Das niedrige Lohn- und Gehaltsniveau in Deutschland ist also durch nichts zu rechtfertigen.

Sogenannte "Aufschwünge" kamen und kommen bei den unselbständig Beschäftigten bekanntlich so gut wie garnicht an. Eigentlich eine Schande, denn wer erwirtschaftet die Unternehmensgewinne: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Das aber interessiert die Unternehmensvorstände überhaupt nicht, Hauptsache die Gewinne sprudeln kräftig und Aktionärinnen und Aktionäre sind vollauf zufrieden. Von sozialer Gerechtigkeit keine Spur.

Der EURO wird schon deshalb weiterbestehen, weil es Politik und Wirtschaft so wollen, denn durch einen Zusammenbruch unserer Währung würde das Großkapital enorme Verluste hinnehmen müssen. Und genau das wollen Multimillionäre und Milliardäre nun wirklich nicht.

Dann sollen schon eher die "kleinen Leute" die Zeche zahlen, wie eigentlich immer schon. Schöne falsche Finanz- und Wirtschaftswelt!

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Yvonne Walden27.01.2012 | 17:14 Uhr

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