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Kapital

EurokriseWer zahlt was?

Von Til Knipper12. April 2012
picture alliance
Eurokrise, Rettungsschirm, EFSF, ESM, Griechenlandpaket, Rettungspaket
Wer zahlt wie viel um den Euro für Europa zu retten?
Schrift:

Vom ersten Griechenlandpaket, über den EFSF zum ESM - bei den wachsenden Maßnahmen zur Eurorettung innerhalb der letzten zwei Jahre kann man schon mal den Überblick verlieren. Cicero erklärt, wer was, wie viel und vor allem warum zahlen muss

Rettungsschirme haben seit zwei Jahren Hochkonjunktur in Europa: Erstes Griechenlandpaket, Einrichtung der EFSF, Hilfspakete für Irland und Portugal, zweites Griechenlandpaket und Errichtung des ESM lautet die chronologische Reihenfolge der EU?Maßnahmen zur Rettung des Euro bisher.

Bei der Bereitstellung des ersten Griechenlandpakets im April 2010 gingen die Beteiligten noch davon aus, die Krise in den Griff zu bekommen. Wenig später, im Juni 2010, mussten sie aber die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) errichten, um ein Überspringen der griechischen Krise auf andere Euroländer abwehren zu können.

Aus dem EFSF?Topf und aus dem EU?Haushalt wurde der europäische Anteil an den Hilfspaketen für ­Irland im November 2010 und für Portugal im Mai 2011 finanziert. Die Iren erhielten insgesamt 85 Milliarden Euro an Hilfskrediten, die Portugiesen 78 Milliarden Euro. Wie schon beim ersten Griechenlandpaket leistete der Internationale Währungsfonds (IWF) auch einen Beitrag zur Rettung Irlands (22,5 Milliarden Euro) und Portugals (26 Milliarden Euro).

Aus dem EFSF wird auch der EU-Anteil am zweiten Griechenlandpaket gezahlt in Höhe von 103 Milliarden Euro, die restlichen 30 Milliarden steuert der IWF bei. Griechenland hat als Hauptnutznießer der Rettungsmaßnahmen insgesamt bereits 240 Milliarden Euro an Unterstützung bewilligt bekommen. Hinzu kommt der Beitrag der privaten Gläubiger durch den Schuldenschnitt in Höhe von 107 Milliarden Euro.

An die Stelle der vorübergehend eingerichteten EFSF tritt ab Juli 2012 der dauerhafte Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM). Umstritten ist, ob die 241 Milliarden Euro an Garantien, die noch in der EFSF übrig sind, auf den ESM übertragen werden sollen. Anders als die EFSF verfügt der ESM über 80 Milliarden Euro eigenes Kapital. Den deutschen Anteil daran in Höhe von 22 Milliarden Euro muss Finanzminister Schäuble aus dem Bundeshaushalt überweisen. Die Haftung der Länder bemisst sich am Kapitalanteil an der Europäischen Zentralbank, der im Falle von Deutschland bei 27,1 Prozent liegt.

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Bitte, Bitte, Bitte: EFSF/ESM nie ohne Target 2 diskutieren!

Das wichtigste Leck im Euro-System ist der unter dem Namen Target2 firmierende Selbstbedienungsladen, in dem sich Südeuropäer derzeit ohne valide Gegenleistung in Form einer belastbaren Sicherheit mit deutschen Waren eindecken. Im März allein waren das mehr als 60 Mrd.: Tag für Tag ca. 2 Mrd. oder 50 Euro pro berufstätigem Deutschen. Hier fließt das neu geschaffene EZB-Geld unkontrolliert und potentiell unendlich in Strömen. Hier schmelzen die Altersrücklagen der Babyboomergeneration wie Schnee in der Sonne. Dagegen sind selbst die astronomischen Haftungssummen von EFSF und ESM beherrschbare Größen.

  • Antworten
Karl Schade13.04.2012 | 14:03 Uhr

Target2-Karl Schade

Endlich sagt es einer. Das Faß hat schon lange keinen Boden mehr!

  • Antworten
Zwangs-HIWI17.04.2012 | 13:18 Uhr

Wer zahlt was?

Herrn KARL SCHADE sei Dank für seinen TARGET 2-Hinweis.
Aber mal die Frage: "Wäre denn der EURO überhaupt eingeführt worden, wenn die DM so "schwach" wie DRACHME/LIRA/PESETE/ESCUDO und in Grenzen
FRANC, gewesen wäre?". Das sarkastische Bonmot des LE FIGARO sagt es doch deutlich:
"Maastricht ist Versailles ohne Krieg. (Die Deutschen zahlen)".
Die Maastricht-Kriterien - immerhin ein 'Vertrag'(!) - wurden ratz fatz einfach gebrochen. Und so wird es - unter verschiedenen Namen -
irgendwie weiter gehen. Zumindest bis 2030 wenn die deutsche 'Arbeitsbevölkerung' (zwischen 25 und 59 Jahre) von jetzt 45,5 auf 32,5 Millionen zurückgegangen sein wird. Auswanderung von ca. 150 000 Deutschen zwischen 25 und 45 Jahren, in der Regel gut qualifziert, nicht gerechnet.
Schau'n wir mal.
Und die Deutschen sind an allem und werden an allem , was in Europa wirtschaftlich "schief" läuft, "schuld" sein.

  • Antworten
Wolfram Wiesel25.04.2012 | 08:23 Uhr

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