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 > Europäische Wirtschaftsregierung: Merkel gibt nach – schon wieder

Kapital

Europäische Wirtschaftsregierung: Merkel gibt nach – schon wieder

Von Til Knipper9. Februar 2011
Zwei Retter in der Not, Merkel und Sarkozy
Zwei Retter in der Not
Schrift:

Der von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy angestrebte "Pakt für Wettbewerbsfähigkeit" soll Europa krisenfest für die Zukunft machen. Doch das ambitionierte Projekt kann inhaltlich nicht überzeugen.

Hat Angela Merkel bei der Bekämpfung der Eurokrise politisch eigentlich schon einmal etwas richtig gemacht? Bei Ausbruch der Krise Griechenlands hat sie wegen der Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen lange gezögert, was die Kosten der Rettung in die Höhe trieb. Bei der Reform des Stabilitätspaktes hat sie lange zu Recht darauf beharrt, dass die Inhaber von Staatsanleihen auch ihren Beitrag leisten und möglicherweise auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssten, um dann beim Strandspaziergang in Deauville vor dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einzuknicken. Sie versprach den deutschen Steuerzahlern, dass ihr Geld nicht nach Griechenland oder andere Problemstaaten fließen werde. Die No-Bailout-Klausel habe Bestand, eine europäische Transferunion, in der die reichen Länder die armen unterstützen, werde es mit ihr nicht geben. Wenig später stimmte sie der Einrichtung des Europäischen Rettungsschirms zu, der ein eindeutiger Verstoß gegen die No-Bailout-Klausel ist und gleichzeitig ein riesiger Schritt Richtung Transferunion.

Jetzt also eine europäische Wirtschaftsregierung. Dabei war Angela Merkel eigentlich immer gegen dieses Lieblingsprojekt der Franzosen, weil sie um die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank fürchtete. Es spricht zwar vieles dafür, dass eine Währungsunion nur funktionieren kann, wenn deren Mitglieder auch eine vollständige Integration ihrer Wirtschafts- und Finanzpolitik vollziehen. Genau das wollen Sarkozy und Merkel in ihrem neuen Vorstoß aber nicht erreichen. Sie planen nur eine zwischenstaatliche Koordination auf Regierungsebene außerhalb der europäischen Institutionen. EU-Parlament und Kommission sollen bitteschön außen vor bleiben, denn bei einer echten europäischen Wirtschaftsregierung müssten am Ende vielleicht auch die Deutschen und die Franzosen ihre Politik ändern.

Auch inhaltlich überzeugt der sogenannte „Pakt für Wettbewerbsfähigkeit“ nicht, weil die darin angesprochenen Punkte, wie die Vereinheitlichung der Unternehmenssteuer, die Anhebung des Rentenalters oder die allgemeine Einführung einer Schuldenbremse in Europa weder politisch durchsetzbar sind, noch die aktuelle Krise verhindert hätten.

Das einzige, was man der Bundeskanzlerin zu Gute halten muss, ist: Die aktuelle finanz- und geldpolitische Lage ist extrem kompliziert. Ein Patentrezept für die Lösung der Eurokrise gibt es nicht. Aber dann soll die Bundeskanzlerin auch nicht ständig so tun, als ob sie eines hätte. Und einen Monat später wieder eins, das dem vorherigen diametral widerspricht – immer angepasst an die nächste Landtagswahl, an die innenpolitische Stimmungslage. Die einzigen, die von diesem hin und her profitieren, sind die vermeintlich ach so bösen Spekulanten. Und denen wollte die Kanzlerin doch das Handwerk legen.

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Wie naiv darf bzw. muß man eigentlich sein? Glaubt irgendjemand der sog. "Länderfinanzausgleich" in Deutschland würde jemals wieder abgeschafft? Wer bietet mir da eine Wette an?
Seit den "Römischen Verträgen" ist die EU eine "Transfergemeinschaft". Angeblich hat z.B. SPANIEN von 1982 bis 2002 ca. 100 Milliarden EURO (netto) via Brüssel erhalten. Für diese Transfers , auch wenn sie im Einzelfall sehr ärgerlich waren und sind, gab und gibt es ja gute Gründe. Glaubt aber jemand ernsthaft, daß der EURO eingeführt worden wäre, wenn die DM so "stark/schwach" wie die DRACHME/PESETA gewesen wäre? Die Griechen wußten doch genau, was sie taten. Und die andern, die EU, wollten es gar nicht genau wissen. So, und nun müssen überwiegend die Deutschen (d.h. der 'Deutsche Steuerzahler') für die Schulden direkt und indirekt aufkommen. Man diskutiert noch über die Wege, aber jeder weiß, dass Griechenland seine Schulden 'NIE'zurück- zahlen kann.
Aber das ist ja nur das gegenwärtige Problem. Die Griechen werden wohl auf Dauer von den anderen (Löwenanteil: Deutschland) subventioniert werden müssen. Sie haben - außer der Akropolis - weder bei den Produkten, noch beim Tourismus ein sog. "Alleinstellungsmerkmal". Sie müssen über den Preis verkaufen, um z.B. die Dollar zu verdienen, die sie benötigen, um ihre Öl- und Gasrechnung zu bezahlen. Die Chinesen u.a. sind aber immer deutlich billger bei all den Dingen, die auch Griechenland liefern könnte. Beim Tourismus sind die Türken/Ägypter/Bulgaren etc. eben auch immer preiswerter.
Also: wo soll das Geld herkommen? Eben. Von /aus BRÜSSEL und letzltich zum großen Teil aus/von Deutschland.
Laßt fahren alle Hoffnung und glaubt keinem Politiker gar nix!

  • Antworten
Wolfram Wiesel11.02.2011 | 00:00 Uhr

Merkel behauptet heute dies und morgen das. Ihre turn-arrounds durchblickt sie wahrscheinlich selber nicht mehr. Glaubt tatsächlich irgend jemand, dass die Brutto/Netto-Verwechslerin irgend etwas von Finanzen kapiert?
Deswegen geht Axel Weber.
Leider wird sein Fortgang (noch) nicht in diesem Kontext debattiert.

  • Antworten
Gabriele Manzke14.02.2011 | 00:00 Uhr

Leider ist alles noch viel schlimmer. (Siehe HANS-WERNER SINN; Wirtschaftswoche Nr. 8 vom 21.2.2011, Seite 35). "Die Bundesbank hat etwa 326 Milliarden Euro Nettofordrungen gegenüber anderen Notenbanken des EuroSystems." Wie naiv, wie blöde muß man sein, um zu glauben, daß die Bundesbank diese Beträge - eine Art fortlaufender Kontokorrentkredit - je wieder zurückerhält?? Deutschland ist zur Ausplünderung freigegeben.
Die Frage ist nur noch: wann
kommt diese Erkenntis beim 'normalen' Bürger an.?
Im übrigen gilt: laßt fahren eure Hoffnung auf einen langfristig stabilen EURO. Glaubt den Politkern gar nix!

  • Antworten
Wolfram Wiesel19.02.2011 | 00:00 Uhr

Es ist völlig unerheblich, wann die Erkenntnis, dass wir verraten und verkauft sind, bei denen, die in Deutschland noch Steuern bezahlen, ankommt: Wir werden nicht gefragt, und aus Protest Steuern nicht zu zahlen wird mit völliger Entrechtung geahndet, also lässt man diesen Gedanken, da der Staat sowieso überall nachschnüffeln kann. Das Problem ist, dass man diese Herrschaften auch nicht abwählen kann, da es erstens keine wirkliche Alternative gibt und zweitens die Zahl der Transferleistungsempfänger auch in Deutschland die Zahl der Steuerzahler schon übersteigt. Die haben natürlich ein Interesse an "allgemeinen Wohltaten" - zunächst für Deutschland, dann für Europa und schließlich für die ganze Welt. Zahlen müssen ja die anderen! Wie lange eine Demokratie, die so funktioniert, noch gut geht, steht in den Sternen. Den Jungen bleibt nur die Abstimmung mit den Füßen. Dann haben wir das finanzielle Desaster der ehemaligen sozialistischen und kommunistischen Staaten auch im ehemaligen Westen.

  • Antworten
Tizian08.03.2011 | 00:00 Uhr

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