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Kapital

Manager-GehälterDie Schweizer Wutbürger taugen nicht zum Vorbild

Von Til Knipper5. März 2013
picture alliance
Auch über Deutschlands Bankenszene ziehen Wolken auf
Das Ergebnis der Schweizer Volksabstimmung wirkt sich auch auf Deutschland aus, obwohl es dazu keinen Grund gibt
Schrift:

Die Schweizer Wutbürger werden von den Kritikern überhöhter Bonuszahlungen gefeiert - zu Unrecht. Der Volksentscheid belässt die Entscheidungsgewalt in den Unternehmen. Ob die Mehrheitseigner sich jetzt gegen hohe Boni aussprechen, ist völlig unklar

Seite 1 von 2

Alles hängt bekanntlich mit allem zusammen, und was die Schweizer Wirtschaft betrifft, hängt alles mit der Pleite der Swissair im Jahre 2001 zusammen. Hätte die stolze Schweizer Fluglinie 2001 nicht Insolvenz anmelden müssen, wäre der Kräuterzahnpasten- und Mundwasserhersteller Thomas Minder aus Neuhausen als Lieferant der Airline mit seinem Unternehmen nicht in Schwierigkeiten geraten. Ohne den drohenden Totalverlust von 500.000 Schweizer Franken, die seine Trybol AG an den Rand des Abgrunds brachten, hätte Minder sich nicht darüber aufregen müssen, dass sich der damalige Swissair-Chef Mario Corti gleichzeitig 12,5 Millionen Schweizer Franken Jahresgehalt für die gescheiterte Rettung der Swissair auszahlen ließ. Der Wutbürger Thomas Minder war geboren, der Kämpfer gegen Boni- und Gehaltsexzesse für Manager.

Am vergangenen Sonntag, fast zwölf Jahre später, hat er nun seinen wichtigsten Sieg errungen. 68 Prozent der Schweizer Wähler stimmten für seine Initiative gegen die „Abzockerei“ – in der direkten Demokratie Schweiz hat der Wutbürger eben ganz andere Einflussmöglichkeiten als sein Pendant in Stuttgart.

Die Minder-Initiative (sic!) sieht unter anderem vor, dass bei börsennotierten Schweizer Aktiengesellschaften in Zukunft die Aktionäre jedes Jahr auf der Hauptversammlung festlegen, wie viel das Management insgesamt maximal verdienen darf. Auch die Verwaltungsräte der Unternehmen, die bisher über die Höhe der Manager-Gehälter entschieden, müssen sich jedes Jahr zur Wiederwahl stellen. Weiterhin darf es in Zukunft keine Antritts- oder Abfindungszahlungen für die Führungskräfte geben, das Ende der üppigen signing bonuses und golden handshakes. Zuwiderhandlungen sollen zu drastischen Geldstrafen oder sogar zu Freiheitstrafen von bis zu drei Jahren führen.

Minders Erfolg hat ein gewaltiges internationales Echo ausgelöst: Die Befürworter preisen die Schweizer Rebellion und bewundern den revolutionären Geist der neuen Regeln. Die Kritiker warnen vor Standortnachteilen oder sprechen gar von einem Amok-Lauf gegen vernünftige Unternehmensführung, der zu einem Exodus der in der Schweiz ansässigen Unternehmen führen werde.

Es geht aber auch eine Nummer kleiner: Der Kern der Vorlage besteht darin, dass die Rechte der Aktionäre in der Schweiz gestärkt werden. Sie haben als Eigentümer der Unternehmen in Zukunft das letzte Wort. Die Gehälter werden nicht mehr im Hinterzimmer zwischen Vorständen und Verwaltungsräten ausgehandelt. Mehr Transparenz kann man in diesem Bereich nur begrüßen.

Sinnvoll ist auch, dass die Entscheidungshoheit im Unternehmen bleibt und den Firmen keine starre Gehaltsgrenze von der Politik aufgezwungen wird, wie es gerade auf EU-Ebene bei der Deckelung der Banker-Boni geschieht. Die sollen in Zukunft nur noch maximal doppelt so hoch sein dürfen wie das Grundgehalt. Eine solch unflexible gesetzliche Regelung lässt sich aber leicht umgehen, indem die Grundgehälter entsprechend angehoben werden, und berücksichtigt nicht die unterschiedlichen Bedürfnisse einzelner  Unternehmen und verschiedener Branchen.

Seite 2: Die Mehrheitseigner sind bisher nicht durch Kritik an den zu hohen Managementgehältern aufgefallen

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Es geht nicht um Wut bei Bürgern,

sondern um konservative Werte wie Anstand und Maß in den Chefetagen. Die sind da leider nur vereinzelt zu finden. Es regieren Gier, Maßlosigkeit, elitäre Arroganz. Die semiinzestuösen Zirkel von Aufsichtsräten und Vorständen schanzen sich nach Belieben, nicht nach Anstand und Verdienst, imemr mehr zu. Wofür eigentlich? ersönliche Risiken gehen die angestellten Manager anders als Unternehmer nicht ein. Sie risikieren allenfalls das Geld der Eigner und der Steuerzahler. Wofür also die grotesken Gehälter?

Die anstehende Schweizer Bürgerinitiative liefert die richtige Blaupause: da sich die da oben nicht selbst bescheiden, wird das höchste Einkommen (einschließlich Rentenzusagen, geldwerte Vorteile etc.) auf das zwölffache des niedrigsten limitiert, das dasselbe Unternehmen im gleichen Land bezahlt.

Vor wenigen Jahrzehnten noch war eine solche Größenordnung weltweit üblich, nicht wie heute das zighundertfache, und die Zeiten und Chancen waren für die große Mehrheit der Menschen besser.

  • Antworten
VerySeriousSam05.03.2013 | 14:12 Uhr

Es geht hier letztlich um

Es geht hier letztlich um Mitbestimmung. In der Schweiz ist der Bürger der Souverän. Die Schweiz könnte in vielerlei Hinsicht Vorbild für Deutschland und andere EU-Staaten sein, allen voran durch die direkte Demokratie. Die Möglichkeit der Volksinitiative kann ein wesentliches Korrektiv bei politischen Entscheidungen sein. Nicht alle Entscheidungen werden dann automatisch „richtig“. Aber die direkte Demokratie hat einen positiven Einfluss auf das politische Klima und die Zufriedenheit der Bürger. Denn dann braucht es keine „Wutbürger“ mehr (wissenschaftlich bewiesen). Und es gäbe nicht so leicht diese unsäglichen Hinterzimmer-Entscheidungen wie BER oder S21, bei denen die „Volksvertreter“ versuchen, die Bevölkerung systematisch zu täuschen. Und dass ein Land durch Bürgerentscheidungen keinen Fortschritt zulässt, diese Meinung lässt sich ebenfalls am Beispiel der Schweiz widerlegen.

  • Antworten
yakpa06.03.2013 | 19:39 Uhr

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