Der BDI-Präsident kämpft gegen den Bedeutungsverlusts des Verbands. Insbesondere einer stiehlt Keitel die Show, indem er in Talkshows auftritt, sich als Buchautor verdingt und sich mit „Ex-BDI-Chef“ titulieren lässt: Hans-Olaf Henkel.
Das ebenmäßige Gesicht leicht gebräunt, markantes Kinn,volle Lippen. Gut geschnittene Anzüge, aber nicht zu gut. Eine flache goldene Uhr mit Lederarmband, kein Protzchronometer. Hans-Peter Keitel ist eine elegante Erscheinung. Und: Er sagt stets das Passende zum passendenZeitpunkt.
Seit drei Jahren steht Keitel an der Spitze des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Nach den eher blassen Vorgängern Jürgen Thumann und Michael Rogowski hat er dem Ehrenamt etwas von seiner früheren Bedeutung zurückgegeben. In den nächsten Wochen entscheidet sich, ob er noch bis 2014 weitermacht. Wenn es bloß diesen Hans-Olaf Henkel, den Vorvorvorgänger, nicht gäbe!
Schon seit mehr als einem Jahrzehnt aus dem Amt, turnt der überall unter dem Etikett „Ex-BDI-Präsident“ umher: als Buchautor und Eurogegner, in Talkshows, auf Empfängen und bei Bällen. Keitel gibt dagegen nie den Lautsprecher à la Henkel, und gestaltet gerade deswegen sein Amt erfolgreich. 65 Jahre alt wird er im Sommer, und er hat eine „unfallfreie Karriere“ hinter sich, wie einer aus seinem Umfeld sagt. Gerade in der Baubranche ist das doppelt ungewöhnlich.
[gallery:Von Gipfel zu Gipfel: Versuche, den Finanzmarkt zu regulieren]
Der promovierte Bauingenieur, der aus einer Pfälzer Bauunternehmerfamilie stammt, landete 1988 bei Hochtief und rückte schon wenig später an die Vorstandsspitze. Nach 15 Jahren wechselte er aus freien Stücken in den Aufsichtsrat. Keitel ist ein begnadeter Netzwerker, und seine unaufgeregte Art kommt bei den Mächtigen in Berlin gut an: Angela Merkel lernte er kennen und schätzen, als sie noch Umweltministerin war.
Heute stößt er sich an ihrer tastenden Art zu regieren, wünscht sich mehr Plan und Ziel. Die meisten Kabinettsmitglieder, dazu die SPD-Spitze und einige EU-Kommissare, stehen ebenfalls in Keitels Adressbuch. Selbst François Hollande lud den deutschen Industriepräsidenten vor der französischen Präsidentschaftswahl zu einem Gespräch nach Paris.
Lesen Sie auch, warum BDI-Präsidenten mittlerweile Könige ohne Reich sind










