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 > Was verlangt die Politik von den Banken?

Kapital
Euro-Gipfel

Was verlangt die Politik von den Banken?

von 
Tanja Kuchenbecker, Rolf Obertreis, Elisa Simantke
27. Oktober 2011
picture alliance
Euro, Krise, Banken, Schuldenschnitt, Griechenland, EFSF, Merkel, Brüssel
Auch für die Journalisten war es eine lange Nacht: Ein Journalist schläft in Brüssel im Saal der Pressekonferenz

Es war eine lange Nacht in Brüssel. Stundenlang beriet man sich auf dem gestrigen Euro-Krisengipfel. Die Banken entscheiden nun mit über den Schuldenschnitt für Griechenland. Warum sind die Geldinstitute so wichtig, und was wird von ihnen verlangt?

Seite 1 von 2

Josef Ackermann saß in Brüssel vermutlich mit am Tisch. Nicht in seiner Funktion als Chef der Deutschen Bank, sondern in seiner Rolle als Präsident des Weltbanken-Verbandes IIF. Das Griechenland- Problem macht etlichen Banken Sorgen, auch wenn viele Institute längst einen Schuldenschnitt – gerne auch „Haircut“ genannt – von 50 oder vielleicht sogar 60 Prozent „eingepreist“ haben und damit vorbereitet sind, Griechenland diese Summen zu erlassen. Entsprechende Abschreibungen oder Rückstellungen sind von vielen Instituten schon gebildet. 

Die Banken müssen nach dem EU-Beschluss vom Mittwochabend ihre Risiken stärker absichern. Bis Mitte 2012 soll die sogenannte Kernkapitalquote von sechs auf neun Prozent steigen, das fordern die europäischen Regierungen zur Stärkung der Institute. Diese Quote sagt aus, dass neun Prozent der risikobehafteten Geschäfte der Banken – also unter anderem Kredite an Unternehmen und auch Staaten – durch Kernkapital gegengesichert werden müssen. Durch Rückstellungen, die viele Banken wegen der drohenden Verluste schon vorgenommen haben, wird der Kapitalbedarf hierfür allerdings nicht mehr so hoch ausfallen, wie zunächst erwartet wurde. Hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) im Sommer noch von einer Kapitallücke von mehr als 200 Milliarden Euro gesprochen, ist jetzt die Rede von 100 Milliarden Euro.

Den Banken soll eine Frist von sechs Monaten eingeräumt werden, um sich das Kapital selbst zu beschaffen, bei Aktionären oder neuen Anteilseignern. Sie können die Quote allerdings auch erreichen, indem sie Geschäftsaktivitäten abbauen. Dies wiederum könnte aber, so die Furcht vieler Unternehmen, die Kreditvergabe treffen und letztlich zu einer Kreditklemme führen und damit die Konjunktur belasten. Sollten die Banken ihr Kapital nicht selbst stärken können, droht staatlicher Zwang.

Wieso sollen die Banken ihr Eigenkapital erhöhen?

Das Interesse der Regierungen an starken Banken ist verständlich: Denn sie sind und waren immer die wichtigsten Kreditgeber der Staaten. Weshalb sie bislang die Zeichnung von Staatsanleihen – im Gegensatz zu Krediten und Unternehmensanleihen – auch nicht mit Eigenkapital unterlegen mussten, um im Notfall einen Ausfall kompensieren zu können. Staaten und Banken sind also aufeinander angewiesen.

Der Druck auf die deutschen Institute in der aktuellen Debatte ist allerdings weniger groß als auf andere europäische Institute. Für die vor allem musste sich Ackermann in die Bresche werfen. Die Deutsche Bank sitzt noch auf Griechenlandbonds von 900 Millionen Euro, bei der Commerzbank sind es rund drei Milliarden Euro. Bei den Landesbanken zusammen dürften es rund 750 Millionen Euro sein. Das größte Problem steckt bei der FMS Wertmanagement, der „Bad Bank“ der Hypo Real Estate in München. Sie sitzt noch auf griechischen Staatsanleihen im Volumen von 8,8 Milliarden Euro. Allerdings: Das Problem hat hier ohnehin der Steuerzahler. Die HRE gehört zu 100 Prozent dem Bund.

Unterm Strich jedenfalls ist der Kapitalbedarf, den deutsche Banken brauchen, um auf die geforderte Quote zu kommen, vergleichsweise überschaubar. Von 5,5 Milliarden Euro ist beim Verband öffentlicher Banken die Rede. Die Deutsche Bank hat nach eigenen Angaben die ab Mitte 2012 geforderte Kapitalquote von neun Prozent schon jetzt mit zehn Prozent mehr als erfüllt. Sein Haus sei nie besser aufgestellt gewesen, hatte Bank-Chef Ackermann am Dienstag bei der Vorlage des Zwischenberichts gesagt.

Auch die Europäische Bankenaufsicht EBA hat dem jüngsten Stresstest zufolge angeblich bereits durchblicken lassen, dass den deutschen Banken keine hohen Beträge fehlen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie es um die französischen Banken steht 

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Sie können die Quote allerdings auch erreichen

Sie können die Quote allerdings auch erreichen, indem sie Boni streichen und schnell und dauerhaft die Einkommen auf einen Level reduzieren, der anständig, also in der Realwirtwschaft üblich ist. Und indem sie vorläufig auf Dividenden verzichten.

Die letzteren beiden Möglichkeiten nenne ich seit Jahren. Nun endlich wurden sie auch von der politischen 'Elite' ins Spiel gebracht. Das lässt hoffen :)

  • Antworten
VerySeriousSam27.10.2011 | 10:32 Uhr

Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert

Was verlangen die Banken von der Politik? So sollte die Fragestellung richtigerweise lauten.
Denn eigentlich ist es nicht Sache von Staaten und deren Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern, private Großbanken vor der Insolvenz zu retten.

Vielmehr sollte es Angelegenheit der jeweiligen Bank sein, ihre Geschäfte selbstverantwortlich zu betreiben und nötigenfalls auch dafür in Haftung genommen zu werden.

Verkehrte Welt, denn durch die staatliche Stützung internationaler Großbanken bewahrheitet sich einmal mehr die Beschreibung des Kapitalismus, wonach Gewinne privatisiert, Verluste aber sozialisiert werden.

Verkehrte Welt, oder der ganz normale kapitalistische Irrsinn?

  • Antworten
Yvonne Walden28.10.2011 | 15:47 Uhr

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