14 bekannte Juroren küren im neuen Cicero in sieben unterschiedlichen Kategorien ihre Auf- und Absteiger des Jahres. Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking freut sich in der Kategorie "Wirtschaft" für Hartmut Mehdorn: In seine Beliebtheit investiert er nicht viel, er kümmert sich einfach: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, bestieg 2011 den Chefsessel von Air Berlin. Warum er immer Bahn-Chef bleiben wird und welcher Chef-Traum ihm versagt blieb
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Er wusste, auf was er sich eingelassen hatte, als er im Dezember 1999 den Vorstandsvorsitz der Deutschen Bahn AG übernahm. Er wusste es auch, als er im September 2011 mit 69 Lebensjahren den Chefsessel bei der schlingernden Luftfahrtgesellschaft Air Berlin bestieg. Vergnügungssteuerpflichtig war weder der eine Job, noch ist es jetzt der andere. Aber er scheut sich nicht vor den ganz großen Herausforderungen. Und er schafft es offensichtlich, mit Kritik umzugehen, auch wenn Angriffe unter der Gürtellinie seine Seelenlage strapazieren.
Hartmut Mehdorn bleibt immer irgendwie diszipliniert in seiner unverschnörkelten Art. Ach ja, austeilen kann er auch. Dann ist sein Ehrgefühl verletzt, und dann findet er eine Sprache, die heute auf Managementetagen fremd ist: „Ich habe den Job ja nicht gemacht, um geliebt zu werden, und einen Vorstand, der geliebt werden will, sollte man sowieso sofort entlassen.“ Nein, in seine Beliebtheit investiert er nicht viel. Er kümmert sich einfach. Auf seiner letzten Bahn-Pressekonferenz konnte er ein unerwartet gutes Ergebnis präsentieren, was den an seiner Person ständig nörgelnden Medien immerhin so etwas wie Flüsterlaute von Schalmaienklängen entlockte: „Mehdorn tritt mit Rekordgewinn zurück.“ Da hatte er es allen noch mal gezeigt, der „sperrige“, der „hemdsärmlige“, der zeitweilig „unbeliebteste deutsche Manager“, wie ihn der Rudeljournalismus etikettierte. Auch wenn er den Job bei Air Berlin gut erledigen sollte, Mehdorn wird immer der Bahn-Chef bleiben.
Er hat der Bahn, dem Nervensystem der Republik, seinen Stempel aufgedrückt. Allein an einem Tag transportieren „seine“ Züge so viele Menschen wie die Flugzeuge von Air Berlin in zwei Jahren. Und wenn das Leistungsversprechen bei einer Fluglinie nicht eingelöst wird, steht es nicht gleich als Aufmacher in der Bild-Zeitung. Als Bahnchef dagegen zog er alle Pfeile auf sich: „Bei mir musste nur auf dem Damenklo des Bahnhofs Wanne-Eickel der Wasserhahn tropfen, sofort hieß es: Der Mehdorn hat seine Bahn nicht im Griff.“ Immerhin hat er es als einer der ganz wenigen Manager geschafft, dass seinen Vornamen fast niemand kennt: Er war nur der „Bahn-Chef Mehdorn“. Selbst als er bei Air Berlin das Steuer übernahm, meldete die Süddeutsche Zeitung: „Der Bahn-Chef kommt“. Dabei war sein ehemaliger Büroleiter Rüdiger Grube zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Jahre der oberste Lokführer Deutschlands. Der darf jetzt nach der Volksabstimmung in Baden-Württemberg den Stuttgarter Bahnhof tiefer legen – ein Umstand, an den Mehdorn am Ende nicht mehr glauben wollte. Da kennt er halt die Schwaben nicht.
Ein Traum ist ihm allerdings versagt geblieben: der Traum vom Porsche-Chef, wie er es in einem Interview einmal offenbarte. Es war eine Reverenz an einen in der Tat wunderbaren Job. Und wäre er es geworden, hätte er auch in dieser Rolle die Erfahrung gemacht, die er als Bahn-Chef schon kannte: Auch dann wäre sein Vorname obsolet gewesen.










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