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 > Deutschland hat das schlechteste Image in Europa

Kapital

Ein Ire kommentiertDeutschland hat das schlechteste Image in Europa

Von Derek Scally2. Juni 2012
Picture Alliance
Sind wir unsichere Giganten oder größenwahnsinnige Halbstarke?
Europas Blick auf das geliebte und gefürchtete Deutschland
Schrift:

Auch wenn Irland gerade mit breiter Mehrheit für den EU-Fiskalpakt gestimmt hat, ist Deutschlands Image dort und in Europa schlecht – vor allem seit aus einem nationalen Schuldenproblem eine systemische Krise geworden ist. Derek Scally, Korrespondent der Irish Times, über eine problematische Nachbarschaftsverständigung

Seite 1 von 3

Vor knapp zehn Jahren waren in Deutschland Wirtschaftsbücher in Mode, in denen prophezeit wurde, dass Deutschland dem Untergang geweiht sei. In den Talkshows verkündeten die Autoren, das Land stehe am Abgrund, und der Letzte, der es verlasse, möge bitte das Licht ausmachen. Beim Lesen stellte sich schnell heraus, dass es sich weniger um ökonomische Analysen als um populistische Traktate handelte: als Verkaufsstrategie für ihre Bücher clever, aber eher destruktiv, um notwendige Reformen anzuschieben. Deutschland hatte zwar ernsthafte strukturelle Probleme, aber es verfügte gleichzeitig über Qualitäten, die selbst meine damals boomende Heimat Irland gern gehabt hätte.

Zehn Jahre später ist aus Schwarz plötzlich Weiß geworden. Die Untergangspropheten von damals sitzen noch immer in den Talkshows. Jetzt lautet ihre Botschaft, Deutschlands ökonomische Stärke – von der sie zehn Jahre vorher nur in der Vergangenheitsform sprachen – werde von den hoffnungslos verschuldeten Peripheriestaaten der EU bedroht, denen sie gleichzeitig zum Austritt aus der Eurozone raten.

Man könnte über eine solch radikale Kehrtwende schmunzeln, wenn sie nicht so ernst genommen würde. Während deutsche Populisten besessen sind von ihren verarmten EU-Nachbarn, fürchten sich die deutschen Nachbarn inzwischen vor der größten Volkswirtschaft in ihrer Mitte. Selbst ernannte Experten in ganz Europa kritisieren entweder Deutschlands Exportstärke oder seine schwache Nachfrage. Deswegen müsse Berlin sich stärker engagieren, um die Krise zu lösen, bellt der europäische Chor einhellig. Wenn die Bundesregierung dann allerdings nur sanfte Reformvorschläge macht, kommt sofort der Vorwurf, Deutschland entdecke „sein historisches Verlangen nach Dominanz wieder“, wie ein irisches Boulevardblatt kürzlich schrieb. Auch fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise finden vor allem populistische Szenarien ein gewaltiges Echo. Dem Hakenkreuz auf Seite eins einer griechischen Zeitung am Montag folgt dienstags unweigerlich die fauchende Antwort der Bild.

Wie konnte es so weit kommen? Es scheint, dass die moderaten Teilnehmer der Debatte spätestens zu dem Zeitpunkt über Bord geworfen wurden, als aus nationalen Schuldenproblemen eine systemische Krise wurde. Seitdem fokussiert sich Europas Blick auf Deutschland, den gleichsam geliebten, aber auch gefürchteten Rettungsanker. „Was will Deutschland?“, lautet seither der Refrain der Europahymne.

Erfahren Sie auf Seite zwei, welches Bild der Rest Europas von Deutschland hat...

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Deutsches Image

Differenzierungen sind nötig. Das Image der Deutschen ist und bleibt tadellos. Nur unsere Frau Kanzlerin hat in ihrer Europa-Politik keine Klanzlichter setzen können. Entweder ware sie schlecht beraten oder setzte ihren eigenen Kopf undemokratisch durch, um die deutschen Exporte zu sichern. In ihrer Innenpolitik steht sie auch vor einer selbst gestaltetetn Trümmerlandschaft und niemand kann zufrieden mit ihr sein.

  • Antworten
Otmar Schütze02.06.2012 | 15:24 Uhr

Wie bitte?

"...der erste amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger..."

Es gibt keinen Wirtschaftsnobelpreis. Der alte Nobel würde in Grab rotieren wüsste er, dass dieser dubiosen Pseudowissenschaft ein Preis gewidmet ist, der seinen Namen trägt.

  • Antworten
Very Serious Sam02.06.2012 | 16:55 Uhr

Liegt es nun an der Politik, oder an der Presse,

dass eben diese Explikation des deutschen Verständnisses von sozialer Marktwirtschaft unterbleibt? Ich denke es liegt einfach daran, dass ein fundamentaler Konsens besteht, dem nicht einmal die FDP widersprechen kann, ohne unter die 5% Hürde zu fallen. Insofern besteht aus der innenpolitischen Debatte heraus keine Notwendigkeit das Selbstverständliche in Worte zu fassen. Die wirtschaftspolitische Kommunikation konzentriert sich dementsprechend in strategischer Weise auf die Unterschiede, wobei da schon mal die CDU von der SPD in der Regierungsverantwortung an neoliberalen Ansätzen überholt wird und umgekehrt die Konservativen beim Thema Betreuungsgeld erheblich mehr Geld für Sozialpolitik ausgeben wollen als die SPD. Ich fürchte man muss auf die Debatten in den fünfziger Jahre zurückgreifen um da Sprachschablonen zu entdecken, die zur Erklärung deutscher Europolitik geeignet wären. Grundsätzlich besteht natürlich aus der Erfahrung mit der Auseinandersetzung mit dem Sozialismus ein tiefsitzendes Misstrauen gegen jede Art von Wirtschaftstheorie, das durch den Neoliberalismus im Zusammenhang mit der Finanzkrise verschärft wurde. Vom vielzitierten Keynesianismus wissen die meisten auch nur, dass er ständig von Zeitungen und Politikern im Munde geführt wird, die sich einen Staat wünschen, der ständig mehr ausgibt als er einnimmt. Das das nicht geht weiß aber schon die viel gerühmte schwäbische Hausfrau. Nach Jahrzehnten des Defecitspendings wird dieser Begriff hierzulande sowieso nur mit "Schulden machen" übersetzt. Genauso wie die Aufforderung in Europa die Führung zu übernehmen, einfach als "reich deinen Kredit weiter" ankommt. Insofern schlage ich vor, die Anregung des Autors an die Zentrale für politische Bildung mit der Bitte weiterzuleiten, eine konsensfähige Grundsatzerklärung zur sozialen Marktwirtschaft im Allgemeinen und ihre spezifischen Folgen für die Haltung der deutschen Politik in der Schuldenkrise der Eurozone im Besonderen zu erarbeiten. Die Interesse geleiteten Reden der Politiker und ideologisch gefärbten Artikel der Presse sind zu einer unverzerrten Darstellung einfach nicht in der Lage.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann02.06.2012 | 19:47 Uhr

Europa

Ich fürchte, dass die Krise schon soviel in Europa verändert hat, dass sich das nicht mehr rückgängig machen lässt. Wie haben heute ein anderes Europa als wir es vor 5 Jahren hatten und das gilt nicht nur für die Euro-Staaten. Im Augenblick passiert Geschichte und der Ausgang ist völlig offen. Persönlich halte ich es für ein Wunder, dass Deutschland noch gut dasteht. allerdings sieht es nur gut aus vor dem Hintergrund der Misere der andern Staaten. Gegenüber China sind wir nur die Einäugigen unter den Blinden. Die Hoffnung, dass Europa aufschließen könnte und mitrudern würde, hat sich geradezu ins Gegenteil gewandt. Die Hoffnung die ich habe ist, dass gerade jetzt die Grundlagen für eine bessere Zukunft gelegt werden. In Griechenland passiert das zumindest nicht, die sind nur Ballast. Dass Irland nur auf die Exportindustrie baut halte ich für ein großes Problem. Man hat die Gewinne aus der Boomzeit leider nur in überteuerte Immobilien und Luxuswagen investiert. Deutschland leistet sich im Moment den Aufbau eines neuen Energiesystems für einige hundert Milliarden Euro. Vergleichbar ist das dem Ausbau der Bundesstraßenwege und der Telekominfrastruktur in der Bonner Republik. Das passiert heute sonst nur noch in China und möglicherweise demnächst in Japan.

  • Antworten
Robert02.06.2012 | 20:36 Uhr

Wat denn nu?

Komisch, laut Spiegel sind wir doch eigentlich voll beliebt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/laut-us-studie-wird-deutschland-in-europa-geschaetzt-a-835830.html
Anyway, who cares about the opinion of an Irish looser.

  • Antworten
Michael Graber02.06.2012 | 23:17 Uhr

Breite Mehrheit für Fiskalpakt

Bei einer Wahlbeteiligung von 50% ist ein 60%ige Zustimmung letztlich eine "breite Mehrheit" von 30%. Ab wieviel Prozent Wahlbeteiligung ist eine Wahl eigentlich ungültig?

  • Antworten
Domingo03.06.2012 | 09:39 Uhr

Populismus pur und keinen Schritt weiter!

Deutschland hat das schelchteste Image in Europa? Kann ich eigentlich als in einem der Problemländer lebender Deutscher mit vielen Kontakten in andere EU Staaten so nicht bestätigen. Tauchen doch immer wieder "schlaue" Stammtischredner auf, die natürlich alle Ursachen der gegenwärtigen Probleme kennen!

Dabei ist es doch so einfach, einig und nicht egoistisch an bessere Gemeinsamkeit in währungsrelevanten Berichen arbeiten!

  • Antworten
Konrad B.03.06.2012 | 10:36 Uhr

fiskalpakt

sicher ist ein gewisses maß an sparsamkeit wichtig. übertriebenes sparen
aber, würgt aufschwung u. wachstum ab. ziemlich schwer da den richtigen
mittelweg zu finden. manche experten denken über einen radikalen schuldenschnitt - ein " resetting " - nach.

  • Antworten
fritz fr. illing03.06.2012 | 16:05 Uhr

Pure Not

Wenn sich bestimmte Wirklichkeitsmodelle lebensweltlich als unbrauchbar erwiesen haben, muss man auch mit den Theorien brechen. In Zukunft sollten nicht mehr allein die Wirtschaftswissenschaften Politikberatung betreiben, die mit ihren makroökonomischen mathematischen Modellen, den realen Menschen mit seinen Verhaltensweisen unberücksichtigt lässt. Die inzwischen für jedermann vorliegenden verheerenden volkswirtschaftlichen Verwerfungen in der Praxis, sollte auch der europäische Bankensektor in Zukunft für sein Risikomanagement berücksichtigen. Die Globalisierung der Finanzmärkte bedient schon lange nicht mehr nur die reale Wirtschaft, das hat ja gerade zu den grauenerregenden Realitäten geführt. Der weltweite Bankensektor steht erst noch vor einer Konsolidierung. Die Bürgerinnen und Bürger sollen jetzt für diese verfehlte Geschäftspolitik haften, oder gar noch die Schulden übernehmen. In Deutschland gibt es keinen gesellschaftlichen Konsens darüber, Banken mit Steuergeld zu retten. Und die Staaten selbst, mit diesem System eng verbunden, sollen „über ihre Verhältnisse“ gelebt haben. Alle Verantwortlichen müssen sich fragen lassen, wer soll das alles bezahlen? Jetzt sollen wir in Zukunft wieder Maßhalten und den Gürtel enger schnallen, bei gleichzeitigen vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen für die Zukunft? Wir haben inzwischen den mündigen Bürger, der die Aufgaben und Probleme der Gegenwart gelöst wissen möchte und nicht von dem Glanz ungewisser europäischer Zukunftsvisionen träumt. Imagefragen sind von daher irrelevant, es herrscht Ausnahmezustand. Wenn das Geld in Europa weiterhin auf so prägende Weise im Mittelpunkt aller Bemühungen steht, kann und wird es kein Vertrauen geben. Neue Entwürfe müssen her!

  • Antworten
bernhard jasper04.06.2012 | 09:47 Uhr

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