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Afghanistan - am Scheideweg
  Geprägt von den Kriegen der vergangenen Jahrzehnte, ist Afghanistan ein Sinnbild für das Scheitern von Imperien und Hegemonien. Schon das britische Empire versuchte Afghanistan zu einer seiner Provinzen zu machen, was nur mit mäßigem Erfolg gelang. Sechzig Jahre nach den Briten marschierte die Rote Armee ein und hatte, in der wahrscheinlich schwersten Niederlage ihrer Geschichte, rund 15.000 Tote zu beklagen. Die Lehre daraus: In Afghanistan werden fremde Herrscher niemals akzeptiert, höchstens geduldet.

Als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 marschierten auch die Vereinigten Staaten mit einer Allianz aus 40 weiteren Staaten in Afghanistan ein, nicht als Eroberer, aber doch als Besatzer. Ihr Ziel: das Taliban Regime zu stürzen, Al Kaida zu bekämpfen und dem Land Frieden und Wohlstand zu bringen.

Doch heute ist die Sicherheitslage am Hindukusch so instabil wie eh und je. Präsident Hamid Karsai wird oft spöttisch als „Bürgermeister von Kabul“ bezeichnet, weil er außerhalb der schwer gesicherten Stadtgrenzen praktisch keinen Einfluss auf die Geschicke seines Landes hat. Die wahre Macht in Afghanistan liegt bei den sogenannten „Warlords“, die sich über Waffen und Drogenhandel finanzieren und keinerlei Interesse an Stabilisierung der Sicherheitslage oder dem Aufbau von staatlichen Strukturen haben.

Aber auch die ISAF- Schutztruppe ist in ihrer Einsatzfähigkeit stark eingeschränkt. Anschläge und Kämpfe mit den Taliban gehören zur Tagesordnung. Die islamistische Terrorgruppe ist auf dem Vormarsch und destabilisiert die Sicherheitslage immer weiter.

Auch ihr Anführer Osama bin Laden entzieht sich seinen Häschern im unzugänglichen Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan – bisher erfolgreich. Sein Name wird nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen. Aber der „Emir“, wie er hier genannt wird, genießt bei der einheimischen Bevölkerung großes Ansehen.

Die Folgen der Instabilität sind an erschreckenden Zahlen abzulesen. Laut der Internetseite icasualties.org sind seit Beginn der Kriegshandlungen im Jahr 2001 bereits 944 Soldaten getötet worden, davon 25 Deutsche.

Die Liste der Gründe, sich aus Afghanistan zurückzuziehen, wird immer länger. Und so werden auch in den deutschen Parteien die Stimmen für einen Abzug der Truppen immer lauter.

Peter Scholl-Latour: Raus aus Afghanistan
Bruno Schirra: Wir dürsten nach Blut
Sebastian Sigler: "Osama war hier"
Interview mit Michael Clasen: "Afghanistan ist ein großes gebrochenes Versprechen"
Christoph Seils: Gefallen fürs Vaterland
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Gunnar Heinsohn: Wer hat mehr Söhne?
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