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 > 17 Stempel und auf nach Hamburg!

Kapital

Ersatzverkehr-Chaos in Berlin17 Stempel und auf nach Hamburg!

Von Til Knipper6. Juli 2012
Screenshot
Ersatzverkehr, BVG, Berlin, Baustelle, U-Bahn, U 6, Französische Straße, Friedrichstraße
So sieht Ersatzverkehr in der Hauptstadt aus: Gehen Sie doch einfach mal zu Fuß!
Schrift:

In Berlin kommt es wegen einer Baustelle zur 16-monatigen (!) Sperrung eines Teils der U 6. Doch keine Sorge, Bürgermeister Wowereit hat eine spitzen Idee für den Ersatzverkehr: Gehen Sie doch einfach mal zu Fuß! Es gibt auch was zu gewinnen...

Man wirft uns manchmal vor hier beim Cicero zu Berlin-lastig zu sein: Also gut, ich kann auch anders. Stellen Sie sich folgende Szene vor:

City Hall, Büro von Michael Bloomberg, dem Bürgermeister von New York, auf dem Tisch ein Damenschuh mit Champagner gefüllt. Die Tür geht auf und der Referent für Verkehr kommt mit einer Akte herein.

Referent: Mr. Mayor, das ist die Planung für die Unterbrechung der U-Bahnlinien 4, 5, 6 zwischen Grand Central und 33. Straße.

Bloomberg: Ach ja, das steht ja auch an, wie lange dauert das?

Referent: 16 Monate.

Bloomberg: Schaffen wir das denn mit den Bauarbeiten in der Zeit?

Referent: Nein, Sir, unwahrscheinlich, aber wir sagen erst mal 16 Monate.

Bloomberg, der parallel dazu Einladungen liest: Ok, macht Sinn. Wissen Sie, wann die nächste Fashion Week ist?

Referent: Nein, Sir.

Bloomberg: Sonst noch was?

Referent weist auf die Akte: Sie müssten das abzeichnen.

Bloomberg: Was war das noch?

Referent: Die U-Bahn, Sir.

Bloomberg: Ach ja. Was machen eigentlich die Leute, die von Grand Central nach Downtown wollen?

Referent: Sie laufen die eine Station zu Fuß und fahren dann von der 33. Straße weiter. Wir haben Stempelkarten an die Fahrgäste verteilt, wer die Strecke 17 Mal gelaufen ist und sich jedes Mal einen Stempel geholt hat, kann an einer Verlosung teilnehmen. Hat die Metropolitan Transport Authority vorgeschlagen.

Bloomberg: Sehr gut. Prima Idee. Was gibt es zu gewinnen?

Referent: Eine Zugfahrt nach Philadelphia.

Bloomberg: Ah, ok. Sonst noch Beeinträchtigungen?

Referent: Die Park Avenue ist auf demselben Abschnitt zwischen dem 13. Juli 2012 und dem 23. Juni 2016 in einer Richtung gesperrt.

Bloomberg: Bis 2016, das geht ja.

Bloomberg nimmt noch einen Schluck aus dem Schuh, macht sein Kürzel und reicht dem Referent die Akte. Referent ab.

Unrealistische Szene? In New York mit Sicherheit, aber wenn Sie Bloomberg durch Wowereit ersetzen, könnte sich das in Berlin so oder so ähnlich abgespielt haben. Hier wird dem U-Bahnfahrer bis Herbst 2013 nämlich tatsächlich empfohlen die 16-monatige Sperrung der U6 zwischen der Französischen Straße und der Friedrichstraße zu Fuß zu überbrücken. Der Prachtboulevard Unter den Linden ist ab dem 13. Juli 2012 bis Juni 2016 über weite Strecken eine Einbahnstraße. Und die BVG zeigt mal wieder, dass sie die Vorlieben und Stärken ihrer Fahrgäste ganz genau kennt: Stempeln gehen.

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Mit 17 Stempeln nehmen Sie an der Verlosung teil und der Hauptpreis ist, tätärätääää: Eine Zugfahrt nach Hamburg.
Da wollen wir uns hier in der Redaktion nicht lumpen lassen und haben uns zur Reise nach Hamburg noch einen inhaltlich passenden Zusatzpreis überlegt: eine Führung durch die Elbphilharmonie. Sie müssten uns nur kurz anhand eines Tests und der gesammelten Bons belegen, dass Sie die letzten 17 Ausgaben des Cicero gekauft und gelesen haben.

 

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versagt ja auch beim Flughafen. Eigentlich bei jedem Großprojekt. Die können es halt nicht, die Berliner.

  • Antworten
Very Serious Sam06.07.2012 | 18:58 Uhr

Skandal!

Skandal 1: Es gibt einen barrierefreien Ersatzverkehr.
Skandal 2: Wer gut zu Fuß ist, dem wird empfohlen, die 500 m zu Fuß zurückzulegen.
Skandal 3: Als kleine Belohnung für die Unannehmlichkeiten, die sich durch die Frischluftzufuhr und die Bewegung ergeben können, hat sich die BVG ein kleines Spiel ausgedacht.
Skandal 4: Man kann dort auch noch etwas gewinnen.
Skandal 5: Den Abschnitt könnte man theoretisch auch umfahren. Mit anderen Verkehrsmitteln, wie z. B. der S-Bahn, anderen U-Bahnen und Bussen.

Das sind fünf Skandale zuviel! Ich fordere Einsetzung des Bahnvorstandes bei der BVG, damit dort endlich alles mal glatt läuft!

  • Antworten
-tk-07.07.2012 | 13:28 Uhr

Andere Lösung?

Sie prangern an, daß die Lösung der BVG vollkommen weltfremd ist. Welche andere Lösung würden Sie (der Autor) als sinnvoll erachten?

  • Antworten
-tk-07.07.2012 | 16:56 Uhr

lame...

500 zu Fuß laufen - das hast du in Paris innerhalb einer U-Bahnstation beim Umsteigen. Regt euch mal über was wirklich Ärgerliches auf.

  • Antworten
huev07.07.2012 | 19:04 Uhr

Es gibt für alles eine Lösung!

Rotes Rathaus: Büro des Regierenden Bürgermeisters Wowereit. Die Tür geht auf und der Referent für Verkehr kommt mit einer Akte herein.
Herr Regierender Bürgermeister, das ist die Planung für die Sperrung eines Teils der U 6.
Wowereit: Wie lange dauert das?
Referent: 16 Monate.
Wowereit: Das geht ja. Ich lege fest, die U-Bahnfahrer sollen die Strecke zwischen der Französischen Straße und der Friedrichstraße zu Fuß überbrücken. Um die Gemüter zu beruhigen, schlage ich vor, dass wir aus gelebter Solidarität mit den fußkranken Berlinern, für den genannten Zeitraum von 22 bis 06 Uhr die Gas-Straßenbeleuchtung auf dieser Strecke vorerst installiert lassen.
Referent: Herr Regierender Bürgermeister, fürwahr eine weise Entscheidung!!

  • Antworten
Uwe W. Lünsmann07.07.2012 | 22:13 Uhr

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