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 > 130 Milliarden Euro für ein Monument des Scheiterns

Kapital

Griechenland-Lüge130 Milliarden Euro für ein Monument des Scheiterns

Von Eric Bonse22. Februar 2012
picture alliance
Euro, Hilfspaket, Griechenland, Euro-Rettung, Troika
Das zweite Hilfsprogramm, ein Monument des Scheiterns
Schrift:

Hätten die Finanzminister der Eurostaaten die Schuldenanalyse der Griechenland-Troika wirklich gelesen, hätten sie dem neuen 130 Milliarden Euro schweren Hilfsplan am Montag nicht zustimmen dürfen. Im griechischen Schuldendrama wurde schon so viel gelogen, dass ein Happy End kaum noch glaubhaft scheint. Eine Analyse

Seite 1 von 3

Es war am Montag Abend gegen 23 Uhr. Eigentlich sollte die Krisensitzung der Euro-Finanzminister zu Griechenland längst zu Ende sein und die Pressekonferenz beginnen. Doch von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seinen 16 Amtskollegen keine Spur. Die Journalisten im Pressesaal des Brüsseler Ratsgebäudes drehten Däumchen und wussten nicht mehr, was sie schreiben sollten.[gallery:CICERO ONLINE präsentiert: Die Kandidaten für die Euro-Nachfolge]

Und dann platzte plötzlich die Bombe: Ein als „streng vertraulich“ eingestufter Bericht der internationalen Troika machte die Runde. Die neunseitige „Schuldentragfähigkeitsanalyse“ war mit Datum vom 15. Februar versehen und musste den Finanzministern seit Tagen bekannt sein. Doch wenn sie tatsächlich gelesen haben, was darin steht, hätten sie den neuen Hilfsplan eigentlich nicht beschließen dürfen.

Die Schuldenanalyse der Troika bestätigt nämlich die schlimmsten Erwartungen der Griechenland-Gegner und die schärfsten Einwände der Schäuble-Kritiker. Statt wie von Schäuble erwartet 120 Prozent werde die Schuldenquote 2020 trotz aller Stützungsbemühungen bei 129 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen, heißt es da. Und dies ist noch das optimistischste Szenario: Wenn die Reformen nicht greifen und die Rezession anhält, so die Troika-Experten, könnte die Quote sogar bei 159 Prozent liegen - also etwa genauso hoch wie derzeit.

Dann wäre die ganze „Rettung“ umsonst gewesen, und die Retter müssten wieder von vorne anfangen. Dieser Fall ist gar nicht einmal unwahrscheinlich, heißt es in dem Bericht weiter: Denn es gebe eine „grundlegende Spannung“ zwischen den harten Sparvorgaben auf der einen und den geplanten Strukturreformen auf der anderen Seite. Die durch Lohnsenkungen und Rentenkürzungen geplante interne Abwertung werde „auf kurze Sicht unvermeidlich zu einer höheren Schuldenquote führen“, warnen die Experten.

Zu gut deutsch: Das Spardiktat verschärft die Krise und damit auch das Schuldenproblem. Griechenland ist mit dem neuen 130 Mrd. Euro schweren Hilfsprogramm keineswegs auf dem Weg der Besserung; vielmehr werden die Dinge noch schlimmer, bevor sie - vielleicht - eines Tages besser werden. 

Doch Schäuble tat so, als gehe ihn diese Analyse, die immerhin von den besten Fachleuten der EU, der EZB und des IWF geschrieben wurde, nichts an. Die Schuldenquote werde wie geplant auf rund 120 Prozent gedrückt, und den gerade beschlossenen Rettungsplan könne man „gut verantworten“, beschied er den Journalisten, als die Krisensitzung am frühen Dienstag Morgen endlich zu Ende ging.

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Man stochert im Nebel

Einerseits ist der Troikabericht vernichtend und die Planungsdaten 24 Stunden nach Verabschiedung des Sparpaketes bereits offiziell Makulatur. Denn die grichische Regierung hat die Neuverschuldung von 5,4 auf 6,7% des BIP korrigiert, andererseits erfährt man, dass zusätzlich zu den 30-56 Milliarden, die ein Griechenlanbankrott den deutschen Steuerzahler kosten würde durch das zweite Sparpaket mindestens 30 Milliarden hinzukommen. Man fragt sich, mit welchen differenzierten Argumenten, die keine Beleidigung der Intelligenz der Wähler darstellen, dieser zusätzliche Verlust begründet werden soll. Bereits jetzt rechnet jeder halbwegs informierte Mensch mit dem Staatsbankrott Griechenlands, egal ob es weitere Kredite gibt oder nicht. Die Frage stellt sich auch, ob diese Kredite noch so genannt werden können, da der Totalverlust bereits abzusehen ist. Was bezwecken Politiker damit, die sich auf diese Art und Weise jeder Glaubwürdigkeit berauben? Die Rettung Europas kann es nicht sein, denn der Begriff wird irgendwann zum Schimpfwort, zum Synonym für Korruption und Betrug wenn es so weiter geht. Moralisch lässt es sich auch nicht begründen, wenn man durch Steuergelder Banken und Hedgefonds absichert und in erster Linie die Besitzstände der Besserverdienden Griechenlands absichert, Besitzstände die durch den Betrug mit dem sich Griechenland in die Eurozone schlich und eine hemmunglose und völlig verantwortungslose Schuldenpolitik erst erworben wurden. Der IWF bescheinigt der griechischen Politik und Verwaltung ein Höchtsmaß an Korruption, verbunden mit einem Minimum an Kompetenz. Insofern hat man auch von einer großen Koalition nichts anderes zu erwarten. Sowohl die Motivation als auch der Informationshintergrund der Entscheider in der Bundesregierung bleibt rätselhaft.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann22.02.2012 | 13:16 Uhr

Verwaltungsreform und interne Abwertung notwendig

Wer Griechenland in der Eurozone wieder wettbewerbsfähig machen will, muss:

a) leistungsfähige staatliche Strukturen aufbauen
b) das gesamte Lohn- und Preisgefüge um mindestens ein Drittel absenken.

Erst wenn das einigermaßen geordnet bewältigt sein sollte, wird es selbsttragende Investitionen in die griechische Wirtschaft geben. Bis dahin wird jeder nach Griechenland überwiesene Euro verdampfen wie alle europäischen Strukturmittel und Hilfsgelder des letzten Jahrzehnts. Schlimmer: sollten unsere Hilfen dazu führen, dass die Griechen ihren Lebensstandard grosso modo durch weiteren übermäßigen Import von Konsumgütern halten können, nehmen wir ihnen den Leidensdruck, ohne den sie kaum die zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit notwendigen Schritte (a+b) gehen werden. Wir machen uns damit an einer unendlichen Fortsetzung der griechischen Tragödie mitschuldig.

  • Antworten
Karl Schade22.02.2012 | 13:59 Uhr

130 Milliarden Euro für ein Monument des Scheiterns

Erstens: die Leute, die vor den französischen Prasidentschaftswahlen keinen "crash" wollten, die sind nicht gescheitert.
Zweitens: das sarkastische Bonmot des LE FIGARO: "Maastricht ist Versailles ohne Krieg. (Die Deutschen zahlen)". nähert sich der Realistät.
Drittens: die griechische "Nomenklatura" wird bis zuletzt für den Verbleib im EURO kämpfen. Wenn die DRACHME zurückkommt, dann leiden zwar auch die einfachen Griechen, die schon jetzt leiden, noch mehr,
aber die "Nommenklatura" verliert ca. zwei Drittel ihrer "Euro-Pfründe".
Schau'n wir mal. Das Schmieren-Theater geht ja weiter.

  • Antworten
Wolfram Wiesel22.02.2012 | 19:25 Uhr

Das nächste Monument

Wenn Griechenland in die Pleite "gerettet" sein wird, steht die nächste "Rettung" in´s Haus. Herr Schäuble hat bereits alles vorbereitet.

http://www.youtube.com/watch?v=AwlXR5FfQTY

  • Antworten
Maria Funke23.02.2012 | 08:28 Uhr

Moment mal

Was lernt unsereiner: Wenn Politiker 130 000 000 000 zum Klo runter spülen, nennt sich dies "Krisenmanagement", wenn ein Hartz IV Empfänger 130 Euro auf die gleiche Art und Weise entsorgt sprechen wir von "Verschwendung".

  • Antworten
Elke23.02.2012 | 10:02 Uhr

Und die Bauchgegend ?

Dass das technisch-rationale schon ein Flügel des Ikarus ist, muss man sicher nicht nochmal betonen. Aber was ist mit dem Gefühl der Ungerechtigkeit? Ich für meinen Teil will nicht andere Länder durchfüttern ... ist ja nicht so, dass bei uns noch Milch & Honig fließen wie tendenziell in den 60er und 70er Jahren. Ich glaube die sog. geistige Elite unterschätzt den %Teil der deutschen Bevölkerung die zumindest unter Freunden zugeben, dass sie eine Stinkwut im Bauch haben. Das Gefühl der Ungerechtigkeit zusammen mit jedem Status unter "komplett sorgenfrei saturiert" gab schon immer die größten Knalleffekte. Das ist alles kein Spaß mehr.

  • Antworten
Mark23.02.2012 | 17:57 Uhr

Schuldenstand 2020

Was interessiert das die Finanzminister die 2020 längst ihre
Pensionszeit angetreten haben.
Wird so weitergemacht wie bisher, dann liegt der Schuldenstand
von Griechenland im Jahre 2020 bei 1.200 Milliarden Euro.
Um das alles zu finanzieren, wenn es den Euro dann noch geben
sollte, liegt das Renteneintrittsalter in der BRD bei 72 Jahren
begleitet von einer Einheitsrente von 800 Euro monatlich.
Sowas nennt man europäische Solidarität!!

  • Antworten
Pequod23.02.2012 | 19:07 Uhr

Geld in die Hand nehmen

Ich bin der Ansicht die deutsche Regierung sollte europäischen Banken das Angebot machen, dass die bis zu 50 Mrd. Euro, gebürgt durch Deutschland, in den Krisenländern Europas für kleine und mittlere Unternehmen als Kredite auszahlen dürfen. Das wäre dann der oft geforderte Marschalplan.

  • Antworten
Robert24.02.2012 | 01:54 Uhr

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