In der Griechenland-Krise schließt die Bundesregierung eine Insolvenz des Eurolandes nicht mehr aus. Dabei zeigt die Geschichte, dass schon viele Länder – darunter Argentinien und auch Deutschland – einst unter Schuldenaufsicht standen. Was könnte Griechenland aus früheren Fällen lernen? CICERO ONLINE stellt verschiedene Szenarien vor.
Griechenlands Pleite stellt Politiker, Wirtschaftsexperten und Banken vor ein Rätsel: Wie soll dem Land – und damit auch der Eurozone – geholfen werden? Die folgenden fünf Szenarien sind alle zwar denkbar, aber nicht ohne Tücken.
1. Szenario: Entschuldung durch Inflation
Der einfachste Weg aus der Schuldenfalle ist, mehr Geld in Umlauf zu bringen. Nach dem Ersten Weltkrieg hat etwa Deutschland die Notenpressen angeworfen, und während des Vietnamkriegs griffen die USA zu diesem Trick.
Mit einer leichten Inflation und einem Wirtschaftswachstum von je zwei Prozent könne sich die Schuldenbelastung in 17,5 Jahren halbieren, sagt der Bielefelder Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser. Voraussetzung sei, dass keine neuen Schulden aufgenommen werden. „Bei einer Inflationsquote von sechs Prozent wird die Schuldenlast sogar in weniger als neun Jahren halbiert.“ Der Nachteil: Eine Inflation würde die reale Kaufkraft der Menschen verringern.
Da Griechenland Teil der Gemeinschaftswährung ist, müsste die Inflationspolitik von der Europäischen Zentralbank durchgesetzt werden. Die Geldentwertung träfe dann alle Euro-Staaten. Diese Option ist jedoch unwahrscheinlich, da die EZB bislang genau das Gegenteil getan hat. Die Behörde von Jean-Claude Trichet hat die Leitzinsen zuletzt im Juli erhöht, um so eine Inflationsgefahr für die Eurozone abzuwenden.
2. Szenario: Ein europäischer Insolvenzverwalter
Mit einer Inflation die Gläubiger auszutricksen, geht aber nur eine Weile gut. So landete auch Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg in einer Sackgasse: Der Versuch, sich immer rascher der Reparationszahlungen zu entledigen, führte 1923 zur Hyperinflation. Weil die Siegermächte leer auszugehen drohten, entsandten die USA ein Jahr später einen eigenen Bevollmächtigten in die Reichsbank. Der Reparationsagent Seymour Parker Gilbert sollte Deutschlands Bankern ab sofort auf die Finger sehen. Er überwachte den geregelten Schuldentransfer.
„Der Vergleich zu Griechenland wäre, EU-Beamte nach Athen zu schicken“, erklärt Abelshauser. „Sie würden dann dafür sorgen, dass die Griechen nicht weiter tricksen und wären quasi Treuhänder für den Euro.“
Diesen Vorschlag hatte EU-Energiekommissar Günther Oettinger zuletzt vorgetragen. Demnach sollten die Schuldenkommissäre griechischen Staatsbesitz privatisieren und Steuern eintreiben. Oettingers hoffte, damit den „Schlendrian“ der griechischen Behörden zu beseitigen.
Hanns Prütting, Lehrstuhlinhaber am Kölner Institut für Internationales und Europäisches Insolvenzrecht , hält diese Lösung jedoch für „rechtlich undenkbar“. „Um einen Staatskommissar als Insolvenzverwalter einzusetzen, müsste man die griechische Verfassung außer Kraft setzen, und das ist auch mit der EU-Grundrechtecharta unvereinbar.“
Zudem könnte ein solcher europäischer Insolvenzverwalter stark nationalistischen Strömungen Vorschub leisten, wie das auch in Deutschland in den Zwanzigern der Fall war, warnt der Ökonom Abelshauser. Zuletzt hatte sich auch die Europäische Kommission von Oettingers Vorschlag distanziert.
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