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 > Geburtsfehler einer kranken Bank

Kapital

EZB & EurokriseGeburtsfehler einer kranken Bank

20. Juni 2012
picture alliance
EZB,Euro,Europäische Zentralbank,EU
EZB‑Präsidenten Jean-Claude Trichet
Schrift:

Der EZB-Rat folgt dem Prinzip „One man, one vote“: Daher zählt Maltas Stimme in der Europäischen Zentralbank genauso viel wie Deutschlands, weil die Gründerväter übersahen, dass die EU kein föderalistischer Bundesstaat ist

Seite 1 von 4

Wer kennt Athanasios Orphanides? Schon mal etwas von Marko Kranjec gehört? Oder klingt der Name Josef Bonnici vertraut? Außerhalb ihrer Heimatländer sind die drei Herren wohl weitestgehend unbekannt. Dabei sind sie für die Zukunft des Euro wichtiger als manch einer der Berliner Politiker, die allabendlich in den Nachrichtensendungen oder Talkshows auftreten.

Orphanides, Kranjec und Bonnici sind die Notenbankpräsidenten von Zypern, Slowenien und Malta und kraft ihrer Ämter zugleich stimmberechtigte Mitglieder im „governing council“, dem obersten Beschlussgremium der Europäischen Zentralbank (EZB). Hier fallen alle wichtigen Entscheidungen für die Eurozone – die Höhe des Leitzinses, der Ankauf von Staatsanleihen oder die Gewährung von Notenbankkrediten an die Geschäftsbanken.

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23 Männer gehören dem erlauchten Zirkel an: die sechs obersten Geldmanager des Direktoriums, die in der Frankfurter Zentrale die Geschäfte der Notenbank führen, und die 17 Chefs der nationalen Notenbanken – von der „Banque Nationale de Belgique“ bis zur „Suomen Pankii Finlands Bank“. „Der EZB‑Rat“, sagt der Münchner Wirtschaftsprofessor Hans-Werner Sinn, „ist die wahre Wirtschaftsregierung der Eurozone, und er hat die Parlamente in der Hand.“

Regelmäßig donnerstags, alle 14 Tage, versammeln sich die Herren im 35. Stock des Eurotowers, um über die Geldpolitik zu diskutieren und Entscheidungen zu treffen. Das Bemerkenswerte: In diesem Gremium gilt das „One man, one vote“-Prinzip. Und das bedeutet: Josef Bonnici aus Malta, dem kleinsten Euroland, mit einem jährlichen Bruttosozialprodukt von 6,4 Milliarden Euro, hat genauso viel Macht wie Jens Weidmann aus Deutschland, dem größten Eurostaat mit 2600 Milliarden Euro jährlicher Wirtschaftsleistung.

Diese Stimmgewichtung, im Vertrag von Maastricht 1992 festgeklopft, hat in den ersten Jahren der Gemeinschaftswährung nie zu Streitereien geführt. Erst seit die Schuldenkrise über Euroland gekommen ist, seit die Zentralbank ihre Geldpolitik an der Finanznot einzelner Eurostaaten ausrichtet, wird hierzulande diskutiert, ob Deutschland dadurch nicht krass benachteiligt wird.

Das Notenbank-Statut verpflichtet den Rat, nur ein einziges Ziel zu verfolgen – den Wert des Geldes stabil zu halten. Auf dem Papier ist es der EZB strengstens untersagt, Kredite an die Mitgliedstaaten zu vergeben. Doch diese Regel missachten Europas Geldpolitiker seit nunmehr zwei Jahren. Sie haben inzwischen für weit über 200 Milliarden Euro notleidende Staatsanleihen aufgekauft; sie senkten den Leitzins auf mittlerweile nur noch 1 Prozent; sie akzeptieren für Kredite an die Geschäftsbanken Sicherheiten, die alles andere als sicher sind; sie pumpten obendrein zuletzt eine Billion Euro fast zum Nulltarif ins Bankensystem.

All diese stabilitätswidrigen Beschlüsse – gefasst, um einen erneuten Kollaps des Bankensystems abzuwenden – wurden vom EZB‑Rat mit deutlicher Mehrheit verabschiedet. Wer dafür oder dagegen votierte, ist nicht bekannt. Anders als die Federal Reserve, die Notenbank der USA, veröffentlicht die EZB ihre Abstimmungsergebnisse nicht. Aber es ist bekannt, dass die jeweiligen Repräsentanten der Bundesbank schon länger gegen die Politik des allzu leichten Geldes opponieren.

Sie haben keine Chance gegen die Übermacht jener, die das Stabilitätsdogma Stück für Stück demontieren. Tatkräftig unterstützt erst von dem aus Frankreich stammenden EZB‑Präsidenten Jean-Claude Trichet und seit vorigem Herbst von dessen Nachfolger Mario Draghi.

Der Italiener, ein ehemaliger Investmentbanker, gibt sich gern als Fan der deutschen Stabilitätskultur aus; bisher aber hat er alle enttäuscht, die in ihm einen Wahrer des Geldwerts gesehen haben. Er ist kommunikativer als der etwas spröde Vorgänger Trichet. Aber er neigt dazu, seinem jeweiligen Publikum das zu sagen, was es hören möchte.

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Die Frage ist rhetorisch, ja?

"Aber gibt es eine realistische Chance auf Veränderung der Machtverhältnisse im deutschen Sinne?"

Es gibt aber auch nicht eine einzige relevante Personalie in Euroland, die Merkel im Interesse Deutschlands durchsetzte. Ob Draghi oder Barroso, oder die zweite Ebene: alle von ihr mitgetragen, allesamt gegen Stabilität und für Schuldenmachen - auf deutsche Kosten.

  • Antworten
VerySeriousSam20.06.2012 | 10:27 Uhr

Repräsentationsprinzip übersehen?

Das gesamte politische Gefüge der EU einschließlich der Europäischen Zentralbank ist so eingerichtet, Deutschlands Bevölkerung und Wirtschaftskraft maximal zu marginalisieren. Da wurde nicht einfach die repräsentative Komponente übersehen, das ist das Konstruktionsprinzip der EU. Die dreistelligen Miliardentransfers, die seit Beginn der Schuldenkrise an die Länder mit hohen Leistungsbilanzdefiziten an der südlichen Peripherie geflossen sind, habe hier ihren Ursprung. Wenn man genau hinschaut, gibt es überhaupt keinen deutschen Repräsentanten auf höchster EU-Ebene, der irgent einen Einfluß auf die verhängnisvolle EU-Politik nehmen kann. Die Krise hat natürlich auch ihr gutes. Fortan kann niemand mehr behaupten, die deutsche Politik des bewußten Abseits-Stehens würde die Integration Europas auch nur ein stückweit voranbringen. Wie im Falle der DDR wird auch hier eine überlebte historische Konstruktion vor den Augen der gesamten politischen Klasse zusammenstürzen und alle können glaubhaft versichern, daß sie das weder gewollt noch angestrebt haben. Dem "Geschenk der Einheit" (Helmut Kohl) folgt ein eiheitlicher europäischer Währungsraum unter deutscher Führung. Davor wird unsere politische Klasse noch das deutsche Wohlstandsmodell der Nachkriegszeit einschließlich der Spareinlagen und der Renten- und Pensionsansprüche einer überversorgten Generation vernichten. Politische Dummheit bleibt auf die Dauer eben nicht unbestraft.

  • Antworten
Otto Hildebrandt20.06.2012 | 18:53 Uhr

Wirtschaftsmacht

War es nicht gerade die Wirtschaftsmacht, die durch den Euro beschränkt werden sollte. Deutschland strebt also eine Änderung der Geschäftsgrundlagen an. Dafür muss es zwingende Gründe geben. Allein, dass es jetzt mal Deutschland für ein paar Jahre besser geht als den Anderen , kann allein nicht der Grund dafür sein oder wird von den anderen bestimmt bestritten.

  • Antworten
A. B. 20.06.2012 | 20:15 Uhr

Sollte man den Geburtsfehler bei der Fiskalunion wiederholen?

Wenn unsere Politiker nun eine politische Union sowie eine Fiskalunion anstreben dann kann - wenn es demokratisch zugehen soll - auch dort nur gelten "one man - one vote". Dies hätte zur Folge, dass griechische, spanische, italienische und französische Bürger (welche die Mehrheit in dieser Union stellen werden) über deutsche Steuersätze etc. entscheiden.

Ist sich jeder Politiker der derzeit (oftmals recht naiv) die beiden Begriffe benutzt darüber im klaren?

  • Antworten
Stefan21.06.2012 | 02:08 Uhr

Kaum zu glauben, was der

Kaum zu glauben, was der Aufklärer Wolfgang Kaden da berichtet – danke!
Wenn ein Experiment gescheitert ist , ist aus den Fehlern zu lernen.
Das Experiment ist zu beenden – ganz einfach – oder?

Das derzeitige westliche Geldsystem ist außerdem eindeutig ein Betrugssystem mit der Qualität eines perfekten Verbrechens, das uns alle krank gemacht hat oder weiter erkranken läst.
Die EZB scheint hier noch ein Verstärker dieses kranken Systems zu sein. Innerhalb eines eigenartigen Regelkonzeptes, das krebsartiges unnatürliches Wachstum zur Folge hat.
Die Diagnose: EZB = kranke Bank vom Autor Wolfgang Kaden überzeugt.

Solange Zentralbanken, wie die FED ( private amerikanische Notenbank) als „Hecht im Karpfenteich“ rücksichtslos agieren kann wohl kein sicherer Ansatz für ein „gesundes weltweites Geld“ entstehen.

Jetzt wollen "sie" sich wohl im Nahen Osten in Form eines möglichen 3.Weltkrieges hauen - auch wegen der Fehler im Geldsystem und deren scharmlose Ausnutzung durch eine extrem kleine Minderheit einiger Leute aus dem Geldadel. Unmöglich das Ganze – widerlich und ekelhaft.

Der Weltgeldbetrüger will wohl seinen Weltleitwährungsvorteil und seine Weltdominanz dort rücksichslos behaupten, ausbauen und mit seiner Waffendominanz ….usw. Das alte Modell neu verpacken und erneut weiter als Räuber nutzen.
Eine private Weltleitwährung und Geldschöpfungslizenz, die hinterhältig entstanden ist und nun mit militärischer Gewalt durchgesetzt wird, ist verwerflich und generell zu verbieten.

Leider ist die EZB kein Bollwerk gegen die kriminelle Agressivität und
Europa wird sicherlich über die Nato als Hilfstruppe für amerikanische Interessen missbraucht werden.

Doch zur Sache:
Nachfolgende Generationen mögen die derzeitigen Mängel des gescheiterten Experimentes bewerten und sinnvolle zukünftige Schlüsse für ihre eigene Lebenszeit auf unserer Erde ziehen.
Derzeit schlägt das kranke Geld auf alle Lebensbereich durch – Steuern, Gesetzt, Bildung, Militär usw. – wie lange noch?

Doch wie weiter:
Länder, die auf Grund der neuen europäischen Gemeinschaftswährung beschädigt wurden, weil sie nicht mehr über ein ausreichendes Instrumentarium des eigenen Schutzes verfügten oder in Haftung genommen wurden, sollten buchtechnisch gegenüber der EZB aufrechnen. Und danach mittels buchtechnischen Vorgangs könnte der Verlust durch die EZB fair in Sinne aller Beteiligter ausgeglichen werden.
Letztlich wäre die EZB in seiner jetzigen Form zu beenden. Grundsätzlich wäre eine gemeinsame europäische Vereidigung sinnvoll, aber nicht unter einem amerikanischen Befehl. So denke ich als Laie und einfacher Bürger, was ist daran falsch?

Die Länder sollten zu den Nationalwährungen zurückkehren und über die alte Methode der Wechselkursanpassungen zunächst ihren Zahlungs- verkehr durchführen. Was spricht dagegen?

Grundsätzlich sollten:
Die kreativsten Köpfe der Welt mit „wissenschaftlicher“ Vernunft, außerhalb jeder Einflussnahme ein faires Tausch- oder geldähnliches System entwickeln. Das keine Privilegien ermöglicht, ökologisch und sozial ist und nicht gewinnbringend gehortet oder mit Zins und Zinseszins versehen werden kann.
Ob eine neutrale Weltverrechnungsidee, ein Stufensystem - fiktive freie Weltwährung (vielleicht geht es auch ohne), Nationalwährung und Regionalwährung oder ein neues gesondertes Regelwerk entwickelt wird, ist Sache der Wissenschaft unter der Beteiligung sachkundiger Bürger, die über gesonderte Auswahlverfahren bestimmt werden sollten.

Egoistische politische oder wirtschaftliche Interessenträger sollten weitgehend aus dem Entwicklungsprozess eines neuen Systems heraus gehalten werden.
Ich gehe davon aus, dass sich weltweit genügend Sachverstand herausgebildet hat und ein anständiges zukunftsfähiges Konzept mit Vernunft zu Wege gebracht werden kann.
In der Regel haben kleine Minderheiten weit vorgedacht, die vor den ungebildeten Massen und Lobbyisten geschützt werden sollten.

Wie mit den Nutznießern des „alten Betrugssystems“ zu verfahren ist, wäre gesondert zu regeln- denke ich.

Siehe: Unser Geld ist eine geheime Staatsreligion
http://www.youtube.com/watch?v=jtiBuhRIBiw&feature=player_embedded
und weiter: http://nuoviso.tv/vortraege/geldsystem

  • Antworten
Uwe E. Mertens21.06.2012 | 12:17 Uhr

Politisches Konstrukt

Bei Einführung des Euro ist garnicht an die Möglichkeit gedacht worden (oder unterdrückt worden) das es einmal solche Finanzschwierigkeiten geben könnte.
Ein typisches politisches Konstrukt (Kohl und Mitterand und..)Volkswirte und Ökonomen hätten so etwas nie zugelassen. Die EZB wurde zur zum zahnlosen Tiger degradiert.
P.Schnücke

  • Antworten
Peter Schnücke22.06.2012 | 09:01 Uhr

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