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Salon

Risiko Gentechnik„Man darf Äpfel nicht mit Birnen vergleichen“

Von Christoph Then27. Juni 2012
Picture Alliance
Äpfel,Birnen,Gentechnik,Risiko,
Gentechnisch veränderte Pflanzen Ergeben Risiken für Mensch und Natur
Schrift:

Gentechnische Eingriffe in die Nahrungsmittelproduktion bergen Risiken für Mensch und Natur. Das behauptet der Geschäftsleiter von Testbiotech, Cristoph Then. Die industrielle Landwirtschaft nimmt damit immer extremere Formen an

Seite 1 von 3

Christoph Then ist Geschäftsleiter von Testbiotech. In seinem Kommentar antwortet er Gentechnikbefürworter Hans-Jörg Jacobsen, der sich in einem Interview mit Cicero Online zum „Mythos Bio“ äußerte.

Der Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft und Nahrungsmittel­produktion zeigt Folgen: Gentechnisch veränderte Pflanzen wie Raps, Reis, Mais und Pappeln wachsen in manchen Regionen bereits unkontrolliert. Wenn Schäden bei Mensch und Umwelt auftreten, können diese Pflanzen nicht mehr zurückgeholt werden. Zudem lassen sich der Verlust an Biodiversität, ein erhöhter Spritzmittelaufwand und das Auftreten neuer Schädlinge auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zurückführen. In Bezug auf die menschliche Gesundheit sind die bisherigen Befunde widersprüchlich. Inzwischen gehen jedoch viele Experten davon aus, dass der Verzehr gentechnisch veränderter Pflanzen zumindest Auswirkungen auf das Immunsystem hat.

Mit der unabhängigen Folgenabschätzung im Bereich der Biotechnologie und insbesondere mit den Risiken der Gentechnik in der Landwirtschaft befasst sich der Testbiotech. Der 2008 gegründete Verein weisst gerne darauf hin, wenn Interessenkonflikte in deutschen und europäischen Behörden bestehen. Wissenschaftler im Dienste des Staates verheimlichen oft ihre Nähe zur Industrie. Unter anderem ging es auch um den „Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik“ (WGG), eine Organisation, die sich seit Jahren für den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft einsetzt.

Hans-Jörg Jacobsen ist Pflanzengenetik-Professor an der Universität Hannover und im Vorstand des WWG. Er hat sich in einem Interview mit Cicero Online zur Gentechnik geäußert und dabei vergessen, was Wissenschaftler gemeinhin von Lobbyisten unterscheidet: Statt bei den Fakten zu bleiben, verirrt er sich in Gerüchten und Behauptungen und ergeht sich zudem in diffamierenden Mutmaßungen über meine Person, die nicht zutreffend sind. Häufig macht die Gentechniklobby Stimmung gegen Kritiker und unabhängige Wissenschaftler: Wenn die Argumente ausgehen, greift man Personen an und versucht ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben.

Dabei rückt jedoch die zentrale Frage in der Debatte um den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft in den Hintergrund: Wie können und sollen Politik und Gesellschaft mit dieser Technologie umgehen? Um dies angemessen beantworten zu können, ist es von immenser Bedeutung, dass eine von der Industrie unabhängige Forschung und Risikobewertung organisiert werden kann.

Die Firmen, die gentechnisch veränderte Pflanzen auf den Markt bringen wollen, sind natürlich in erster Linie daran interessiert, Geld zu verdienen. Ihre Expertise ist wichtig, eine Gesellschaft kann sich bei der Risikoabschätzung aber nicht auf sie allein verlassen. Testbiotech fordert eine strikte Unabhängigkeit von Behörden und Risikoforschung. Wir unterstützen einzelne Forschungsprojekte, mit denen wir den Bedarf an unabhängiger Forschung im Bereich der Agrogentechnik belegen. Denn in Deutschland ist der kritische, unabhängige Wissenschaftler längst eine bedrohte Art, nicht zuletzt weil Drittmittel – auch aus der Industrie – an den Hochschulen immer wichtiger werden.

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Die übliche Panikmache

Es ist absurd: Jahrzehntelang wird das Erbgut z.B. radioaktiven Strahlen ausgesetzt, um aus den überlebenden Mutationen leistungsstärkere Getreide-, Gemüse- oder Obstsorten zu züchten (nicht zu vergessen alle anderen Pflanzen), aber weil die weitere Züchtung "traditionell" erfolgte, darf das alles ohne eine Prüfung oder Genehmigung angebaut werden. Kein Mensch weiß oder hat untersucht, was eigentlich im Erbgut verändert worden ist. Aber dann bei der Gentechnik diese Panikmache auspacken. Also entweder hat Herr Then keine Ahnung oder er verschweigt das alles und spielt die Bedeutung herunter - und das macht ihn nicht gerade zu einer glaubwürdigen Quelle.

Und schon wieder das übliche "Es ist noch nicht in Langzeitversuchen erforscht"-Lamento. Da bemühen sich die Gentechnik-Gegner in einheitlicher Front, jeglichen Anbau von Gentechnik-Pflanzen (selbst den aus der Uni-Forschung) zu verhindern und beklagen dann, dass das alles noch nicht erforscht sei.

Noch schizophrener lässt sich eine Auseinandersetzung wohl kaum führen. Alles sehr unwissenschaftlich, sehr irrational, ganz auf Angstkampagne getrimmt. Armes Deutschland.

  • Antworten
Ihr Name27.06.2012 | 22:45 Uhr

Panikmache

Sehr geehrte Anonymi,

Testbiotech wird im Internet selten, aber manchmal doch auch von anonymer Seite kritisiert. Der Wortlaut der meist abfälligen und eher emotional vorgetragenen Kritik (wie: „alles nur Panikmache, sehr unwissenschaftlich, die Mutationszüchtung ist doch viel schlimmer als die Gentechnik“) ist dabei meist sehr ähnlich. Meiner Ansicht nach gehört zu einer öffentlichen Auseinandersetzung auch Fairness und Transparenz. Also: Wer sind Sie?

Inhaltlich ist zum Thema Mutationszüchtung in meinem Beitrag ja schon vieles gesagt. Wie bereits dargelegt, werden bei der Mutationszüchtung weder die Artgrenzen überschritten noch wird die natürliche Genregulation außer Kraft gesetzt. Die Mutationszüchtung nutzt die Mechanismen der Evolution, während die Gentechnik versucht, die Evolution auszutricksen.

Ich will die Gefahr von falschen Vergleichen oder gar Gleichsetzungen (wie von Gentechnik und Mutationszüchtung) noch einmal an einem Beispiel verdeutlichen: Die Tabakindustrie hat jahrelang die Risiken des Rauchens mit anderen Gefahren verglichen, zum Beispiel mit denen des Autofahrens. So sollte von den spezifischen Risiken des Rauchens abgelenkt werden. Parallel dazu wurden Wissenschaftler großzügig für ihre Beiträge zu Gutachten und für die Teilnahme an Konferenzen entlohnt. In der Folge wurden Verbraucherinnen und Verbraucher jahrelang nur unzureichend über die Gefahren des Rauchens informiert. Ich ziehe daraus die Schlussfolgerung, dass wir uns auch bei der Diskussion über die Risiken der Gentechnik vor falschen Vergleichen hüten sollten

Wenn Sie der Ansicht sind, dass auch die Mutationszüchtung Gefahren birgt, sollten Sie sich dafür engagieren, diese gesetzlich zu regulieren. Interessant wären die Methoden, die Sie für besonders bedenklich halten und die Sie vielleicht verbieten lassen würden – eventuell wäre das dann auch ein Thema für Testbiotech.

Mit freundlichen Grüßen

Christoph Then

  • Antworten
Christoph Then02.07.2012 | 09:03 Uhr

Vergleich zwischen Äpfenl und Frikadellen

Sehr geehrter Herr Then, sie warnen zu Recht vor falschen Vergleichen und wollen nicht, dass man Äpfel mit Birnen vergleicht. Jetzt vergleichen sie aber, um bei diesem Bild zu bleiben Äpfel mit Frikadellen. Herr Anonymus hatte zwei Methoden verglichen, die zu neuen Pflanzensorten führen und ins pflanzliche Genom eingreifen Bei der Mutationszüchtung entstehen durch Bestrahlung oder den Einsatz von Radiomimetika 20 bis 50 tausend Mutationen, die niemals charakterisiert werden können.
Beim gentechnischen Eingriff wird eine Veränderung an einer Stelle (manchmal auch an mehreren Stellen), vorgenommen, die nachträglich lokalisiert werden. Auf jeden Fall gibt es vor der Marktzulassung einen gesamter RNA und –Proteincheck. Die von ihnen immer an die Wand gemalten unvorhersehbaren Genprodukte gibt es in zugelassenen Sorten nicht! Die Produkte aus der Mutationszüchtung kommen ohne Überprüfung auf den Markt, und werden erst wieder herausgenommen wenn bei Konsumenten Schäden nachgewiesen werden (Es gab Fälle: Kartoffeln, Sellerie). Also, Herr Anonymus hat Äpfel mit Äpfeln verglichen und sie stellen törichte vergleiche an, wenn sie die Ablenkungsmanöver der Tabakindustrie mit den Einwänden des Herrn Anonymus gleichsetzen. Das ist einfach unseriös. Sie wissen das und tun es trotzdem
Mit freundlichen Grüßen
R. Szibor

  • Antworten
Prof. Reinhard szibor06.07.2012 | 09:34 Uhr

Äpel und Birnen

Sehr geehrter Herr Then,
da Sie ja ein hervorragender Züchter mit ausgezeichneten Kenntnissen in Molekular- und Zellbiologie sind, habe ich als kurze Ergänzung zu Ihrem ausführlichen Artikel noch folgende Frage: Können Sie mit absoluter Sicherheit ausschließen, dass es in “Öko-Sorten“ durch natürliche Frameshiftmutationen, Translokationen, Inversionenen u.ä. NICHT zur Bildung von stabilen toxischen Peptiden kommen kann?
Sollten Sie diese Frage mit „ja, ich bin mir absolut sicher“ beantworten, dann wären Sie nicht – ich möchte es nicht härter formulieren – ehrlich.
Sollten Sie diese Frage aber mit „nein, ich kann mir da nie ganz sicher“ dann, wären sie in der gleichen Situation, wie Pflanzenzüchter, die auch Gentechnik verwenden.
Antworten wie „ja, aber...“ oder „nein, aber...“ lasse ich genau so wenig gelten, wie das die Gentechnikverteufler bei gentechnisch gezüchteten Sorten tun.
Mit freundlichen Grüßen
Heinz-Josef Hirsch

  • Antworten
Hirsch, Heinz-Josef28.06.2012 | 11:37 Uhr

Rhetorische Fragen

Sehr geehrter Herr Hirsch,

wenn Sie sich für meine beruflichen Qualifikationen interessieren, empfehle ich Ihnen die Homepage von Testbiotech.

Zu Ihrer rhetorischen Fragestellung muss ich anmerken, dass ich sie für irrelevant halte. Es ist bekannt, dass gentechnisch veränderte Pflanzen insektengiftige Stoffe produzieren. Dies ist keine Nebenwirkung, sondern so beabsichtigt. Wenn ich die spezifischen Risiken dieser sogenannten Bt-Toxine überprüfe, ist es nicht relevant, ob vielleicht unter irgendwelchen Umständen auch andere Pflanzen Bt-Giftstoffe bilden. Bislang wurde ein solcher Vorgang jedenfalls nie beobachtet. Oder?

Mit freundlichen Grüßen

Christoph Then

  • Antworten
Christoph Then02.07.2012 | 09:06 Uhr

Sehr geehrter Herr Then,

Sehr geehrter Herr Then,

ich nehme an Sie haben meinen Punkt nicht verstanden. Es geht hier nicht um das bt-Protein. Ob das schädlich ist oder nicht hat man untersucht. Es geht mir hier um die im Rahmen von gentechnisch gezüchteten Sorten immer wieder hervorgebrachte Behauptung „es kann zu nicht vorhersehbaren Veränderungen im Stoffwechsel kommen“ oder mit Ihren Worten „...dass durch die Methode des Gentransfers ungewollt auch die Aktivität anderer Gene und der Stoffwechsel der Pflanzen verändert werden...... usw“.
Dies Behauptung trifft für jede Züchtung, für jede Auslese zu - auch bei „Ökosorten“. Den Punkt kann man seit den 50er/60er Jahren in jedem Genetikbuch finden: spontan können Deletionen, Inversionen u.a. durch Leserasterverschiebung oder Umkehr des Leserasters (prinzipiell gibt es da 5 Möglichkeiten) zu völlig neuen Peptiden führen und natürlich auch die Regulation auf den Kopf stellen. Die von Ihnen vertretene Auffassung „Normalerweise kontrolliert das komplexe System der natürlichen Genregulation die Genaktivität in den Zellen der Pflanzen“ ist daher ziemlich – entschuldigen Sie - naiv.
Die Auswirkung solcher natürlichen (oder durch Mutagenese) induzierten Veränderungen sind auch in Ökosorten absolut nicht vorhersehbar. Diese Unvorhersehbarkeit nur bei „gentechnischen Methoden“ zu postulieren, widerspricht einfach den Tatsachen.

Mit freundlichen Grüßen
Heinz-Josef Hirsch

  • Antworten
Hirsch, Heinz-Josef02.07.2012 | 20:29 Uhr

Ökologisches Roulette

Tut mir leid, sehr geehrter Herr Hirsch, als Konsumentin vertraue ich nicht den Wissenschaftlern, deren Erkenntnisse bisher auf Annahmen beruhen. Es ist ein Treppenwitz, von gentechnisch "gezüchtet" für den Vorgang der Artüberschreitung zu sprechen.
Bei der Gentechnik handelt sich es um synthetische, von Menschenhand sprich im Labor zusammengesetzte Gensequenzen, die so nie in der Natur vorkommen.
Wir Konsumenten weigern uns, am ökologischen Roulette der Wissenschaftler teilzunehmen, die in unverantwortlicher Art und Weise handeln.
Wir aufgeklärten Bürger/innen wissen auch, dass die Agro-Gentechnik eine Folge des Machbarkeitswahns ist und auf den Machtanspruch einiger Konzerne wie Monsanto, BASF, Bayer & Co. beruht, uns diktieren zu wollen, was wir auf den Teller bekommen.
Dass an der Irrlehre "Ein-Gen-ist-ein-Protein" immer noch festgehalten wird, liegt einfach daran, dass Milliarden in eine Technologie investiert wurde, die völlig überholt ist. Die Epigenetik hat doch längst aufgedeckt, dass es jenseits im Genom eine Ebene gibt, über die noch nicht sehr viel bekannt ist.
Das hat sich bis auf Bürgerinitiativs-Ebene herumgesprochen.
Mit freundlichen Grüßen
Marie-Luise Volk
Sprecherin der Bürgerinitiative "Bürger/innen sagen NEIN zur Agro-Gentechnik" im Landkreis Cochem-Zell

  • Antworten
Marie-Luise Volk03.07.2012 | 17:53 Uhr

Zu: Ökologisches Roulette

Sehr geehrte Frau Volk,
Sie fassen da in sehr knapper Form so ziemlich alle „Argumente“ zusammen, die immer gegen Gentechnik pauschal angeführt werden. Behauptungen sind sehr leicht aufgestellt, sollten aber einer kritischen Überprüfung standhalten. Ausführliche Information finden Sie z.B. bei www.transgen.de oder www.biosicherheit.de. Auch die Kommentare von Frau Dr. Christel Happach-Kasan, Dr. Peter Langelüddeke, Prof. Reinhard Szibor könnten Sie zu Rate ziehen.
Kurz zu Ihrem Beitrag:
Zu „Annahmen von Wissenschaftler“: Zumindest sollten den Annahmen von Wissenschaftler vernünftige Beobachtungen und Experimente zugrunde liegen und keine diffusen Bauchgefühle.
Zu „Artüberschreitung“: In der roten und weißen Gentechnik (mit riesigen Mengen an Mikroben - mit dem Auge nicht sichtbar) ist das gängige Praxis und findet nach anfänglichen heftigen Widerständen bei Gentechnikskeptikern kaum noch Beachtung. Daneben gibt es in der „normalen“ Pflanzenzüchtung die Protoplastenfusion zwischen verschiedenen Arten, wo nicht nur ein paar wenige Gene zugefügt werden, sondern gleich zehntausende durcheinander gemischt werden.
Zu „synthetischen“ Genen: Was meinen Sie ist besser, in der „normalen“ Züchtung z.B. mit radioaktiver Strahlung massiv auf alle Gene einer Pflanze zu ballern und völlig unvorhersehbares „natürliches“ Genflickwerk zu bekommen oder ein paar wenige Gene, deren Struktur man kennt, zuzufügen?
Zu „Konzernen“: Nur noch Konzerne können es sich finanziell leisten, die völlig überzogenen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.
Zu „überholter“ Gentechnik: Auch gentechnische Methoden entwickeln sich weiter. Aber selbst Kultursorten, denen mit gentechnischen Methoden aus Wildsorten der gleichen Art Gene eingesetzt wurden und die auch sonst keinerlei „fremde“ Gene enthalten, werden von Gentechnikskeptikern abgelehnt.
Zu „Epigenetik“: Bei jeder Züchtung (nicht nur bei Gentechnik) kann es zu überraschenden Effekten kommen, mit denen man nicht gerechnet hat. So hat man Epigenetik ja überhaupt erst entdeckt. Bei jeder Züchtung (auch der mit Gentechnik) liest der Züchter die für seine Zwecke geeigneten Pflanzen aus. Eine Sorte deren Eigenschaften von Jahr zu Jahr wegen epigenetischer Vorgänge nicht stabil ist, wird der Züchter erst gar nicht auf den Markt bringen.
Mit freundlichen Grüßen
Heinz-Josef Hirsch

  • Antworten
Hirsch, Heinz-Josef04.07.2012 | 21:50 Uhr

Äpfel und Birnen

Sehr geehrter Herr Then,

das Interview von Prof. Hans-Jörg Jacobsen vom 15. Juni 2012 „Bio? Ein Mythos!“ ist wirklich lesenswert. Leider gehen Sie nur sehr eingeschränkt auf seine Argumente ein. Schon die Überschrift Ihrer Entgegnung führt in die Irre. „Man darf Äpfel nicht mit Birnen vergleichen“, warum eigentlich nicht. Birnen und Äpfel gehören zu den Pyrinae, den Kernobstgewächsen und sind nah miteinander verwandt. Genauso ist es sinnvoll die äußere Anwendung von Bt-Präparaten mit dem Anbau von Bt-Pflanzen zu vergleichen, die den Wirkstoff in sich haben. Die Bekämpfung von Schadinsekten mit Bt-Präparaten ist nämlich nicht immer erfolgreich. Die Raupen des Maiszünslers dringen sehr schnell in die Pflanze ein, aufgesprühte Bt-Präparate helfen dann nicht. Bt-Pflanzen sind dagegen für die Maiszünslerraupen giftig. Die umfangreichen Untersuchungen in Bayern haben gezeigt, dass sich für Mensch und Umwelt durch den Anbau von Bt-Pflanzen keine Risiken ergeben.
Ihre Kernthese besagt, dass gentechnisch veränderte Pflanzen Risiken für Mensch und Natur ergeben. Bei jedem Risiko ist zu fragen, wie hoch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit des erwarteten negativen Ereignisses und welche Konsequenz hat das negative Ereignis. Beides beantworten Sie nicht. Risiken stehen oftmals Chancen gegenüber. Die Chancen erwähnen Sie nicht.
Sie behaupten „in manchen Regionen“ hätten sich gentechnisch veränderte Pflanzen „unkontrolliert“ ausgebreitet. Leider sagen Sie nicht in welchen Regionen, in welchem Umfang und mit welchen Folgen. Das sollte man schon wissen, wenn man eine Züchtungsmethode unter Generalverdacht stellt. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass es gerade nicht gezüchtete Pflanzen, also Wildpflanzen sind, die die Fähigkeit haben, sich ohne Unterstützung durch den Menschen auszubreiten. Zum Beispiel breitet sich in Europa sich die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) unkontrolliert aus. Die Ambrosie ist eine in den USA heimische Wildpflanze. Sie bildet sehr viele Pollen, da sie vom Wind bestäubt wird. Ihre Pollen zählen zu den stärksten Allergie-Auslösern. Die Ambrosie hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit und ist außerdem in manchen Kulturen ein Problemunkraut.
Sie behaupten der Verzehr gentechnisch veränderter Pflanzen habe Auswirkungen auf das Immunsystem. Da inzwischen gentechnisch veränderte Pflanzen auf 160 Mio. Hektar Fläche angebaut werden, seit 10 Jahren in den USA der Anteil von gentechnisch verändertem Soja über 80% liegt, sollten doch wohl konkretere Aussagen über Auswirkungen auf das Immunsystem gemacht werden können, wenn es sie tatsächlich geben sollte. Tiere werden dort nahezu ausschließlich mit gv-Pflanzen gefüttert und auch Tiere haben ein Immunsystem.
Prof. Jacobsen hat auf die zahlreichen Feldzerstörungen hingewiesen, durch die Gentechnikgegner Forschungen verhindert und in der Konsequenz aus Deutschland vertrieben haben. Sie gehen darauf nicht ein.
Ihr Kommentar zum Interview "Bio" Ein Mythos" bringt uns in der Diskussion über die Gentechnik nicht weiter. Wir müssen in Deutschland Wege finden, die Chancen der Züchtungsmethode zu nutzen, z. B. durch den Anbau von Pflanzen, die gegen Schadorganismen resistent sind.
Mit freundlichen Grüßen
Christel Happach-Kasan, MdB

  • Antworten
Dr. Christel Happach-Kasan29.06.2012 | 08:51 Uhr

Äpfel mit Birnen

Sehr geehrte Frau Happach-Kasan,

ich finde spannend, dass Sie sich tatsächlich für einen Vergleich von Äpfeln mit Birnen auszusprechen scheinen, wenn es um die Abschätzung der Risiken der Gentechnik geht. Diese Position würde ich an Ihrer Stelle noch einmal überprüfen.

Sie interessieren sich dafür, in welchen Regionen sich gentechnisch veränderte Pflanzen unkontrolliert ausbreiten. Hier ist in erster Linie gentechnisch veränderter Raps in Nordamerika zu nennen. Er hat sich bereits weit über die Grenzen der Äcker ausgebreitet. Dies ist ein Beispiel von mehreren, bei denen man davon ausgehen muss, dass der Mensch die Kontrolle über die Ausbreitung von gentechnisch veränderten Pflanzen verloren hat.

Bei der Frage nach den möglichen Folgen derartiger Auswilderungen (bei Pflanzen, die auch jenseits der Ackerflächen überleben und sich dort ausbreiten und sich unter Umständen sogar mit Wildpflanzen kreuzen können), müsste man einen Zeitraum von einigen tausend Jahren berücksichtigen – oder eben auch länger. Da es aber keine Möglichkeit gibt, langfristige evolutionäre Entwicklungen im Detail vorherzusehen, ist die Diskussion über die Folgen sehr schwierig. Keine noch so unwahrscheinliche Möglichkeit kann ausgeschlossen werden. Dieses Nichtwissen können wir auch nicht durch Freilandversuche oder Laborexperimente überwinden.

Wenn gentechnisch veränderte Pflanzen zum Beispiel im Rahmen des Klimawandels unerwartete und unerwünschte Reaktionen zeigen (gentechnisch veränderte Pflanzen wurden unter diesen künftigen Umweltbedingungen nie getestet, reagieren aber auf Umweltstress oft anders als konventionell gezüchtete Pflanzen), kann man sie aus der Natur nicht mehr zurückholen. Erscheint Ihnen das verantwortbar? Und zeigt das Beispiel mit der Ambrosia nicht vielmehr, dass wir zumindest die Kontrolle über die von Menschen gemachten Risiken behalten sollten?

Ihre Frage bezüglich der Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf das Immunsystem greift zu kurz. In Tierversuchen lassen sich Reaktionen des Immunsystems auf gentechnisch veränderte Pflanzen messen. Welche Folgen das für die Entstehung von z.B. chronischen Krankheiten des Immunsystems beim Menschen haben kann, wurde aber bisher weder vor der Zulassung untersucht noch gibt es funktionierende Systeme zur Beobachtung der Auswirkungen nach einer Marktzulassung (obwohl sie gesetzlich vorgeschrieben sind). Sollte der Verzehr gentechnisch veränderter Pflanzen also tatsächlich ein Faktor bei der Zunahme von Immunkrankheiten sein (dabei ist nicht nur an Allergien zu denken), ist sehr gut möglich, dass wir diesen Zusammenhang bisher übersehen haben.

Mit freundlichen Grüßen

Christoph Then

  • Antworten
Christoph Then02.07.2012 | 08:54 Uhr

Raps und Erdbeere ade!

Sehr geehrter Herr Then,

als Botanikerin bin ich mit der Ausbreitung von Pflanzen vermutlich vertrauter als Sie als Veterinärmediziner. Daher ein Hinweis:

Der Mensch kann die Kontrolle über die Ausbreitung von Pflanzen nicht verloren haben, weil er sie nie gehabt hat.

Alle Pflanzen verbreiten sich ohne Kontrolle des Menschen. Wer kontrolliert denn den Samenflug des Löwenzahn, die Verbreitung von Eicheln durch den Eichelhäher, die Verbreitung der Schwarzerlensamen durch Wind und Wasser? Die Strategien der Pflanzen zur Verbreitung ihrer Samen sind überaus vielfältig. Ich kann in meinem Garten noch nicht einmal die Verbreitung des Lerchensporns kontrollieren. Ameisen verbreiten ihre Samen und beachten auch nicht die Grundstücksgrenze.

Welches Ziel verfolgen Sie damit, Menschen glauben zu machen, die Verbreitung von Samen würde vom Menschen kontrolliert.

Allein die Aussaat auf dem Acker ist kontrolliert oder die Anpflanzung im Wald oder im Garten, jede andere Verbreitung von Pflanzen geschieht unkontrolliert.

Obwohl landwirtschaftliche Nutzpflanzen auf großen Flächen angebaut werden, verbreiten sich diese nicht in der Natur. In Deutschland konnten sich nach einem Gutachten, das im Auftrag des BfN erstellt wurde, 363 nicht heimische Pflanzen etablieren. Von diesen sind 30 Arten invasiv. Die Hälfte davon sind eingeschleppte Ackerunkräuter. Darunter sind keine landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Schäden für die menschliche Gesundheit verursachen die Herkulesstaude und die Beifuß-Ambrosie.

Landwirtschaftliche Nutzpflanzen kreuzen sich mit heimischen Wildpflanzen, sofern sie nahe genug verwandt sind. Das ist unabhängig davon mit welcher Züchtungsmethode sie gezüchtet wurden. Insofern besteht die Möglichkeit, dass alle Nutzpflanzen mit heimischen Kreuzungspartnern die Evolution heimischer Pflanzen beeinflussen. Für Raps ist nachgewiesen, dass er sich mit Kreuzblütlern kreuzt, es ist zu vermuten, dass Erdbeeren, verschiedene Obstarten aus der Familie der Rosengewächse, Gewürzpflanzen ebenfalls Kreuzungspartner in der Natur haben. Ihr Anbau könnte möglicherweise die Evolution heimischer Pflanzen beeinflussen. Ihren Gedanken zu Ende gedacht, heißt das: Raps und Erdbeere ade. Raps und Erdbeere sind durch Züchtung im Sinne menschlicher Nutzungsinteressen weiterentwickelt worden. Ihr züchterisch veränderter Genpool beeinflusst die Evolution heimischer Pflanzen „keine noch so unwahrscheinliche Möglichkeit kann ausgeschlossen werden.“

Bei Ambrosie und Herkulesstaude kennen wir den Schaden, den die Pflanzen verursachen. Das BfN hat sogar eine Schätzung für den finanziellen Schaden abgegeben. Sie aber bleiben die Antwort schuldig, welchen Schaden gentechnisch veränderter Raps außerhalb der Äcker in Nordamerika verursacht. Hat er sich überhaupt etabliert?

Nach 16 Jahren des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen auf über 160 Mio. Hektar Ackerfläche, Deutschland hat eine Fläche von 35 Mio. Hektar, sollten doch wohl genauere Angaben möglich sein über die von Ihnen postulierten Veränderungen des Immunsystems. Sind Zellen des Immunsystems betroffen, wenn ja, in welcher Weise, sind Plasmaproteine betroffen? Kann es sein, dass Sie nichts darüber wissen und nur spekulieren oder es einfach nur glauben wollen?

Angesichts des Erfolgs der gentechnisch veränderten Nutzpflanzensorten außerhalb Europas – mit Ausnahme von Spanien – ist es an der Zeit, die Schilderung von völlig unrealistischen Horrorszenarien zu beenden und die realen Chancen zu nutzen. Pilzresistente Pflanzen könnten die Qualität unserer Lebensmittel verbessern und die Natur durch den Verzicht auf Kupfer als Pflanzenschutzmittel schonen. Eine Kartoffel ist im Zulassungsverfahren. Der Apfelversuch wurde von Gentechnikgegnern zerstört. Dies hat die fehlende Kraft der Argumente der Gentechnikgegner eindrucksvoll belegt.

Mit freundlichen Grüßen

Christel Happach-Kasan

  • Antworten
Christel Happach-Kasan02.07.2012 | 16:49 Uhr

Vorsicht vor den Zauberlehrlingen !

Vorsicht vor den Zauberlehrlingen !
Sehr wohl gibt es Gefahren, die aus Fütterung mit genmanipulierten Pflanzen hervorgehen ! Irina Ermakowa hat in Rußland Ratten mit genmanipulierter Soja gefüttert; die Kinder dieser Ratten waren augenfällig viel kleiner als die aus der Kontrollgruppe. Prof. Arpád Pusztai hat in Schottland an seinen Labortieren mehr als 30 verschiedene systematische Veränderungen gefunden.
Vielleicht ist dies noch schlimmer : Als Pusztai im Fernsehen dazu gesprochen hatte, dauerte es keine zwei Tage, daß er seine Stelle verlor und sein Labor nicht mehr betreten durfte. Dies ist auf politischen Druck des damaligen britischen Premierministers Blair geschehen, der seinerseits einen entsprechenden Anruf vom us-amerikanischen Präsidenten bekommen hatte. Es gibt also massive Einmischung der Politik in die wissenschaftliche Forschung.
Bei mit genmanipulierten Pflanzen gefütterten Tieren findet man Gentech-Konstrukte im Blut und in der Milch. Beim lebenden Menschen könnte man sie vermutlich ebenfalls finden, wenn man danach nur suchte. Manchmal höre ich, das Zeug können so schlimm nicht sein, denn in den USA (wo genmanipulierte Pflanzen nicht nur als Futtermittel für Tiere, sondern auch als Menschennahrung zugelassen sind, und das ohne Kennzeichnung) sei schließlich noch kein Mensch daran gestorben. Aber : Nicht einmal das wissen wir. Denn wie sollte der Leichenbeschauer eine solche Todesursache auch feststellen ? Und es gibt dazu keine Studie. Also : Vorsicht vor den Zauberlehrlingen !
Wir sollten das staatliche Geld für Forschung in der Pflanzenzüchtung (zur Zeit fließt etwa 20mal soviel in die Forschung für Agro-Gentechnik wie in die konventionelle Züchtungs­forschung) gezielt auf konventionelle Methoden lenken. Dann muß auch kein einziger Wissenschafter mehr abwandern.
Dr. Wolfgang Beer

  • Antworten
Dr. Wolfgang Beer01.07.2012 | 13:20 Uhr

Fragwürdige Studien

Irina Ermakovas Studie scheint ja wohl wissenschaftlich nicht gerade fundiert zu sein: http://rationalwiki.org/wiki/Irina_Ermakova - aber genau das ist ja das Problem, dass irgendwelche Wissenschaftler sich mit vermeintlichen Sensationsmeldungen endlich mal etwas Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit ergattern können und sei es nur durch vermeintliche Sensationsstudien. Oder wie Andy Warhol sagte: „Es wird die Zeit kommen, da ist jeder für fünf Minuten berühmt.“ Von dieser Sorte "Wissenschaftler" gibt es sogar noch ein paar mehr, man sollte ihnen und ihren Studien nur nicht allzu viel vertrauen ...

  • Antworten
Ihr Name01.07.2012 | 23:44 Uhr

Vorsicht vor Horror-Szenarien

Die Studien von Frau Ermakova wurden hier bereits kommentiert. Über die Arbeit von Professor Pusztai ist seit 1998 so oft und so detailliert berichtet worden, dass es mich immer wieder wundert, dass er immer noch als Märtyrer hochgehalten wird. Sein Fehler: Er hat mit einer Variante gentechnisch veränderter Kartoffeln gearbeitet, die nie für die kommerzielle Nutzung vorgesehen waren. Er hat aber von seinen umstrittenen Ergebnissen ebenso großzügig wie unzulässig auf alle gentechnisch veränderten Pflanzen geschlossen. Dafür gab es nicht den geringsten Anlass. Gerne wird er bemitleidet, weil seine Karriere angeblich von finsteren Mächten zerstört wurde. Dass die Institutsleitung, die ihm das BBC-Interview erlaubt hatte, ihn von seinen Aufgaben entband, ihm sogar das Betreten des Institutes verbot, war sicher überzogen. Er war aber, da 1930 geboren, 1998 bereits 68 Jahre alt. Da wird keine Karriere mehr zerstört.

Herr Behr behauptet, „Gentech-Konstrukte“ seien im Blut und in der Milch von Tieren gefunden worden, die mit Bestandteilen aus transgenen Pflanzen gefüttert wurden. Was er mit „Gentech-Konstrukten“ gemeint hat, ist leider unklar. Fakt ist, dass die Erbsubstanz DNA im Magen nicht restlos abgebaut wird, dass also DNA-Bruchstücke in den Darm gelangen und bisweilen sogar über die Darmwand ins Blut gelangen können. Und sicher können auch DNA-Bruchstücke aus von anderen Organismen übertragener DNA auf diese Weise n den Darm und ins Blut gelangen. Aber noch einmal: Das sind Bruchstücke, und die sind in keiner Weise mehr funktionsfähig.

Herr Behr mißtraut den Aussagen, dass in Nordamerika kein Verbraucher durch „das Zeug“ geschädigt wurde. Immerhin: Das was 1996 mit dem großflächigen Anbau in USA und Kanada auf 1,6 Millionen Hektar begann, erreichte 2011 die stattliche Zahl von fast 80 Millionen Hektar mit den Pflanzenarten Soja, Mais, Raps, Zuckerrübe, Baumwolle, Papaya, Luzerne, und einigen kleineren Kulturen. Seitdem die Ernte 1996 eingebracht und verarbeitet oder verfüttert wurde, haben über 300 Millionen Verbraucher in den USA und über 30 Millionen Verbraucher in Kanada tagtäglich Lebensmittel auf dem Teller, die entweder Bestandteile aus gentechnisch verbesserten Pflanzen enthielten, oder die von Tieren stammten, die mit solchen Pflanzen gefüttert worden waren. Nicht ein einziger Verbraucher ist nachweislich dadurch geschädigt worden. Spötter behaupten gerne, dass es keinem der klagefreudigen US-Bürger gelungen sei, Monsanto und Co auch nur wegen eines verklemmten Furzes zu verklagen. Irgendwann hätte es ja wohl Indizien mit dem Hinweis auf Gefahren geben müssen. Gab es aber nicht. Ab und an kann man Angaben von Wissenschaftlern durchaus vertrauen.

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Dr. Peter Langelüddeke02.07.2012 | 11:23 Uhr

Interessenkonflikte

Sehr geehrter Herr Dr.Then,
Sie beklagen, dass der kritische, unabhängige Wissenschaftler längst eine bedrohte Art sei, „nicht zuletzt weil Drittmittel – auch aus der Industrie – an den Hochschulen immer wichtiger werden“. Damit unterstellen Sie, dass die Wissenschaftler an den Hochschulen ihre Ergebnisse verfälschen um somit industriegenehme Publikationen zu erstellen und so zu Geld kommen. Diese Totschlagargumente kommen allerdings nur bei denjenigen an (und das ist natürlich die Mehrheit), die den Wissenschaftsbetrieb nicht von innen kennen. Richtig ist hingegen, dass es sich Wissenschaftler, die eine Kariere in der Forschung wollen (und das wollen sie fast alle!) es sich nicht leisten können, Ergebnisse zu publizieren, die von anderen nicht reproduziert werden können. Schon wenn das einmal passiert, schadet das der Karriere, wer das wiederholt tut, ist weg vom Fenster! Selbst der von Ihnen geschätzte Prof. Seralini tut das vermutlich nicht, obwohl der fest im Sattel sitzt und nach der Devise „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt´s sich gänzlich ungeniert“ ständig Behauptungen loslässt, die von der Fachwelt mit Kopfschütteln, von der Presse aber mit Beifall quittiert werden. Natürlich mag es sein, dass Bt-Proteine, wie sie in Bt-Pflanzen produziert werden, menschliche embryonale Nierenzellkulturen in ihrer Entwicklung stören. Aber das erreicht man auch mit Inhaltsstoffen von Bohnen, Himbeeren oder von Kräuterquark. Die Frage ist doch, ob solche Versuche irgendeine Relevanz haben, denn schließlich kommen embryonale Zellen, selbst wenn die werdende Mutter von den betreffenden Nahrungsmitteln überdurchschnittlich viel isst, nicht mit den Agentien in Kontakt. Zum Abbau der Eiweiße gibt es ja ein Verdauungssystem und zur Eliminierung anderer Inhaltsstoffe haben wir ja noch eine Leber. Das trifft auch für das von Ihnen geschmähte Glyphosat zu, falls es denn überhaupt in verschwindend kleinen Spuren in Nahrungsmitteln vorhanden sein sollte. Sie schreiben, dass Seralinis Untersuchung von Testbiotech gefördert wurde. Damit erhebt sich natürlich auch hier die Frage, nach der Unabhängigkeit von Prof. Seralini. Wie gesagt, die Ergebnisse mögen stimmen, aber die Schlussfolgerungen sind ja wohl doch reichlich tendenziös und abwegig. Es wird erkennbar, dass diese Versuche ohne Relevanz sind und in demagogischer Absicht durchgeführt worden sind.
Und überhaupt, wie ist es denn mit der Unabhängigkeit von Testbiotech und der Ergebnisoffenheit Ihrer Studien bestellt?
Ich lade Sie ein zu einem Gedankenexperiment. Nehmen wir an, eine bedeutende Zeitung schriebe über Testbiotech einen Beitrag etwa in folgender Art: Testbiotech hat seine kritische Haltung gegenüber der Grünen Gentechnik jetzt deutlich zurückgenommen. Die Zusammenfassung von Ergebnissen EU-unterstützter Forschung „A decade of EU-funded GMO research“ http://ec.europa.eu/research/biosociety/pdf/a_decade_of_eu-funded_gmo_research.pdf, die aussagt, dass mehr als 500 unabhängige Forscherteams in gut 130 Forschungsprojekten zu der Aussage gekommen sind, dass gentechnisch veränderte Pflanzen für die Gesundheit von Mensch und Tier sowie die Umwelt genauso sicher sind, wie herkömmliche Pflanzen, findet Then unangreifbar. Der Testbiotech-Chef hält es für unmöglich, dass diese Ergebnisse, immerhin im Forschungsvolumen von 300 Mio €, nennenswert durch Bestechung beeinflusst sein könnten. Auch eine aktuelle Studie der RWTH Aachen http://darwin.bth.rwth-aachen.de/opus3/volltexte/2012/3958/pdf/3958.pdf wonach Nichtzielinsekten in BT-Maisfeldern sich normal entwickeln hält Then für realistisch, denn für die Doktorandin Eva Schultheis gäbe es keinerlei Anreiz, ihre Ergebnisse zu fälschen. Die Berichte über eine Vermehrung von schädlichen Weichwanzen in chinesischen Bt-Baumwollfeldern deutet Then als eine Erhöhung der Artenvielfalt, bedingt durch Wegfall der Ausbringung von Insektengiften. Er mahnt jedoch an, dass die chinesischen Genossen die gute Landwirtschaftliche Praxis beachten und einen regelmäßigen Fruchtwechsel praktizieren sollten. Dann wären solche Entgleisungen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu vermeiden. Was den möglichen Rapsanbau in Deutschland betrifft, bleibt der Testbiotech-Chef weiterhin skeptisch. Hier besteht zumindest das theoretische Risiko, dass sich die Gentech-Konstrukte in Wildkräuterpopulationen auswildern, sodass Then vor einer Zulassung weiteren Forschungsbedarf sieht. Die Alarmmeldung, dass sich genveränderter Raps an amerikanischen Autobahnrändern findet, sieht Then jedoch gelassen. Gv-Raps habe eben die gleichen physikalischen Eigenschaften wie konventioneller Raps und rieselt folglich ggf. genau wie dieser aus den Ritzen der Container. Da gv-Raps (auch dessen Pollen im Honig) aber gesundheitlich unbedenklich ist, muss das nicht beunruhigen. Großen Forschungsbedarf sieht Then hinsichtlich der RR-Zuckerüben. Während einige NGOs negative Auswirkungen auf die Tierwelt befürchten, sagen einige Wissenschaftler einen positiven Effekt auf die Avifauna voraus. Der Anbau der RR-Zuckerrübe werde die Anzahl der heute üblichen Spritzungen gegen Unkräuter wesentlich reduzieren und man könne so deutlich mehr Wildkräuter im Feld tolerieren als bisher. Das wirke sich positiv auf die Insekten-und somit auch auf die Vogelwelt aus. Auch der Wegfall mechanischer Bodenbearbeitung schone die Nester der Bodenbrüter. Testbiotech gibt zu bedenken, dass man auch die plausibelsten Voraussagen nicht wirklich zuverlässig treffen kann, sondern dass es zur Klärung solcher Fragen, Freilandversuche bedarf. Testbiotech mache sich große Sorgen um den gegenwärtigen Rückgang der Feld-Avifauna (ohne Gentechnik!) und mahnt deshalb die Durchführung eines umfangreichen Versuchsprograms mit der RR-Rübe auf deutschen Feldern an.“
Zugegeben, Herr Then, da war viel Phantasie im Spiel. Aber könnten sie sich vorstellen, dass Sie nach so einer realitätsorientierten Stellungnahme noch genügend Spendengelder einnehmen würden? Oder kann Testbiotech nur existieren, wenn Sie Angst produzieren? Letzteres haben sie ja bei Greenpeace ja auch ausgiebig gelernt. Kurzum, Sie sind nicht frei für ergebnisoffene Studien. Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen!

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Prof. Reinhard Szibor03.07.2012 | 17:57 Uhr

Äpfel und Birnen

Zunächst bitte ich um Nachsicht, dass mein voriger Beitrag zweimal eingestellt wure, das war unbeabsichtigt.

Herr Then sagt über Herrn Professor Jacobsen in leicht vorwurfsvollen Ton, er sei „Pflanzengenetik-Professor an der Universität Hannover und im Vorstand des WWG“. Er sagt aber nicht, was hinter der geheimnisvollen Abkürzung WGG steckt: Keine Unterorganisation der Mafia, keine Geheimsekte irgendeiner Kirche, sondern der „Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik“, ein Verein, in dem sich Wissenschaftler zusammengeschlossen haben, die aktiv im Sektor Grüne Gentechnik oder in einer benachbarten Disziplin forschen oder geforscht haben, und die so verwegen sind, auf Grund eigener intensiver Kenntnisse und Erfahrungen sachlich über die Grüne Gentechnik zu informieren. Das macht sie natürlich bei all den vielen selbsternannten Experten aus der Kritiker-Szene, die nie in dem Sektor gearbeitet haben, verdächtig. Da dürfte Herr Jacobsen dem Herrn Then einiges voraus haben.

Herr Then zitiert eine Arbeit des französischen Professors Seralini, der Glyphosat- und Bt-Toxin-haltige Lösungen auf Kulturen von menschlichen embryonalen Zellinien
appliziert hat. Dabei hat er natürlich die Zellen geschädigt. Das sind Methoden, mit denen er schon früher aufgefallen ist. Nur welche Schlüsse daraus für die praktische Anwendung zu ziehen sind, bleibt leider ein Geheimnis des Herrn Seralini und seines Fürsprechers Then. Denn wie sollen solche kritischen Lösungen mit embryonalen Zellen in Kontakt kommen? Und warum konzentriert sich Herr Seralini auf die genannten Substanzen, prüft aber nie andere Pflanzenschutzmittel? Zum Beispiel Insektizide, die zur Bekämpfung von Maiszünsler oder Maiswurzelbohrer eingesetzt werden? Oder Produkte wie die im Ökolandbau immer noch zugelassenen Kupferpräparate? Aber die sind natürlich tabu, und damit würde er sich bei Herrn Thens Testbiotech oder bei Greenpeace keine Freunde machen. Spötter haben schon gefragt, ob man mit solchen Methoden nicht auch Schäden durch Coca-Cola produzieren könnte, oder durch Kaffee oder Bier oder Cognac. Aber Herr Seralini ist einer der Lieblingswissenschaftler der Gentechnik-Kritiker, und er wird das wohl noch einige Zeit bleiben. Unabhängig ist er übrigens auch nicht: Er hat schon im Auftrag von Greenpeace gearbeitet.

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Dr. Peter Langelüddeke04.07.2012 | 06:54 Uhr

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