Die deutsche Wirtschaft boomt, die Bundesregierung feiert sich und prognostiziert für dieses Jahr ein Wachstum von 2,3 Prozent. Doch der Aufschwung bleibt Export abhängig. Viel hängt davon ab, wie sich die Euro-Krise weiterentwickeln wird.
11,6 Prozent Wachstum 2010! Nein, es geht hier nicht um das Bruttoinlandsprodukt Chinas für das abgelaufene Jahr, sondern um den Anstieg des Umsatzes der der deutschen Wohnwagenhersteller, die der Caravaning Industrieverband diese Woche bekannt gegeben hat.
Ähnlich euphorisch, wenn auch im unteren einstelligen Bereich, gibt sich seit Wochen Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle: Vom XXL-Aufschwung ist die Rede, der Minister verlangt Steuersenkungen, die Arbeitslosigkeit werde 2011 unter drei Millionen liegen und auch die Binnennachfrage ziehe langsam an. Das hat der Minister auch an diesem Mittwoch bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts wiederholt. Dazu gibt es eine offizielle Zahl, an der sich die Wirtschaftspolitik 2011 wird messen lassen müssen: Um 2,3 Prozent wird nach der Prognose der Regierung das BIP 2011 im Vergleich zum Vorjahr steigen.
Ist die Krise also vorbei und der nachhaltige Aufschwung da, wie das Titelbild des Jahresberichts suggeriert? Viel hängt davon ab, wie sich die Euro-Krise weiterentwickeln wird. Denn der deutsche Aufschwung ist und bleibt vom Export abhängig, besonders von den Exporten in die europäischen Nachbarländer. Das zeigt auch die Entwicklung 2010, als 60 Prozent des deutschen Gesamtexports in die EU ging. Sollten daher Länder wie Griechenland, Portugal oder Irland eine Umschuldung durchführen müssen, wofür vieles spricht, könnte schnell die Nachfrage nach deutschen Exportprodukten versiegen.
Die privaten Konsumausgaben trugen dagegen nur 0,3 Prozentpunkte zum Anstieg des BIP. Selbst wenn sich jetzt Dax-Vorstände wie Post-Chef Frank Appel oder BASF-CEO Jürgen Hambrecht für Lohnerhöhungen aussprechen, ein Einbruch beim Export könnte auch 2011 nicht durch die Binnennachfrage aufgefangen werden.
Aber ein Trostpflaster gibt es auch für die Pessimisten: In den vergangenen vier Jahren lag die Bundesregierung mit ihrer Prognose aus dem Jahreswirtschaftsbericht immer völlig daneben. Insofern kommt auch dieses Jahr wieder alles anders – nur nicht bei den Wohnwagenbauern: Die setzen nämlich auf den demografischen Wandel für die kommenden Jahre, der ihnen in die Karten spielt, weil vier von fünf Kunden älter sind als 50. Reisen und in den eigenen vier Wänden bleiben, das sei das wichtigste Kaufmotiv, verkündet der Verband – vielleicht hilft das dann ja auch der Binnenkonjunktur.










