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Heuschrecken-Kapitalismus
  "Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter." So übte der SPD-Politiker Franz Müntefering 2005 Kapitalismuskritik. Heuschrecken: das sind anonyme Finanzinvestoren und Hedgefunds. Sie investieren in großem Stil und oftmals mit hohem Risiko in unterbewertete Unternehmen, immer mit dem Ziel, möglichst hohe Gewinne beim Wiederverkauf einzustreichen. Diese Gewinnmaximierung in kurzer Zeit resultiert auch in Stellenabbau und dem Verkauf ganzer (unrentabler) Abteilungen.
Doch nach einer Studie der Universitäten Bonn, München und Aberdeen sind Heuschrecken oft besser als ihr Ruf: große Investoren retten oftmals Unternehmen vor dem Konkurs, treiben die internationale Expansion voran und senken laufende Kosten ohne Mitarbeiter zu entlassen. Auch BDI-Präsident Michael Michael Rogowski verteidigt seine Zunft - Unternehmer hätten eine Vorbildfunktion, „auch wenn wir es wohl nie schaffen werden, in der Öffentlichkeit als edle Ritter wahrgenommen zu werden." Trotzdem gibt es seit Jahren Kritik an der Risikofreude der Heuschrecken, an wachsender sozialer Ungleichheit und an den Unternehmern, die trotzdem auf immensen Gehältern und Abfindungen bestehen. So liegt das Einkommen vom Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann etwa 250-mal höher als das durchschnittliche Gehalt eines Bankangestellten. Zwar tragen Manager wie Ackermann große Verantwortung, - doch wird es immer schwerer, solche Gehaltsspannen zu vermitteln und zu legitimieren.
Dies gilt auch für die Heuschrecken: Korruptions- und Schmiergeldaffären sowie spektakuläre Zusammenbrüche von Unternehmen haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, den Glauben in die Selbstverantwortung der Finanzriesen zu schwächen. Auch manche Experten sehen das wirtschaftliche Gleichgewicht von den Heuschrecken bedroht: Aktuelle ökonomische Miseren, so der Schweizer Wirtschaftsexperte Werner Vontobel, „resultieren alle aus den problematischen Anreizen einer zum puren Finanzkapitalismus degenerierten Marktwirtschaft." Der Bundestag hat inzwischen beschlossen, Finanzinvestoren zu mehr Transparenz und Risikobeschränkungen zu verpflichten.

Alexander Ross: Im Zoo des Kapitalismus
Torsten Riecke: Die letzte Heuschrecke
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Wolfgang Glabus: Gehälter ohne Grenzen
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Werner Vontobel: Schaffen statt Raffen!
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John Kenneth Galbraith: Diktatur der Manager
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