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 > Der Euro nutzt Deutschland

Kapital

Der Euro nutzt Deutschland

Von Til Knipper21. Dezember 2010
Deutschland braucht den Euro für eine stabile Wirtschaft
Deutschland braucht den Euro für eine stabile Wirtschaft
Schrift:
Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Euro-Rettung im deutschen Interesse. Ohne die gemeinsame Währung wäre der Aufschwung nicht gelungen. Warum wir als Exportnation die gemeinsame Währung brauchen
Griechenland und Irland versinken im Schuldenchaos, der hauptberufliche Talkshowgast Hans-Olaf Henkel empfiehlt die Einführung eines harten Nord- und eines weicheren Südeuros, auf dem Spiegel-Titel wird der Euro erschossen und im ARD-Deutschlandtrend wünscht sich immerhin ein Drittel der Deutschen ihre D-Mark zurück – bei so vielen Negativschlagzeilen kann man sich schon mal Sorgen um die Gemeinschaftswährung machen. Die Kritiker vergessen dabei häufig, dass Deutschland nach wie vor einer der größten Profiteure der Eurozone und des gemeinsamen europäischen Binnenmarkts ist. Der XXL-Aufschwung, den Deutschland 2010 hingelegt hat, wäre ohne den Euro wohl nicht möglich gewesen. Ein Blick auf die Zahlen macht das deutlich: Die größte Volkswirtschaft Europas hat in den ersten drei Quartalen 2010 einen Handelsbilanzüberschuss von 96 Milliarden Euro innerhalb der Europäischen Union erzielt, im Vergleichszeitraum 2009 waren es 15 Milliarden weniger. 60 Prozent der deutschen Gesamtexporte gingen zwischen Januar und September in die 26 anderen Mitgliedstaaten. Bei Ausfuhren in Höhe von 66 Milliarden Euro und Einfuhren von 45 Milliarden Euro bleibt Frankreich Deutschlands wichtigster Handelspartner. Das viel zitierte China war in den ersten neun Monaten 2010 nur der siebtgrößte Abnehmer deutscher Waren. Devisenhändler an den Märkten sagen sogar, dass die Währungskrise mit das Beste sei, was Deutschland passieren konnte. Die Begründung: Zahlten wir noch mit der D-Mark, wäre das Gezeter hierzulande noch viel größer. Denn die D-Mark hätte in den vergangenen Monaten gegenüber allen anderen Währungen kräftig aufgewertet, so wie es jetzt dem Schweizer Franken passiert ist. Das hätte die deutschen Exporte in aller Welt verteuert. Der niedrige Eurokurs in der ersten Jahreshälfte hat die deutschen Ausfuhren außerhalb der Eurozone sogar noch befeuert. Gerade weil Deutschlands Wirtschaft vom Export in die EU abhängt, kann es den Deutschen auf Dauer nicht gut gehen, wenn es den Nachbarn schlecht geht. Insofern sind auch die enormen Lasten, die Deutschland auf sich nimmt, um den Euro zu retten, gerechtfertigt.
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Sehr geehrter Herr Knipper;

Sie ziehen leider einen falschen Schluss aus der Tatsache, dass Deutschlands Exporte vom schwachen Euro profitieren.

Dass wir dafür Kompensation leisten müssen, ist schon richtig, aber warum in Form des Aufkaufs von Staatsanleihen schwächerer Länder?

Warum nicht in Form höherer Löhne für Geringverdiener, die den Export etwas dämpfen, ihr Geld aber gleichzeitig wieder zu nahezu 100 Prozent auf dem Binnenmarkt ausgeben?

Welchen Sinn sehen Sie darin, dass der deutsche Staat sich - als Resultat davon - immer weiter verschuldet, nur um den Unternehmern immer grössere Gewinne zu sichern - während ein relevanter Teil der Arbeitnehmer gar nicht (z.B. Leiharbeiter) oder nicht angemessen (z.B. Pflegekräfte) am Erfolg beteiligt wird?

Wenn wir Deutschen so weitermachen, könnten wir in eine ähnliche Situation geraten wie die chinesischen Arbeitnehmer, die fast umsonst gearbeitet haben für das amerikanische Volk, das auf Pump gelebt hat.

  • Antworten
Lehmann03.01.2011 | 00:00 Uhr

Mag alles irgendwie einsichtig sein - aber es bleibt Theorie, wenn Otto Normalverdiener und Otto Normalverbraucher davon nichts bekommt. Wenn krisenhaft Preise anziehen und die Unternehmen trotz des Aufschwungs bei der Krankenversicherung zu Lasten des Brügers geschont werden. Übrigens halte ich es für verhängnisvoll, so sehr auf Exporte zu setzen. Man müßte spätestens am Beispiel China gelernt haben, wie schnell sich Konstellationen verändern können. Warum soll nicht in absehbarer Zeit und in chinesischem Tempo ein preiswertes und zugleich gutes Auto aus Indien oder Südafrika kommen? Das wars dann mit den Exporten. Wir sollten lernen zu glauben, dass das, was wir nicht denken können, auf einmal gehen kann. Nachhaltig ist es nicht, sich großkotzig an die Brust zu klopfen. Vielleicht wäre es besser, die Bürger besser auszustatten, damit sie eines Tages die Stütze der Wirtschaft sind, wenn die Welt woanders kauft.

  • Antworten
Ostsachse04.01.2011 | 00:00 Uhr

Die Analyse ist zu einfach. Sie lässt nämlich außer Acht, dass bei einer starken DM mehr ausländische Gelder nach D geflossen wären, die den Exportausfall kompensiert hätten.
Der Euro war, ist und bleibt eine politische Währung, die aus ökonomischen Gründen nicht zu begründen ist.

  • Antworten
David Fischer04.01.2011 | 00:00 Uhr

Was da geschrieben wurde ist 'richtig'. Frieden mit all seinen Nachbarn erhält man nicht umsonst. und vermutlich sind alle anderen Vorschläge ökonomisch und politisch teurer als die Beibehaltung (Verteidigung) des EURO.
Einverstanden.
Aber das ist nur ein Teil des Problems. Die Deutschen sollten bitte nicht "naiv" sein. Der EURO wäre ja nie eingeführt worden, wenn die DM so "schwach/stark" wie die Drachme/Pesete etc. gewesen wäre. Die anderen wußten sehr genau warum sie der Einführung des EURO zugestimmt haben. Nun geht es auch nur zum Teil um die Rettung des EURO, sondern auch darum wie man ohne lästige, ständig neue Verhandlungen den Deutschen
(dem deutschen Steuerzahler) in die Tasche greifen kann. Dazu dienen die Anleihe-Ankäufe (und spätere Verluste!) der EZB - völlig vertragwidrig! - die noch kommenden EURO-Bonds und die noch kommende EU-Steuer, der Vertragsbruch bei der "NO-BAIL-OUT-Klausel".So "naiv" ist wohl niemaand, dass er glaubt -oder den Deutschen glauben machen will! - dass die Griechen jemals ihre Schulden tilgen werden bzw. auf Dauer ohne "hair-cut" wieder auf die Beine kommen werden. Dies gilt eben auch für die anderen PIGS-Länder mehr oder weniger. So wie der sog. "Länderfinanzausgleich" in Deutschland nie mehr abgeschaft werden wird, so werden die Transfer-Zahlungen der Deutschen nie mehr aufhören. Die EU war schon bisher eine Transfer-Union, denn es ist ja nicht so, dass Deutschland nicht schon seit Jahren erheblich gezahlt hätte (sog. "Netto-Zahler").
Die Frage ist jetzt bzw. in Zukunft: "Wie gigantisch werden die Zahlungen werden und wieviel Mitspracherecht werden die Deutschen noch bei ihren Zahlungen an die anderen haben? Bayern hat schließlich auch kein Mitspracherecht bei den Ausgaben der Subventions-Schnorrer in Berlin, die - ganz nebenbei - bei vielen "sozialen" Dingen deutlich besser versorgt sind als die "Zahler" Bayern. Die Iren haben inzwischen auch im Durchschnitt einen um ca. 20% höheren Lebensstandard als die Deutschen (Zahler!).
Hoffnung gibt es wenig. Die Deutschen werden zahlen ("bluten" sagte Herr Rogowski) müssen. Seit 1990 gibt es in Deutschland keine 'reale' Einkommenssteigerung mehr.
Das wird sich auch bis 2020 nicht ändern. Von den 5000,-- EURO die ein griechischer Lokomotivführer bisher erhalten hat, davon kann (konnte) der deutsche Kollege doch nur träumen........aber es gilt trotzdem: Frieden gibt es nicht umsonst und Krieg (Währungskrieg) wäre viel teurer........also denn:
CARPE DIEM und fröhlich bleiben ......

  • Antworten
Wolfram Wiesel04.01.2011 | 00:00 Uhr

Der Autor argumentiert, dass der Export in die Euro-Zone Grund des Wachstums sei. Seine Zahlen beziehen sich aber auf die Exporte in die 26 EU-Mitgliedsstaaten, von denen viele den Euro ja gar nicht eingeführt haben.

Demnach scheint die gemeinsame Währung ja offensichtlich nicht ursächlich für die Exporterfolge zu sein.

Es ist zwar ein Meinungsartikel, aber es ärgert mich immer, wenn Journalisten Zahlen und Meinungen so durcheinander bringen bzw. unklar darstellen.

Im letzten Absatz ist wieder zuerst von von der Eu, also den Mitgliedsstaaten und dann plötzlich vom Euro die Rede??

Volkswirtschaftlich ist es übrigens sehr zweifelhaft, dem deutschen Steuerzahler enorme Lasten aufzubürden, für die theoretische Hoffnung, dieses Geld durch spätere Exporterfolge zurückzubekommen.

Die Steuern zahlen jetzt alle. Von den erhofften Gewinnen profitieren, wenn überhaupt, nur Wenige.

  • Antworten
MaxSchild05.01.2011 | 00:00 Uhr

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