Airbus-Chef Thomas Enders zu Rüstungsgeschäften: - „Wir werden uns nicht noch einmal von Regierungen drängen lassen“

Deutschland spricht viel über internationale Verantwortung, übernimmt sie aber militärisch nicht. Airbus-Chef Thomas Enders redet im Cicero-Interview Klartext

„So einen Vertrag unterschreiben wir nie wieder, so viel steht fest“, verspricht Airbus-Chef Thomas Enders
Antje Berghäuser

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Airbus-Chef Thomas Enders hat die Rüstungsbranche gegen Kritik verteidigt. „Den Schwarzen Peter allein nun bei uns abzuladen, wird der Sache nicht gerecht“, sagte er in einem Interview mit dem Magazin Cicero (Novemberausgabe). „Was wir heute sehen, ist das Ergebnis eines jahrelangen, unehrlichen Umgangs miteinander.“

[[{"fid":"63770","view_mode":"copyright","type":"media","attributes":{"height":518,"width":345,"style":"float: left; height: 240px; width: 160px; margin: 3px 5px;","class":"media-element file-copyright"}}]]Die Rüstungsindustrie steht unter Druck. Nach einem externen Gutachten im Auftrag von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verspäteten sich alle der neun untersuchten Projekte, waren oft mängelbehaftet und in der Mehrzahl teurer als geplant. Zu den begutachteten Vorhaben gehört auch das Transportflugzeug A400M von Airbus. Enders sagte, sein Unternehmen habe beim A400M gut vier Milliarden Euro draufzahlen müssen. An den 175 Flugzeugen für europäische Kunden werde Airbus keinen Cent verdienen. Die Bundeswehr werde ihre erste A400M aller Voraussicht nach Ende November bekommen. Zugleich kündigte Enders Konsequenzen aus dem Fall an. „Wir werden uns nicht noch einmal in die Tasche lügen und von Regierungen zu Programmvereinbarungen drängen lassen, wenn die zugrunde liegenden Termine und Budgets von vorneherein unrealistisch sind“, sagte er in dem Cicero-Interview. „So einen Vertrag wie bei A400M unterschreiben wir nie wieder, so viel steht fest.“

Von der Bundesregierung forderte er eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben. „In Sonntagsreden wird gerne mehr europäische Zusammenarbeit und Integration in der Außenpolitik und in der Verteidigung gefordert“, kritisierte er. „Aber wenn es um den konkreten Fall geht, sieht man, wie sich die Kluft zwischen den Deutschen einerseits und Briten und Franzosen andererseits in den letzten Jahren verbreitert hat.“

Mit heftigen Worten kritisierte der Airbus-Chef die Strukturen und Arbeitsweise im Verteidigungsministerium: „Ich kenne keine Rüstungsbürokratie, die risiko- und verantwortungsscheuer agiert als die deutsche.“ Diese Haltung hat sich nach Ansicht von Enders „tief hineingefressen in die Verwaltung, die im Übrigen viel zu wenig kommuniziert mit dem militärischen Endkunden.“

Das gesamte Interview lesen Sie in der November-Ausgabe des Cicero, die am 23. Oktober erscheint. Wenn Sie das Magazin für politische Kultur kennenlernen möchten, empfehlen wir Ihnen das Cicero-Abo zum Vorzugspreis.

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