Ein Scheitern des Verkaufs der US-Tochter könnte die Zukunftsstrategie des Telekom-Chefs René Obermann torpedieren
Der Telekom-Chef kann den Stolz in seiner Stimme nicht verbergen. Der amerikanische Telekomriese AT&T hat gerade 39 Milliarden Dollar für die Telekom-Tochter T-Mobile USA geboten – 14 Milliarden mehr, als Experten für möglich gehalten hatten. „Das ist eine erhebliche Wertsteigerung“, jubiliert René Obermann – das war im März dieses Jahres.
Die Telekom ist der kleinste Anbieter in den USA und verliert seit Jahren Kunden. Der Verkauf soll Obermanns Befreiungsschlag werden, sein Meisterstück auf dem Chefsessel des schwer steuerbaren, ehemaligen Staatskonzerns. Wochenlang fliegt der 48-Jährige zwischen Bonn und Washington hin und her, stellt sich Anhörungen im Kongress und beantwortet kritische Fragen von Verbraucherschützern.
Fünf Monate später kommt der Knall: Das amerikanische Justizministerium klagt gegen den Zusammenschluss. Die Behörde fürchtet weniger Wettbewerb und höhere Preise für die Verbraucher. Ende November legt auch noch die Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC) ein Veto ein. Der Verkauf ist damit zwar noch nicht gestorben, aber es sieht schlecht aus. Sollte der Deal doch noch genehmigt werden, müssen die Konzerne hohe Auflagen erfüllen.
Ein Scheitern wäre für Obermann ein Desaster. Den jugendlichen Manager, der mit der ZDF-Moderatorin Maybrit Illner verheiratet ist, umgibt zwar stets ein Hauch von Glamour. Doch als Vorstandschef ist Obermann eher konservativ. Kritiker werfen ihm vor, er scheue Risiken und habe deshalb den Einstieg in den wachstumsstarken Schwellenländern verpasst.
Bei der Telekom hat der smarte Vorstandschef zahlreiche Baustellen angepackt: Er gliederte rund 45000 Servicemitarbeiter aus und verlängerte ihre Arbeitszeiten; er verordnete dem Konzern diverse Sparprogramme und verbesserte damit die Marge. Und er trennte sich konsequent von Problembereichen, wie der britischen Telekom-Tochter.
Viele richtige, aber kleine Schritte. Was fehlt, ist der große Wurf. Der Verkauf des US-Geschäfts sollte das ändern. TMobile USA macht ein Viertel des Konzernumsatzes und 20 Prozent des operativen Gewinns aus. Diese wichtige Tochter abzustoßen und die Telekom damit deutlich zu schrumpfen, ist mutig. Klappt der Deal nicht, torpediert es Obermanns Pläne für den Rest des Konzerns.
Ohne die Einnahmen aus dem Verkauf sind ihm die Hände gebunden. Er braucht das Geld dringend, um in Deutschland und den europäischen Töchtern neue Netze zu bauen. Zig Milliarden sind nötig, damit Telekom-Kunden mit ihren Handys im Internet surfen und sich Videos auf den heimischen PC laden können.








