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 > Gnade für Griechenland?

Kapital
FRAGE DES TAGES Euro-Rettung

Gnade für Griechenland?

von 
Robert Birnbaum
Christopher Ziedler
11. Februar 2012
picture alliance
Akropolis, Athen, Sparauflagen, Proteste, Demo, Kommunisten, Griechenland
Die griechischen Kommunisten protestieren vor der Athener Akropolis gegen neue Sparauflagen für das Land

Für neue Hilfen muss Athen handeln. Wie geht es für die Griechen weiter? Kann das Land die Sparmaßnahmen überhaupt verkraften und sollte es nicht auch Entlastung für die gebeutelten Griechen geben?

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Gut fünf Stunden hat der Sonder-Finanzministerrat der Euro-Länder am Donnerstagabend über Griechenland beraten – das Ergebnis ist ernüchternd: Kein Ja zum zweiten Hilfspaket, stattdessen eine – alle hoffen: letzte – Galgenfrist. Bis Mittwoch müssen Regierung, Parteien und Parlament in Athen sich verbindlich auf das festlegen, was sie in Brüssel versprochen haben. Überdies sind noch viele Fragen an das Sparpaket selbst offen. Dann erst wollen die Euro-Finanzchefs den Deal billigen. Noch einmal zwei Wochen später will der Bundestag dem Ganzen seinen Segen geben.

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Warum halten die Euro-Staaten das zweite Hilfspaket zurück?

Die Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Euro-Zentralbank (EZB) hatte der griechischen Regierung konkrete Spar- und Reformziele vorgegeben.

In letzter Minute meldete der griechische Regierungschef Lucas Papademos am Donnerstag Vollzug: Seine Koalition habe sich geeinigt. Doch mehr als eine Teil-Einigung war das nicht. Der EU-Gipfel im Oktober hatte eine Gesamtverschuldung des Landes von 120 Prozent des Bruttosozialprodukts als Zielmarke für das Jahr 2020 definiert; das jüngste Sparpaket, berichtete Finanzminister Wolfgang Schäuble der Unionsfraktion, käme nur auf 128 Prozent. Man erwarte also weitere Vorschläge.
Vor allem aber erwarten die übrigen Euro-Staaten bis nächste Woche von den Griechen Taten zu den Worten. Dazu gehört ein Beschluss des Parlaments über das neue Sparpaket; dazu zählen Zusicherungen aller drei Koalitionsparteien, dass sie sich nach der Wahl im April an die Absprachen halten. Doch am Freitag ging der Chef der kleinen Koalitionspartei Laos auf Gegenkurs. „Man hat uns gedemütigt“, tönte Giorgos Karatzaferis. Der Ultrarechte will in der Regierung bleiben, aber im Parlament nicht zustimmen.

Da die übrigen Europäer solche Erfahrungen mit Athener Regierungskunst nicht zum ersten Mal machen, stößt der deutsch-französische Vorschlag eines Sonderkontos für den Schuldendienst in Brüssel auf Verständnis. Die EU-Kommission prüft die Idee nach Angaben von Währungskommissar Olli Rehn „ernsthaft“ und will bis Mittwoch auch weitere Vorschläge zur Überwachung des griechischen Finanzgebarens machen. Die Schuldner Griechenlands sollen sicher sein, dass sie ihr Geld bekommen.

Ist für Griechenland außer Sparen denn auch Entlastung in Sicht?

Ja, auf zwei Gebieten. Zum einen ist der Schuldenschnitt mit den Privatgläubigern wohl unter Dach und Fach. Die Banken werden ihre griechischen Schuldscheine gegen neue eintauschen, die nur die Hälfte wert sind. Da sie zugleich auf Zinsen verzichten, spricht der Bankenverband von einem realen Schuldenschnitt um 70 Prozent. Die griechische Schuldenlast sinkt so um rund 100 Milliarden Euro; die Euro-Staaten sichern dafür die neuen Papiere mit 30 Milliarden Euro teilweise ab. Die Umtauschaktion soll am 17. Februar anlaufen. Die EZB sichert sie zusätzlich ab, wofür ihr der Rettungsfonds EFSF für vier Wochen 35 Milliarden Euro zur Verfügung stellen soll.

Überdies winkt den Griechen ein zweites Hilfspaket von mindestens 100 Milliarden Euro. Ob die Summe reicht, darauf festzulegen weigern sich alle Verantwortlichen. EZB-Chef Mario Draghi hat inzwischen angedeutet, dass die Notenbank vielleicht aushelfen könnte. Die EZB hatte 2010 griechische Anleihen mit einem Nennwert von 55 Milliarden Euro gekauft – zum Marktpreis von 40 Milliarden Euro. Wie die Differenz Athen zugutekommen könne, ließ Draghi offen.

Seite 2: Wie reagieren die Deutschen auf die Beschlüsse aus Griechenland?

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Man muss doch nur die

Man muss doch nur die Regierung, das Parlament und die Verwaltung durch europäische Experten ersetzen und schon läuft der Laden. Ein einzelner Sparkomissar würde wahrscheinlich genauso schnell abtauchen, wie die Troika jetzt. - Also im Ernst, mir fallen dazu nur noch zynische Kommentare ein.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann11.02.2012 | 16:22 Uhr

Haftungsrisiko???

Statt immer nur herumzugeheimnissen und anzudeuten sollte die Bundesregierung endlich mit offenen Karten spielen. Sonst riskiert sie, dass ihre Abgeordneten und das deutsche Volk die Rettungspolitik zunehmend als ganz große Gaunerei empfinden.

Welchem Haftungsrisiko wäre Deutschland im Falle einer griechischen Staatspleite mit Euroaustritt ausgesetzt? In welcher Höhe besteht das Risiko und wie setzt es sich zusammen. Was sind direkte Forderungsausfälle, was Target 2 Forderungen, was deutsche Anteile an EZB, an ISFS, was Kreditausfallversicherungen, die deutsche Banken zugunsten von Ausländern verkauft haben? Bevor man hunderte von Milliarden in Garantien riskiert, sollte man denen, die letzlich dafür geradestehen müssen, reinen Wein darüber einschenken, wofür und welche Alternativen bestehen.

  • Antworten
Karl Schade11.02.2012 | 21:32 Uhr

Das ist es ja ...

das geht halt nicht. Der Spiegel hat das nachgerechnet und landet bei 30-56 Milliarden Kosten für Deutschland, falls Griechenland jetzt Pleite geht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,814477,00.html
Das wäre aber noch nicht alles, denn dann fangen ja wahrscheinlich auch die anderen Wackelkandidaten an zu taumeln. Insofern ist es mit den 600-700 Euro Kosten pro Kopf der deutschen Bevölkerung nicht getan. Ich frage mich, wie kann ein kleines Land mit ca. 2-2,5% der EU Wirtschaftsleistung so teuer werden?

  • Antworten
Christoph Kuhlmann12.02.2012 | 15:23 Uhr

Gnade für Griechnland.

'Gnade' heißt Geld für Griechenland.
Wer wollte, der konnte spätestens 1990 die DDR besichtigen und dem war
(wurde) klar, dass die "RESTRUKTURIERUNG" der DDR viel kosten würden.
Nach 20 Jahren und ca. 1500 Milliarden EURO (brutto) liegt die durchschnittliche Produktivität in den NEUEN LÄNDERN bei ca. 70 % der Produktivität der ALTEN LÄNDER.
Griechenland wird nicht billiger.
Griechenland kann (könnte) seinen Staat auf dem jetzigen Niveau (Renten/Beamte/Armee/Infrastruktur...Importe)auch dann nicht bezahlen,
wenn keine Zins- und Tilgungs-Zahlungen fällig würden und einigermaßen normal die Steuern gezahlt würden.
Aber niemand will das öffentlich zugegeben. Wenn Griechenland in der EU bleibt was ich möchte! - dann sind hunderte von Milliarden und eben auch 20 Jahre für die Restrukturierung Griechenlands notwendig,
wenn das Land nicht "ewig" von Zahlungen der EU abhängig sein soll.
Über hundert Millirden mehr oder weniger - und wieviel davon Deutschland zu zahlen hat - darüber soll hier gar nicht gestritten werden. Das Faß hat für die nächsten zehn Jahre allenfalls einen löchrigen Boden.
Der DEUTSCHE LÄNDERFINANZAUSGLEICH läßt grüßen.

  • Antworten
Wolfram Wiesel12.02.2012 | 20:39 Uhr

Prinzip Hoffnung

Auch in Deutschland wurden „blühende Landschaften“ nach ca. 5 Jahren versprochen, um den hoffnungslos veraltet erscheinenden vorgefundenen Wirtschaftsraum DDR an die bundesrepublikanischen Standards anzugleichen. Ich meine, Griechenland braucht zunächst eine korruptionsfreie Verwaltung, ein funktionierendes rechtliches Steuersystem, um Investitionen zu stimulieren. Ob dieses in Griechenland gelingen kann? Ich wünsche es den Menschen.

  • Antworten
bernhard13.02.2012 | 10:58 Uhr

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