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 > Diktat des Billigen

Kapital
Schnäppchenportal Groupon

Diktat des Billigen

von 
Paul Solbach
5. Dezember 2011
Creative Commons
Groupon, IPO, Börsengang, Andrew, Mason, NASDAQ, Wallstreet, Verlust
Groupon-Firmenchef Andrew Mason

Das Schnäppchenportal Groupon ist mit einer Bewertung von 12 Milliarden Dollar an die Börse gegangen. Neben LinkedIn ist es eines der ersten börsennotierten Webportale der neuen Generation, Facebook soll bald folgen. Jetzt rutscht die Aktie unter den Ausgabewert – was ist dran am Hype um Groupon?

Seite 1 von 2

Während Ihnen französische Chefs provenzalische Kräuter über die chèvre frais Kroketten streuen, vorzügliche Weine entkorken und den Lendenstreifen vom schwarzen Angus auf den Teller heben, sitzen Sie im rustikalen Kerzenlicht. Ein Menü für zwei mit Entrée und Dessert im Chez Jacqueline. Weiße Tischdecken. Super klingt das. Noch fehlen ein paar Käufer für den Deal des Tages auf Groupon, dem derzeit größten Schnäppchenportal der Welt.

Ein paar Klicks und einige Augenblicke später ist die Marke von 20 Käufern überschritten und der Deal steigt. Vor Ende des Angebots verkauft sich das Menü noch weit über tausend Mal. Bald werden die Gäste mit selbst ausgedruckten Gutscheinen, genannt Groupons, in das französische Nobelrestaurant stürmen und ihr Menü zum halben Preis einfordern.

Groupon ist Anbieter von lokalen Rabattaktionen, der Name ein Wortspiel aus Gruppenkauf und Coupon. Alle paar Minuten erscheinen auf den standortbezogenen Seiten des Unternehmens neue Schnäppchen. Vor allem sind es nicht die Standards aus der Welt des Billigen, keine Lockenwickler oder Fischstäbchen, sondern Handgemachtes und Angebote gehobener Preisklasse die gut laufen. Groupon stellt nichts her, sondern bietet eine Plattform für kleine Betriebe, die neue Kundschaft aufbauen möchten. Und hier liegt eine völlig neue Qualität der Schnäppchenjagd. Partner müssen sich an ein monatelanges Preisdiktat für Dinge halten, die eigentlich mehr wert sind. Vor allem Groupon selbst ist Profiteur der Aktionen – und die Konsumenten. Was wie eine geniale Geschäftsidee klingt, hat wie immer seine Schattenseiten.

Im November ging Groupon an die Börse, drei Jahre nach der Gründung. Unter den börsennotierten Netzdienstleistern hat allein Google einen höheren Marktwert, wohlgemerkt nach zwölf Jahren Firmengeschichte, 24.000 Mitarbeitern und satten Gewinnen. Noch nie ist ein nordamerikanisches Unternehmen so schnell gewachsen wie Groupon. Einige Branchenkenner glauben, dass die Spekulationsblase bald platzen wird. Der amerikanische Analyst Rakesh Agrawal warnt davor, dass Groupon ohne den rasanten Zugewinn neuer Käufer nicht überleben kann. Und das geht nur mit horrenden Marketingausgaben von fast einer halben Milliarde US-Dollar pro Halbjahr. Wie in den Unterlagen der Börsenaufsicht nachzulesen, ist Groupon in den letzten Monaten deshalb nur knapp der Zahlungsunfähigkeit entronnen. Im September waren noch 240 Millionen in der Kasse – bei doppelt so vielen Schulden, das meiste davon Händleranteile aus den Gutscheinerlösen. Völlig aus der Luft gegriffen sind auch Agrawals Vorwürfe gegen das Management nicht. Fast wäre der überlebenswichtige Börsengang an dubiosen Bilanzierungsmethoden, Abrechnungsfehlern und Missachtung der Nachrichtenstille gescheitert. Zwei Mal lehnte die US-Börsenaufsicht die Anträge ab. Im letzten Anlauf klappte es dann. 

Wer bei Groupon den Ton angibt, lesen Sie auf der nächsten Seite

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