Die Firma Bosch handelt nach Grundsätzen, die in der heutigen Zeit fast altbacken wirken: langfristige Strategie und Glaubwürdigkeit. Dieser Philosophie ist es zu verdanken, dass Unternehmenschef Franz Fehrenbach neu Aufseher der Geschäftsleitung wird. Bei anderen Firmen sorgt das für Konflikte, bei Bosch für Kontinuität
Diese Nachricht hat Seltenheitswert: Bosch bekommt einen neuen Chef. Anfang Juli wird der 55-jährige Volkmar Denner zum neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung des Stuttgarter Elektronikkonzerns. Der Ingenieur Denner, der den größten Autozulieferer der Welt in die Internetzeit führen soll, wird in der 126-jährigen Unternehmensgeschichte erst der siebte Geschäftsführer, hier G1 genannt, sein.
Die entscheidende Frage lautet aber: Stimmt die Nachricht überhaupt? Denn der bisherige G1, Franz Fehrenbach, wechselt direkt an die Spitze des Aufsichtsrats und der Robert Bosch Industrietreuhand KG, die 93,2 Prozent der Stimmrechte des Unternehmens hält.
In einem börsennotierten Dax-Konzern hätte solch ein nahtloser Übergang zum obersten Kontrolleur einen Aufschrei ausgelöst, wie unlängst bei der Deutschen Bank, wo Josef Ackermanns Plan, Chefkontrolleur von Deutschlands größter Bank zu werden, grandios scheiterte. Die Argumente dagegen sind immer dieselben: Der neue Kontrolleur werde seinem Nachfolger mächtig ins Handwerk pfuschen, vielleicht sogar eigene Fehler decken.
Nicht bei Bosch. Auf der Gerlinger Schillerhöhe, dem Sitz des Konzerns, ist es gute Tradition, dass der Vorgänger seinen Nachfolger kontrolliert, und Fehrenbach ist in seiner neuen Position einer der mächtigsten Aufseher der Republik. Denn der Vorsitz der Industrietreuhand ist kein Ruhestandsposten, sondern ein Fulltime-Job.
Fehrenbach wird daher auch weiter die Strategie bei Bosch bestimmen. Für eines der größten deutschen Unternehmen und seine mehr als 300?000 Mitarbeiter weltweit sind das gute Nachrichten, denn Fehrenbach hat Bosch fast ohne Entlassungen durch die Krise geführt und den Umsatz 2011 erstmals auf mehr als 50 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn vor Steuern lag bei 2,6 Milliarden Euro.
Bosch hat aber, nicht zuletzt wegen seines andauernden wirtschaftlichen Erfolgs, eine Sonderstellung in der deutschen Wirtschaft. Fast vollständig im Besitz der Robert Bosch Stiftung muss es bei seinen Entscheidungen weder Banken noch Aktionäre um Erlaubnis bitten.
Wie die Unternehmensphilosophie Fehrenbach bemerkenswerte Freiheit gibt










