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Das Netz, kaputt aufgeschrien

26. Januar 2013 VON Christian Jakubetz - unhipster
Schrift:
picture alliance

Die Leute, die Rainer Brüderles mutmaßlichen Fehltritt gegenüber einer jungen Journalistin für ein ausgewachsenes Sexismus-Problem halten, sind vermutlich stolz: Die #aufschrei-Debatte bestimmt Twitter (und auch den Rest des sozialen Netzes) seit Tagen mit einer ungeahnten Resonanz. Schade nur, dass dadurch das Debattieren im Netz wieder ein bisschen unangenehmer geworden ist. 

Am zweiten Tag der Debatte gab es dann ein paar Tweets, die amüsant waren: Einer beispielsweise schrieb, er würde ja gerne irgendwas zu diesem #aufschrei twittern, der in den letzten Tagen fast alles übertönte, was es sonst noch im Netz gab. Aber leider fühle sich das an wie in einem Minenfeld Breakdance zu tanzen. Eine andere schrieb, sie habe auch einen Aufschrei, der sich allerdings gegen die sinnlosen Kriege und gegen den Kindesmissbrauch in der Welt richte. Danach war ich dann erst mal ein bisschen draußen aus der Debatte, weil zu erwarten stand, dass demnächst noch einer gegen Hitler und für den Weltfrieden Aufschreie in die Welt setzt und wo solche Debatten dann enden, im Netz zumal, das weiß man ja.

Es ist also vermutlich sinnvoll, bevor man dann auf- und angeschrien wird, ein paar Dinge vorweg zu sagen: Nein, ich finde das Verhalten von Brüderle, wenn es denn so stattgefunden hat wie beschrieben, nicht akzeptabel. Ich finde auch nicht, dass man es relativieren sollte und nein, ich finde, blöde Sprüche über Busen, Hintern oder sonstige Sekundärmerkmale sind in erster Linie blöde Sprüche und kein Witz und auch kein Altherrenwitz; das würde ich mir alleine schon deswegen verbitten, weil ich selbst demnächst vermutlich zu der Gattung älterer Männer gehöre, wenn es nicht eh schon so weit ist.

Trotzdem war es mal wieder eine typische Netzsache, diese Sache mit dem Aufschrei. Man hat die Ahnung, dass eine Sache erst mal richtig ist. Und bekommt sie dann verleidet, sogar als jemand, der von sich mit allerbestem Gewissen behaupten kann, niemals nicht auch nur einen halbwegs sexistischen Satz gesagt zu haben. Verleidet wird einem die Zustimmung dadurch, weil man eine Ahnung davon bekommt, wie eine solche Debatte weitergehen würde, wenn jemand auch nur einen leisen Einwand bemerken würde. Breakdance im Minenfeld ist da vermutlich noch ein Euphemismus, nachdem Begriffe wie “Verachtung” noch die harmloseren waren, die fielen. Wenn man also die banale Weisheit in Betracht ziehen würde, dass ein Gespräch voraussetzen würde, dass die theoretische Möglichkeit besteht, dass das Gegenüber Recht haben könnte - dann ist es vermutlich einfach nur naiv zu glauben, jemandem wäre an einer ernsthaften Debatte gelegen, wenn er doch in Wirklichkeit einfach nur aufschreien will.

Dabei hätte man eine ganze Menge einwenden können in den letzten Tagen, wenn es irgendwie möglich gewesen wäre im dauerhaften und immer lauter werdenden Getöse. Ich hätte beispielsweise gerne gewusst, warum es gleich ein “Aufschrei” sein muss. Wie würde man dann eine Kampagne betiteln wollen, wo es mal um die wirkich großen Probleme dieser Erde geht? Gerne hätte ich die Aufschreier vom “Stern” gefragt, wie sie es eigentlich nennen, wenn auf gefühlt jedem zweiten ihrer Titel eine nahezu nackte Frau ist und ich hätte nebenher, bei aller Empörung, die Sie jetzt vermutlich auf mich einprasseln lassen, gerne gefragt, wieso ein Portrait über den Politiker Brüderle sich in Überschrift und gleich zu Beginn des Textes darauf konzentriert, dass da ab und an womöglich ein paar Hormone zuviel und schlechtes Benehmen im Spiel sind. Die Fragen habe ich deshalb nicht gestellt, weil sie in einer aufgeheizten Aufschrei-Debatte sofort untergehen - und nicht nur das: Solche Netz-Diskussionen sind oft von solcher Radikalität, dass sie nur einen Schluss zulassen. Entweder, man steht auf einer Seite - oder man ist Feind. Statt schwarz und weiß auch etwas grau in einer mit “Aufschrei” gekennzeichneten Twitterdebatte, das ist so erfolgsversprechend wie der Versuch, in einem Fußballstadion eine Literaturlesung zu veranstalten.

Und natürlich staunt man in solchen Debatten immer wieder über die dunklen Seiten von Menschen. Von Menschen, die man schätzt, die man mag, die man persönlich kennt und die gewöhnlich zu einer halbwegs vernünftigen Argumentation in der Lage sind. Und die sich dann von einer brüllenden Herde mitreißen lassen zu Dingen, bei denen man vor dem Netz und vor Twitter schon wieder Angst bekommen müsste.

Deswegen habe ich nicht mitdiskutiert, nicht bei Twitter, nicht bei Facebook, nicht in einer derart aufgeheizten Stimmung, in der jeder Zwischenton untergeht und in der irgendwann das Recht des Stärkeren, des Schnelleren und des Lauteren herrscht und in der eine eigentlich lohnenswerte Auseinandersetzung untergeht. Es gab mal Zeiten, in denen ich dachte, das Netz könne eine Art urdemokratisches Werkzeug werden, in dem Meinungen ausgetauscht und irgendwann auch mal solide gebildet werden können. Nach der Aufschrei-Diskussion ist meine Lust auf Netz-Debatten gerade bei ungefähr Null und die Enttäuschung groß: Außer einem sich gegenseitig die Dinge ins Gesicht Brüllen ist dort fast nichts passiert, was die Diskussion wirklich weitergebracht hätte.

Kleiner Epilog: Ich hatte eine ziemlich vorgefertigte Meinung zu dem Vorfall. Sehr salopp gesagt: So jemanden tritt man als Frau von Selbstbewusstsein sonstwohin und setzt ihm Grenzen. Oder erwartet man jetzt von einem sabbernden Sugardaddy ernsthaft Einsicht? Dann habe ich mich heute Mittag in einer privaten Runde nochmal über das Thema unterhalten und drei Frauen haben mir ziemlich plausibel erklärt, warum das gar nicht so einfach ist, diese Sache mit dem Tritt und den Grenzen. Seitdem sehe ich es tatsächlich - etwas anders. Ganz ohne Aufschreien, ganz ohne Pöbeleien und ohne dass irgendjemand irgendwann die zuverlässigen Totschläger Sexist, Antisemit und Hitler rausgekramt hätte.

Na bitte.

Geht doch.

Aber anscheinend nur außerhalb des Netzes.

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Danke für den Tipp

Wie kommen manche Menschen nur darauf, dass sich all die Frauen nicht gewehrt haben, die sich an #aufschrei beteiligt haben? Ich habe mich mit zwei Tweets beteiligt. Für meine Reaktion auf den erlebten Sexismus war kein Platz auf 140 Zeichen. Aber eigentlich tut meine Reaktion auch nichts zur Sache - denn ich hätte mir (und meinem Gegenüber) diese Reaktion gerne erspart. Aber das ging ja nicht. Denn ich hab nicht angefangen ... merkst du was? ;o))

  • Antworten
Christa Goede26.01.2013 | 16:54 Uhr

Lieber Herr Jakubetz,

Lieber Herr Jakubetz,

Sie verkennen eines: Das Problem ist ein altes. Bislang aber haben die Osterkorns, Mascolos und Schirrmachers dieser Republik (und ihre Vorgänger) verhindert, dass es ein öffentliches wird. Bzw. dass Ihren drei Freundinnen die Möglichkeit gegeben wird, den Missstand zu benennen, statt ihn wortlos hinnehmen zu müssen. Das Netz bietet die Gelegenheit, das zu ändern. So weit ich weiß, war "'Aufschrei" eingerichtet worden, mit der Aufforderung an Frauen, über dererlei Übergriffe zu berichten, damit mal deutlich wird, dass es nicht nur eine arme "Journalistin" ist, die dummerweise an Brüderle geraten ist, sondern, dass es ein tägliches, tausendfaches Problem ist. Das ist gelungen. Das Thema ist in der Öffentlichkeit und alle reden drüber. Sogar Männer. So geht es nämlich.

  • Antworten
Silke Burmester26.01.2013 | 17:42 Uhr

#Aufschrei

Liebe Cicero-Redaktion,
ich sehe das ganz anders.
Es geht doch gar nicht in erster Linie um den Stern und um Brüderle.
Das Thema Sexismus hat eine ganz andere Dimension.
Der Stern und Brüdele sind dabei nur Randfiguren.

Der #Aufschrei bei twitter ist nicht vom Stern initiert.

Nachzulesen übrigens u.a. hier: http://meedia.de/internet/gigantisches-twitter-echo-auf-lustmolch-debatte/2013/01/25.html

Das Thema brodelte schon lange.
Die Brüdele-Geschichte war nur ein zündender Auslöser.

#Aufschrei belegt leider, wie alltäglich Sexismus in Deutschland ist - und wie vielfältig die Schattierungen sind.

Darüber müssen wir eine gesellschaftliche Debatte führen, und die beginnt gerade erst.

Wenn wir davon ausgehen, dass Sexismus Menschen anhand ihrer biologischen Geschlechtsmerkmale in Frauen und Männer unterteilt, ihnen damit eine grundlegende Unterschiedlichkeit bescheinigt + aufgrund dieser Annahme unterschiedliche Rechte und Pflichten zuweist, wird klar, dass sowohl Männer als auch Frauen von Sexismus betroffen sind.

Meistens leiden jedoch Frauen mehr darunter.
Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Ausgeübter Sexismus hat oft etwas mit Macht(gefälle) zu tun.

Und da Männer im Allgemeinen körperlich stärker sind und / oder qua Funktion meinen, “mächtiger” zu sein, ist dieses Machtgefälle der Knackpunkt in der Diskussion.

  • Antworten
Christina Leitow26.01.2013 | 18:09 Uhr

Tja

jetzt weiß ich auch, warum ich mir Facebook und Twitter nicht antue - mir bleibt ja so viel erspart. In Abwandlung eines Sprichwortes: sag mir, schreibst und ich sage dir, wer du bist - oder ist das zu ungerecht?

  • Antworten
gast26.01.2013 | 18:50 Uhr

Pointe verpasst

Für mich wird grad umgekehrt ein Schuh daraus:

Meines Erachtens haben Sie leider die Pointe des Netzaufschreis verpasst: Während "der Journalismus" überwiegend noch über Brüderle diskutiert und ob das nun eine Kampagne ist oder nicht und ob der Stern sich dieses gedacht hat oder die Journalistin jenes - also politische und journalistische Selbstreferenzialität hoch 3 - ...

... beschäftigt sich ein Großteil der Twitter- und Facebookbeiträge überhaupt nicht mit dem Politiker Brüderle und möglichen Konsequenzen für ihn, sondern mit dem alltäglich selbst erlebten Sexismus im Alltag diesseits der Politszene. Das jedenfalls meine zugegebenermaßen subjektive und selektive Beobachtung.

Insofern ist mir das Journalistengequake zum Thema viel mehr verleidet als die - zugegeben natürlich auch oft quäkige - Netzdebatte dazu.

  • Antworten
Paul Cermon26.01.2013 | 18:55 Uhr

Ich frag mich langsam: Ist

Ich frag mich langsam: Ist das ganze "Internetsyndrom" - speziell (a)soziale Medien... - in Essenz ein Aufschrei? Ein "Hört hin, ich bin da und ICH sehe es so..." Nicht, dass das schlecht ist/wäre in der realen Welt, aber im virtuellen Kosmos scheint wohl eher das Chaos zu gewinnen. Also: Internet... - WOZU?

  • Antworten
Gerd Fehlbaum26.01.2013 | 19:02 Uhr

Aufschrei statt Debatte

Sehr guter Artikel. Besonders den Punkt, dass bei vielen anderen Debatten auch ein Aufschrei dringend nötig wäre. Allerdings habe ich die Motivation des Hashtag #Aufschrei von Beginn an so verstanden, dass hier sehr laut auf ein Problem aufmerksam gemacht werden sollte. Eine Diskussion im Netz war meiner Ansicht nach nicht unbedingt beabsichtigt. Ich stimme allerdings auch der Aufassung zu, dass die Kommunikation die sich an vielen Stellen entwickelt hat, kaum etwas produktives beigetragen hat. Das Ziel auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam zu machen wurde jedoch definitiv erreicht.

  • Antworten
Dominik Brück26.01.2013 | 20:20 Uhr

Es geht auch im Netz

Ganz so negativ würde ich die ganze Sache nicht schreiben. Zum einen ist auf einigen Blogs wirklich sinnvoll zu dem Thema diskutiert worden und zum anderen hat der Aufschrei bei dir das Gesprächsbedürfnis geweckt und zu einem offline Gespräch geführt was sonst wahrscheinlich so in diesem Umfang und in der Offenheit nicht stattgefunden hätte.

  • Antworten
Max26.01.2013 | 20:43 Uhr

Thema ausgiebigst verfehlt!

Thema ausgiebigst verfehlt! Mit Kalkül?

  • Antworten
mario26.01.2013 | 22:50 Uhr

Aufgeheiztes nerviges

Aufgeheiztes nerviges Getwittere hin oder her - ich denke dass es tausende solcher "privaten Gesprächsrunden" angestoßen hat. Dass nachgedacht, nachgefragt, erzählt wird. Endlich.

  • Antworten
Abe27.01.2013 | 02:36 Uhr

Räusper

Ich kann nachvollziehen, dass diese Form von Netzkommunikation anstrengend ist und auch für manche nicht gewinnbringend scheint. Aber einen Gedanken will ich doch noch äußern: Da ein Internetphänomen ja seltenst einen ersten Ursprung auffindbar macht (Das heißt, wer würde behaupten die Definitionsmacht darüber zu haben, was #Aufschrei erreichen wollte/sollte?) kann mensch ein eben dieses Phänomen nicht an der Intention oder der Eigendynamik die es entwickelt, sondern an dem Nutzen bewerten. Ich sehe das so: viele Menschen - viele Frauen - haben sich durch #Aufschrei rückgekoppelt, dass sie ein Problem haben, dass ihre Grenzen überschritten werden. Das ist eine Selbstvergewisserung, die in der Größenordnung auch mal nötig war.
Und sie haben der Gesellschaft zurückgekoppelt, dass es ein Problem gibt. Ich habe gestern und heute so oft den Satz gelesen, dass mensch - in dem Fall, dass Mann - sich die Zeit genommen und Betroffenenperspektiven durchgelesen bzw. sich angehört hat. Auch du schreibst ja, dass du dir Zeit genommen hast mit drei Frauen dir ihre Perspektive anzuhören, sie nachzuvollziehen und dass du daraus etwas mitgenommen hast. Gemessen an den 2 "Ergebnissen" von #Aufschrei - an welchen dieser zu messen ist - finde ich ich den #Aufschrei gut.
Oder noch mal ganz anders: Wenn mensch 'getreten' wird, dann schreit die Person erstmal laut auf, damit das Treten aufhört. Erst wenn das Treten welches eine Person ungleicher einer anderen gemacht hat, beendet ist, ist eine Situation hergestellt, in der auf Augenhöhe ein Gespräch zu führen ist. Um Brüderle gehts hier doch schon lang nicht mehr...
Ich drücke mich immer etwas umständlich aus. Ich hoffe diesmal nicht.

Liebe Grüße
Nadja

  • Antworten
Nadja27.01.2013 | 02:47 Uhr

Um Brüderle geht's hier schon

Um Brüderle geht's hier schon lange nicht mehr - stimmt. Aber um was geht es jetzt überhaupt noch? Mir fällt es seit zwei Tagen zunehmend schwerer, noch den Kern der Debatte zu erkennen. Zumal ich ein Problem habe, zwischenmenschlichen Umgang (der ja letztendlich immer eine Sache des gegenseitigen Respekts ist) reglementieren zu wollen. Wie die ganze Diskussion ja eindrucksvoll zeigt: Was der eine als zulässigen, netten Spruch empfindet, ist für den anderen eine unzumutbare Grenzüberschreitung, Aber kann man dafür irgendeine andere Regel aufstellen außer die, dass man bitte respektvoll miteinander umgehen sollte? Und eine andere Schlussfolgerung als die, dass diejenigen, die das nicht machen, Deppen sind? Ich habe mal was schönes gelesen über den Verhaltenskodex der Redakteure der New York Times im Interner. Da steht: don´t be an idiot. Ganz ehrlich: Manchmal denke ich mir, dass man die ganze Sexismus-Debatte auf diesen einen Punkt bringen könnte.

  • Antworten
Christian Jakubetz28.01.2013 | 10:20 Uhr

Puh

Sie trauen sich ja was. Ich glaube, die meisten Männer sind abgetaucht, weil man als Mann in dieser Diskussion nur verlieren kann. Man wird in einen Topf geworfen mit irgendwelchen sabbernden geilen Böcken, mit denen man sich nicht gemein macht, weil man sich einer Frau noch nie unadäquat genähert hat, und alles was man außer einer Unterwerfungsgeste dazu äußern würde, wäre in dieser Atmosphäre das Falsche. Deswegen schreibt kaum ein Mann was Differenziertes dazu.

  • Antworten
kiezneurotiker27.01.2013 | 05:49 Uhr

Ja, das sehe ich auch so wie

Ja, das sehe ich auch so wie kiezneurotiker. Da kommen wir leider schnell auf autoritäre Verhältnisse wieder zurück, die so hoffe ich immer noch, die meisten nicht haben wollen.

  • Antworten
Maxe27.01.2013 | 15:07 Uhr

Dieser sogenannte "Aufschrei"

Dieser sogenannte "Aufschrei" und die begleitenden expliziten und impliziten Appelle - wie üblich an "die Männer" - sind in erster Linie eine mustergültige Manifestation des traditionellen Geschlechter-Arrangements: Männer sind aktiv, Frauen sind passiv - hier mal wieder als "Männer sollen sich ändern, Frauen sollen beschützt/unterstützt werden". Wie bereits vielfach beschrieben finden in dieser Grundhaltung Feministen und Traditionalisten regelmäßig in trauter Eintracht zueinander.

  • Antworten
GeraldL27.01.2013 | 14:43 Uhr

"Aufschrei"

Ja, das sehe ich auch so. Da kommen wir leider schnell auf autoritäre Verhältnisse wieder zurück, die so hoffe ich immer noch, die meisten nicht haben wollen.

  • Antworten
Maxe27.01.2013 | 15:14 Uhr

Macht und Geschlecht

Das Thema erhält seine Schieflage durch die Art, das Problem zu benennen: sexuelle Belästigung ist eine Form der Ausnutzung von Machtpositionen. Wobei die Relation, in der Frauen von Männern und Männern von Frauen belästigt werden, mit der Wahrscheinlichkeit korrespondieren dürfte, dass zwischen ihnen ein Machtgefälle besteht. Denn dass eine sexuelle Belästigung von Männern durch Frauen kaum seltener stattfindet (48% zu 55% etwa nach einer Schweizer Studie von 2008), ist mittlerweile "old news" - der größte unterschied besteht darin, dass Männer seltener angeben, sich dadurch gestört zu fühlen.

So wird die Diskussion in der Öffentlichkeit aber nicht geführt: statt dessen wird das Problem "Macht" umetikettiert zum Problem "Mann". Womit das Kind bereits im Brunnen liegt - denn "Sexismus" wird immer noch als generelle Disposition von Männern gegenüber Frauen gehandelt, kaum einmal anders herum, weshalb mit dieser selbst sexistischen Unterstellung eine sachliche Diskussion kaum noch möglich ist. Denn jetzt haben Männer nur noch die Wahl, sich entweder wegzuducken oder aber sich auf einem Schauplatz zu verteidigen, der abseits des ursprünglichen Problems liegt.

Und leider wird das Problem noch dadurch verkompliziert, dass es nach Kachelmanns Angriff auf eine Reihe feministischer Mythen offenbar einen gesteigerten Bedarf nach einem exemplarischen männlichen Vorführschurken gibt, mit dem sich das ideologisch verrutschte Weltbild wieder zurechtrücken lässt. Und mangels eines Strauss-Kahn muss man sich auf deutschem Boden halt mit einem Brüderle begnügen.

Und das Netz? Was hat das mit dem Netz zu tun? Das Netz sollte dem Ideal nach einmal eine Universalisierung der Demokratie werden - tatsächlich ist es in erster Linie eine Universalisierung der Stammtische. Auch das ist weder neu noch überraschend, denn demokratische Meinungen haben sich immer schon aus Einstellungen gebildet, die zuvor an Stammtischen bekräftigt wurden. Das Netz führt aber - das gab es zuvor nicht - die Stammtische in einem vorreflexiven Diskursraum zusammen, in welchem sich Forendiskussionen in das Äquivalent von Saalschlachten verwandeln. Ob das Netz also zur Erweiterung der Demokratie beiträgt, hängt davon ab, ob es gelingt, diesen Diskursraum zu zivilisieren: ein klassischer Fall von Kulturarbeit.

  • Antworten
djadmoros27.01.2013 | 17:11 Uhr

Nach Kachelmann, Strauss-Kahn

Nach Kachelmann, Strauss-Kahn, der Vergewaltigung einer Inderin und einer von dem katholischen Krankenhaus abgewiesenen Vergewaltigten...nachdem Frauen für gleichwertige Ausbildung und Arbeit immer noch weniger verdienen usw. trauen Sie sich, diesen Satz zu schreiben: "Die Leute, die Rainer Brüderles mutmaßlichen Fehltritt gegenüber einer jungen Journalistin für ein ausgewachsenes Sexismus-Problem halten ..." Schämen Sie sich!

  • Antworten
Gewitterfliege27.01.2013 | 18:22 Uhr

Sie benennen das Problem

Sie benennen das Problem exakt selbst: Es gibt einen massiven Unterschied zwischen vergewaltigten Frauen und einem zugegeben flach-blöden Spruch. Dass Sie jetzt ein vergewaltigtes Zimmermädchen und eine blöd angebaggerte Journalistin in einen Topf werfen, finde ich weitaus bedenklicher.

  • Antworten
Christian Jakubetz28.01.2013 | 09:56 Uhr

Ein paar Fragen:

@Gewitterfliege:
Was hat Kachelmann in Ihrer Beispielsammlung zu suchen? Warum gehen Sie der Legende vom "Gender Pay Gap" auf den Leim? Und warum sehen Sie nicht beide Aspekte im Fall Strauss-Kahn: der ist zwar der übergriffige Machtmensch, für den man ihn hält, aber darum ist er auch in eine für ihn gestellte Falle gelaufen - es war ein "Setup", und nur darum musste man ihn wieder laufen lassen!

Wer so oberflächlich und gedankenlos auf den Stimmungen mitschwimmt wie Sie hier, sollte andere Menschen nicht zum Schämen auffordern!

  • Antworten
djadmoros28.01.2013 | 11:49 Uhr

Eben, ich gebs ja zu! Ich bin

Eben, ich gebs ja zu! Ich bin manchmal spitz auf Frauen und schaue sogar manchmal auch auf schöne Brüste! Schäme mich ganz gar schrecklich... außerdem bin ich kein Vegetarier, und ja, auch noch weiss und, sie habens erraten, männlich. Und ich gedenke sogar Karriere zu machen.
Aber das tut mir ja alles so leid, ich weiss garnicht wie ichs ausdrücken soll.*kriech**jammer*

  • Antworten
Hans Wurst28.01.2013 | 00:34 Uhr

Ich weiß nicht recht,

was schlimmer ist, die Absonderungen von zornigen Küken, die eben mal den Vulgärfeminismus von anno dunnemals wiederentdeckt haben, Hobbypphilosophinnen, welche den Sexismus Männer und Frauen aufgrund biologischer Merkmale zerteilen lassen oder Nethysterikerinnen, welche meinen, die Kommunikation habe soeeben erst mit Twitter begonnen. Die "Selbstvergewisserung" gab's früher gewißlich auch, das damals zur Anwendung gebrachte Verfahren nannte man Gespräch, persönliches. Aber am schlimmsten sind die Heuchler, welche sich NOCH NIE (ich schwör's) einer Frau inadäquat genähert haben. Soso. Noch nie "Du kleines zensiert Stück, ich werd' Dir jetzt die Fähnchen vom Alabasterleib fetzen und Dich dann mit diesem Urwaldriesen bekannt machen usw.usf." o.ä.? Never ever? Um's mit Marcello Mastroianni in "Das große Fressen" zu sagen: Ihr habt doch alle die Motten im Sack. Nunja, privat war er charmanter und hat durchaus nettere Dinge von sich gegeben, aber das nur am Rande.
Ich hab mich bestimmt tausende von Malen inadäquat Frauen gegenüber verhalten, Grund die gute alte Mischung aus Testosteron und Alkohol. Die Erfolgsquote wird verheimlicht, um hier keine Neidgefühle aufkommen zu lassen.
Für die Piepsmäuse, die glauben, ein paar dummgeile Sprüche seien Grund und Anlaß, hier ein gigantisches Menschheitsverbrechen aufzudecken: M. und F. SIND unterschiedlich, und die beschissene sexistische Gemeinhait ist, daß man als Mann in aller Regel sich mehr aus dem Fenster lehnen muß (auch sprücheweise), um einen Stich zu machen. Falls Ihr gerne lebt, so will ich Euch ein Geheimnis verraten: Ihr seid auch nur auf dieser Welt, weil Euer Alter hinter dem Arsch von Eurer Alten her war.
Und ich bin so verflucht sexistisch daß ich es nicht gern sähe, wenn Frauen in vorderster Linie ins MG- und Granatenfeuer marschieren - aber bitte, wenn Ihr das haben wollt...
Und jetzt laßt mich endlich schlafen. Eure kleine, heile, verlogene Spießerwelt, die Ihr Euch erträumt und teilweise cybermäßig zusammenmobt, ist der absolute Horrortrip. Bin ich froh, daß ich das nicht mehr erleben muß.

  • Antworten
André G.28.01.2013 | 02:37 Uhr

@Silke Burmester: Ich gebe

@Silke Burmester: Ich gebe Ihnen bis zu einem gewissen Grad recht - dass das Thema jetzt in der Öffentlichkeit ist und diskutiert wird, das ist schon gut so. Die Frage ist halt nur: wie geht eine solche Diskussion dann weiter, was steht an ihrem Ende? Das ist der Punkt, der mich stört. Ist das überhaupt noch ne Debatte, wenn alle wüst durcheinanderschreien, das Thema lustlos-routiniert bei Jauch und gewohnt abstrus von FJ Wagner besprochen wird? Und kommt nicht am Ende raus, dass nach viel Aufregung alle wieder auseinander gehen und es schön war, dass wir mal darüber gesprochen haben?

  • Antworten
Christian Jakubetz28.01.2013 | 09:53 Uhr

... die Journalistin Himmelreich

Wer nun glaubt, dass die betroffene Journalistin Himmelreich ein armes Mäuschen ist, der soll einmal ein bisschen im Internet recherchieren. Sie engagiert sich zB bei dem Frauen-Rosinen-Rauspick-Projekt proquote (http://www.pro-quote.de/unterzeichnerinnen/laura-himmelreich/) . Was sie in der Bar wollte? Wahrscheinlich die Bestätigung der eigenen Vorurteile über Männer - Brüderle mag die geliefert haben. Eine Powerwoman, die gerne in Vorstände möchte, würde so etwas locker wegstecken - so wie unzählige Männer, Zurückweisungen von Frauen im Leben wegstecken müssen.

  • Antworten
GAST28.01.2013 | 09:57 Uhr

Schade, nur eine Verkaufsförderungsmaßnahme

„Öffentlichkeit ist jene Sphäre, die für alle zugänglich sein soll und in der Belange von allgemeiner Bedeutung verhandelt werden“ (Jürgen Habermas, Strukturwandel der Öffentlichkeit). Der Markt der Illustrierten, hatte einmal Spitzenwerte bei den Auflagenzahlen, weißt inzwischen sinkende Auflagenzahlen auf. Die großflächigen Bildreportagen beispielsweise sind eben nicht mehr allein die Domäne des Stern. Allgemein werden zunehmend gewissermaßen Entlarvungen, Sensation und Skandal ohne Analyse geliefert. Wem nützt das? Themen ohne die Suche nach Lösungen servieren? Empörungsjournalismus, Tratsch und Klatsch als Gegenöffentlichkeit? Das soll die Auflage steigern? So wird natürlich die Chance ein gesellschaftlich relevantes und wichtiges Thema zu verhandeln, wie z.B. die Modernisierung des Frauenbildes in den Medien, oder moderne und traditionelle Frauen- und Rollenbilder und natürlich symmetrisches oder dominantes Gesprächsverhalten? Die Massenkultur geht auf diese Dinge nicht ein, das Gegenteil ist der Fall. Von allen Seiten werden uns inzwischen sexuelle Bilder vorgespiegelt, in einer von Widersprüchen bestimmten Welt des Scheins.

  • Antworten
bernhard jasper28.01.2013 | 12:17 Uhr

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