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Sein letzter Auftritt im Kampf um das Präsidentenamt war so, wie ihn Amerika in Erinnerung haben will: Offen, aufrecht und mit Würde gestand John McCain am 4. November 2008 in Phoenix seine Niederlage bei den US-Wahlen 2008 ein. Bis zuletzt hatte der Vietnam-Veteran gekämpft, hatte einfach nicht aufgeben wollen. Am Ende aber nützten selbst seine Auftritte in sieben Bundesstaaten am letzten Tag nichts: John McCain verlor seinen letzten großen politischen Kampf gegen Barack Obama. Damit ist sein zweiter Anlauf nach 2000, als er bei den Vorwahlen George W. Bush unterlag, gescheitert. John McCain kein Mann, der mit dem Strom schwimmt. Er sagt, was er denkt. Im Fachjargon der amerikanischen Politik nennt man so jemanden einen "straight talker". Mit dieser Haltung hat er sich auch innerhalb der Republikanischen Partei nicht nur Freunde gemacht. Der 1936 auf der Militär-Basis Coco Solo in Panama geborene Sohn eines US-Navy Generals ist innerparteilich wohl einer der umstrittensten Köpfe. Mit seinen, für einen Konservativen, extravaganten Standpunkten zu verschiedenen politischen Fragen erscheint er als Zwitterwesen zwischen den politischen Lagern der USA und vergrätzt damit die Stammwählerschaft der „Grand Old Party“. In vielen Punkten bedient McCain die Forderungen der konservativen Wähler. Er ist wirtschaftspolitisch liberal, lehnt die Stammzellenforschung ab und will Steuern und Regierungsausgaben niedrig halten. Als einer der letzten verteidigt er nach wie vor die Irakpolitik von Präsident Bush. 2007 machte er sich sogar für eine deutliche Aufstockung der Truppenkontingente stark. Doch in vielen anderen gesellschaftlich Kontroversen verfolgt der Mann aus Arizona eine progressivere Linie. Die Liste, die ihn für die religiös-konservative Rechte zu einer Persona non grata macht, ist lang. So fordert McCain unter anderem mehr Engagement der USA in der Naturschutz- und Klimapolitik, eine stärkere Regulierung des Wahlkampfspenden-Systems und eine Reform der Einwanderungspolitik. Nur bei der Frage nach der First Lady hatten McCains Parteikollegen nichts auszusetzen. Die Ehe mit seiner Frau Cindy, die vierfache Mutter, die aus gutem Hause und Vorstand verschiedener Kinderhilfswerke ist, entspricht dem Idealtypus der Republikanischen Partei. Wichtiger als alle Meinungen und Positionen war im Zusammenhang mit John McCain immer dessen persönliche Geschichte. Im Vietnamkrieg litt er fünfeinhalb Jahre in Kriegsgefangenschaft. Ein Angebot der Vietcong zur vorzeitigen Freilassung lehnte McCain mit der Begründung ab, er verdiene keine Sonderbehandlung und wolle seine Kamerade nicht im Stich lassen. McCCain blieb in der Gefangenschaft und wurde so zum lebenden Mythos. Ein Mythos, der ihn in den USA noch moralisch fast unangreifbar machte. Sein Ruf als unermüdlicher Kämpfer, als überparteilicher "Maverick", schien unerschütterlich fest zementiert. Dieser Ruf hat im Wahlkampf entscheidend gelitten. Am Ende, als die Entscheidung immer näher rückte, begab sich McCain doch in die Niederungen der politischen Agitation und Agression hinab. Für viele war er plötzlich nicht mehr das integre Idol, sondern nur noch ein machtgieriger Politiker. McCain machte plötzlich Fehler - einer der schwerwiegensten war wohl die Berufung der bis dato noch unbekannte Sarah Palin. Die Gouverneurin aus Alaska schien zunächst der entscheidende Trumpf zu sein, schlussendlich aber kostete ihre Unerfahrenheit und erschreckende Naivität viele Stimmen. Für viele war es vor allem Palin, die McCain zur Schlammschlacht gegen Obama verleitete. Damit verlor McCain seine wichtigsten Trümpfe: Authentizität, Glaubwürdigkeit und seine Würde. Eine Würde, die er erst ganz am Schluss wiederfand. Am 4. November 2008 in Phoenix.
Wolfram Eilenberger: "Wer ist und was vermag Sarah Palin?"
Wolfram Eilenberger: McCains stärkste Waffe
Bildergalerie: McCain vs. Obama
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