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Kapital

Ufa-Chef Wolf Bauer„Deutsches Fernsehen hat Weltklasse“

Interview mit Wolf Bauer3. August 2012
picture alliance
„Everybody wants to have a choice, but nobody likes to choose"
Schrift:

Der Ufa-Chef Wolf Bauer erklärt, warum das deutsche Fernsehen doch gut ist, Youtube eigene Inhalte braucht und internetfähige Fernseher ganz neue Geschäftsmodelle ermöglichen

Seite 1 von 2

Herr Bauer, wie muss ich mir einen regulären Fernsehabend bei Ihnen zu Hause vorstellen? Haben Sie vorher im Fernsehprogramm herausgesucht, was Sie gucken wollen?
Ich bin schon aus beruflichen Gründen ein Fernsehfan. Da ich abends oft nicht dazu komme, sehe ich meist zeitversetzt fern. Das habe ich mir dann vorher digital aufgezeichnet oder finde es in den Mediatheken der Sender. Die Programmvielfalt über Kabel, Pay-TV und das Internet ist inzwischen fast unüberschaubar. Ins Wochenende gehe ich häufig mit einem großen Packen DVDs. Teil meiner Aufgabe ist eben, dass ich alle Programme kennen muss. Das ist zeitaufwendig, aber ich schaue immer noch mit großem Vergnügen, auch die Angebote von neuen Programmaggregatoren wie Youtube, Netflix oder Hulu.

Aber hat das Fernsehen in seiner heutigen Form überhaupt noch eine Zukunft?
Alles, was ich gerade beschrieben habe, ist doch das Fernsehen in seiner heutigen Form, nämlich Bewegtbilder, die, über welche Plattformen auch immer, zum Konsumenten gelangen.

Und die großen Fernsehsender mit ihren fixen Programmschemata werden trotzdem überleben?
Wenn sie sich diese neue Fernsehdefinition zu eigen machen, haben sie die allerbesten Chancen. Das Beispiel USA zeigt, dass das funktioniert. Dort nutzen die großen, klassischen Broadcaster wie NBC, CBS und ABC konsequent alle Kanäle und Plattformen und haben ihre Vormachtstellung bisher verteidigt, weil sie über attraktive Inhalte und schlagkräftige Marketingmaschinen verfügen. Sie sind mir bisweilen sogar noch etwas zu mächtig. Außerdem darf man auch nicht vergessen, dass viele Zuschauer eine Vorauswahl haben wollen, also ein Programmpaket, das unverlangt zu ihnen nach Hause kommt. Es gilt immer noch der schöne Spruch: Everybody wants to have a choice, but nobody likes to choose.

[gallery:Es war einmal bei „Wetten, dass...?“: Gottschalk und seine Politiker]

Aber wer soll das bezahlen, wenn das Publikum des traditionellen Fernsehens immer älter und dadurch für Werbetreiber uninteressant wird?
Das stimmt nicht. Die Gesamtnutzung TV ist 2011 noch mal gestiegen, auch bei den jüngeren Zielgruppen. Die Werbeindustrie vertraut auch weiterhin den großen Sendern, weil sie die einzigen sind, die noch ein Millionenpublikum erreichen. Die Werbewirksamkeit in sozialen Netzwerken wie Facebook wurde dagegen gerade erst wieder infrage gestellt, nach der Entscheidung von General Motors, dort überhaupt keine Werbung mehr zu schalten. Untersuchungen zeigen, dass 80 Prozent der Facebook-Nutzer die dort platzierte Werbung überhaupt nicht wahrnehmen.

Was bleibt denn dann noch für die Youtubes, Googles oder Telekoms?
Im Moment sind sie meist noch Ergänzungsangebote. Wer aber ein großes Publikum erreichen will, muss kollektive Erlebnisse schaffen wie exklusive, selbst produzierte Filme und Serien, Liveübertragungen von Unterhaltungsshows oder Sportereignissen, die der Zuschauer in Echtzeit erleben will.

Können die neuen Anbieter das nicht?
Anbieter wie Hulu und Netflix haben inzwischen realisiert, dass sie eigene attraktive Programme zeigen müssen, um die Zuschauer zu binden. Daher geben sie originäre Serien in Auftrag oder beteiligen sich an der Finanzierung größerer Projekte. Auch Youtube hat erkannt, dass die von Usern hochgeladenen „funniest home videos“ kein Treiber des Geschäftsmodells sind. Deswegen starten sie eigene Channels mit professionell produzierten Inhalten. Wir als Produzenten freuen uns natürlich über jeden dieser neuen Player im Markt.

Lesen Sie weiter, warum ARD und ZDF wertvolle Programmanbieter sind...

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Also ich muss ganz ehrlich sagen dass ich das deutsche Fernsehen fürchterlich finde. Zwar kann ich keine Aussage über den internationalen Vergleich machen aber es kann ja nicht das Ziel sein der Einäugige unter den blinden zu sein. Wenn ich mich doch mal aufraffe den Fernseher einzuschalten werde ich nicht nur von dümmlichen Showsendungen (die ultimative Chartshow), billigproduktionen die Vorurteile schüren und somit zu rassismus und sexismus beitragen (z.B. Mitten im Leben) und Formate die an oberflächlicher Dummmheit und Promiwahnsinn nicht mehr zu überbieten sind (taff, exclusiv) sondern auch von dermasen tendentiöser berichterstattung und journalistischer Unredlichkeit auch auf den öffenttlich rechtlichen Sendern geradezu angewidert. Ich weis er kann sich nicht hinstellen und sowas sagen, aber wenn er ernsthaft meint das Fernsehen wäre gut müsste man an seinem Geisteszustand zweifeln.

  • Antworten
Neunmalklug03.08.2012 | 12:28 Uhr

Deutsches Fernsehen hat Weltklasse

Man kann in Deutschland nicht erwarten, daß ein wirtschaftlich vom öffentlich-rechtlichen System abhängiger Manager irgend etwas kritisches zur Qualität des deutschen Fernsehens sagt. Mittelmaß verträgt eben keine Kritik und würde sich massiv revanchieren. Eines sollte man aber Herrn Bauer nicht durchgehen lassen. Qualitativ hochwertige Serien sind im deutschen Fernsehen gerade wegen des domninierenden öffentlich-rechtlichen Systems nicht möglich. Es läßt den Privatsendern so wenig Entfaltungsspielraum, daß sie nicht einmal im Traum daran denken können, dem Unterschichten-Fernsehn etwas kulturell höherwertige entgegenzustellen. Die Politik würde ihnen postwendend die Luft abdrehen. Die Landesmedienanstalten sind nicht nur zur Versorgung ausgemusterter Politiker da (wenn auch hauptsächlich). Umgekehrt tuen die öffentlich-rechtlichen alles, die Privatsendern durch Trash-Konkurrenz nicht wirklich stark werden zu lassen. Der Niveauverlust ist für diese Leute problemlos zu verschmerzen, denn intelligente Menschen schauen in Deutschland ohnehin so gut wie nie regelmäßig Fernsehen. Eine Nachrichtensendung vieleicht, um zu wissen, welche Sau gerade wieder durchs Dorf getrieben wird. Zuverlässige Informationen gibt es dort ohnehin nicht. Keine Nachrichtensendung ohne zwei, drei gravierende Fehler, unzureichende Perspektiven und voreingenommene Moderatoren.

Noch etwas andres ist interessant. Netfix und Hulu sind Angebote, die von Deutchland legal nicht zu erreichen sind. Kann es sein, daß Herr Bauer regelmäßig Angebote auf illegale Weise nutzt, weil diese in Deutschland nicht verfügbar sind? Kein Vorwurf, eher eine Frage. Der Zustand der faktisch abgeschotteten Medienmärkte macht es ja heutezutage praktisch unmöglich, sich ohne Rechtsverletzung im Internet zu bewegen. Besonders wenn man sich für qualitativ hochwertige Serien aus den Vereingten Staaten begeistern kann. Die laufen ja in Deutschland gar nicht oder erst nach mehreren Jahren und dann nicht bei den öffentlich-rechtlichen, sondern bei den privaten Sendern. Daraus schließen wir mal: "Deutsches Fernsehen hat Weltklasse".

  • Antworten
Otto Hildebrandt03.08.2012 | 18:28 Uhr

Fernsehen international

OK, einige Aussagen sind wohl seinen Auftragsgebern geschuldet. Jedoch ist das Fernsehen in unserem Land wesentlich besser als sein Ruf (Abgesehen von den vielen schlechten PrimeTime Talkrunden und Duko-Soaps usw.), das durfte ich übrigens erst so richtig erfahren, nachdem mir die Spartensender der ÖR´s zu Augen und Ohren gekommen sind.

Lieber Neunmalklug schonmal woanders in die Röhre geschaut ? Beispiel Spanien : wer halbwegs vernünftig fernsehen will, muß Pay TV nehmen , alles Andere grenzt an Folter.
Meine Erfahrung in Europa sagt mir, das ein funktionierender ÖR durchaus seine Qualitäten hat, auch wenn politische Einflußnahme immer wieder zu erkennen ist. Jeder Zuschauer sollte sich selber im Klaren sein, das das was er zu sehen bekommt einer Filterung unterliegt dementsprechend seine eigene Meinung bilden, z.b. durch Nutzung verschiedener Medien. In diesem Sinne seien Sie aufmerksam

  • Antworten
Des Mannes Frucht03.08.2012 | 20:00 Uhr

Argumentation

AMC (Breaking Bad, Mad Men, Walking dead) ist basic cable und nicht Pay TV.

  • Antworten
IrgendeinTyp04.08.2012 | 17:55 Uhr

Keine Ahnung

Nach vielen Jahren in London kann ich deutsches Fernsehen höchstens noch für Nachrichten einschalten. Es liegen Welten zwischen den Programmen der BBC und dem, was hier angeboten wird. Kein Vergleich. Der Mann hat keine Ahnung, was gutes Fernsehen ist.

  • Antworten
BBC04.08.2012 | 21:47 Uhr

Medium des 20. Jahrhunderts

Ich kenne in meinem Bekanntenkreis eigentlich niemanden, der sich noch regelmäßig vor den Fernseher setzt. Und was Information betrifft, hat das Fernsehen gegen Internet sowieso keine Chance: Oberflächlich, ungenau und einfach zu langsam.

  • Antworten
athe05.08.2012 | 08:02 Uhr

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