2004 wurde sie von Martin Sonneborn, dem Ex-Chefredakteur des Satire-Magazins Titanic, gegründet: Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative, kurz „Die PARTEI“. Ihr höchstes und einziges Ziel: Die endgültige Teilung Deutschlands durch den Wiederaufbau der Mauer. Fünf Jahre nach ihrer Gründung – mittlerweile zählt Die PARTEI über 8000 Mitglieder – zeigt nun ein Film ihren „unaufhaltsamen Auf- und Abstieg“ (Eigenwerbung).
Man schreibt das Jahr 2013: Die PARTEI hat soeben die Macht übernommen und der frischgekürte Bundeskanzler Martin Sonneborn fährt in seiner schwarzen Mercedes-Limousine am Bundestag vor, um sogleich einige staunende Touristen an seinem neuen Arbeitsplatz zu begrüßen...
Abgesehen von dieser einleitenden „Zukunftsvision“ besteht der Rest des Films aus der Dokumentation von tatsächlich durchgeführten Titanic- bzw. Partei-Aktionen. Sämtliche Skurrilitäten, mit denen Sonneborn in den letzten Jahren Schlagzeilen machte, sind zu sehen: vom ersten Parteitag in Münster, auf dem der Ehrenvorsitzende Oliver Maria Schmitt das Grundsatzprogramm formuliert („Wir sind eine Partei, weil wir eine Partei sind!“) über den Wiederaufbau von fünf Metern Mauer im Zonenrandgebiet mit Hilfe der IG Bau, bis hin zur ersten außenpolitischen Reise der Titanic-Partei. Sie führt die 25 Spitzengenossen in ihren grauen C&A-Anzügen nach Tiflis in Georgien, wo bei reichlich georgischem Wein und Wodka ein Pakt mit dem Oppositionspolitiker Shalva Natelashwili geschlossen wird, und Sonneborn sich offiziell für den Bruch des Hitler-Stalin-Paktes vor 60 Jahren entschuldigt.
Wen auch immer Sonneborn und seine polyesterbekleideten Mitstreiter zur Zielscheibe ihrer abstrusen Scherze machen – die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Absurdität, mit der sie ihren „Opfern“ begegnen, spielt mal mit deren Naivität, mal mit deren Humorresistenz. Das alles wird in einer Persiflage des knochentrockenen Guido Knopp-Stils präsentiert, den jedem, der einmal eine deutsche Schulbank gedrückt hat, vertraut sein dürfte.
So zieht der Partei-Film ganz nebenbei auch noch den politischen Dokumentarfilm der Nachkriegszeit in bekannter Titanic-Manier durch den Kakao.
Diese Mischung aus Brachialhumor und Gesellschaftskritik funktioniert zwar nach wie vor; wirklich neu oder innovativ erscheint sie leider nicht mehr, wenn man ansatzweise mit dem Stil des Satireblatts vertraut ist. Sonneborns Doku-Parodie wandelt insofern auf altbekannten, schon etwas zu ausgetretenen Pfaden.
Trotzdem zeichnet „Die PARTEI – Der Film“ auf dreiste, sehr unterhaltsame Weise ein Stimmungsbild über den Umgang der Deutschen mit Satire und entlarvt die Mediengeilheit von so manchem Politiker. In diesem Wahlkampf, mutmaßlich dem langweiligsten seit Bestehen der Republik, kommt „der offizielle Eröffnungsfilm zur Bundestagswahl 2009“ gerade rechtzeitig.
Dass die PARTEI wegen "mangelnder Ernsthaftigkeit und fehlenden Partei-Strukturen" von der Wahlleitung möglicherweise nicht zur Bundestagswahl zugelassen wird, tut dem Tatendrang ihres Vorsitzenden Sonneborn indes keinen Abbruch. „Wer Parteien nach 'Erfolglosigkeit' bei einigen Landtagswahlen bewertet, der muß auch die SPD aus dem Rennen nehmen!", verkündete er unlängst. Der Partei-Film ist ihm zufolge Teil einer „neuen Wahlkampfstrategie“. T-Shirts mit dem Aufdruck „Where is my vote, Wahlleiter?“ werden verteilt und Partei-Mitglieder aufgefordert, ungültige Stimmen abzugeben. Deren Gesamtzahl soll die Wahl noch zugunsten der PARTEI wenden.
Foto: Parteifilm.de











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