Internetfähige Fernseher erobern die Wohnzimmer, die Tagesschau läuft auf dem Handy, Filme werden auf dem iPad geguckt – die Medienwelt steckt mitten in einer Revolution, die unsere Öffentlichkeit strukturell verändert
ARD, ZDF, RTL, SAT.1 hier – das World Wide Web dort: In wenigen Monaten ist das Vergangenheit. Denn derzeit werden auf der ganzen Welt die letzten Zäune zwischen dem herkömmlichen Programmfernsehen und dem Internet eingerissen. Dabei verabschieden wir uns immer mehr vom linearen Fernsehprogramm. Jeder ist sein eigener Programmgestalter. Zwei Milliarden Menschen nutzen täglich Youtube, 35 Stunden an Videos werden pro Minute bei Googles Tochterunternehmen hochgeladen.
Zwar wird der Fernseher nicht aus dem Wohnzimmer verschwinden, aber er wird in Zukunft selbst online gehen können – und nur noch eines von mehreren Abspielgeräten sein. Mausklick statt Fernbedienung – schon heute laden wir uns immer häufiger Filme und ganze Serien aus dem Netz. Je jünger die Nutzer, desto häufiger. Über internetfähige Smart-TVs wird bald gegoogelt und geskyped, auch Zeitungen und E-Mails lassen sich so lesen, nebenbei auf einem Split-Screen, während auf dem Hauptbild Fußball läuft.
Die Öffentlich-Rechtlichen und die Privaten, das Programmfernsehen insgesamt, geraten dabei in den Sog einer Entwicklung, die Zeitungen und die Musikbranche schon seit einigen Jahren erleben: die Implosion des klassischen Medienmarkts – einhergehend mit einem rapiden Verlust lang tradierter Bedeutung. Das Zusammenwachsen von Laptop, Internet, Smartphone und Fernsehen steckt noch in den Anfängen. Aber es zeigt schon Wirkung: Fernsehen und Zeitungen lösen sich mehr und mehr vom Fernseher und dem Papier. 30 Millionen Amerikaner telefonieren nicht nur mit ihrem Smartphone, sie schauen darauf auch fern.
Was in Zukunft bleibt, sind starke Marken wie hierzulande Tagesschau, Tatort oder auch Spiegel Online. Schon werden erste Serien direkt fürs Netz produziert. Das verändert die Dramaturgie des Erzählens. Zurzeit steckt die Medienwelt in einer Revolution, so radikal wie die Entwicklung der Druckerpresse von Johannes Gutenberg und die Erfindung des Films durch die Brüder Lumière zusammengenommen. Das Katz-und-Maus-Spiel, das sich dabei Künstler, Journalisten, Produzenten, Verlage, Fernsehanstalten und ihre Verbände mit Google, Facebook und Co, aber auch mit den Nutzern in der digitalen Welt liefern, ist noch der sichtbarste Ausdruck dieser Revolution. Verbissen streiten die Verlage mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten darüber, ob und wie lange die ihre Archive umsonst ins Netz stellen und inwieweit sie dort auch Nachrichtenartikel kostenlos verbreiten dürfen.
Doch der Strukturwandel von Öffentlichkeit ist viel weitreichender, und seine Folgen sind noch unabsehbar.
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