Henning Fehrmann kämpft gegen Monsterwellen und Piraten, gegen Wüstenstürme und Schlagregen. Sein Unternehmen baut Fenster. Ein Besuch bei einem Hamburger Familienbetrieb
Henning Fehrmann kämpft gegen Monsterwellen und Piraten, gegen Wüstenstürme und Schlagregen. Sein Unternehmen baut Fenster. Vor allem für Schiffe, große Schiffe. Erst ab einer Jachtlänge von 60 Metern beginnt Fehrmanns Zuständigkeit. Bald steht das 116. Jubiläum des mittelständischen Familienunternehmens der Fehrmann Metallverarbeitung GmbH an. Damals, im Jahr 1895, gründete Henning Fehrmanns Ururgroßvater den Hamburger Betrieb. Der produzierte zunächst im Freihafen der Hansestadt und stellte Ersatzteile für den Schiffsbau in den norddeutschen Werften her. Mittlerweile arbeiten die rund 50 Angestellten auf der Veddel, einer Elbinsel im Süden der Stadt.
Die Fehrmanns und die Jachtbesitzer, diese Verbindung gab es schon 1954, als sich die Familie Onassis die Schiebefenster für ihre Schiffe bei den Fehrmanns abholte. Wer heute zu den Kunden des Unternehmens gehört, bleibt dagegen ein gut gehütetes Geheimnis. Von Henning Fehrmann erfährt man nur, dass er regelmäßig Messen besucht, jene Milliardärstreffen, die etwa in Monaco oder Abu Dhabi stattfinden.
Heute werden auf der Veddel unterschiedlichste Teile hergestellt: „Wir liefern vom Glas für ein Bullauge bis hin zu komplett verglasten Schiffen oder gegossenen druckdichten Sicherheitsbauteilen.“ Der Standardmarkt sei durch die asiatische Konkurrenz komplett weggebrochen. Fehrmann setzt nun auf Spezialisierung: „Wir haben nur eine Chance, wenn wir Dinge bauen, die andere nicht können, und Dinge entwickeln, die es noch nicht gab“, sagt Fehrmann junior. Um Schanghai herum könne man heute elf neue Werften im Bau beobachten. „In Deutschland dagegen gibt es insgesamt noch elf größere, von denen sich sieben in oder nahe der Insolvenz befinden.“ Auch heute noch gibt es Kunden, die sich einfache Fenster von der Firma wünschen, „die auch die Chinesen bauen könnten“. Das aber ist die Ausnahme.
Henning Fehrmann und sein 73-jähriger Vater Uwe Fehrmann kümmern sich heute vor allem um die Sonderwünsche und Neuerungen: um den komplett verglasten Yogaraum auf der Luxusjacht, um dreidimensional geschwungene Fenster, explosionssichere Sonderlegierungen oder um kleine Innenfenster für die Hamburger Elbphilharmonie. Die nämlich sollen zwar durchlässig für die Geräusche aus dem Hafen sein, nicht aber für den zu erwartenden Schlagregen.
Fehrmanns Forscher und Entwickler berechnen Konstruktionsmöglichkeiten mithilfe neuester digitaler Daten. Sie tüfteln an Fenstern, die elektromagnetischer Strahlung, Wasserdruck oder auch Pistolenkugeln standhalten sollen. Ein Jachtbesitzer etwa wünscht sich schalldichte Fenster, um schlafen zu können, „während seine Frau gerade mit dem Helikopter abhebt“. In Zusammenarbeit mit dem Germanischen Lloyd, dem Deutschen Institut für Normung (DIN) oder der Internationalen Organisation für Normung (ISO) errechnen die Fehrmanns Details zu Körperschall, Vibrationen und Antriebswellen. Und sie finden so Lösungen für die Sorgen oder Extrawünsche der Schiffseigner.
Verzweifelt sind die Reeder zurzeit wegen der Piraterie vor Somalias Küste. Wenn die Piraten auf die Scheiben der Kommandobrücke schießen, kann der Kapitän nichts mehr sehen und das Schiff nicht mehr navigieren. Selbst Panzerglas, das vielleicht nicht zu Bruch geht, wird im Kugelhagel der Piraten bröckelig. Immer wieder kämen die Reeder mit der Bitte auf Fehrmann zu, „irgendetwas Effektives“ zu entwickeln.
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