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 > Eine europäische Ratingagentur wird geboren

Kapital
Gründungspläne

Eine europäische Ratingagentur wird geboren

von 
Alexander Marguier
18. Januar 2012
picture alliance
„Wir würden es als einen Grundkonflikt sehen, wenn Staaten daran beteiligt sind.
„Wir würden es als einen Grundkonflikt sehen, wenn Staaten daran beteiligt sind.“

Die Herabstufung der Bonität Frankreichs durch den Rating-Riesen Standard & Poor’s hat die Debatte über die Arbeitsweise angloamerikanischer Ratingagenturen neu entfacht. Der deutsche Risiko-Experte Markus Krall arbeitet derzeit mit Hochdruck an der Gründung einer europäischen Ratingagentur. Es geht ihm dabei ums Grundsätzliche

Seite 1 von 2

Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. In diesen Tagen beginnt Markus Krall nämlich seine „Roadshow“, wie er die finale Präsentationsrunde bei den potenziellen Geldgebern nennt. Und wenn alles nach Plan läuft, hat er am Ende feste Zusagen für ein Investitionsvolumen von insgesamt 300 Millionen Euro zusammen. Diese Summe braucht es, um eines der ehrgeizigsten Non-Profit-Projekte der vergangenen Jahre auf die Beine zu stellen: eine als Stiftung organisierte europäische Ratingagentur, die nicht nur den drei angloamerikanischen Branchen-Beherrschern Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s Konkurrenz machen soll. Sondern das Geschäft mit der Bewertung von Anleihen auf eine neue Grundlage stellen will.

Krall, 49 Jahre alt, gebürtiger Mainfranke und Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger, ist der Urheber dieses mehr als ehrgeizigen Vorhabens. Wenn man mit ihm darüber spricht, hat man allerdings den Eindruck, so etwas würde bei ihm zum normalen Berufsalltag gehören. Aber jemandem, der sich schon seit seinem VWL-Studium fast ausschließlich mit mathematisch-stochastischen Modellen zur Risikoanalyse beschäftigt, liegt Sachlichkeit wahrscheinlich einfach in den Genen. Außerdem ist die Mission heikel und erfordert schon deshalb einen kühlen Kopf.

Der Zorn europäischer Politiker über die Macht der „großen drei“, die mit ihren Länderratings scheinbar über das Schicksal überschuldeter Eurostaaten entscheiden, ist gut dokumentiert. Deswegen liegt der Verdacht nahe, eine „europäische Ratingagentur“ könne das Ziel verfolgen, mildere Urteile über die Bonität notorisch klammer Volkswirtschaften zu fällen. Doch davon kann keine Rede sein. „Es sind keine staatlichen Institutionen involviert, es fließt keinerlei Steuergeld. Denn wir würden es als einen Grundkonflikt sehen, wenn Staaten daran beteiligt sind“, sagt Krall über die Struktur seines Projekts. Das Geld für die Anschubfinanzierung soll vielmehr von Banken, Versicherern oder institutionellen Investoren kommen, die durchaus selbst ein Interesse daran haben könnten, das bestehende Rating-Oligopol zu durchbrechen und mehr Transparenz in der Risikobewertung zu erlangen.

Denn Transparenz ist eines der Hauptanliegen von Markus Krall. Während die Ratingberichte der alteingesessenen Agenturen keinen wirklich präzisen Aufschluss über ihr Zustandekommen liefern, wird im Krall’schen Projekt jeder einzelne Schritt glasklar aufgeschlüsselt und im Internet frei zugänglich gemacht werden. „Es geht in unserem Ansatz wie in der Wissenschaft um die Reproduzierbarkeit des Experiments“, lautet die Ansage. Als Grundgerüst dafür dient ein mathematisches Modell, in das sämtliche für die Risikobewertung zur Verfügung stehenden Daten einfließen und das laut Krall „extreme Trennschärfe und eine hohe Prognosequalität garantiert“.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie viele Mitarbeiter demnächst bei der Agentur arbeiten könnten.

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Bravo !

Herrn Krall kann man nur viel Glück wüschen, denn eine von den USa unabhängige Rating - Agentur ist längst überfällig.

Die Politik denkt schon einige Zeit darüber nach, kommt aber nie zum Zug !

Nun muss es "Roland Berger" mal wieder erledigen....

Es muss auf jeden Fall einen Gegenpol geben, der die politisch gefärbten Rating - Ergebnisse der Agenturen in New York ad absurdum führt.

  • Antworten
der Mitdenker18.01.2012 | 16:08 Uhr

Prioritäten

Vielleicht hat es sich bei Roland Berger noch nicht herumgesprochen,
daß das Domizil beim Ermitteln von Daten keine Rolle spielt. Die
Ergebnisse werden sich von den Ratingagenturen in anderen Ländern
wenig unterscheiden, so daß es besser wäre eine Agentur zu gründen,
die die Bundesregierung im Vorgehen nach kfm. Gesichtspunkten unter-
richten würde um das Euro-Desaster noch zu verhindern, wenn das
überhaupt noch möglich ist.

  • Antworten
Pequod19.01.2012 | 21:38 Uhr

Ratingagentur

Meines Wissens ist Euler-Hermes auf dem Gebiet bereits intensiv tätig und kann sicherlich den Grundstock der europäischen Ratingagentur bilden.

  • Antworten
Willy Ehrlich24.01.2012 | 15:39 Uhr

Europäische Ratingagentur sofort

Ich bin im Gegensatz zu Herrn Krall der Meinung, daß es durchaus eine gegen den Profitmaximierungskapitalismus der USA gerichtete Initiative der stabilen europäischer Staaten von den USA verstanden werden sollte. In USA beugt sich alles den Profitinteressen der Banken , Industrie und Versicherungen "not mater the costs" hier im sozialen oder moralischen Sinne gemeint. Nach meinen 10 Jahren von leben und arbeiten in USA, bin ich der festen Überzeugung, daß wir eine völlig unabhängige weltweit anerkannte "Stiftung Warentest" auf dem Finanzsektor dringend brauchen, deren Rating jeder juristischen Prüfung ohne Einschränkung standhält.

  • Antworten
Hans Huckebein01.02.2012 | 11:53 Uhr

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