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 > Her mit der Zwangsabgabe für Reiche!

Kapital

SchuldenabbauHer mit der Zwangsabgabe für Reiche!

Von Petra Sorge12. Juli 2012
picture alliance
Champagner, Sekt, Reichtum, deutsche Privatvermögen, Superreiche
Das deutsche Privatvermögen ist fast doppelt so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt
Schrift:

Um den verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren, schlagen Wirtschaftsexperten eine Zwangsabgabe auf hohe Privatvermögen vor, kombiniert mit Zwangsanleihen. Eine geniale Idee, die unbedingt mal in Deutschland getestet werden sollte. Ein Kommentar

Seite 1 von 2

Er war ein ausgefuchster Mann, dieser Adam Smith. Was der Vordenker der klassischen Volkswirtschaft schon im 18. Jahrhundert zu Papier brachte, hätte heute auch jeder Griechenlandexperte sagen können: „Die Entschuldung der öffentlichen Finanzen ist, wenn sie überhaupt jemals zustande gebracht wurde, immer durch ein Bankrott zustande gebracht worden; manchmal durch offenen, immer aber durch einen faktischen Bankrott, häufig freilich durch vorgetäuschte Tilgung verschleiert.“

Die „vorgetäuschte Tilgung“ – also eine scheinbare Rückzahlung von Schulden, wie sie derzeit unter dem Begriff der „Zwangsabgabe“ diskutiert wird, scheint in der Geschichte tatsächlich erprobt zu sein. Die Beispiele, die Andreas Becker in „Staatsverschuldung und Umweltzerstörung“ auflistet, sind schwindelerregend. Zwangsanleihen kannte man schon im alten Griechenland, doch richtig modern wurden sie erst bei den Stadtstaaten im Mittelalter und in der Zeit der Aufklärung. So behielt der französische König Ludwig XI. im 15. Jahrhundert die Löhne seiner Beamten ein und deklarierte sie zu Anleihen. Spaniens Karl V. erlegte Adel und Klerus dieses finanzpolitische (Folter-)Instrument auf – und hundert Jahre später versuchte auch der englische Karl I., mit Zwangsanleihen die königliche Schatulle aufzufüllen. Genutzt hat es ihm wenig: Die wütende Bürgerschaft billigte zwar die Steuern, ertrotzte sich im Gegenzug aber mehr parlamentarische Rechte. Karls Manöver bescherte England somit erste demokratische Errungenschaften.

Zugegeben: Die Tatsache, dass Monarchen ihre Untertanen austricksten, um an ihr sauer verdientes Geld zu kommen, ist nicht gerade ein gutes Argument für Zwangsanleihen. Diese nämlich sind Teil eines Vorschlags des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur Bekämpfung der Schuldenkrise. Der sieht so aus: In einem ersten Schritt sollen reichere Mitbürger Zwangsabgaben auf ihr Privatvermögen leisten. Bei zehn Prozent auf Privatvermögen über 250.000 Euro ließen sich jährlich 230 Milliarden Euro eintreiben, ohne den Konsum zu beeinträchtigen, rechnete das DIW vor. Betroffen wären nur die reichsten acht Prozent der Bevölkerung. Den Angaben zufolge könnte Deutschland so seine Staatsverschuldung um knapp ein Viertel drücken. Der Widerstand gegen diese Abgabe wäre den Experten zufolge überschaubar, wenn die Vermögenden einen Teil ihres Geldes über Anleihen wieder zurückbekämen. Diese könnten sogar verzinst werden.

Zwangsabgaben, Zwangsanleihen – diese Wörter klingen mindestens so übel wie „Zensursulas“ Internetsperren oder Schröders Ausgehverbot für Teenager. Doch bei diesen geldpolitischen Maßnahmen handelt es sich weder um Verbote noch schränken sie bürgerliche Freiheitsrechte ein. Schließlich muss der Staat in einem Gemeinwesen immer mal wieder legal „Zwang“ ausüben – mindestens in drei wichtigen Bereichen: bei der Sozialisation seiner Bürger durch das Bildungssystem, bei der Ausübung des Gewaltmonopols (z.B. im Strafvollzug) und bei seiner Finanzierung respektive Besteuerung.

So wie ein Hocker nicht nur auf zwei Beinen stehen kann, so gerät auch der Staat in eine Schieflage, wenn es in einem dieser drei Bereiche Probleme gibt. In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat sich insbesondere in das dritte Standbein – die Staatsfinanzierung – der Holzwurm gebohrt. Aufbau Ost, demografischer Wandel – und damit einhergehend steigende Kosten im Renten- und Gesundheitsbereich – haben gewaltige Löcher in das Staatssäckel gefressen, hinzu kamen Einnahmeausfälle durch einen Rückgang der Zahl der Steuerpflichtigen. Durch die Rettungspakete in der Finanzkrise sprang die Staatsverschuldung zusätzlich in die Höhe. Heute beträgt sie 81 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, während der Maastricht-Vertrag höchstens 60 Prozent vorschreibt. Die Lage ist so arg, dass kaum noch Geld übrig bleibt für die wohl wichtigste Staatsaufgabe, die Sozialisation – sprich, den Ausbau von Kindergärten und Investitionen in die Bildung.

Seite 2: Das deutsche Privatvermögen ist doppelt so hoch wie das BIP

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Verfassungswidrig

Frau Sorge,
was Sie fordern ist verfassungswidrig. Ich empfehle Ihnen den exellenten Beitrag von Paul Kirchhof, „Verfassungsnot!“ in der FAZ. „Die EU steckt in der Krise, weil Recht missachtet wurde.“ (Paul Kirchhof, Bundesverfassungsrichter a. D., lehrt Öffentliches Recht, Verfassungsrecht, Finanz- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg)

  • Antworten
bernhard.jasper12.07.2012 | 15:57 Uhr

Reichtumsbegriff

Reich ist jemand, der für seinen Lebensunterhalt nicht mehr arbeiten muss, weil er von den Zinsen seines Vermögens leben kann. Wer Vermögen ab zweihundertfünfzigtausend Euro mit einer Zwangsabgabe für "Reiche" belasten will, soll einmal versuchen von den Zinsen auf ein solches Vermögen zu leben.

  • Antworten
Karl Schade12.07.2012 | 18:41 Uhr

Dahergerede

Wie leichtfertig doch derartige Kommentare verfaßt werden. Derartige Zwangsmaßnahmen ziehen als Reaktion Kapitalflucht nach sich, die dann mit Kapitalverkehrskontrollen gestoppt werden muss.Man müßte das GG ändern, die Eigentumsgarantie abschaffen.All das sind Rezepte gescheiterter Staaten, die nicht mehr ein noch aus wissen. Deutschland wäre als anerkannter Wirtschafts und Kapitalstandort erledigt.

  • Antworten
riccardo borghese12.07.2012 | 20:14 Uhr

Populismus

Linkes populistisches Geschwätz. Sommerloch im cicero.

  • Antworten
Otto Maier12.07.2012 | 23:13 Uhr

Unsinn

Es ist gröbster Unsinn, eine neue Quelle der Schuldentilgung zu suchen, bevor man nicht das marode Zinseszinssystem saniert hat. Dank der Globalisierung, glaubt die Regierung doch nicht ernsthaft, dass auch nur einer, der "reich" ist hier in Deutschland oder der EU bleiben würde. Und wäre ich reich, würde ich es ganauso tun, anstatt einem Staat der das Geld derart verpulvert, etwas zu geben.

  • Antworten
Nanuu7313.07.2012 | 12:03 Uhr

Superreiche profitieren auch in Krisenzeiten

Wenn es zutrifft, daß die Superreichen und Vermögenden auch in diesen Zeiten profitieren, dürfte eine solche Zwangsabgabe der richtige und einzig gerechte Weg aus der Krise sein.
Es war im übrigen ein Riesenfehler der Regierung Schröder-Fischer, den Einkommensteuersatz von 53 auf lediglich 42 Prozent abzusenken.
Da ist die SPD-GRÜNEN-Regierung offenbar vor der Lobby des "Großen Geldes" eingeknickt wie seinerzeit auch vor der Lobby des Versicherungsgewerbes, die sich mit der Riester- und Rürup-Rente ihren Anteil an der Altersvorsorge (Dritte Säule) sichern konnte.
Wir sind laut Grundgesetz ein "sozialer" Staat. Also sollte alles darangesetzt werden, diese Sozialverpflichtung mit neuem Leben zu erfüllen - auch und gerade im Verhältnis reich und arm.

  • Antworten
Yvonne Walden13.07.2012 | 12:44 Uhr

Mit solchen Forderungen werden die typischen Neiddebatten

immer wieder angestachelt. GB hat sofort nachdem Hollande in Frankreich den Reichen ans Vermoegen wollte den roten Teppich fuer die ausgerollt,die ihr Vermoegen vorm franzoesichen Fiskus in Sicherheit bringen wollen.Denke,es ist begnuegend roter Teppich vorhanden in GB
um auch den reichen Deutschen Asyl fuer ihr Vermoegen zu geben.
Auf die Idee dass auch die dt.Regierung mal mit dem Geld dass eingenommen wird auszukommen ist unseren Fachleuten im Amt wohl nie gekommen.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant13.07.2012 | 13:55 Uhr

Recherchieren statt suggerieren

"Anstatt die Einnahmeseite zu verbessern, sind die Steuern in den vergangenen Jahrzehnten schrittweise gesunken."

Die Staatseinnahmen steigen immer schneller, die Schulden durch immer neuere Wahlversprechungen jedoch schneller. Das ist ruckzuck rechchiert.
Wenn das so weiter geht, schafft sich die parlamentarische Demokratie von selbst ab, weil sie nicht bereit ist, Konsequenzen für diese Verschwendungsorgien zu tragen.

  • Antworten
Rainer Zufall14.07.2012 | 10:48 Uhr

Verraten sie mir: warum soll

Verraten sie mir: warum soll ich mich als junger Mensch anstrengen, etwas aus mir zu machen? Warum sollte ich ein Studium abschließen, hart arbeiten, vielleicht auch noch eine eigene Firma gründen? Um mich dann mit dem Finanzamt herumzuärgern, zu den „nur 8%“ gehören, denen man ruhig ordentlich was wegnehmen kann? Das sind ja „nur“ 42% Steuern, Rentenversicherung (auch so eine Art Zwangsanleihe, deren Rückzahlung höchst zweifelhaft scheint), Krankenversicherung, Abgeltungssteuer, Mehrwertsteuer (und die restlichen hundert Steuern und Abgaben, die das wacklige dritte Bein bilden).

Dann doch lieber noch ein paar Semester dranhängen, Kulturgeschichte oder Germanistik, nur ja nichts, was Geld bringen könnte. Sich vergnügen in subventionierten Theatern, Museen, Freibädern. Und sollte man doch irgendwann verdienen: nichts wie weg damit! Große Auslandsreisen, teure Hotels und was übrig bleibt: in den Zürcher Safe.
Die Anreize: bloß nicht überanstrengen, nur kein Vermögen in Deutschland aufbauen.

„In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat sich insbesondere in das dritte Standbein – die Staatsfinanzierung – der Holzwurm gebohrt.“
Steuerschätzung 2012 für Bund, Länder, Kommunen, EU: 596,5 Mrd € (+4%)
da wackelt wahrlich der Hocker, mit so wenig Holz am Bein.

„Die Politik darf nicht einknicken vor der Drohung der roten Roben“
„Drohung der roten Roben“ Oho. „rote Roben“ klingt nach einer Bande von Piraten, oder eine obskure Sekte. Da muss man auch nicht so genau hinhören, was die sagen. Und die Verfassung? Ein besseres Klopapier für die Leute von DIW, SPD und Frau Sorge.

  • Antworten
Johann I.15.07.2012 | 02:51 Uhr

staatliche Korruption zum Vorteil der Politik

Einen Artikel "Her mit der Zwangsabgabe für Reiche" kann nur jemand schreiben, der von der Materie nun überhaupt keine Ahnung hat. So gesehen könnte Frau Sorge die 10 oder 20 Prozent Reichen in Deutschland, in deren Hand 70 Prozent des Volksvermögens sind, allein zur Kasse bitten und alle anderen lebten für lau. 50 Prozent aller Deutschen, die gar kein Vermögen haben, würden es Frau Sorge danken und sie zur Ehrenbürgerin ernennen.

Doch darum geht es gar nicht.

Es geht darum, daß dieser Staat weder im Bund, noch in den Ländern, noch in den Kommunen gewillt ist, zu sparen. Seit 1960, wo Deutschland praktisch noch keine Schulden hatte, häuft Deutschland Jahr für Jahr Schulden an und die durchschnittliche Belastung der Bürger durch Steuern, Abgaben und Gebühren beträgt mittlerweile 70 Prozent (sogar das ZDF kam vor 2 Jahren auf 62 Prozent!).

Wenn wir einen sparsamen Staat hätten, wäre gegen Zwangsabgaben (für alle!) überhaupt nichts einzuwenden. Aber dieser Staat ist nicht sparsam. Es gibt soviele Sparmöglichkeiten, daß die Steuern praktisch halbiert werden könnten. Angefangen mit der Anzahl der Ministerien und deren Bediensteten (wieso brauchen wir in unserer perfekt vernetzten Welt Botschaften in jedem Land neben den EU-Botschaften oder Ländervertretungen in Berlin und Brüssel?), der Anzahl der Abgeordneten in Bund und Ländern, der Anzahl der Länder selbst, allen voran Bremen mit 18 Mrd. Schulden gegenüber dem doppelt so großen Köln mit 4 Mrd.. Und weiter mit der Anzahl der Kommunen, die flurbereinigt halbiert werden könnten, z.B. Leverkusen nach Köln und Rheinkreis Neuss nach Neuss zusammenlegen, mit der Auflösung der überflüssigen Bezirksregierungen und anderer Behörden, bis hin schliesslich zur Beamtenbesoldung und zu deren Privilegien inkl. öffentlicher Angestellter, wo Private im Vergleich mittlerweile für den halben Lohn arbeiten (wieso brauchen wir Lohnbüros in jedem Rathaus, wo das jedes Filialunternehmen in Deutschland bundesweit mit einem erledigt?)
Die Sparmöglichkeiten sind so groß, daß sie zum Himmel schreien und man sich wundert, daß die Bürger nicht endlich auf die Baringschen Barrikaden gehen. Was auf diesem Gebiet passiert, ist staatliche Korruption zum Vorteil der Politik und ihrer Nutzniessen, bei der die Bürger in Beugehaft genommen werden. Und weil unsere Politiker den Hals nicht vollkriegen, werden noch gehehlte CD´s aus der Schweiz gekauft - mit Steuergeld! Wer glaubt, das Geschäft würde sich lohnen, der sehe sich bitte die zunehmende Auswanderung der Vermögenden in die Schweiz oder nach Monaco an, weil sie mit dieser Art Beutelschneiderei nicht einverstanden sind. Geld ist ein scheues Reh (oder ein scheuer Rennfahrer wie Michael Schumacher, was aber seiner Beliebtheit vor allem bei Politikern keinen Abbruch tut). Klar, daß dann auch die gedachten Grenzen für die Zwangsabgaben von 250.000 Euro auf 125.000 Euro gesenkt werden, da wo man aus Sicht des Finanzamts bereits als Reicher gilt.

Aber das soll nun nicht unsere Sorge sein.

  • Antworten
Dirk Kranefuss18.07.2012 | 12:12 Uhr

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