Guillaume de Seynes, Spross der französischen Hermès-Dynastie, präsentiert eine Uhr mit ungewohnten Fähigkeiten: Auf Wunsch lässt sie die Zeit vergessen
Es gibt schier unendlich viele Uhren, die damit angeben, dass sie noch die Zehntel von Sekunden fangen können. Es gibt Chronometer, die so tun, als wären sie U-Boote und wollen deshalb unbedingt die Zeit noch in der Tiefsee korrekt anzeigen. Hermès dagegen hat eine Uhr ersonnen, die bei Bedarf gar nichts macht, die weder bescheiden noch gefräßig sein will – sondern einfach die Zeit auch ruhen lassen kann.
Vielleicht liegt das daran, dass dieses Familienunternehmen seine Bestimmung schon vor langer Zeit gefunden hat. Seit seiner Gründung 1837 in Paris ist aus dem Sattel- und Zaumzeuggeschäft Hermès eine weltweit erfolgreiche Luxus-Manufaktur geworden, die stets nach höchster Qualität gestrebt hat. Auch Guillaume de Seynes nutzt seine Arbeitszeit, damit dies so bleibt. Das Büro des Ururenkels von Firmengründer Thierry Hermès liegt in der obersten Etage der Zentrale, Neureiche würden Penthouse-Office dazu sagen. Denn es hat einen wunderbaren Blick über die Südseite von Paris, die Türme Montparnasse und Eiffel wirken zum Umarmen nah – und ist doch viel kleiner und zurückhaltender als der Arbeitsplatz vergleichbarer Manager in Deutschland.
Auf dem Bücherregal hinter seinem Schreibtisch steht ein Schwarzweißporträt von Robert Dumas, Schwiegersohn von Émile und legendärer Erfinder der Kelly-Bag. De Seynes ist sein Großneffe und wirkt mit seinem rötlichen Vollbart und seinen verschmitzten Augen so gar nicht wie ein Executive Vice President, der für alle Produktionen und operativen Beteiligungen verantwortlich ist. Sondern eher wie ein netter Onkel, mit dem man vor dem Kaminfeuer mal gerne ein paar Flaschen Rotwein leeren würde, um seinen Geschichten zuzuhören und die Zeit zu vergessen.







