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 > Benzin-Kartell ohne Absprache

Kapital

Raffiniertes PreissystemBenzin-Kartell ohne Absprache

Von Hauke Friederichs20. Juli 2012
Picture Alliance
Benzinpreise, Aral, Wettbewerb, Aktionismus, Preissprünge, Ferien, Mineralölkonzern, Tankstellenpächter
Transparenz Fehlanzeige: Benzinpreise steigen in Deutschland mangels Wettbewerb immer weiter
Schrift:

Alle Jahre wieder steigen in der Urlaubszeit die Benzinpreise. Automobilclubs und Verbraucherschützer prangern die Gier von Aral, Esso und Co. an. Die gescholtenen Konzerne hingegen geben der Politik die Schuld. Ein Brancheninsider erklärt das Preissystem der Mineralölkonzerne

Seite 1 von 5

Der grauhaarige Mann schaut durch ein Fenster neben der Kasse dem Feierabendverkehr zu, der träge an seiner Tankstelle vorbeifließt. Sein Blick fällt auf die Preisanzeige draußen. „Die Zentrale hat die Preise immer noch nicht angepasst“, sagt er und schüttelt den Kopf.

Er wirkt dabei beinahe überrascht. Der Mann ist Pächter einer Tankstelle in Hamburg, die einem der fünf großen Mineralölkonzerne in Deutschland gehört. Vor einer Stunde hat er die Preise der Konkurrenten in der Umgebung seiner Tankstelle an seine Konzernzentrale durchgegeben.

Dort werden die Daten von einer Abteilung gesammelt und Benzinpreise für alle Tankstellen des Mineralölkonzerns in Deutschland festgelegt. „Das ist alles von oben gesteuert“, sagt der Tankstellenpächter. „Was Benzin und Diesel an meiner Zapfsäule kosten, entscheide nicht ich.“

Was der Tankstellenpächter aus Hamburg beschreibt, funktioniert genauso in München, Köln, Berlin und Leipzig. Die Preise an den Tankstellen von Aral, Shell, Esso, Total und Jet steigen und fallen nach einem festen System. Preissprünge von bis zu 15 Cent innerhalb weniger Stunden wirken wie abgesprochen. Vor allem vor Feiertagen und Schulferien steigt der Preis für den Liter Benzin häufig kräftig an – der Ärger der in den Sommerurlaub fahrenden Autofahrer scheint auch dieses Jahr unvermeidlich.

Genauso unvermeidlich wie die ebenfalls jährlich stattfindende Diskussion, was gegen den saisonalen Anstieg der Kraftstoffpreise getan werden muss. Die Rollen und Argumente sind dabei fest verteilt: Die Politik klagt über die mangelnde Markttransparenz und den fehlenden Wettbewerb in der deutschen Mineralölwirtschaft. Automobilclubs wie der ADAC und Verbraucherschützer prangern die Gier von Aral, Shell, Esso und Co an. Und die gescholtenen Konzerne geben über ihre Interessenverbände der Politik die Schuld am Preisanstieg – wegen der hohen Steuern auf Benzin.

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Zuletzt diskutierte die Bundesrepublik vor Ostern über die Kraftstoffpreise, als ein Liter Benzin mehr als 1,71 Euro kostete. Boulevardzeitungen und Talkshows machten die Preistreiberei der Ölmultis zum Thema. Minister aus Bund und Ländern versprachen, für eine Preisbremse bei den Kraftstoffen sorgen zu wollen.

Bei Worten ist es bisher geblieben – wie immer, wenn der Kraftstoffmarkt in Deutschland reguliert werden sollte. Der Benzinpreis beschäftigt die deutsche Politik seit Jahrzehnten. Als der Preis pro Liter Benzin in den siebziger Jahren über eine D‑Mark stieg, wurden bereits die Klagen über die zu große Macht von Aral, Shell und den anderen Markenkonzernen laut. Passiert ist seitdem wenig, der Preis stieg weiter.

Eines ist dieses Jahr neu: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat im Benzinpreis ein Thema entdeckt, mit dem er beim Wähler punkten will. „Den Ärger der Autofahrerinnen und Autofahrer über das Auf und Ab der Benzinpreise kann ich sehr gut nachvollziehen. Es ist für sie überhaupt nicht mehr ersichtlich, wie die Preise zustande kommen“, sagte Rösler in Berlin. Er kündigte nach Ostern an, die Mineralölkonzerne unter strenge Aufsicht stellen zu wollen.

Seite 2: Rösler entschied sich dann aber für eine Kompromisslösung, die keinem wirklich nützt...

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Wenn vor den Ferien pünktlich

Wenn vor den Ferien pünktlich die Benzinpreise steigen, hat das nichts mit dem Ölpreis zu tun, sodern dass die Konzerne das große Geschäft machen wollen. Und wenn der Preis mal sinkt und wir bei 1,62 jubeln, ist der Gewinn längst eingestrichen. Das machen Discounter nicht anders - sie spendieren uns mal ein Angebot und wir Blödis freuen uns - geschenkt ist da überhaupt nichts. Es bliebe nur eins - boykottieren.

  • Antworten
hallertauer21.07.2012 | 08:30 Uhr

Ähnlich ist es doch mit den Preisen für Gas und Elektrizität.

Immer wenn entsprechende Wettervoraussetzungen bestehen steigen die Kosten für Heizung oder Beleuchtung.
Die tatsaechlichen Kosten kennt kaum ein Verbraucher ,denn es werden so viele andere Gebuehren auf den Preis einer Therme oder Einheit aufgeschlagen bis der Verbraucher resigniert und zahlt.
Ob das was in Rechnung gestellt wird ein fairer Preis ist kAnn der Laie nicht beurteilen.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant23.07.2012 | 20:12 Uhr

Offenkundiges Marktversagen

Bei den Tankstellen und den dahinter stehenden Mineralölkonzernen ist ein Marktversagen nicht zu bestreiten.
Folglich ist die Politik gefordert, ohne wenn und aber.
Aber: Mineralölkonzerne sind vermutlich auch gute Parteienspender. Aus diesem Grunde legen sich Politiker und die hinter ihnen stehenden Parteien offenbar nicht gerne mit diesen an.
Aber es muß sein, wenn unsere Marktwirtschaft, an der Viele nicht grundlos zweifeln, nicht endgültig ausgehebelt werden soll.

  • Antworten
Yvonne Walden21.08.2012 | 14:17 Uhr

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